Tess Parks & Anton Newcombe - I declare nothing

A / Cargo
VÖ: 03.07.2015
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 10/10
10/10

Das Mädchen und der Miesepeter

Natürlich könnte man Tess Parks und Anton Newcombe vorwerfen, dass der Weg, den sie hier gehen, ein ausgelatschter und nicht gerade holpriger ist. Wenn nun der Mastermind von The Brian Jonestown Massacre schon mal wieder etwas Neues auf den Markt wirft, dann hätte man auch etwas Schwurbeligeres und Wilderes erwarten können. Nun eben anders, aber wie der Titel "I declare nothing" bereits sagt, kümmert Newcombe das nicht. Soweit Kundtun auch eine Inanspruchnahme von Wahrhaftigkeit beinhaltet, dann ist diese hiermit ad acta gelegt.

Lieber inszeniert er Parks als verjüngte Hope Sandoval, bedient sich des Mazzy-Star-Sounds, der letztlich ja auch von The Brian Jonestown Massacre (mit-)beeinflusst wurde und versteckt viele Deutschland-Andeutungen. Offensichtlich noch in Titeln wie "Wehmut" oder "German tangerine", subversiver in der das Album leitenden Miesepetrigkeit. In der Eigentlichkeit aber ist Arthur Schopenhauer motivischer Pate. Wundervoll dumpf fühlt sich das an, wenn die hallenden Akustikgitarren die Songs durchwaten, die Drums weich und sanft streicheln, die Stromgitarren simpel rotierende Soli bieten.

Und Parks dazu haucht, raunt, bei manchen Liedern leicht erkältet kehlig dahersingt, als würde es sie überhaupt nicht interessieren, dass sie gerade noch aufgenommen wird. Feinste 90er-Psychedelic-Dreampop-Manier. Aus dem Guss, in den alles produziert wurde, mit Vocal-Spuren, die genauso laut sind wie die instrumentalen Parts. Dann singt Parks in "Peace defrost" von betrunkenen Herzen, scheint hierbei selbst schon – zumindest irgendeiner Liebe wegen – trunken zu sein und offeriert dort auch taumelnde, völlig unbeteiligte "Yeah-yeah-yeahs". Schmissiger ist "Meliorist", nicht zuletzt wegen der galoppierenden Rhythmik. Dabei ist der Song auch wieder ein Verweis auf dieselbe philosophische Richtung, die menschliche Lebensweisen verbessern möchte. Doch kein purer Pessimismus? Kurz wenigstens. Newcombe singt mit, darf gegen Ende auch The Doors-gleiche E-Orgeln einbeziehen.

Was nichts an den sich sonst so ähnlichen Liedern revidiert. Während "German tangerine" mit der leicht grellen Gitarre beinahe reißerisch auffällt, bleiben die verarbeiteten Anleihen omnipräsent. Ein Meskalin-Traum kennzeichnet sich nicht durch Absonderliches in Form völligen Gaga-Seins aus. Er kommt eher daher wie "Cocaine cat", wie ein in jeder Sekunde angenehmes und liebliches Unterfangen. Da die Nacht lang ist, der Tag leider noch viel länger, muss ein nur 40-minütiges, wankelmütiges Werk wie dieses für die Dauerschleife taugen. Schrullig? Ja, in Reinkultur. Und jedweder häuslichen Medikation weit überlegen.

(Maximilian Ginter)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Wehmut
  • German tangerine
  • Meliorist

Tracklist

  1. Wehmut
  2. Cocaine cat
  3. Peace defrost
  4. German tangerine
  5. Gone
  6. October 2nd
  7. Mama
  8. Voyage de l'âme
  9. Meliorist
  10. Friendlies
Gesamtspielzeit: 39:42 min

Im Forum kommentieren

yxcv

2015-07-17 22:06:16

Gute Platte. Tess Parks hat was.

Armin

2015-07-08 22:21:07

Frisch rezensiert. Meinungen?

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