The Maccabees - Marks to prove it

Fiction / Caroline / Universal
VÖ: 31.07.2015
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Nah am Gelben

Massenstürze, Berge aus verbogenem Leichtmetall und jede Menge Schrammen an Beinen, Armen und im Gesicht der Protagonisten. Das alles bekommt man einmal im Jahr zur Tour de France bis ins heimische Wohnzimmer geliefert – meistens jedenfalls. Anders als die leidgeprüften Fahrer beim bedeutendsten Radrennen der Welt muss man sich für diesen Adrenalin-Schub also nicht einmal bewegen. Im Gegensatz zu so manchem Künstler, der die Erfahrung machen musste, dass so ein Spurt, ein Ausreißversuch, richtig guttun kann. Nach der eher konventionellen Britrock-Frühphase entledigten sich The Maccabees mit dem entzückenden "Given to the wild" endgültig ihres juvenilen Kokons. "The Maccabees stehen jetzt für selbstbewusste Eleganz", urteilte Kollege Oliver Ding damals, und traf damit den Fixstern des neuen musikalischen Horizonts.

Da besagtes Album im Lichte der neu erlangten Reife strahlte und die Musikjournallie im UK die Herren einig in die Nähe des erweiterten britischen Musik-Throns hob, standen die Vorzeichen für ein feines Fortgedeihen dieser Entwicklung äußerst gut. Ob die Band selbst ein wenig an sich gezweifelt und einen gewissen Erwartungsdruck gespürt hat? Im Falle des vierten Longplayers "Marks to prove it" könnte höchstens der Titel diese Annahme zulassen. Oder die Aussage der Band, der Schreib- und Aufnahmeprozess sei dieses Mal äußerst kompliziert gewesen. Zum Glück hört man das überhaupt nicht. Und so stampfen The Maccabees allen etwaigen Zweifeln von Beginn an davon: So löst schon der eröffende Titeltrack die Handbremse, geht getrieben von flirrenden Wave-Gitarren und poltertem Schlagzeug voran und euphorisiert durch refrainbedingte Steilkurvenlage. Erhabenheit deutet da höchstens der feine Background-Chor schon einmal an, genau jener Begriff ist aber wohl die beste Umschreibung für das folgende "Kamakura", in dem die Band Eindrücke einer Japan-Reise festhält: Erst pluckert nur der kühle Bass vor sich hin, doch nach und nach füllen The Maccabees den Raum mit üppigen Klangelementen und schichten diese gekonnt übereinander.

"Marks to prove it" ist jedoch nicht durch die Bank opulent wie etwa der großartige "River song" mit seinem emotionalen, mit Bläsern und Streichern bestücktem Schlussteil, sondern überzeugt durch musikalische und instrumentale Vielfalt. "Spit it out" bewegt sich zu Beginn nur sanft zu vorsichtiger Pianobegleitung, bevor es unter Pauken, Trompeten und mit komplexer Rhythmik ein geräuschiges Finale einläutet. Arcade Fire grüßen hier mehr als nur durch die Blume. Eher luftig und zurückgeleht schaukelt das The-Smiths-artige "Ribbon road" im nachdenklichen Müßiggang voran. Besinnlicher wird es mit "Silence", das neben der prominenten Rolle des Pianos von zarter, aber treibender Percussion und Orlando Weeks' atmosphärischer Stimme getragen wird. Und während man sich noch fragt, warum man gerade das fulminante Finale von "WWI portraits" so toll findet, bemerkt man, dass es mal wieder an der Zeit wäre, eine Platte der Manic Street Preachers aufzulegen.

Nachdem der nachdenkliche Piano-Pop von "Slow sun" sich noch einmal majestätisch ausbreiten durfte, schaut mit "Something like happiness" ein umso euphorisch-eingängiger Popsong vorbei. Message: Sich im großen Ganzen auch mal auf die kleinen Dinge konzentrieren. The Maccabees navigieren gekonnt durch ihr Klang-Areal und schaffen dabei eine leicht düstere Wohlfühlatmosphäre, in die es sich prima eintauchen lässt. Von Zerfahrenheit keine Spur. Und genau so selbstverständlich, wie "Dawn chorus" zum Abschluss auf seinem Akustikgitarren-Teppich dahinschwebt und dabei gar mit einer Jazz-Trompete flirtet, wirkt diese Platte. Oberflächliche Assoziationen wie "zeitgemäß" oder "altbacken" rücken da von vorneherein ins kommentatorische Abseits. Im Gegensatz zu dieser Londoner Band: The Maccabees fahren nun endgültig mit ums Gelbe Trikot.

(Eric Meyer)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Marks to prove it
  • Spit it out
  • River song
  • Something like happiness

Tracklist

  1. Marks to prove it
  2. Kamakura
  3. Ribbon road
  4. Spit it out
  5. Silence
  6. River song
  7. Slow sun
  8. Something like happiness
  9. WWI portraits
  10. Pioneering systems
  11. Dawn chorus
Gesamtspielzeit: 42:11 min

Im Forum kommentieren

jo

2025-10-16 18:41:46

NME eben... Deswegen prüft man ja auch Infos, bevor man sie postet ;) (erst recht, wenn es ohne Quellenangabe ist). Oder man wartet eben, bis ich Bescheid gebe ;).

MickHead

2025-10-16 17:58:22

Dann hat NME das falsch kommuniziert!

The Maccabees shared ‘Koya’, a never-heard song from the era.

jo

2025-10-16 17:45:20

"Koya" ist nicht neu (wie übrigens ziemlich alles bei der Neuauflage). War schon auf der "Complete Collection" drauf.

Ebenfalls wurden in dem Jahr bereits Album Nummer eins und drei wiederveröffentlicht.

MickHead

2025-10-16 17:43:14

Am 28.11. kommt die "10th Anniversary Edition".

Neuer Song "Koya"

https://youtu.be/aQGsjR8oi0k?si=SGpkpUxgPEndNV3I

Tracklist:

CD1 / LP1 / single-vinyl / digital – original album

1. ‘Marks To Prove It’
2. ‘Kamakura’
3. ‘Ribbon Road’
4. ‘Spit It Out’
5. ‘Silence’
6. ‘River Song’
7. ‘Slow Sun’
8. ‘Something Like Happiness’
9. ‘WW1 Portraits’
10. ‘Pioneering Systems’
11. ‘Dawn Chorus’

CD2 / LP2 / digital – b-sides and acoustic versions

1. ‘Nimm’
2. ‘Koya’
3. ‘The Truth’
4. ‘Something Like Happiness’ (acoustic)
5. ‘Kamakura’ (acoustic)
6. ‘Marks To Prove It’ (acoustic)
7. ‘Spit It Out’ (acoustic)
8. ‘Marks To Prove It’ (Steve Lamacq Maida Vale session track, 23rd June 2025)

CD3 / digital – Live at Glastonbury 2015

1. ‘Wall of Arms’
2. ‘Feel to Follow’
3. ‘Young Lions’
4. ‘Love You Better’
5. ‘Kamakura’
6. ‘Something Like Happiness’
7. ‘Latchmere’
8. ‘Precious Time’
9. ‘Can You Give It’
10. ‘Marks to Prove It’ (with Jamie T)
11. ‘Spit It Out’
12. ‘No Kind Words’
13. ‘Pelican’
14. ‘Grew Up at Midnight’

Gomes21

2025-03-03 11:25:28

Oh, wunderbar, ich werde wohl nach Köln fahren!

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