Traams - Grin
Fat Cat / Al!veVÖ: 04.10.2013
Von spät bis früh
Es ist schon etwas seltsam, wie Musik, Ort und Zeit manchmal zusammenhängen. Nur miteinander ein stimmiges Gesamtbild geben. So wird wohl niemand der Behauptung widersprechen können, es gäbe Klänge, die wie gemacht scheinen für bestimmte Anlässe. Schmissiger Punkrock für das nachmittägliche Bierchen unter Freunden am See, um mal ein Beispiel zu nennen. Oder die vertonte Erotik, mit der Janelle Monáe von sich reden machte. Und jetzt eben "Grin", seines Zeichens Debut von Traams. Dass selbiges über Fat Cat das Licht der Welt erblickt, lässt bereits ein wenig die Richtung erahnen, in die es mit dieser Platte gehen könnte, veröffentlichen dort doch auch andere anerkannte Dunkelheimer wie etwa The Twilight Sad. Eine Ahnung, die sich bestätigt: "Grin" holt seine Hörer zu fortgeschrittener Stunde, zum Ende der Abenddämmerung etwa, ab und nimmt sie mit, in und durch die Nacht.
Eine Nacht, die es in sich haben dürfte, in der man an Orten, die man sonst meiden würde, mit recht obskuren Gestalten in Kontakt kommt. Die man sonst meiden würde, versteht sich. "Grin", das sagt der erste Eindruck, könnte ebensogut als Soundtrack für einen Streifen von David Lynch herhalten. Und doch kann es sehr viel mehr, lässt es sich nicht lediglich als Platte von finsterer Klangcouleur festnageln. Hat man nämlich erst den Weg gefunden, durch die verwischte Produktion, durch das allenthalben aufkommende Fiepen und Poltern, offenbart sich ein enorm faszinierendes, weil vielschichtiges Album. Das mit jedem Durchgang, mit jeder noch so flüchtigen Begegnung etwas mehr von sich zeigt, ohne sich jemals gänzlich zu offenbaren. Was allein der Opener "Swimming pool" beweist: Treibend verschwurbelte Gitarren werden da von latent überdrehtem und irgendwie fertigem Gesang umgarnt, den man so zuletzt in den Anfangstagen von Cold War Kids gehört hat. Und mit konterkarikierend wirkenden, weil geradezu sanftmütigen "uh-uh"s garniert. Kraut-Rock trifft Noise trifft subtile Melodie und tanzt mit beiden verschwitzt durch abgeranzte Clubs. Das klingt verrucht, gefährlich gar. Zugleich jedoch ungemein anziehend. Etwas widersprüchlich, wenn man so will. Und doch logisch. Traams verstehen es, ihren Songs trotz all der sperrigen Flüchtigkeit eine unwiderstehliche Sogwirkung mitzugeben, der man sich fast unweigerlich hingibt, in die man geradezu eintauchen möchte. Ein Facette, die "Grin" neben all den genannten Attributen aus finsteren Gegenden eben auch schlichtweg verdammt sexy macht. Da ist bisweilen jeglicher Widerstand zwecklos. Zum Beispiel, wenn der Titeltrack angetrieben von windschiefem Gitarrenspiel zunächst gemächlich losschlurft, nur um dann doch als fiebriger Kopfnicker die Vorhänge zuzuziehen.
Vorhänge, die von der Band von Zeit zu Zeit glücklicherweise auch aufgezogen werden, um aufgehellte Einsprengsel unterzubringen. Lichtpunkte, wie etwa "Flowers", das das Tempo ein wenig anzieht und so ganz nebenbei einen Refrain preisgibt, der beinahe Hitpotenzial hat. Oder das im Kontext überraschend, weil unvermittelt eingängige "Fibbist". Das sind dann die Songs, die in den ersten Berührungen von "Grin" als Fixpunkte dienen. Von denen aus der Rest der Platte erschlossen und entdeckt werden kann. Stücke, die mit mindestens einem Auge zum Pop hin schielen. Dafür allerdings, dass selbige schließlich nicht mit dem Pop durchbrennen und so vorhersehbar werden, tragen Traams ebensfalls Sorge. Dann klatschen sie etwa in all die Melodieseligkeit von "Head roll" konsequenterweise einen überbordenden Instrumentalpart, der zu allem Überfluss auch noch nonchalant Richtung Joy Division grüßt. Und den Song auf sieben Minuten ausdehnt. Stücke mit Überlänge, das haben Traams nämlich auch im Repertoire. Weshalb es auch gar nicht mal so überraschend ist, wenn die Band am Ende ihrer Platte mit "Klaus" ein weiteres Mal einen Siebenminüter auspackt. Der sich mitsamt seinem stoischen Bass als - pardon - verdammt coole Sau entpuppt. Trotz der Gefahr der Wiederholung: Widerstand ist zwecklos.
So ist "Grin" am Ende alles mögliche, häuft stapelweise Attribute an, die doch allesamt knapp am Ziel vorbeihauen. Dunkel, heruntergekommen, beklemmendend, sperrig, erotisch, zutraulich, die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Eine Platte, so schwer zu greifen und doch zu keiner Zeit konfus, nein, vielmehr enorm schlüssig. Was widersprüchlich klingt, erlaubt dann doch nur ein Fazit: Dieses Album ist faszinierend.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Swimming pool
- Flowers
- Fibbist
- Klaus
Tracklist
- Swimming pool
- Demons
- Flowers
- Head roll
- Fibbist
- Reds
- Sleep
- Grin
- Hands
- Loose
- Klaus
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Dr. King Scholtz
2015-10-27 21:54:52
https://www.youtube.com/watch?v=-7FWmJ5BOTg
https://www.youtube.com/watch?v=LXFG1k-dYyk
Hier mal zwei Songs vom neuen Album "Modern Dancing". Feines, schräges Geschrammel mit dem richtigen Schlag Melodie und Drang.
Der Vorgänger ist für mich nach wie vor die beste Platte von '13 und die hiesige Review einfach großartig. Bin mal gespannt wie Modern Dancing hier wegkommt.
The MACHINA of God
2013-12-13 21:14:00
Schon ne feine Platte. Trotz KlapperKlapper.... aber was für Melodien.
Herder
2013-10-16 08:54:15
Link zum Stream wurde weiter oben schon von mir gepostet und funktioniert immer noch:
http://www.spin.com/articles/traams-grin-fat-cat-records-album-stream/
Viel Spaß.
hmmmm
2013-10-15 23:10:31
stream verfügbar? amazon hat nichts.
The MACHINA of God
2013-10-15 18:12:21
Geile Stimme, geile Melodien. Aber: Schlagzeug bores me to tears. Und Mars Volta such ich da immer noch vergebens.
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