Trance Farmers - Dixie crystals

Leaving / Stones Throw / Groove Attack
VÖ: 19.09.2014
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Verpeilsender

Dayve Samek ist schon ein schräger Schrat. Schrullig schrammelt er auf seiner latent verstimmten Gitarre, während links und rechts die Bandmaschinen schlingern. Der Ort des Geschehens: Eine Garage am Strand. Oder das Weltall. Kommt auf den Blickwinkel an. Sofern man vor lauter Dunst überhaupt etwas erkennen kann. Unter dem Pseudonym Trance Farmers produziert Samek psychedelischen Folk, maßgeblich beeinflusst vom Soul und der Surfmusik der Sechziger und der Lo-Fi-Bewegung der Neunziger. Beheimatet ist er beim Leaving-Label, das sich schon seit längerer Zeit voller Hingabe der Schräglegung amerikanischer Poptraditionen widmet.

Sameks Debüt "Dixie crystals" ist nichts für Audiophile. Es knarzt und krächzt beträchtlich, die Drums erinnern eher an Blechdosen, und der Gesang ist meist bis zur Unkenntlichkeit unter Delay- und Halleffekten begraben. Musik derart mutwillig zu verstümmeln, funktioniert nur mit geeignetem Ausgangsmaterial - ansonsten führen alle Wege in die Sackgasse gescheiterter Experimente. Glücklicherweise sind die Songs auf "Dixie Crystals" robust genug, um dem Geschepper und Geblöke standzuhalten. Mehr noch: Anfängliche Irritation weicht rasch Begeisterung. Hier ist einer am Werk, der genau weiß, was er tut. Auch wenn er dies kunstvoll verschleiert.

"Lone star" ist beispielsweise ein simpler Drei-Akkorde-Song, verträumt und euphorisch zwar, aber eben fast schon schmerzhaft primitiv. Doch genau in jener totalen Reduktion versteckt sich die Schönheit von Sameks Musik. Hier ist es ein leicht übersteuerter Background-Chor samt engelsgleichem Geklingel, in "Fume" genügt ein einzelner wirrer Akkordeon-Ton, um aus einer betüdelten Meditationsübung einen Song für die Dauerschleife zu machen. Nicht minder verspult ist "Whiteout": Zu überdreht dahinhoppelnden Rockabilly-Gitarren nölt Samek so lange kryptische Verse, bis das fröhlich-dämliche Hauptriff alle offenen Fragen mit "Wen interessierts?" beantwortet. Normal ist der nicht, so viel ist sicher.

Auch ein zugedröhnter Elvis-Klon schaut vorbei. In "Betty bop" versucht er, sich gegen ein Sammelsurium aus Stör- und anderen Fischgeräuschen durchzusetzen und scheitert mit Bravour. Samek sitzt der Schalk im Nacken, was schon Songtitel wie "Greasy rider" und "Purple hay" nahelegen. Doch bei aller Selbstironie und Verfremdungslust hat der Kerl vor allem Soul. Wenn er wie in "Purple hay" den schmachtenden Gentleman gibt, ist das nicht nur befremdlich authentisch, sondern große Klasse. Kleine Sünden wie "Dream train" seien ihm daher verziehen. Der Kurs ist egal, solange die Richtung stimmt.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Lone star
  • Betty bop
  • Whiteout
  • Purple hay

Tracklist

  1. Greasy rider
  2. Purple hay
  3. Lone star
  4. Friends
  5. Betty bop
  6. Gas can
  7. Whiteout
  8. Fume
  9. Dream train
  10. When the right time comes
Gesamtspielzeit: 28:54 min

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Christopher

2014-09-10 22:51:12

Nüchtern ist der Typ sicher nicht immer. Sein Album ist mir aber sehr ans Herz gewachsen. Herrlich schrullige Musik.

Armin

2014-09-10 22:50:16

Frisch rezensiert! Meinungen?

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