Elder - Lore

Stickman / Soulfood
VÖ: 27.02.2015
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
9/10

Next level shit

Wann immer Elder aus Boston mit ihrem urgewaltig scheppernden Opener "Gemini" vom 2011er Werk "Dead roots stirring" die europäischen Festival-Bühnen betraten, wähnte sich der Heavy-Psych-Aficionado umstandslos in guten Händen. "I'm coming home", rief Sänger und Gitarrist Nicholas DiSalvo im Verlaufe des Stücks mehrfach vehement von der Bühne. Ein Heimkommen in ausladende, über weite Strecken instrumentale Zehnminüter, deren überschäumende Dichte und innewohnenden Kräfte selbst für die drei Musiker unerklärlich schienen, zu zurückgenommen und bodenständig wirkten die Ansagen unter dem frenetischen Jubel.

"Legend" schichtet sichnun zu Anfang behutsam Richtung Sludge, während durch die langsamen Riffs ein reinigendes Gewitter heraufbeschworen wird, bis sich ein einzelnes Riff zu fantastischer Größe hochschraubt. DiSalvos Vocals müssen sich unentwegt Umwege suchen, um in diesem aufbrausenden Dickicht nicht unterzugehen. Sludge meint hier allerdings in keiner Weise die asoziale Leichenfledderei von Eyehategod, sondern eine fast mondäne Form, da durch die klare Produktion jegliche dumpfen Töne unterbunden werden. Eher lauert bei Elder eine ähnlich gelagerte Intention wie bei Baroness, die darauf abzielen, moderne Facetten in den reinen Metal zu wuchten. "Lore" gemahnt in diesem Streben eher an die edle "Blue record" als an das ruppige, feindeselig aus dem Sumpf lauernde "The red album". Den Hang, auf Gebrüll zu verzichten und zahlreiche Gitarrensoli einzuweben, teilen sie mit den Gipfelstürmern Pallbearer oder eben Baroness.

Der Titeltrack "Lore" verfinstert sich zu einem ausladenden Jam-Part, bei dem jegliche Effekt-Pedale zwischen Wahwah, Semi-Akustik und Fuzz getreten werden. Der kurzen Ambient-Beruhigung in der Mitte stellt sich eine Postrock-Überblende entgegen, die sich andeutungsweise dem schwerfälligen Soundschichtungs-Universum von Isis, ebenfalls Boston, zuwendet. Die anschließende neunminütige Breitwand-Panorama-Landschaft entwickelt sich in überbordender Opulenz, grenzt sich dabei jedoch immer wieder ein, indem sie sich auf den Ausgangspunkt besinnt, auf den wieder und wieder Bezug genommen wird.

Das dritte Album von Elder weist eine drahtige Entschlossenheit auf, die ihr bisheriges Schaffen auf ein neues Level hebt. Aus dem unverrückbaren Untergrund aus Stoner-, Psych-, Heavy-Rock- und Metal-Versatzstücken veredeln sie ihren eigenen Stil mit mühelos eingetreuten Zitaten. Das Ungewöhnlichste findet sich in "Deadweight", welches tatsächlich die klirrenden Anfangsakkorde von Slints "Breadcrumb trail" aufgreift. Den Opener des Überwerks "Spiderland" aus dem Jahr 1991 ins Gedächtnis zur rufen, deutet in ambitionierte Sphären: Slint hoben mit ihrem zweiten Album den Postrock bereits aus den Angeln, bevor er überhaupt zum etablierten Genre wurde. Elder stehen in der engeren Auswahl, Selbiges in ihrem musikalischen Kosmos zu vollbringen.

(Henrik Beeke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Compendium
  • Lore
  • Deadweight

Tracklist

  1. Compendium
  2. Legend
  3. Lore
  4. Deadweight
  5. Spirit at Aphelion
Gesamtspielzeit: 59:08 min

Im Forum kommentieren

Hierkannmanparken

2021-12-15 20:25:56

Hab mich kürzlich erst in die Diskographie reingehört und finde Lore wirklich großartig!

Eine Kreuzung aus Kyuss/The Sword und Baroness ziemlich genau zwischen red und blue.

Weil jeder Song so ein eigener Planet ist, fällt es mir noch schwer, Highlights auszumachen. Mir fällt aber auf, dass die Songs über die gesamte Laufzeit Laune machen. Vielleicht weil sie diese Abwechslung zwischen Stoner und Baroness-Metal so gut hinkriegen.

noise

2016-01-20 21:24:51

Finde die Scheibe ist ein Brett. Gehört für mich zu den Besten was letztes Jahr erschienen ist. Und ja...live sind sie auch gut. Behaupte ich mal, obwohl ich es "geschafft" habe die Combo bei zwei Shows nur einmal den halben Gig und beim zweiten mal nur die Zugabe mitbekommen habe.

Underground

2016-01-20 15:37:51

Auf Platte sagen sie mir ehrlich gesagt weniger zu.

Desare Nezitic

2016-01-20 14:39:35

Hat bei mir erst nach ein paar Monaten richtig gezündet. Ziemlich gutes Album, aber mit ein paar klitzekleinen Längen.

The MACHINA of God

2016-01-20 14:37:31

Ja, leider verpasst. :/

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