Ty Segall - Manipulator

Drag City / Rough Trade
VÖ: 29.08.2014
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Boy II man

Ty Segall ist eigentlich kein Mann großer Worte. Der Kalifornier lässt lieber seine Musik für sich sprechen, und das in der Regel ziemlich laut und oft. Längst legendär ist sein Veröffentlichungswahn, und wer mit 24 Jahren schon die erste Singles-Collection verzeichnen kann, braucht sich auch ohnehin von niemandem mehr etwas sagen lassen. Drei Jahre später, Segall hat mittlerweile natürlich längst sein eigenes Label-Imprint namens God? bei Drag City, erscheint mit "Manipulator" das siebte Album, das er unter seinem eigenen Namen veröffentlicht. Das sich einreiht in die lange, lange Schlange von lauten, psychedelischen Garage-Rock-Platten, an denen der 27-Jährige bisher beteiligt war. Und doch ist es diesmal etwas anders.

17 Songs in knapp einer Stunde – so lang war bisher kein Album von ihm, am ehesten kommt da noch das unterschätzte "Slaughterhouse" der Ty Segall Band ran, deren Mitglieder ihn wieder auf der Tour begleiten werden. "Manipulator" unterscheidet sich aber nicht nur in der Ausdauer von seinen Vorgängern, sondern auch in der Performance selbst. Die saubere Produktion, die Experimentierfreude seines Schöpfers, selbst die PR zum Album fällt diesmal etwas größer aus.Nach seinem Auftritt bei Conan O'Brien, bei dem er die Single "Feel" vorstellte, überschlugen sich die Blogs und Musik-Magazine: Aus dem Blondschopf im Surfer-Stil, der über Jahre hinweg als Geheimtipp gehandelt wurde, wurde über Nacht ein waschechter Glamrocker. "Manipulator", so könnte man meinen, ist der Soundtrack zu dieser Wandlung. Eigentlich ist es aber andersrum: Das Make-Up, das Segall für die offiziellen Pressefotos auflegt, soll nur den Effekt des Albums unterstreichen – und der charismatische Titeltrack und gleichzeitige Opener nur der Anfang einer durchaus beachtlichen Reise sein.

Fast genau ein Jahr nach "Sleeper", seinem (no pun intended) verschlafenen Singer-Songwriter-Album, ist Segall zwar wieder in alten, krachigeren Gefilden angekommen, versucht sich aber gleichzeitig an breiteren, teilweise sogar wärmeren Klängen. Der Einsatz von Streichern im opulenten "The singer" mag zunächst ungewöhnlich erscheinen, wie es auch beim Falsettgesang im poppigen "The hand" der Fall ist, während "The faker" stellenweise klingt, als wäre es aus den Aufnahme-Sessions zu "Goodbye bread" übriggeblieben. Eine Zusammenfassung auf sein bisheriges Schaffen scheint auch das gitarrenlastige "Susie Thumb" geben zu wollen, in welchem sich der in seiner Garage austobende Ty mit dem auf der Bühne stehenden Segall mit silbernen Lippenstift zu vereinen scheint.

Wie eine Welle hingegen rollt "Feel" an, das sogar TV-Urgestein O'Brien zu begeistern wusste: Mit einer ungeheuren Geschwindigkeit wirbeln das Schlagzeug von Emily Rose Epstein und Segalls Gitarrenspiel derart viel Staub auf, dass man zum Durchatmen weder viel Zeit noch Luft hat – dafür ist aber auch auf "Green belly" ohnehin noch genug Zeit. In entspannter "Sleeper"-Atmosphäre jangelt die Band hier vor sich hin, bis der brachiale Lo-Fi-Rocker "The crawler" die Pause jäh beendet und sich mit viel Strom zum kleinen Highlight mausert. Gegen Ende wird es noch mal schwermütig mit dem düsteren "The feels", auf dem sowohl das stürmische "Slaughterhouse" und die Stoner-Rock-Melodien vom 2013 erschienenen "Fuzz"-Album ihre Zusammenkunft erfahren. Mit "Stick around" ist Segall schließlich wieder genau dort, wo er am Anfang von "Manipulator" stand, ohne auf ein letztes Aufbäumen der Streicher zum Finale hin zu verzichten – als wolle er die neue Ära endgültig einläuten. Der Gute ist angekommen und es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis es auch der letzte merkt.

(Jennifer Depner)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Manipulator
  • The singer
  • Feel
  • Susie Thumb
  • The crawler

Tracklist

  1. Manipulator
  2. Tall man skinny lady
  3. The singer
  4. It's over
  5. Feel
  6. The faker
  7. The clock
  8. Green belly
  9. The connection man
  10. Mister main
  11. The hand
  12. Susie Thumb
  13. Don't you want to know? (Sue)
  14. The crawler
  15. Who's producing you?
  16. The feels
  17. Stick around
Gesamtspielzeit: 56:23 min

Im Forum kommentieren

alter falter

2015-02-14 12:32:17

listen and repeat

kingsuede

2014-10-14 20:42:04

Ne, ist nicht...bei Drag City nicht ganz unüblich.

körperklaus

2014-10-14 20:33:17

@mondgestein: ich weiss es.

13. Stock Fahrstuhlfahrer

2014-10-14 15:12:17

Kauf bei Amazon - da ist MP3-Download gleich online mit dabei
Super Platte übrigens :-)

Mondgestein

2014-10-10 19:00:17

Weiss jemand ob das Album auf Vinyl einen Download-Code dabei hat?

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