Mike Oldfield - Man on the rocks

Virgin / Universal
VÖ: 07.03.2014
Unsere Bewertung: 3/10
3/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Aufhören!

Irgendwo auf den wunderschönen Inseln der Bahamas sitzt Mike Oldfield, seines Zeichens Multiinstrumentalist im Allgemeinen und Gitarrenvirtuose im Besonderen, und blickt auf das Meer. Die Sonne scheint, das Licht bricht sich auf der glitzernden Oberfläche des Ozeans, es ist warm. Im Glas befindet sich ein tropischer Cocktail, während sich in Oldfield tiefe Zufriedenheit breitmacht. Er hat es geschafft. Er, der vor einigen Jahrzehnten quasi im Alleingang die englische Tontechnik-Industrie über Wasser hielt. Er, der mit Alben wie "Tubular bells" oder "Ommadawn" irische Folklore, neue Musik und Progressive Rock zusammengeführt und dabei Musikgeschichte geschrieben hat. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Es gibt keinen Grund für ein schlechtes Gewissen.

Wenn da nur nicht dieses Jucken wäre. Dieses Jucken in den Fingern, doch wieder die Gitarre in die Hände zu nehmen und neue Lieder zu schreiben. Zeit dafür ist ja im Überfluss vorhanden, Geld sowieso. Und liegt das letzte richtige Gitarrenalbum nicht schon wieder mehr als ein Jahrzehnt zurück? Alles verschwimmt im Nebel. Ja, da war etwas. Eine Zeit vor der New-Age-Phase, eine Zeit vor Kleisterwerken wie "Light + shade" und "Tr3s lunas". Aber so ein richtig opulentes Mehrspurmassaker wie früher muss nicht sein, viel zu anstrengend, viel zu aufwändig. Warum nicht ein Gitarrenalbum mit hübschen Popsongs? Hat das nicht schon einmal funktioniert? Lieder über das Meer, Inseln, das Wetter, den Mond ...

Und so begibt es sich, dass der Engländer zum ersten Mal seit "Heaven's open" wieder Popmusik komponiert. Radiotauglich sollen die Lieder werden, einprägsam und wohlklingend. Da das Singen immer noch nicht wirklich Oldfields Sache ist, holt er sich in Person des Sängers Luke Spiller stimmgewaltige Verstärkung ins Boot. Spillers leicht angerauhtes Organ passt ganz hervorragend zu den zwischen Kuschelpop und Middle-of-the-road-Rockmusik pendelnden Songs. Der Maestro selbst übt sich in Zurückhaltung und entlockt seinem Instrument nur in den pünktlich nach dem dritten Refrain stattfindenden Soloparts jenen unverwechselbaren Sound, der ihn einst berühmt gemacht hatte.

Dass Musik mit Gesang meist zur Folge hat, dass auch Texte geschrieben werden müssen, ist Oldfield bewusst. Dass man sich dabei auch Mühe geben kann, weniger, was Zeilen wie "Walking in a sunny garden / Empty like the moon / And birds that once could fly so high / Now sing a different tune" belegen. Derlei Nichtigkeiten und Binsenweisheiten finden sich zuhauf auf "Man on the rocks", ebenso wie klebrige Arrangements und Refrains, die schon in den Achtzigern keiner mochte. Oldfield mag am Meer leben, ins Wasser geht er jedoch nur noch mit Schwimmflügeln und Rettungsweste. Wem genau er es mit "Man on the rocks" Recht machen will, weiß wohl nur er selbst. Fans seiner instrumentalen Frühwerke werden das Album ebenso schulterzuckend zur Seite legen wie Freunde seiner Easy-Listening-Phase. Was bleibt, ist Musik für Menschen, die Chris de Burgh für einen Rocksänger halten. Mike Oldfield müsste das nicht tun. Wirklich nicht.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Man on the rocks
  • Castaway

Tracklist

  1. Sailing
  2. Moonshine
  3. Man on the rocks
  4. Castaway
  5. Minutes
  6. Dreaming in the wind
  7. Nuclear
  8. Chariots
  9. Following the angels
  10. Irene
  11. I give myself away
Gesamtspielzeit: 57:32 min

Im Forum kommentieren

Bonzo

2020-06-15 22:54:03

Jetzt ist es raus. Ich mag Nuclear, gerade weil es so eine plumpe Version von King Crimsons Epitaph ist.

Mario

2014-07-24 22:34:14

Für Horst:
Mike Oldfield einen Verbrecher der MG zu nennen, müsste normalerweise mit Volksmusik bis zum Tode bestraft werden.Wenn du ihn nicht magst dann behalt solche Kommentare für dich und fröhne deiner Musik,falls du überhaupt welche magst.

Mankovic

2014-03-13 17:04:41

Ich höre Barclay James Harvest.

Horst

2014-03-13 16:49:36

Einer der größten Verbrecher der Musikgeschichte. Wer den mag, hört auch Barclay James Harvest.

fonski

2014-03-13 15:06:11

"viele gutklingende Melodien erschaffen. Er beherrscht sein Instrument und macht so ziemlich fast alles allein. "

...was ihn nicht daran gehindert hat, ein musikalisches Werk aus Kitsch, Kitsch und nochmal Kitsch zu erschaffen. Und nein, Kunst war das nicht.

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