Mount Kimbie - Love what survives

Warp / Rough Trade
VÖ: 08.09.2017
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
9/10

In London sind die Nächte lang

Synthie gut oder was? Schlechte Wortspiele in Ermangelung eines kreativeren Einstiegs hin, vollkommen wahre und gar nicht subjektiv eingefärbte Aussagen her: Vier Jahre nach ihrem letzten Album, dem 2013 veröffentlichten "Cold spring fault less youth", sind Mount Kimbie wieder zurück, und bevor wir "Und wie!" schreien, ziehen wir lieber unsere Turnschuhe an und wagen uns mit dem Duo in die dunkelsten Hinterhof-Clubs ihrer Londoner Heimat. Denn "Love what survives" tanzt nicht unter der Discokugel, sondern wippt begeistert mit dem Kopf in mies beleuchteten Ecken, hier ein Aufblitzen fremder Augen direkt vor der Nase, da ein unangenehmer und doch irgendwie betörender Atem im Nacken.

Mount Kimbie rücken dem Clubgänger auf die Pelle, der Clubgänger feiert sie dafür, alle sind glücklich. Oder? Bepackt mit Vintage-Synthies und einer beeindruckenden Gästeliste – Archy Marshall alias King Krule, James Blake, Micachu und die hierzulande noch recht unbekannte Andrea Balency geben sich die Ehre – wandeln Dominic Maker und Kai Campos zwischen Himmel und Hölle, wie immer auf der Suche nach dem richtigen Ton, einem durch Mark und Bein gehenden Beat. Und liefern dabei größtenteils wortlose Predigten, die das Blut in den Adern gefrieren lassen. Stakkatoartig feuert "Delta" mit allem los, was es in die Finger bekommt, marschiert nach vorne, durchbricht die Schallmauer und schaut sich zähnefletschend und ob des selbstveranstalteten Chaos breit grinsend um. Derweil schmusen Maker und Campos gemeinsam mit Micachus Mica Levi und "Marilyn" unter der heimischen Decke, entspannt das zurückhaltende "Poison" nur von der kleinen Mikrowellen-Uhr beleuchtet bei einem heißen Pfefferminztee in der Küche, joggt "Audition" mit klarem Blick an der Themse entlang Richtung Morgengrauen.

Doch diese Nacht ist noch lange nicht vorbei, auch wenn es am Horizont schon heller zu werden scheint. Möglicherweise ist es nur der Stern Archy Marshalls, der einmal mehr erstrahlt: Allein dessen Beitrag, insbesondere natürlich diese einzigartige Stimme, schafft es, dass die energetische Single "Blue train lines" locker mit zum Besten gehören dürfte, das Mount Kimbie in ihrer bisherigen Karriere auf die Beine gestellt haben. Von einem ehemaligen Wunderkind zum nächsten geht es mit dem undurchsichtigen "We go home together", in dem James Blake zwischen fast schon spöttisch klingender Aufreiß-Attitüde in den Strophen und seiner typisch zerbrechlichen Falsett-Stimme im Refrain wechselt. Und weil wir davon auch sechs Jahre nach "James Blake" nicht genug kriegen können, gibt es ein schnelles Wiedersehen – das gleichzeitig den Abschied einläutet. "How we get by", untermalt von Piano und allerfeinsten Drums, beendet sie dann doch noch, diese niemals enden wollende Nacht. Immerhin – wenn wir die Augen einfach geschlossen halten, bleibt es wenigstens dunkel.

(Jennifer Depner)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Blue train lines (feat. King Krule)
  • Audition
  • Marilyn (feat. Micachu)
  • How we got by (feat. James Blake)

Tracklist

  1. Four years and one day
  2. Blue train lines (feat. King Krule)
  3. Audition
  4. Marilyn (feat. Micachu)
  5. SP12 beat
  6. You look certain (I'm not so sure) (feat. Andrea Balency)
  7. Poison
  8. We go home together (feat. James Blake)
  9. Delta
  10. T.A.M.E.D.
  11. How we got by (feat. James Blake)
Gesamtspielzeit: 39:23 min

Im Forum kommentieren

Gomes21

2021-01-26 19:48:56

Tolle Platte, tolle Band. Ich lege heute mal wieder crooks auf

saihttam

2021-01-26 17:23:00

Die zweite Platte ist auf jeden Fall auch nicht zu verachten, auch wenn ich sie vermutlich schon auf den dritten Platz des Mount-Kimbie-Albumrankings verorten würde.

n00k

2021-01-26 16:05:43

Meine natürlich der Dritten - aber die Zweite war auch gut :-D

n00k

2021-01-26 16:05:13

Kann mit der Zweiten (ja weitestgehend weniger gut besprochenen) deutlich mehr anfangen als mit der ersten Platte. Liegt für mich persönlich aber eventuell am organischeren und songlastigeren Sound.

MopedTobias (Marvin)

2021-01-26 15:03:19

Höre ich auch immer noch gern, auch wenn ich "Crooks & lovers" stärker finde. Sind aber schwer zu vergleichen, dieses Album hier hat einen sehr viel organischeren Bandsound mit den erwähnten Post-Punk-Elementen u.a. "Delta" ist nach wie vor mein Favorit.

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