Klangstof - Close eyes to exit

Mind Of A Genius / Warner
VÖ: 27.01.2017
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Einsame Stunden

Wie unfassbar schlimm sich das anfühlen muss: Während in Skandinavien geborene Menschen die Einöde bereits mit dem Mutterkuchen aufsaugen, damit aufwachsen und es schlicht nicht anders kennen, erschlägt sie Zugezogene zunächst komplett. Gerade für einen Pubertierenden bedeutet dies, das Leben bereits im jungen Alter neu aufzustellen, bevor es überhaupt richtig begonnen hat. Koen van de Wardt, Mastermind hinter Klangstof, kann davon mehr als ein Lied singen, denn mit 14 zogen seine Eltern aus den Niederlanden nach Norwegen – eine Stunde entfernt von jeglicher Zivilisation, Freunden ganz zu Schweigen. Künstlerklischeetypisch entdeckte er daraufhin beim Ausverkauf eines Plattenladens Radioheads "OK computer", das dann ein komplettes Jahr sein Freund war und ihn schließlich zum Musizieren anregte. Amen!

Diese Abgeschiedenheit ist nur bedingt in Form von Düsternis bei "Close eyes to exit" rauszuhören. Vielmehr beschränken Klangstof ihre Songs stets verträumt und angenehm verpeilt zunächst auf minimale Mittel. Drumcomputer, Gesang und verquere Laute dienen dabei als elementare Basis. Wie in Trance steigern sich diese dann Post-Rock-ähnlich Schicht um Schicht – glücklicherweise nicht der ausgenudelte, verträumte Erlösungsbombast, sondern vielmehr der, der einem Delirium gleicht. Dabei scheinen sich in den einsamen Stunden auch Coldplay und Alt-J auf dem Plattenteller gedreht zu haben, denn Chris Martin ist wie Joe Newman, ohne die hartnäckigen Nasenpolypen, stimmlich oft nicht weit weg.

Während Van de Wardt mit seiner ehemaligen Band Moss eher den bereits bekannten Indie-Pop zelebrierte, sind Klangstof weitaus abwechslungsreicher. Das Eingängige verbindet zwar beide, dafür fliegt "Close eyes to exit" in "Sleaze" mal outta space, schmust sich "Hostage" völlig unkitschig an oder philosophiert "Telephone" gedankenversunken im Wippstuhl. Das Album entstand in verlassenen Fabrikhallen und Zweite-Weltkriegs-Bunkern, was wohl vor allem der mittlerweile vertrauten Isolation Van de Wardts dienen sollte. Diese sorgt dafür, dass daraus ein fabelhaftes, eigenständiges Debütalbum resultierte. Mittlerweile lebt er wieder in Amsterdam, doch hoffentlich dient ihm auch zukünftig die Einsamkeit als kreative Inspirationsquelle.

(Christian Laude)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Amansworld
  • We are your receiver
  • Island

Tracklist

  1. Doolhof
  2. Sleaze
  3. Close eyes to exit
  4. Hostage
  5. Seasons
  6. Ignore me
  7. Telephone
  8. Amansworld
  9. We are your receiver
  10. The butcher
  11. Island
Gesamtspielzeit: 44:02 min

Im Forum kommentieren

BadaBing

2017-02-22 08:21:28

Klare Antwort: Ist live nochmal ne Ecke besser als auf Platte. Eine sympathische, junge Band, die zwar nur eine gute Stunde gespielt hat, dafür in dieser Zeit das Publikum ziemlich begeistert hat.

Für alle, die in Berlin wohnen und mit dem Album was anfangen können, eine klare Empfehlung, sich das mal anzuschauen.

BadaBing

2017-02-21 09:51:29

Heute Abend in Köln.

Bin gespannt. Das Album finde ich jedenfalls ziemlich gelungen, mal schauen, ob das live auch zieht.

elo

2017-01-27 21:42:50

Klingt stimmlich teilweise auch stark nach Kasper Eistrup von Kashmir (grad bei Island z.B)

Darth Floersche

2017-01-23 16:08:16

erinnert mich stimmlich ziemlich an die neon golden.

musie

2017-01-23 16:06:01

Hammeralbum! Am 31.3 live in Zürich

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