Deichkind - Neues vom Dauerzustand

AndreasM

18.08.2022 - 16:56

Das Gebilde DEICHKIND - was ist das ein schönes Rätsel für uns! DEICHKIND – da fragen sich doch alle: Sind das Leute oder Menschen? Ist bei ihnen noch alles fresh? Reifen oder vergammeln sie? Sind sie vom Austrinken bedroht oder extrem verschmuste schlamperte Genies? Was essen sie, was treiben sie, wen reiben sie? Und wo wohnen die überhaupt? Urbanesk oder im Nest? Am Stadtrand oder am Hundestrand? Free oder mit Willy? Ja, was?
Antwort: Beides ist richtig.

Kommen wir zu dem, was ein Newsletter leisten muss, den News. DEICHKIND haben vier neue Blätter im Tee, wir gießen kurz auf:

1.
Es geht los! Die neue Musik-Single der Gruppe ist draußen, sie heißt “In Der Natur“. Samt Video, das auch „In Der Natur“ heißt. Gebrauchsideen dazu: 1. Hören, 2. Sehen, 3. Growen lassen, 4. Ernten, 5. Woanders den Samen hinpflanzen.

2.
Wer DEICHKIND in ihrer liebsten natürlichen Umgebung, also der dick drinnen im Draußen erleben will: Das geht endlich wieder! Bitte hier entlang, der Ticket-Vorverkauf für die neuen Konzerte 2023 hat - sobald du das liest - begonnen.

3.
Dann, nicht minder belangreich, kannst Du das neue Album „Neues Vom Dauerzustand“ ab jetzt vorbestellen. Ein Werk wie ein Wasserfall oder Vulkan. Schneide dir bereits jetzt etwas von dieser Energy mit Deinem Geld ab!

4.
Und Ihr wisst ja: Nichts ist oller als eine verwelkte Hyazinthe oder eine alte Webseite, also haben DEICHKIND ihr ganzes soziales Sein frisch gejätet und neu gegossen:
www.deichkind.de

Bitte bleibt gut gedüngt!

DEICHKIND

Francois

18.08.2022 - 17:27

Sehr nice!

AliBlaBla

18.08.2022 - 17:32

In der Natur isses aber auch saugefährlich, stelle ich auch immer wieder fest...

Armin

18.08.2022 - 19:16- Newsbeitrag

Die Gruppe Deichkind kündigt ihr achtes Album "Neues vom Dauerzustand" für den 17. Februar 2023 an. Die erste Single „In Der Natur“ verbindet hintersinnige Jodelkunst mit abstrakter Zivilisationskritik und ist soeben erschienen.


Berlin, 18.08.2022
Vordergründig geht es in der von einer Spur Fatalismus durchzogenen neuen Deichkind-Single „In Der Natur“ um das seltsam naive Verhältnis vieler Großstädter zur Natur: Anstelle der ersehnten sogenannten Entschleunigung findet der urbane Hipster-Protagonist des Songs auf seinem Naturtrip „kein Konto und kein‘ Gott“, sodass er sich schnell zum Berliner Hermannplatz zurückwünscht. So entwickelt sich ein bis zu der Katharsis im Mittelteil minimalistisch instrumentiertes Raunen, das zunächst in der traurigen Erkenntnis mündet: „Ich hänge hier im Wald rum, ohne Hafermilch und Heizung.“

In dem begleitenden Video sehen wir einen Drohnenhund und viele andere seltsame Gestalten, von denen jede einen weiteren Link, ein weiteres Thema setzt, bis am Ende all diese Metaphern und Zitate kongenial in einer perfekten Symbiose aus Bild, Musik und Text verschmelzen. Die darbende Natur wird dabei als ein mindestens suspektes, bisweilen gar feindliches Umfeld inszeniert, dem man sich nur im Schutzanzug aussetzen sollte – und zum Schluss fällt sogar noch dem grotesken Riesentische von Wladimir Putin eine tragende Rolle zu.

In Franklin J. Shaffners Film „Planet der Affen“ aus dem Jahre 1968 reitet der Protagonist am Ende mit seiner Begleiterin einen einsamen Strand entlang und erblickt die von Sandverwehungen überdeckte Freiheitsstatue. Die berühmte Schlussszene war inspiriert von der damals omnipräsenten Angst vor einem möglichen Atomkrieg – und ist somit heute wieder traurig aktuell.

Einen ähnlich nachhaltiger Moment schaffen nun auch Deichkind, wenn Porky am Ende des Videos zu „In Der Natur“ ein eindrucksvolles „Planet der Affen“-Zitat gelingt. Deichkind machen damit eine weitere Bedeutungsebene eines Songs auf, den man auch sonst als zivilisationskritische Parabel lesen kann. In typisch doppelbödiger Deichkind-Manier, aber ohne jeglichen Klamauk, gelingt der Band mit „In Der Natur“ ein bedrückender Kommentar auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ebenso wie auf Waldsterben und drohende Klimakatastrophe.

Sebastian Dürre aka Porky, Henning Besser aka La Perla sowie Philipp Grütering aka Kryptik Joe sind also wieder da – genau zur richtigen Zeit.

In der nunmehr 25-jährigen Karriere der Band reihen sich Gold- und Platinalben sowie unzählige Hits aneinander, mit Slogans wie „Leider Geil“ prägten Deichkind unsere Sprache, den kollektiven Irrsinn ihrer als Konzerte getarnten »Kindergeburtstage für Erwachsene« zelebrierten sie bei unzähligen Tourneen und Festivalauftritten vor Hunderttausenden.

Deichkind sind nicht zu erfassen – und clevere Großmeister der Dekonstruktion. So besteht etwa der Refrain von „In Der Natur“ aus einem Jodeln und Deichkind gelingt es tatsächlich, diesem klischeeübersättigten Inbegriff der volkstümlichen Brauchtumspflege eine tiefgründige Wehmut einzuverleiben.

Auch wieder so ein vermeintlicher Gegensatz also, aus dem Deichkind mit "In Der Natur" große Kunst destillieren. Die Gesellschaftskritik von Deichkind funktioniert so gut, weil sie nicht von der Tribüne kommt und schon gar nicht aus dem Elfenbeinturm. Deichkind meinen immer auch sich selbst, wenn sie über die Zumutungen der Gegenwart spotten – und dabei wie im Vorbeigehen noch die vermeintlich sperrigsten Themen in potenzielle Hits kleiden, die man auf Anhieb mitsingen möchte.

"In Der Natur" zeigt: Sie werden dabei immer besser, präziser, bissiger. Gut also, dass es endlich wieder losgeht. Mit dem achten Deichkind-Album "Neues vom Dauerzustand", das am 17. Februar 2023 erscheinen wird. Ausserdem wird die Band im Sommer 2023 live zu sehen sein.

https://umg.lnk.to/InDerNatur

DEICHKIND

„Neues vom Dauerzustand“ Tour 2023



21.06.2023 AT - Wien, Wiener Stadthalle
22.06.2023 München, Olympiahalle
23.06.2023 Leipzig, Festwiese
07.07.2023 Dortmund, Westfalenpark
08.07.2023 Frankfurt am Main, Festhalle
04.08.2023 Stuttgart, Cannstatter Wasen
25.08.2023 Hannover, Expo Plaza
26.08.2023 Hamburg, Trabrennbahn Bahrenfeld
02.09.2023 Berlin, Parkbühne Wuhlheide

Armin

18.08.2022 - 19:17

Ach:

Z4

18.08.2022 - 20:43

Bester Deichkind-Song seit Jahren, freu mich tatsächlich wieder aufs Album.

ichreitepferd

18.08.2022 - 20:50

puh sehr anstrengend

Z4

18.08.2022 - 20:52

So soll es sein bei Deichkind :D

Armin

18.08.2022 - 22:56

Bester Deichkind-Song seit Jahren

Seit 2019?

Z4

19.08.2022 - 00:49

Dem Vorletzten.

Hier stand Ihre Werbung

19.08.2022 - 09:19

Äh ja.

Konsul

19.08.2022 - 09:43

Hmm, leider geil. :D

Socko

19.08.2022 - 10:18

Is OK. Dk haben auch keinen bock, immer nur komplett kommerzielle dancefloorfiller abzuliefern. Werden sicher auch auf dem Album sein. Aber dennoch mutig, solche eher s hraege musik vorab ins Rennen zu schicken.

AndreasM

19.08.2022 - 10:36

Is OK. Dk haben auch keinen bock, immer nur komplett kommerzielle dancefloorfiller abzuliefern. Werden sicher auch auf dem Album sein. Aber dennoch mutig, solche eher s hraege musik vorab ins Rennen zu schicken.


Genau so sehe ich es auch, v.a. wenn man gleichzeitig eine Tour mit riesigen Locations ankündigt.

Francois

19.08.2022 - 13:03

Die touren seit Jahren in den immer gleichen riesigen Locations…
Außerdem war „richtig gutes Zeug“ auch ziemlich schräg, aber auch richtig geil :D

Freu mich auf die neuen Songs. Fand das letzte Album sehr stark

XTRMNTR

19.08.2022 - 13:11

Eben. Schräger als "Richtig gutes Zeug" ist die neue Single sicher nicht. Freu mich auch.
Auch wenn Deichkind gefühlt immer gleich klingt, liefern sie doch immer ab.

Francois

19.08.2022 - 15:45

Und textlich immer auf hohem zynischen Niveau!

Felix H

20.08.2022 - 14:25

Also "Richtig gutes Zeug" war damals als erste Single ähnlich schräg. Ich feier den neuen Song auch, gerade das Gejodel fügt sich nach anfänglicher Irritation sehr gut ein.

The MACHINA of God

20.08.2022 - 19:24

Kein Plan, was an dem Song "anstrengend" sein soll. Schön entspannte Nummer. Text find ich auch sehr gut. Und als müssten Deichkind als erste Single einen übelsten Chart-Banger rausballern, um die Tour voll zu bekommen...

Obrac

20.08.2022 - 19:27

Also, das Gejodel ist schon am Rande der Genialität.

Mr. Orange

20.08.2022 - 23:26

Mir gefällt‘s auch wieder sehr. Was ich an Deichkind so wahnsinnig mag, ist, über all die Jahre zu beobachten, wie sie die nach oben offene Leiter der Sickness so peu à peu emporklettern und das aber in ihrem ganz eigenen, gemächlichen Tempo, und das aber auffallend linear und ohne bemerkenswerte Schritte rückwärts. Da kann noch so viel Interessantes kommen, wenn die diesen Weg noch ne Zeit lang durchziehen.

Socko

21.08.2022 - 08:18

Ich wüsste mal ganz gern, warum ferris da raus ist. So ganz klar wurde das ja nie, wenn ich mich nicht irre. Dachte zumindest, das die Chemie zwischen den Jungs stimmt. Auch musikalisch hat ja ferris 10 Jahre lang nichts zu beanstanden gehabt.

Francois

22.08.2022 - 18:24

Ich finds auch schade, aber ohne Ferris haben sie ein sehr starkes Album gemacht…

Und ja zur Entwicklung.
Was ich besonders klasse finde, ist die Tatsache, dass sie durchaus in „Würde“ altern.
Keine billigen „Charts Hits“…. Einfach geile Produktionen mit sehr guten Texten zu sehr aktuellen Themen. Herrlich (selbst)ironisch und durchaus selbstkritisch.

Lateralis84skleinerBruder

27.08.2022 - 21:30

Mich holt die Single total ab. Das Video dazu, love it. Mein 5-jähriger jodelt ständig vor sich hin :D

The MACHINA of God

17.09.2022 - 01:41

Ist zwar zum letzten Album gemacht worden, aber recht zeitlos in den Themen. Und vor allem ein einfach schönes Interview. Mal so als Einstimmung.

Armin

08.12.2022 - 19:25- Newsbeitrag

Die Gruppe Deichkind veröffentlicht heute die zweite Single "Geradeaus" aus ihrem neuen Album "Neues vom Dauerzustand", das für den 17. Februar 2023 angekündigt ist. Ein irrwitziger Tanz auf dem Vulkan spätkapitalistischer Verwirrungen.

Berlin, 08.12.2022
Wie so oft bei Deichkind geht es auch bei "Geradeaus" scheinbar um nichts – und doch um alles.

Geradeaus, egal in welche Richtung: Techno, Hip-Hop, Pop und Zivilisationskritik gehen eine wunderbare Allianz ein in diesem Song, der stetig eine dringliche Energie verströmt. Inhaltlich schließen Deichkind an die erste „Neues Vom Dauerzustand“-Single „In Der Natur“ an. Auch „Geradeaus“ zeigt sich deutlich irritiert vom scheinbar unbeirrten Festhalten an turbokapitalistischem Wachstumsdiktat und neoliberalem „Weiter-so“ im Angesicht von Kriegen, Krisen und Naturkatastrophen. Die daraus resultierende Kulturkritik versenken Deichkind mit „Geradeaus“ catchy und auf den Punkt mitten im Auge des Zeitgeists.



In dem begleitenden Video zu „Geradeaus“ sehen wir den Jodler aus dem „In Der Natur“-Video mit gleichmütigem Gesicht auf einem Stand-up-Paddleboard, hinter dem das Pannen-Containerschiff Ever Given kreuzt, das durch seine Blockade des Suezkanals internationale Warenströme zum Versiegen brachte – und Twitter zum Glühen. Der Deichkind-MC Porky lässt seine Hunde als schnöseliger Landlord beim Spaziergang von Drohnen führen, um weiterhin ungestört auf sein Smartphone gucken zu können, während eine Truppe im Stil eines Science-Fiction-Kampftrupps weißgekleideter Deichkind-Arbeiter im zackigen Gleichschritt einen „Ben Hur“-artigen Streitwagen durch Gänge zieht, die in der Lagerhalle eines großen internationalen Versandhandels sein könnten.

Es geht also um Bewegung um jeden Preis, sei die Situation auch noch so festgefahren. So versammelt „Geradeaus“ spätkapitalistische Szenen einer Gesellschaft im Zustand der chronischen Erregung, die den Pausenknopf längst vergessen hat. Immer weiter geradeaus, immer in Bewegung bleiben, zur Not gegen jede Vernunft und ohne Verstand: Das scheint mit dem Abflauen der Coronapandemie mehr denn je das oberste Gebot einer Welt zu sein, die den Pausenknopf längst vergessen hat.



Man könnte Song und Video durchaus als ironischen Kommentar auf das Hip-Hop-Subgenre „Videos mit dicken Karren“ lesen, aber wer „Geradeaus“ als bunten Klamauk empfindet, hat Deichkind nicht verstanden. Wenn Philipp Grütering aka Kryptik Joe als sogenannter Kremflieger Matthias Rust auf Friedensmission eine Cessna steuert, fliegt er zwar unbeirrt „Geradeaus“, er zeigt aber auch: Es liegt an uns, für welchen Weg wir uns entscheiden.

"Neues von Dauerzustand" erscheint am 17. Februar 2023 auf Sultan Günther Music / Universal.

DEICHKIND

„Neues vom Dauerzustand“ Tour 2023


21.06.2023 AT - Wien, Wiener Stadthalle
22.06.2023 München, Olympiahalle
23.06.2023 Leipzig, Festwiese
07.07.2023 Dortmund, Westfalenpark
08.07.2023 Frankfurt am Main, Festhalle
04.08.2023 Stuttgart, Cannstatter Wasen
25.08.2023 Hannover, Expo Plaza
26.08.2023 Hamburg, Trabrennbahn Bahrenfeld
02.09.2023 Berlin, Parkbühne Wuhlheide

The MACHINA of God

08.12.2022 - 21:56

Video leider recht unterwältigend nach dem schönen Vorabbild sowie dem Video zu "In der Natur". Song auch erstmal nur ok, wobei ich da die Hälfte des Textes noch nicht verstanden hab. :D

AliBlaBla

08.12.2022 - 21:59

Schon Karte für Hamburg mit Sohnemann. Das wird fein...
(Wiedersehen im "100 deutschsprachige Alben für die Ewigkeit" Thread...)

The MACHINA of God

08.12.2022 - 22:03

Spielen hier auf der Festwiese. Da hört man nebenan gratis dank Wind meist mehr auf der bezahlten Wiese. Werd ich auch da sein.

Felix H

08.12.2022 - 22:07

Ich fürchte, den Song hab ich bald auch auf Dauerschleife im Ohr. "In der Natur" hat mich auch mehr überzeugt, aber bremsen tut der hier meine Vorfreude trotzdem nicht.

The MACHINA of God

08.12.2022 - 22:13

Ich glaub auch, ich war eher vom Video enttäuscht. Muss den Song mal solo hören.

The MACHINA of God

08.12.2022 - 23:29

Die Dronen-Hundeführer sind natürlich klasse.

Francois

09.12.2022 - 08:27

Klingt ein wenig nach den Deichkind von vor 25-20 Jahren, als man noch Hip Hop machte.

Gefällt mir

Felix H

09.12.2022 - 09:24

In Hamburg sind wir nächstes Jahr auch. Das wird wie immer ein Blütenfest.

The MACHINA of God

26.01.2023 - 18:07- Newsbeitrag

Armin

26.01.2023 - 18:41

Über „Auch im Bentley Wird Geweint“

Vor einigen Monaten klingelte bei Clueso das Telefon. Am Apparat waren Porky und Kryptik Joe: Für die Produktion des nächsten Deichkind-Albums hatten die beiden den Plan gefasst, mit ihren Laptops und Mikros durchs Land zu reisen und befreundete Musiker zu besuchen. Nun wollten die Deichkind-MCs wissen, ob Clueso vielleicht Tipps für geeignete Studios hätte.



Clueso fand die Idee super und bot den beiden gleich an, mit Deichkind in seinem Erfurter Studio zu arbeiten – unter einer Bedingung: »Ich habe gesagt, ihr könnt gerne umsonst bei mir arbeiten und alles nutzen, aber dann will ich einen gemeinsamen Song mit euch machen«, sagt Clueso.



Gesagt, getan: Porky und Kryptik Joe reisten nach Erfurt, und es entwickelte sich eine rasante Session. »Es war wie in den frühen Hip-Hop-Tagen«, sagt Clueso. »Wir drei haben im Kreis gesessen, Strophen geschrieben, Beats ausprobiert und Zeilen hin- und hergedroppt, ein kreatives Pingpong.« Kryptik Joe findet: »Clueso war wie ein Flummi im Studio und hat uns schöpferisch hochgehievt.«



Deichkind und Clueso haben bei dieser Session eine ganze Reihe von Ideen ausprobiert, sind aber immer wieder bei einer Zeile und einem Beat des Produzentenduos Dongkong gelandet, die Clueso schon länger unbedingt zu einem Song machen wollte, bislang hatte ihm allerdings die richtigen Partner dazu gefehlt. Nun aber fügte sich alles magisch zusammen, die einzelnen Elemente schienen auf Deichkind und Clueso gewartet zu haben.



»Ich wollte diese Kombination schon länger machen, unter anderem auch in meiner Session mit Capital Bra, der die Bentley-Zeile super fand«, sagt Clueso. »Aber die ironische Note passt natürlich viel besser zu Deichkind als zu Capital Bra – oder irgendjemandem sonst.«



Und so entstand nun also aus einer Deutschlandreise von Deichkind, einer älteren Clueso-Idee und einem Donkong-Beat in einer funkensprühenden Session der Tech-Rap-Song der Stunde. »Auch im Bentley wird geweint« ist eine herrlich ätzende Satire auf alle dekadenten Verwirrungen des Spätkapitalismus in der Phase seiner maximal grotesken Obszönität von Katar bis Instagram.



Die Wehmut in der Stimme von Clueso harmoniert kongenial mit den süffisanten Deichkind-Rhymes und vermittelt perfekt das emotionale Spektrum des Songs zwischen Bonzen-Larmoyanz und dekadenter Abgehobenheit der Supereichen bzw. deren völlig verloren gegangenen Realitätsbezug. »Ich kenne nur mehr, mehr / Doch mehr fällt mir nicht ein«, heißt es an einer Stelle zu einem hektisch zuckenden Bratzbeat, »Ich hab Klopapier von Gucci, schneid Delfine in mein Sushi«, an einer anderen.



Der Song erscheint zunächst am 26.01.2023 als Clueso-Single und am 17. Februar 2023 außerdem auf dem kommenden Deichkind-Album »Neues Vom Dauerzustand«. Er wird begleitet von einem herrlich dekadent-bescheuerten Hip-Hop-Performance-Fisheye-Video, für dessen Konzeption laut Deichkind-Regisseur La Perla die kreative Beschränkung als Chance genutzt wurde. "Wir wollten mit der teuersten, schwersten und umständlichsten Kamera der Welt drehen, die zudem auch nicht besonders gut ist. Mit dieser Kamera sollte es ein Video werden, welches man genauso gut mit jedem Handy hätte drehen können.“ sagt La Perla. „So wie Werner Herzog bei ‚Fitzcaraldo‘ unbedingt ein echtes Schiff über den Hügel ziehen musste, konnte dieses Video nur mit der Bentleykamera gedreht werden.“



Die Strategie geht auf, weil sie natürlich komplett zum Sujet des Songs passt – und so werden Video und Song zu einem interdisziplinären Dada-Popkommentar auf die Larmoyanz der superreichen Klasse, zu dem man trefflich tanzen kann und dessen Refrain einem nicht mehr aus dem Kopf geht.

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