8kids - Denen die wir waren

Napalm / Universal
VÖ: 26.05.2017
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Keine Liebe fürs Leben

Gegensätze ziehen sich an, ohne Innen kein Außen, wo Gegensätze sich berühren, beginnt die Vorstellungskraft – es existieren zumindest einige abgedroschene Sprichwörter, die sich mit auseinander liegenden Polen und deren Anziehungskraft beschäftigen. Normalerweise werden damit Gefühlsbefindlichkeiten umschrieben, die trotz der unterschiedlichen Ansichten der beteiligten Personen entstehen. Einer dieser Aphorismen dürfte in riesigen Lettern an einer Wand des Proberaums von 8kids pranken, denn die drei Darmstädter kombinieren auf ihrem Debütalbum "Denen die wir waren" Post-Hardcore mit eingängigen Pop-Melodien. Major-Spoiler: Leider entsteht daraus keine Liebe fürs Leben.

Dieses markante, disparate und auch recht auch innovative Schema deutete sich bereits auf der letztjährigen EP "Dämonen" an – nur mit dem großen Unterschied, dass die Produktion hier noch nicht so bombastisch ausfiel und zusätzlich das Herbert-Grönemeyer-Cover "Der Weg" aufgrund seiner Präsenz eindeutig im Fokus stand. Rund ein Jahr später setzen 8kids den Weg konsequent fort, was bereits der Opener "Bordsteinrand" mehr als deutlich macht: emotionales Gebrüll in der Strophe, poppiger Refrain. Dieses repetitive Muster kommt überwiegend zum Einsatz, was sich relativ schnell abnutzt. Die Albumlänge von rund 53 Minuten tut dabei ihr übriges.

Die seltenen Momenten, in denen 8kids diese Konstruktion aufbrechen, überzeugen am meisten. Wenn sich beispielsweise "Ich kann die Welt spüren" langsam aufbaut und nicht direkt mit der Tür ins Haus fällt. Wenn sich "Kamintrophäe" Postrockanleihen bedient. Und wenn in der Mitte des Albums der mit Abstand massentauglichste Track "Zeit", der als Ballade vergleichsweise wenig Gebrüll aufweist, mit "Zerbrechen" auf den wiederum weitaus härtesten Song trifft.

Sänger Jonas Jakob scheint der verlorene Bruder von Casper zu sein, hat jedoch während des getrennten Erwachsenwerdens noch ein paar Rasierklingen mehr verschluckt. Die härteren Momenten lassen zwangsweise an bekannte hiesige Vertreter wie Marathonmann, Fjørt und Heisskalt erinnern. Die eingängigen Momente wiederum triefen aufgrund der deutschen Texte, die stets und ständig an der Kitschgrenze kratzen, zwar vor Pathos, haben aber glücklicherweise dennoch nichts mit "Menschen Leben Tanzen Welt" zu tun. Mehr Abwechslung würde 8kids in eine qualitative Riege mit den genannten Bands hieven – vielleicht wird es ja eine Liebe auf den zweiten Blick.

(Christian Laude)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Zeit
  • Kamintrophäe

Tracklist

  1. Intro
  2. Bordsteinrand
  3. Über den Berg
  4. Ich kann die Welt spüren
  5. In den Sternen
  6. Zeit
  7. Zerbrechen
  8. Blitzschlag
  9. Geist
  10. Kamintrophäe
  11. Kann mich jemand hören
  12. Vis-à-vis
  13. Winter in Dir
Gesamtspielzeit: 52:41 min

Im Forum kommentieren

eric

2017-06-08 11:53:38

Casper bitte in die Referenzen. Nicht nur "Zeit" schreit danach.

Armin

2017-06-07 23:36:41

Das Album habe ich nicht gehört, aber live als Rantanplan-Vorband waren die so gar nicht meins.

Hannes Sennah

2017-06-07 22:42:44

Finde ich besser als bewertet, ist unbeschwert fett.
Bei den Referenzen würde ich aber Freiburg ergänzen.

Armin

2017-06-07 21:57:33- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

2017-05-29 17:05:19

Kommt noch, ja.

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