A Place To Bury Strangers - Transfixiation

Dead Oceans / Cargo
VÖ: 13.02.2015
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Mit der Abrissbirne

Gar kein Krach mehr? Das befürchteten einige Freunde geräuschiger Rockmusik, als Ende 2014 die Schließung von Death By Audio durch die Medien ging. Zum Glück war alles halb so schlimm, denn die Effektpedal-Schmiede von A Place To Bury Strangers' Gitarrist Oliver Ackermann existiert weiterhin – jedoch gezwungenermaßen in neuen Geschäftsräumen, nachdem der Mietvertrag für Ackermanns auch als Konzert-Location genutztes Brooklyner Loft nicht mehr verlängert wurde. Klar, dass da eine zünftige Abrissbirnen-Party unter Mitwirkung befreundeter Lärmfachkräfte wie Lightning Bolt oder Grooms fällig war, auf dass noch einmal ordentlich die Wände wackeln. Weswegen wir uns an dieser Stelle besser gar nicht erst vorstellen wollen, wie dieser letzte Abend wohl geklungen haben mag. Oder vielleicht doch?

Das vierte Album von A Place To Bury Strangers dürfte nämlich einen repräsentativen Eindruck vom Abschiedsgetöse vermitteln, da sich Ackermann und Kollegen eigenen Angaben zufolge für "Transfixiation" vor allem am Sound ihrer Auftritte orientiert haben. Also an ruinösem Geschredder, PA-Boxen kurz vorm Durchschmoren und massivem Feedback, das zur Not auch Panzerglas zum Klirren bringt. Aber zugegeben: Viel anders klangen die bisherigen Platten des Trios auch nicht. Umso irreführender, dass sich Ackermanns berüchtigte Sägezahn-Gitarre im Opener allenfalls schüchtern erkundigt, statt als fleischfressende Schleifhexe allzu grobe Funken zu schlagen. Wer die New Yorker kennt, weiß aber natürlich: Ein Optimist, wer "Supermaster" für etwas anderes hält als für die relative Ruhe vor dem absoluten Sturm aufs Gehör.

Und richtig: "Straight" übt mit Robi Gonzalez' überfallartigem Schlagzeug und Dion Lunadons dreckig knarzendem Bass weitaus weniger Zurückhaltung und rast wie The Cures "Jumping someone else's train" unter verschärften Bedingungen kreischend auf die Endstation Albtraumfabrik zu. Genauso wenig nach links und rechts gucken das frenetische Rauschen von "Love high" oder der grob verzerrte Punkrocker "I'm so clean". Und drosseln A Place To Bury Strangers einmal das Tempo, dann nur, um einen Song wie "Deeper" mit subsonischen Kriechströmen und ungehobelten Slo-Mo-Knirschereien in die Shoegaze-Steinzeit zu bomben. Abgrundtief wühlende Frequenzen kehren die unterste Soundschicht zuoberst, und Ackermann raunt drohend: "If you fuck with me / You're gonna burn." Schon verstanden: Der Versuch ist strafbar.

Ungeachtet dieses bösartigen Schleichers tritt "Transfixiation" jedoch überwiegend so wild um sich, dass man vereinzelte Harmoniesignale mit der Lupe suchen muss. Und der geübte Hörer findet sogar welche: "What we don't see" schmuggelt im Stile von The Jesus & Mary Chains hier stets präsentem Klassiker "Psychocandy" die Andeutung einer verträumten Surf-Melodie unter die Gitarrensplitter, und mitten im rotierenden Mahlwerk von "We've come so far" beruhigt ein lieblicher weiblicher Gesangspart nach Art von "Onwards to the wall" die Gemüter zumindest vorübergehend. Zum Hirnschalen sprengenden Finale "I will die" stürzt schließlich alles donnernd zusammen – raus mit Gebraus aus einem erneut eindrucksvoll vernichtenden Album, das man sich tunlichst für die nächste Abrissbirnen-Party vormerken sollte. Einladung folgt – auf Schmirgelpapier.

(Thomas Pilgrim)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Highlights & Tracklist

Highlights

  • Straight
  • What we don't see
  • Deeper
  • We've come so far

Tracklist

  1. Supermaster
  2. Straight
  3. Love high
  4. What we don't see
  5. Deeper
  6. Lower zone
  7. We've come so far
  8. Now it's over
  9. I'm so clean
  10. Fill the void
  11. I will die
Gesamtspielzeit: 39:22 min

Im Forum kommentieren

Gordon Fraser

2015-02-13 16:22:47

Bin mal ausnahmsweise ganz bei Pitchie. Schwaches Album, und "Deeper" ist wirklich unhörbar.

noise

2015-01-17 15:22:49

Stimmt. Finde "Straight" auch besser. Aber das "We've Come So Far" schlecht sei kann man auch nicht behaupten. Schöner treibender Rhythmus.

Goose

2015-01-14 18:15:34

http://www.thefader.com/2015/01/13/a-place-to-bury-strangers-weve-come-so-far

Nächster Vorab-Song vom neuen Album. Nicht so gut wie Straight.

The MACHINA of God

2014-11-26 21:27:56

Bölleralarm! Der Abschluss der "Head explode" mäht immer wieder alles nieder.

neet

2014-11-26 18:18:49

Gefällt mir!

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Threads im Forum