King Gizzard & The Lizard Wizard - Gumboot soup

Flightless
VÖ: 31.12.2017
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Was vom Jahre übrig blieb

Versprochen ist versprochen. King Gizzard & The Lizard Wizard kündigten an, bis Ende 2017 ganze fünf Alben zu veröffentlichen. Nachdem "Polygondwanaland" bereits Numero vier war, fehlte nur noch ein läppischer Longplayer zur Vollendung. Aber ein gutes Pferd springt eben nur so hoch, wie es muss – und so ließen die Australier alle Fans bis zum Jahresende zappeln, bevor "Gumboot soup" am 30. Dezember zum Streamen und einen Tag später zum Kauf freigegeben wurde. Dabei ist das Septett durchaus ehrlich in Bezug auf die Natur der Platte. Der Nachzügler sei quasi das Auffangbecken für alle Tracks, die nicht zu den konzeptlastigen Vorgängern gepasst hätten. Man könnte sich nun Sorgen machen, dass sich die Truppe ein grandioses Jahr kurz vor Schluss noch mit minderwertiger Ausschussware versäuert. Und in der Tat kann "Gumboot soup" mit seinen vier Jahrgangskollegen nicht ganz Schritt halten. Unterschätzen darf man es deshalb aber noch lange nicht.

Denn die elf hier versammelten Tracks machen meist genauso viel Laune, wie man es von den produktiven Psychedelikern gewohnt ist. Knusprige Grooves hier, verschwurbelte Flöten da und überall diese gleichermaßen lässige wie einnehmende Atmosphäre. Die erstaunlich geradlinige Casino-Einladung "Beginner's luck" ist die passende Einleitung in einen Streifzug durch die tendenziell poppigere Seite der Band. "Beginner's luck is on your side / You got dollar signs inside your eyes." Danach mag es zwar zu flotten, verspielten Rhythmen "I prefer the muddy water" heißen, aber richtig dreckig wird es selten auf "Gumboot soup". Ein bissiger wie schmissiger Fuzz-Rocker wie das mitreißende "Greenhouse heat death" bleibt die Ausnahme. Die subtiler gehaltenen "Superposition" oder "I'm sleepin' in" sind zwar stimmig, wirken aber wie verbindende Zwischenstücke. Das Problem an diesen Stellen: Ein Konzept ist nicht vorhanden, die Songs müssen daher für sich allein stehen.

Isoliert betrachtet ist "The great chain of being" beispielsweise ein wuchtiger, sinistrer Marsch mit voluminösen Riffs und beinahe growlenden Vocals, der völlig zurecht seinen Platz auf dem Album verdient hat. Ebenso kickt das punkige "All is known" mit Schmackes ein paar Gesäße und über das herrlich hyperaktive Schlagzeug im Closer "The wheel" müssen wir gar nicht reden. Wenn dazwischen mit "Down the sink" und "The last oasis" allerdings zwei vollkommen in sich ruhende, ein wenig die Zeit verdüdelnde Entspannungsphasen stehen und keinerlei passende Transition die Songs miteinander verbindet, entsteht auch kein Hörfluss. Dann wirkt "Gumboot soup" eben genau wie das, was es ist: eine Resteverwertung. Natürlich mit hochklassigem Material, keine Frage – nur ist man von King Gizzard & The Lizard Wizard zusätzlich den ebenso spinnerten wie reizvollen Spannungsbogen einfach gewohnt. Es ändert jedoch nichts daran, dass 2017 das Überfliegerjahr der Band bleibt. Wenn selbst noch eine Platte wie "Gumboot soup" das Schlusslicht unter fünf Veröffentlichung innerhalb von gut zehn Monaten ist, lässt sich daraus nicht der kleinste Vorwurf stricken.

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Greenhouse heat death
  • Muddy water
  • The great chain of being
  • All is known

Tracklist

  1. Beginner's luck
  2. Greenhouse heat death
  3. Barefoot desert
  4. Muddy water
  5. Superposition
  6. Down the sink
  7. The great chain of being
  8. The last oasis
  9. All is known
  10. I'm sleepin' in
  11. The wheel
Gesamtspielzeit: 44:13 min

Im Forum kommentieren

Armin

2018-01-11 21:28:26- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Underground

2018-01-03 15:49:28

Scheinbar alles was von den 4 Vorgängern übrig blieb...

Plattenbeau

2018-01-03 15:40:58

Klingt wie eine Compilation, ziemlich bunte Mischung aus dem bekannten Repertoire der Band.

algiou

2018-01-03 15:10:41


5 album in einem jahr? das gitarrengefrickel und die psychedeleischen einflüsse sind überall druff - klingt alles sehr ähnlich - mir hätten 2 alben auch gereicht

dogs on tape

2018-01-03 14:52:18

Vielleicht sogar ihr bestes Album seit Wochen.

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