Metronomy - Love letters

Because / Warner
VÖ: 07.03.2014
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Urlaubsreif

Um das mehrseitige Promo-Dossier zur neuen Platte der britischen Electropopper Metronomy aufmerksam zu lesen, ging der gesamte Jahresurlaub an der englischen Riviera drauf. Also natürlich nicht meiner, sondern der unserer schwedischen Austauschpraktikantin, die uns lesefaulen Redakteuren nicht nur die Kopfhaut massiert und die Pilzrahm-Gazpacho anreicht, sondern eben auch die Beipackzettel zu den Platten durchstöbert und an guten Tagen sogar auswendig aufsagt. Respekt an dieser Stelle nochmal, Svala-Soley, Du machst das prima und das mit dem Urlaub, das können wir sicherlich mit der Personalabteilung noch irgendwie klären. Laut Svala-Soley ist "Love letters" also jetzt die vierte Metronomy-Platte, die mehr denn je die musikalischen Einflüsse der Band freilegen und betonen soll. Dabei handelt es sich um Electro, Pop, Soul und wohl auch irgendwie um alles zwischen The Zombies und Sly And The Family Stone. Aha. Ferner handelt die Platte von – Obacht, handfeste Sensation! – "persönlichen Ereignissen" und betont neben den "Ups" auch die "Downs", die man so als mittelgestresster Profi-Musiker und frisch gebackener Vater so durchlebt. Da läuft einem doch das Wasser in der Ohrmuschel zusammen!

Im Ernst: Metronomy hätten es sich sicher einfacher machen können, als sie es nun letztlich mit "Love letters" tun. Die infektiösen Hits, Melodien und Hooklines, mit denen sie bis dato so locker und unbeschwert um sich warfen, wird man auf dem neuen Album lange suchen müssen, da der Fokus nun deutlicher denn je auf einem heterogenen Sounddesign liegt. Die Platte beginnt mit dem fluffigen Beat des Openers "The upsetter" und der dringlichen Stimme von Frontmann Joseph Mount, der mit Wehmut an die letzten Ferientage zurückdenkt: "Yeah girl, we're meant to be together / And back out on the Riviera / It got so cold at night / I've gotta beam a message to you." Wenn man möchte, könnte man also auch behaupten, "Love letters" knüpfe an "The English Riviera" an, da Metronomy hier eher die Zeit nach der großen Sause vertonen, in der dem Protagonisten eben nichts anderes mehr übrig bleibt als Liebesbriefe zu schreiben. An die verflossene Sommerromanze, die sonnigen Ortschaften in direkter Küstennähe und die Möwen, die einem nicht auf den Kopf gekackt haben.

"The upsetter" also legt gleich die Route fest, die Metronomy weiter verfolgen werden: Sehnsuchtsvolle Texte, akustische Gitarren und blubbernde Beatgerüste, die oftmals recht cartoonesk wirken. Die Single "I'm Aquarius" wirkt im Vergleich zu "Heartbreaker" oder "The look" recht verkopft, will nicht unbedingt im Ohr bleiben und ins Bein geht's auch nicht so recht. Gleiches gilt für das orgel-verliebte "Monstrous", zu dem man nur schwerlich tanzen kann, für den gepflegten Liebeskummer ist das aber auch irgendwie zu ulkig. Der Titelsong möchte den Hörer in die 70er-Disco entführen, inklusive Frauenchor und einsamer Trompete im Background. Nur: Möchte man da überhaupt hin? Das quirlige "Boy racers" bleibt dafür dann instrumental und erinnert an lustige Hörspiele der frühen 90er Jahre. Metronomy deichseln auf "Love letters" auf diese Weise einiges zusammen, was nicht unbedingt zusammengehört, geschweige denn zusammenpasst. Im Fokus steht die pure Lust an der Spielerei, ohne einen Gedanken an Kohärenz oder Dringlichkeit zu verlieren.

Und genau das ist leider der Punkt, an dem die Enttäuschung einsetzt. Metronomy bewiesen speziell auf den letzten beiden Platten, welches Händchen sie für wahrhaftige Hits hatten, ohne jedoch den Blick für das gesamte Album zu verlieren. "Love letters" wirkt hingegen stark fragmentiert, wie eine zusammengewürfelte Sammlung an obskuren Ideen, die möglichst eindrucksvoll illustrieren sollen, von welch großem musikalischen Horizont Joseph Mount und seine Leute zehren. Über diesen Umstand vergessen Metronomy leider richtig gute Songs zu schreiben, die auch isoliert funktionieren. Metronomy klingen so urlaubsreif wie noch nie. Und damit sind sie wahrlich nicht die einzigen.

(Kevin Holtmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • The upsetter
  • Boy racers

Tracklist

  1. The upsetter
  2. I'm Aquarius
  3. Monstrous
  4. Love letters
  5. Month of sundays
  6. Boy racers
  7. Call me
  8. The most immaculate haircut
  9. Reservoir
  10. Never wanted
Gesamtspielzeit: 41:27 min

Im Forum kommentieren

Perfect Day

2021-11-25 22:08:03

Oh, tatsächlich… ich fand „Love Letters“ hatte viele starke Momente. Die 5/10 macht mir das Album aber noch sympathischer:-)

Peacetrail

2021-11-25 18:40:36

Hab gerade zum ersten Mal die Bewertung gesehen. 5/10 war damals etwas daneben, würd ich sagen.

MopedTobias (Marvin)

2015-02-26 11:55:25

@Das einsame Moped: Das war natürlich nur stumme Zustimmung. Selbstverständlich weiß jeder vernünftige Mensch, dass The English Riviera - bis auf Trouble ein bisschen - keinen Ausfall hat, weswegen mir auch niemand geantwortet hat.

Kacke

2015-02-25 23:41:34

moovel bringt Metronomy endlich nach München!

München war auf der aktuellen Welt-Tournee von Metronomy noch nicht auf der Landkarte.


Ähhh doch xD

Aber umsonst würde ich sie mir schon nochmal geben, danke für den Tip.

Das einsame Moped

2015-02-25 23:32:00

Tschuldigung, das Zweite war natürlich das Posting davor:

Was hatte The English Riviera denn für Durchhänger? Trouble vielleicht ein bisschen, aber sonst?

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