Suzanne Vega - Tales from the realm of the queen of pentacles

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 31.01.2014
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
9/10

Schwarz vor Ohren

Manche Läden laufen einfach. Zum Beispiel "Tom's diner", das Suzanne Vega vor fast 30 Jahren auf "Solitude standing" besang. Die New Yorker Bar diente seither etwa als Vorlage für ein Café in der US-Sitcom "Seinfeld", und das Stück selbst erfuhr zahlreiche musikalische Weihen: in chartstürmender Remix-Version, in Form eines Mashups, bei dem es mit "Tighten up" von den Black Keys verquirlt wurde, sowie als inoffizielle "Mutter der mp3", da der subtile A-cappella-Gesang den Entwicklern entscheidende Erkenntnisse verschaffte, als es um die Verfeinerung des Kompressionsverfahrens ging. Ungeachtet all dessen lässt Vega in ihren umsichtigen Folkrock-Songs ausgesprochene Dezenz walten – auch auf dem inzwischen achten Studioalbum ihrer vergleichsweise schmalen Diskographie.

Denn egal, wer ihre Musik bis heute durch Dance-Fleischwölfe dreht oder wegweisende Experimente mit ihr macht – das Singer-Songwritertum der Amerikanerin bleibt so bescheiden wie eh und je und leistet sich allenfalls einmal lebenserfahrene Einlassungen über die Unbedarftheit jugendlicher Springinsfelde oder gütige Betrachtungen von Existenzen am Rande der Gesellschaft. Schließlich handelten ihre Lieder schon immer von kauzigen Sonderlingen und bedauernswerten Außenseitern, die nach der rechten auch die linke Wange hinhalten und dabei das Kunststück fertigbringen, sogar in Gesellschaft alleine zu sein. Dass Vegas dritte Platte im neuen Jahrtausend unter diesen Voraussetzungen weder die überraschendsten noch die aufregendsten Songs bereithält, versteht sich beinahe von selbst – und man hatte auch gar nichts anderes erwartet.

Doch etwaige Bedenken ob der Limitiertheit des schlichten Sounds zerstreuen sich, sobald die immer noch hinreißend glockenklare Stimme ins Spiel kommt. Auch wenn sie vom "Crack in the wall" erzählt und dem Hörer bei einem für Vega-Verhältnisse erstaunlich ruppigen Bekenntnis kurzzeitig ungewöhnlich schwarz vor Ohren wird: "I never wear white, white is for virgins / Children in summer, brides in the park." Sondern: "My colour is black / Black is the truth of my situation." Dazu schiebt ein schwerer Shuffle eine grimmige Leadgitarre vor sich her, bis der Song abrupt abbricht – und mit "Portrait of the knight of the wands" eine so zart-ätherische Akustik-Miniatur folgt, als sei die Guteste kurz über sich selbst erschrocken. Doch kein Grund zur Beunruhigung: Auch mit 54 Jahren ist Vega irgendwie immer noch unser Girl mit der Gitarre.

Mit ansatzweisen Unfeinheiten ist nach "I never wear white" dann aber Schluss, denn "Tales from the realm of the queen of pentacles" weiß zumeist durch charmantere Mittel zu bezaubern. Etwa bei "Don't uncork what you can't contain", wo Vega vor der Büchse der Pandora warnt, ihren Gesang tanzen lässt und Stabreime mit orientalischer Fiedelei kollidieren. Und wenn "Silver bridge" mit naiver Entgeisterung eine flüchtige Folk-Preziose intoniert, steckt dieses Album gar wieder mitten in den Achtzigern – wäre nicht gleichzeitig von lieben Menschen die Rede, die bereits aus dem Leben geschieden sind. Rührende Momente. Einiges mattes Gezupfe und Nichtigkeiten wie das ziellos mit Handclaps fummelnde "Jacob and the angel" gilt es da eben einmal zu überhören. Hauptsache, auch Vegas Laden läuft noch. Er muss ja nicht immer brechend voll sein.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • I never wear white
  • Don't uncork what you can't contain
  • Silver bridge

Tracklist

  1. Crack in the wall
  2. Fool's complaint
  3. I never wear white
  4. Portrait of the knight of wands
  5. Don't uncork what you can't contain
  6. Jacob and the angel
  7. Silver bridge
  8. Song of the stoic
  9. Laying on of hands / Stoic 2
  10. Horizon (There is a road)
Gesamtspielzeit: 36:40 min

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Babba H

2014-02-11 17:46:03

Ich hab jetzt eine ganze Woche gerätselt.
"Portrait of the Knight of wands" kenn ich schon. Heut hat es geklingelt.
Der Sound der Textpassage ist von The Cure.
Von der 4.CD des Albums Join the dots.

The Cure - 06 - More Than This (From ''The X - Files_ The Album'')

Seht ihr das auch so? (bzw. hört ihr das auch so)

floesn

2014-02-06 08:31:40

Cover from hell. Boah, ich kann gar nicht wegschauen. Meine Fresse.

Michael

2014-02-04 00:57:07

Muss ich mal reinhören, Suzanne Vega fand ich schon immer ziemlich sympathisch; v.a. "Luka", "Tom's Diner" (Fun-Fact: das weltweit erste mp3-Lied!!!) und "Marlene On The Wall".

Armin

2014-02-03 19:49:35

Frisch rezensiert, aber noch ohne Thread. Das ändert sich hiermit.

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