
Sharon Jones & The Dap-Kings - Soul of a woman
Daptone / Groove AttackVÖ: 17.11.2017
Mit letzter Kraft
Am 18. November 2016 verstummte Sharon Lafaye Jones für immer. Gut drei Jahre lang hatte sie gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs gekämpft, weiter mit The Dap-Kings Platten aufgenommen und Konzerte gegeben, bis sie im Alter von 60 Jahren schließlich ihrer Krankheit erlag. "Soul of a woman", ihr nun definitiv finales Studioalbum mit der Begleitband, kann daher kaum unbeschwert und losgelöst davon betrachtet werden. Aufgenommen wurde es in kurzen Etappen, immer dann, wenn Jones sich zwischen ihren Therapiesitzungen fit genug fühlte, um ihre Vocals einzusingen. Wenn man die Umstände dem Album anmerkt, dann höchstens in seiner starken Orientierung an stilistischen Wurzeln und daran, dass instrumentale Passagen trotz der kompakten Spielzeit gefühlt viel Raum einnehmen. "Soul of a woman" klingt fast wie aus der Zeit gefallen, wie ein Echo vergangener Jahrzehnte. Vielleicht ist es deshalb ein gelungener Schlussstrich.
Trotz der Widrigkeiten strotzen die Songs vor Tatendrang, auch wenn sie eine starke Vintage-Färbung mit sich tragen – noch mehr als die Vorgänger. Nicht umsonst ist das Cover mit seiner Oldschool-Optik inklusive Tracklist auf dem Cover schon quasi als Hommage an seine Mitschöpferin zu verstehen. Resignation ist nie eine Option, schon die beiden Opener "Matter of time" und "Sail on" grooven sich energisch per mit Call-and-Response eingeworfenen "Oh yeah"s und "Come on"s in die Rille. "Rumors" feiert dank lustigem Swing beinahe schon eine kleine Party im Studio, während "Girl (You got to forgive him)" daran erinnert, dass an Jones nach wie vor eine potenzielle Sängerin für ein James-Bond-Theme verloren gegangen ist. Selbst eine Ballade wie "Just give me your time" schreckt immer wieder durch energisches Durchpusten der Blasintrumente auf, die tänzelnde Trompete in "Come and be a winner" sorgt für Verzückung. Wieder sind es die Details, die den Unterschied machen.
"Soul of a woman" wird zugegeben zuvorderst durch seinen Kontext groß, bleibt nüchtern betrachtet aufgrund ein paar eingestreuter Standard-Tracks nur ein gutes Retro-Soul-Album, das erfolgreich Sentimentalität heraufbeschwört. Der durchgängige Optimismus, den neben den Arrangements auch die Texte versprühen, ist jedoch ansteckend. "Some peace of mind is gonna come my way", singt Jones im verspielten "Searching for a new day", und man spürt in jeder Silbe die Zuversicht und den Lebenswillen, den sie in ihre Stimme legt. Der ganz klassische, versöhnliche Gospel-Track "Call on God" ist sicher nicht per Zufall ganz am Ende der Platte gelandet. Das Fazit fällt jedoch schon vorher: "They don't know that you can't lose / Come and be a winner." Jones hat den Kampf gegen die Krankheit verloren, sie bleibt jedoch eine Gewinnerin durch und durch.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Matter of time
- Just give me your time
- Come and be a winner
- Girl (You got to forgive him)
Tracklist
- Matter of time
- Sail on
- Just give me your time
- Come and be a winner
- Rumors
- Pass me by
- Searching for a new day
- These tears (No longer for you)
- When I saw your face
- Girl (You got to forgive him)
- Call on God
Im Forum kommentieren
mgx
2018-01-10 21:44:55
Das mit dem falschen Link kriegt ihr nicht hin, wa?
Armin
2018-01-10 19:04:15- Newsbeitrag
Am 17. November veröffentlichte Daptone Records „Soul of a Woman“ auf allen Plattformen. Das letzte Studioalbum von Sharon Jones & The Dap-Kings wurde zum Jahresende von Magazinen wie Rolling Stone („50 Best Albums of 2017“), NPR („Call On God“: Best Songs of 2017) und Paste („The Best Albums Of The Year 2017) gelobt.
Das fertige Album, von Sharon vor ihrem Tod im letzten November, vor fast genau einem Jahr aufgenommen, fängt eine Band und eine Sängerin auf der Höhe ihrer Fähigkeiten ein.
Zur Feier des Albums wird jetzt das Video „Searching For A New Day“ veröffentlicht. Gedreht wurde der Clip in einer Bar, in der im Hintergrund Auftritte von Sharon zu sehen sind, während im Vordergrund sich Zuschauer versammeln. Eine Geschichte entwickelt sich, die zeigt, wie Sharons Vermächtnis eine neue Musiker-Generation inspiriert. Regie führte Mel Rodriguez III.
mxg
2017-11-09 20:47:29
Immer noch!
gxm
2017-11-09 09:37:21
Link ist falsch
Armin
2017-11-08 21:38:17- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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