Dota - Wo soll ich suchen

Kleingeldprinzessin / Broken Silence
VÖ: 30.08.2013
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Raus aus dem Halbschatten

Nun aber endgültig raus mit Dota Kehr und ihrem inzwischen betagten Alter Ego "Kleingeldprinzessin" aus dem Halbschatten der drögen Liedermacher- und Kleinkunstecke, und raus aus der irgendwie zu politisch wirkenden Straßenmusikantenszene. Politisch ist sowieso alles und jeder und so kann man diese gedanklichen Schubladen auch ablegen und sich auf die bemerkenswerte Lyrik Dota Kehrs konzentrieren, die auf ihrem nunmehr elften, selbstverlegten Album die Stadtpiraten zwar noch dabei hat, diese im Einverständnis mit der Band auf dem Cover aber verschweigt. Zwar hüpft auch "Wo soll ich suchen" zwischen den Stilen und Stimmungen hin und her, balanciert dies aber gelungen aus und präsentiert sich als empfehlenswertes, deutschsprachiges Pop-Album.

"Bleimatte See, Wolken geballt bevor der Regen beginnt / Alle warten auf Sturm und darauf, dass es knallt / Alle warten warten auf Wind." Dabei findet man auf "Wo soll ich suchen" zwar keine wirklich knallenden Stellen, jedoch findet das Album immer genau dann seine stärksten Momente, wenn die Stücke am dringlichsten erscheinen, zuweilen sogar ins Dramatische kippen. Eben genau dann, wenn "Warten auf Wind" zum ersten Mal mit versammelter Mannschaft den Opener ablöst, das Schlagzeug in Position bringt und Akustik- gegen E-Gitarre tauscht. Oder im nebulösen Titellied, in dem das Akkordeon zunehmend lauter und fiepender die Felswand, also "da, wo der Wald am allertiefsten ist / Am Steilhang", aufrichtet. Oder die Streicher gemeinsam mit Dotas Stimme Klage erheben, um in "Rauschen" die permanente Reizüberflutung und die daraus resultierende Oberflächlichkeit und Abstumpfung zu verarbeiten, denn "Nichts ragt aus dem Rauschen / Und falls da etwas sticht / Ich spür keinen Schmerz / Es ist alles hinter Panzerglas."

Eine andere Möglichkeit gegen den überbordenden Trott anzukämpfen, ist die "Konfetti"-Kanone kräftig zu stopfen und mit Bläsersatzgetöse lautstark zu "Schnaps und Schmaus" zu laden. Überhaupt tragen gerade die Blechbläser dazu bei, angeführt durch die ab und an eingesetzte, erdige Sven-Regener-Gedächtnis-Trompete, dass man sich eben nicht in der etwas reizlosen Kleinkunstecke wiederfindet, die sich einzig auf den Text verlässt und die Musik zur puren Begleitung degradiert. Dies wäre auch insofern schade, als dass dem angejazzten "Das Wesen der Glut" etwas fehlen würde und das zarte Zwischenspiel der "Zwei Falter" ohne erzählendes Akkordeon und tippelndes Glockenspiel hätte auskommen müssen. So aber haben Dota Kehr und Jan Rohrbach, langjähriger musikalischer Begleiter und Gitarrist auf "Wo soll ich suchen", ein Halbschattengewächs kultiviert, welches seine Fühler abermals erfolgreich aus der Singer/Songwriter-Disziplin über den Chanson hinweg gen Folkpop ausstreckt und aufrichtig ausformuliert seinen Platz fernab von Einordnungen bestätigt, der im zehnten Bandjahr eigentlich längst gefunden ist.

(Andreas Menzel)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Warten auf Wind
  • Du musst Dich nicht messen
  • Wo soll ich suchen
  • Rauschen

Tracklist

  1. Hoch oben
  2. Warten auf Wind
  3. Sommer
  4. Das Wesen der Glut
  5. Du musst Dich nicht messen
  6. Stadt am Meer
  7. Zwei Falter
  8. Wo soll ich suchen
  9. Konfetti
  10. Tausch
  11. Rauschen
  12. Licht
  13. Risse
Gesamtspielzeit: 50:25 min

Im Forum kommentieren

Mainstream

2013-09-11 15:18:30

Beim ersten Reinhören nichts Besonderes. Gesprochene Geschichten unter Gitarrenbegleitung. Die Helden mag ich lieber.

hääää

2013-09-11 14:54:25

inwiefern peinlich?

Grosskohlenprinz

2013-09-10 18:01:57

Die Dota! War mal süß-nett, jetzt nur noch peinlich!

Delirium

2013-09-06 11:28:33

Meine zum Überschwang neigende Hipster-Metal- und Hardcore-Crew hat mich enorm gefeiert, als der Hausterrier neulich mit diesem von mir dezent unterm Sofa gelagerten Album im Maul in die Listening-Session der neuen Watain-Platte gedackelt kam. Dieses Hasspotenzial, Wahnsinn!

Sehr schöne Rezension übrigens...

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