Wavves x Cloud Nothings - No life for me

Ghost Ramp
VÖ: 29.06.2015
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Gemeinsam statt einsam

In der linken Ecke: Nathan Williams, Kopf, Gesicht und Stimme der kalifornischen Band Wavves, die er 2008 zunächst als Soloprojekt gründete und deren Mischung aus Garage-Rock und Surf-Pop als Ventil für seine Frustration ob der dunklen Seiten des Lebens dient. In der rechten Ecke: Dylan Baldi, Kopf, Gesicht und Stimme des Trios Cloud Nothings aus Ohio, das er 2009 zunächst als Soloprojekt gründete und deren Mischung aus Indie-Rock und Noise-Pop als Ventil für seine Frustration ob der dunklen Seiten des Lebens dient. In der Mitte: "No life for me", das erste gemeinsame Werk der beiden lärmenden Querköpfe. Bleibt eigentlich nur eine Frage offen: Warum haben die zwei sich eigentlich nicht schon viel früher zusammengetan?

Tatsache ist, dass Williams' und Baldis Gemeinsamkeiten an dieser Stelle nicht mal enden. Beide haben den Ruf, notorische Einzelgänger zu sein. Sie gelten als typische Weirdos, die in der Schule höchstens hinter ihren Rücken angeglotzt und belächelt wurden. Dass die beiden mit ihren zwischen Wut, Teenage Angst und Freiheitsdrang wankenden Songs quasi der gesamten Generation Y aus der verzweifelten Seele sprechen, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. "No life for me", das die beiden bereits seit einer Weile ankündigten, bevor es Ende Juni 2015 schließlich zunächst digital auf die Welt losgelassen wurde, ist dementsprechend keine leichte Kost, sondern ein um sich schlagendes, keifendes Ungeheuer. Sowohl der Angstschweiß vor der Zukunft als auch die Ausdünstungen der jüngsten durchzechten Nacht verströmen hier ihre Note. Da bleibt nur eins: durchatmen. Tief durchatmen.

Neun Songs in etwas mehr als 20 Minuten – alleine diese Anmerkung reicht schon aus, um zu erklären, was hier passiert. Den Anfang macht das rein instrumentale "Untitled I", eine fast schon handzahme Einleitung, die mit ihren krächzenden Fuzzgitarren eher an Cloud Nothings als an Wavves erinnert. Es scheint nicht allzu unmöglich, dass Williams und Baldi den Beginn ihrer gemeinsamen Gruppentherapie mit voller Absicht so ruhig gestalten: Schon mit dem darauffolgenden "How it's gonna go" bricht das Chaos aus, das neue Traumpaar des Noise wagt den Doppelschlag in die Magengrube statt ins Gesicht, "I'm such a fucking mess" – die erste Zeile des Refrains – brennt sich mehr als alles andere im Gehör ein, bis es schmerzt. Etwas schwerer, aber nicht weniger melodisch, zeigt sich der gitarrenlastige Titeltrack von "No life for me", der die Stärken der beiden bestens vereint.

Insgesamt 20 Tage – zehn im März 2014, zehn im Juni 2015 – haben die beiden für die Aufnahmen gebraucht, das Ergebnis ist wenig überraschend, aber doch gelungen: Der düstere Grunge-Pop der Williams-Komposition "Such a drag" hätte ohne Probleme etwa auch auf das Wavves-Drittlingswerk "King of the beach" gepasst. Im Gegenzug trägt die rumpelnde Melancholie von "Nervous" klar Baldis Handschrift, der zum Schluss dann doch noch für die wahrscheinlich größte Überraschung des Albums sorgt. Das Finalstück "Nothing hurts" mutet beinahe balladesk an und beendet "No life for me" damit so ganz anders, als man anfangs noch für möglich gehalten hätte. "I move ahead each day / And I will not be the same", wiederholen die beiden und zelebrieren damit gemeinsam ihre Einsamkeit. Und dann? Geht jeder zurück in seine Ecke. Der Blick zur Mitte bleibt zum Glück erhalten.

(Jennifer Depner)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • How it's gonna go
  • No life for me
  • Nothing hurts

Tracklist

  1. Untitled I
  2. How it's gonna go
  3. Come down
  4. Hard to find
  5. Untitled II
  6. Nervous
  7. No life for me
  8. Such a drag
  9. Nothing hurts
Gesamtspielzeit: 21:29 min

Im Forum kommentieren

frager

2016-06-08 22:52:14

hab mir die platte eben noch mal gegeben und finde sie nach wie vor enttäuschend, gerade im vergleich mit der großartigen here and nowhere else von 2014.

gibt's eigentlich irgendwelche news für ein neues album von cloud nothings? die liefern ja eigentlich immer pünklich alle zwei jahre.

spyder

2015-12-15 20:11:41

Das ist mal tatsächlich meine Lieblingsplatte dieses Jahres geworden. Großartiger Scheiß!

wilson (ausgeloggt)

2015-11-22 02:13:02

best of both worlds!

Gordon Fraser

2015-11-21 19:31:26

Vereint m.E. das beste beider Bands - davon könnte ich noch deutlich mehr vertragen. Obwohl der Reiz dieser Platte vielleicht gerade in seiner Kürze liegt.

noise

2015-06-30 22:39:58

Ist nicht schlecht geworden. Mir gefällt aber "Cloud Nothing" alleine klar besser. Ist halt bei der Kollaboration zu viel Pop-Appeal mit im Spiel.
Außerdem, arg kurz geworden die Scheibe.

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