Cymbals Eat Guitars - Lose
Tough Love / CargoVÖ: 29.08.2014
Gegen das Schienbein
Was Cymbals Eat Guitars bei der Aufnahme ihres dritten Albums "Lose" eigentlich im Schilde führten, wissen wir nicht genau, tut aber auch eigentlich kaum etwas zur Sache. Am Ende zählt nur, dass sie ihren pfiffigen Indie-Rock auf links gedreht haben und einmal quer durch die jüngste Alternative-Historie schleifen. "Lose" löst damit eine der klassischen Standardsituationen der Musikbranche, denn letztlich wird man das Gefühl nicht los, dass sich Cymbals Eat Guitars mit ihrer dritten Platte freispielen und aus der Sackgasse befreien, in der sie viele Kritiker und Fans nach ihrem 2011er Album "Lenses alien" sahen. Mit Enthusiasmus und Spielfreude wieder ab ins Indie-Rock-Verfolgerfeld.
"Lose" beginnt tatsächlich furios: "Jackson" ist ein hochenergischer Opener, der sich fies anschleicht und im Laufe seiner sechs Minuten Spielzeit eine euphorisierende Wucht entfaltet wie dereinst ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead, die nicht nur bei diesem Song Pate gestanden haben dürften. Ähnlich wie die Texaner kartografieren Cymbals Eat Guitars sämtliche Felder moderner Rockmusik, agieren im Spannungsfeld von College-Rock, Post-Hardcore und klassischem Alternative und Indie. Dass sie letztlich dennoch selbständig und frisch klingen, ist eine Leistung, die man anerkennen sollte.
Im flirrenden Wahnsinn von "Warning" werden die speziellen Qualitäten von Cymbals Eat Guitars dann offensichtlich: Die Jungs aus Staten Island schreiben Songs ohne Knautschzone und Schienbeinschoner, muskulös und drahtig, ohne dass sie zu muckerhaft wirken. Dynamisch, aber ohne den klebrigen Geschmack kommerzieller Gummibärenpampe. Das kurze "Xr" unterstreicht dies weiter und bringt mit der Mundharmonika dabei auch noch ein Instrument ins Spiel, das leider völlig zu Unrecht viel zu selten im Rock-Geschäft eingesetzt wird.
Dass bei den Amerikanern die Regler nicht immer voll aufgedreht sein müssen, wird dann spätestens im ruhigen "Child bride" klar, bei dem sie auf Klavier und Streicher vertrauen und ihren windschiefen Kutter somit wirklich einmal in ruhigere Fahrwasser steuern. Auch Frontmann Joseph D'Agostino schont seine sonst so belasteten Stimmbänder in diesen dreieinhalb Minuten, was ihm sein HNO-Arzt wohl danken wird. "Chambers" geriert sich dagegen als 1A-Postpunk-Hymne, die in einer gerechten Welt sämtliche Studentenbuden beschallen würde. Da wir alle aber auch wissen, dass diese Welt nicht wirklich gerecht ist, vergessen wir's besser. Und widmen uns dieser kleinen Wiederauferstehung einer fast schon abgeschriebenen Band.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Jackson
- Xr
- Chambers
Tracklist
- Jackson
- Warning
- Xr
- Place names
- Child bride
- Laramie
- Chambers
- Lifenet
- 2 hip soul
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The MACHINA of God
2026-01-15 15:25:33
"Chambers" macht mir immer wieder so eine gute Laune (erweckt bei mir ähnliche Gefühle wie zuletzt "Equals" von Car Seat Headrest). Und generell einfach ein klasse Album. Versuch auch grad noch andere Leute zu bekehren. Danke boneless fürs Reaktivieren der Band bei mir. Vorhin lief auch das herrlich verspulte Debut.
Gordon Fraser
2026-01-14 14:01:49
Schließe mich dem allgemeinen Kanon an: das Album hat mir beim Wiederhören jetzt immer noch wahnsinnig gut gefallen. Verspult, aber immer wieder auch schön fokussiert in den Hits, spielgewaltig, melodieselig. Das beste Modest-Mouse-Album seit der "Good News...".
saihttam
2026-01-14 00:49:28
Solltest du! War damals auch ganz weit vorne in meinen Jahrescharts. Hab die Scheibe aber tatsächlich auch etwas vergessen und schon lange nicht mehr gehört. Kommt auf die Agenda für die nächsten Tage. Dank an boneless fürs hervorkramen und für die perfekte Beschreibung der Platte, wo wie auch ich sie in Erinnerung hab!
Live fand ich die Band eigentlich auch sehr sympathisch und gut, nur war damals im Nachtleben in Frankfurt fast nichts los. Hab schon häufiger gelesen, dass Shows auf der gleichen Tour woanders ausverkauft sind und im Rhein-Main-Gebiet ist tote Hose. Irgendwie traurig! Jedenfalls hab ich auch noch ne CD mit allen Unterschriften im Regal stehen. :D
fakeboy
2026-01-13 23:10:27
Ich hab auch grad die KEXP-Session angeschaut - kann nicht mehr so richtig nachvollziehen, was mich damals so irritiert hat. Beim Sänger war's wohl so, dass ich einen verpeilten Typen erwartete und er eher sportlich daherkam. Was an sich auch kein Grund wäre, eine Band abzulehnen... Tja, manchmal stimmen auch einfach die Umstände nicht. Vielleicht werd ich ja sogar dem Album bei Gelegenheit nochmals eine Chance geben.
boneless
2026-01-13 21:54:09
Oha, das muss eine wirklich negative Erfahrung gewesen sein. Ich hab im Zuge des aktuellen Hörens mir letzte Woche die Platte gekauft. :D Die hatte ich zwar schon auf Cd, aber Vinyl ist halt doch noch mal was anderes.
Ich hab gerade mal in die KEXP Session reingeschaut. Wirkt auf mich wie eine ganz normale Band, nichts Verwerfliches zu entdecken, hm.
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