Kula Shaker - K 2.0

Strangefolk / ADA / Warner
VÖ: 12.02.2016
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Auf dem Gipfel

Manchmal ist es nicht leicht, mit einem schlagkräftigen Albumtitel auszudrücken, dass eine Band sich seit Jahr und Tag treu geblieben ist, jetzt aber etwas Neueres, Ausgeklügelteres, ja, Aufsehenerregenderes auf den Markt geworfen hat. Die Filmbranche schreibt dann in trauter Gewohnheit: "The next level", "Returns", "2" oder "The force awakens" zwei Schriftgrößen kleiner unter Filmtitel wie "Free Willy". Warum aber, bei allen gefallenen Gipfelstürmern und Netzaktivisten des zweiten Jahrtausends, nennt man 20 Jahre nach dem Erfolgs-Debüt "K" das Jubiläumsalbum "K 2.0"? Anders gefragt: Warum stellt eine Band wie Kula Shaker, die große Stücke auf sich und ihre Musik hält, ihr neustes Werk in den Schatten ihrer Vergangenheit? Oder leistet sich zumindest einen schlechten Wortwitz? Darf man 2016 überhaupt noch sein Album, seinen Film oder seine Katze 2.0 nennen, ohne den Eindruck zu hinterlassen, etwas Vergangenem nachzutrauern oder einfach nur von Vorgestern zu sein?

Viele Fragen, kurze Antwort: Pfeif drauf. Denn wenn überhaupt eine Sache am fünften Langspieler der Band um Frontmann Crispian Mills misslungen ist, dann der geistige Absturz beim Brainstorming, als es um die Namensfindung ging. Alles andere, von den ersten zaghaft-vernebelten Akkorden vom Opener "Infinite sun" bis zum psychedelischen "Mountain lifter", ist mit einer solchen Fortsetzungsliebe eingespielt, dass Filmkritiker einräumen würden: "Vielleicht war Kula Shaker 2 bis 4 eher durchwachsen. 2.0 ist die Renaissance." Man muss nun nicht auf Filmkritiker vertrauen. Doch auch ganz ohne zweifelhafte Querverweise lässt sich festhalten: "K 2.0" ist mindestens ein erster Höhepunkt des noch beinahe jungfräulichen Musikjahres 2016. Von esoterisch berauschten Zeilen wie "We are one / The infinite sun / Fly like an eagle" mag der Hörer halten, was er will. Die Briten berufen sich auf ihre seit Mitte der Neunziger ausgelebte spirituelle Linie und jedes Sitar-Zupfen fügt sich in den Gesamtkontext von "K 2.0" ein, als lägen nicht mindestens drei Kulturkreise zwischen Britpop und indischer Shruti-Folklore. Es ist eingänglicher, weniger verkopft und nicht auf Irrwegen der Sinnsuche verloren gegangen wie der Vorgänger "Pilgrims progress".

Von so einer Odyssee erzählt "Death of democracy" oder besser gesagt: erst von der einen ersten Odysseus-Odyssee und später von den Verirrungen der Menschheit. Wenn man den Tod der Demokratie heraufbeschwören will, soll die Welt einfach noch mehr Geld drucken, lautet Mills' etwas simple Theorie. Wer dann regieren soll? "Love b (with u)" gibt eine ähnlich einfache Antwort. Kula Shaker sind rein textlich ganz die Alten: Geschichtenerzähler und Weltverbesserer. An sich nichts Schlimmes, solange die Musik den Kreis schließt. Spätestens beim folkigen "Oh Mary" und dem Spaghetti-Western-Stück "High noon" ist klar: Der Band gelingt das Paradestück besser als je zuvor, die Einzelteile zu einem Ganzen zu formen, als müssten sie in einem altindischen Geschicklichkeitsspiel der Göttin Kali ihre diversen Arme anstecken. Der Körper hält alles zusammen. "Mountain lifter" führt dahin zurück, wo alles angefangen hat: auf den K2, der höchsten Spitze des Karakorums, der auf dem Cover direkt hinter Kali thront, aber auch nicht mächtig genug ist, dem Titel eine magische Aura zu verleihen. Das erledigt die Musik.

(Bastian Sünkel)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Infinite sun
  • Death of democracy
  • Oh Mary

Tracklist

  1. Infinite sun
  2. Holy flame
  3. Death of democracy
  4. Love b (with u)
  5. Here come my demons
  6. 33 crows
  7. Oh Mary
  8. High noon
  9. Hari bol (The sweetest sweet)
  10. Get right get ready
  11. Mountain lifter
Gesamtspielzeit: 42:55 min

Im Forum kommentieren

Menikmati

2019-12-18 14:19:05

Muss dem Album über die Feiertage nochmals eine Chance geben. Bisher schätzte ich sie als ihre schwächste Platte ein - aber vielleicht lässt sich das mit etwas Abstand anders beurteilen. Im Moment sehe ich das wie folgt:

1. Peasants, Pigs and Astronauts 9/10
2. Pilgrim's Progress 8/10
3. K 8/10
4. Strangefolk 7/10
5. K2 6/10

XTRMNTR

2019-12-18 00:48:52

Infinite Sun, 33 Crows, Oh Mary, Mountain Lifter. Kula Shaker sind einfach toll.

The MACHINA of God

2018-04-02 10:14:35

Ah okay.

Plattenbeau

2018-04-01 16:59:32

Does the album sit along nicely with K or is it completely different?

C.Mills: It’s definitely K, it’s the sequel to K. We are going back to where we started and it can still be fresh, we have come full circle.

Quelle: http://www.xsnoize.com/crispian-mills-kula-shaker-interview/

The MACHINA of God

2018-04-01 11:23:31

Biin da bei Menikmati. "Peasents" hatte einfach die besten Songs. Und ich muss sagen, dass das Indien-Zeugs ein paar tolle Psychedelic-Parts hinterlassen hat.

In die "K 2.0" komm ich nur schwer rein. Wieso heisst die eigentlich so? An "K" erinnert da ja eigentlich nix.

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