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Buch: Thornton Wilder - Die Brücke von San Luis Rey (Buchclub-Wahl #9)

User Beitrag

Deaf

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Registriert seit 14.06.2013

13.09.2021 - 22:25 Uhr
Ich erlaube mir, mal den Thread zum September-Buch zu eröffnen. Habe nun damit begonnen, bisher bin ich aber noch nicht richtig drin in der Geschichte.

Deaf

Postings: 1235

Registriert seit 14.06.2013

21.09.2021 - 21:26 Uhr
Mittlerweile damit durch, bin gespannt auf die Meinungen.

dieDorit

Postings: 1922

Registriert seit 30.11.2015

21.09.2021 - 21:59 Uhr
Ich habe nächste Woche Urlaub, dann fang ich auch damit an.

Old Nobody

User und News-Scout

Postings: 2523

Registriert seit 14.03.2017

29.09.2021 - 23:05 Uhr
Tolles Buch mit einigen spannenden Denkanstößen,schöner Tip.

Der Tod und Sinn des Lebens als Thema stark,das philosophische hätte gerne öfter aufblitzen dürfen aber hat sich gut gelesen,ist anschaulich geschrieben,die Figuren werden liebevoll näher gebracht.
Deren Ende kam in der Erzählung genauso abrupt und plötzlich wie das wahrscheinlich auch in der Realität passiert ist.Traf einen weitgehend unvorbereitet weil die Erzählung sich auch so gut wie gar nicht in die Richtung bewegte.
Den Sinn des ganzen Geschehens findet man freilich auch hier nicht,warum es grade die trifft bleibt unbeantwortet,auch wenn die Schicksale miteinander verknüpft sind.Die Liebe,"die wieder zurück fließt" ist für mich mehr ein Trost,ist was universelles,beantwortet aber nicht die Frage warum genau diese Leben genau zu diesem Zeitpunkt ihr Ende finden.Die Antwort ist vielleicht einfach die, dass es schlicht keine gibt.
Die Frage nach dem Sinn war und ist aktuell.Derlei Unglücke passieren ja auch heute noch. Man kann dann eigentlich nur hoffen, dass man für eine Weile in Erinnerung bleibt und ansonsten Trost darin finden, dass man sich am Ende hoffentlich wieder sieht, in welcher Form auch immer. Das hoffe ich sehr. Die Liebe ist die Brücke.Vielleicht der Übergang?

Ganz im Gegensatz zu der im Buch am Ende des Lebens Trost spendenden Liebe steht die Liebe im Leben,die das Dasein der Protagonisten so ziemlich zur Qual macht weil sie unvollendet und unerwidert ist.
Ich weiß nicht, ich kenne das ja selbst aus Erfahrung und ich weiß nicht,ob mich das trösten würde, dass die Liebe sich selbst genug ist und den Sinn darstellt.Ich mein,ich find den Ansatz ganz wunderbar und die Worte am Ende sind auch großartig geschrieben aber tröstet das wirklich darüber hinweg, dass man diesen Schmerz sein halbes Leben lang mit sich herumgetragen hat und grade dann,wenn man etwas ändern will, in den Tod stürzt?
Vielleicht bekommt man die Erklärung ja nach dem Tod und alles wird gut...


Nochmal danke für den Buchtipp,wirklich gut und anregend.Hätte aber gerne noch mehr philosophische Ansätze haben können.
Bin so bei ner 8,5/10 denk ich

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 17672

Registriert seit 10.09.2013

30.09.2021 - 00:08 Uhr
Ein schönes Buch, dem man trotz der kurzen Länge höchstens etwas Redundanz vorwerfen kann. Jede der drei Geschichten ist für sich stehend gut geschrieben, aber untereinander zu ähnlich, für die letztliche Aussage hätten auch eine oder zwei gereicht.

Der Sinn? Vielleicht ist das Leid konstitutiver Bestandteil der menschlichen Existenz und da, wo das Leid der obsessiven, unerwiderten Liebe überwunden scheint, muss Neues dazukommen? Ein von der Erbsünde besessener Christ würde das womöglich bejahen, alle anderen sollten das nicht tun.

dieDorit

Postings: 1922

Registriert seit 30.11.2015

30.09.2021 - 10:32 Uhr
Auch mir hat das Buch sehr gefallen, auch wenn ich anfänglich eine ganz andere Geschichte erwartet habe. So dachte ich, wir würden den Franziskanermönch auf seinen Nachforschungen begleiten, stattdessen wurden wir direkt mit den Ergebnissen seiner Recherchen bekannt gemacht. Daher ist mir auch noch nicht ganz klar geworden, welche Rolle Bruder Juniper eigentlich zukommt, denn dieser tritt ja nur am Ende kurz in Erscheinung. Dennoch eine gute kurzweilige Lektüre.

Perfect Day

Postings: 385

Registriert seit 18.01.2014

30.09.2021 - 14:26 Uhr
Sehr schönes, kurzweiliges Büchlein… mir ist die Rolle des Bruder Juniper auch im Verborgenen geblieben, zumal die anfangs groß angekündigte Erläuterung, warum Gott jede Menschen auf diese spektakuläre Weise ins Jenseits holt, völlig ausbleibt.

Das Bild von der „zurückfliessenden Liebe“ fand ich triefend kitschig, gleichzeitig unglaublich berührend und im Nachhall tief traurig. So kurz das Buch auch war, hat es bei mir noch einige Tage nachgewirkt.

Die einzelnen Geschichten für sich haben mir unterschiedlich gut gefallen. Die Charakterzeichnung fand ich immer sehr gelungen und es baute sich bei mir eine schnelle Sympathie zu allen Figuren auf. Nichtsdestotrotz fand ich einige Verhaltensweisen, gerade auch bei meiner Lieblingsfigue, der Perichole, an einigen wenigen Stellen nicht immer nachvollziehbar.

Aber letztendlich muss ich sagen: von allen Buchclub-Büchern rangiert die Brücke aktuell ganz weit oben (in unmittelbarer Nähe zur Ladenhüterin und der bedrückenden Glasglocke). Aber ich will hier jetzt gar kein Ranking starten.

Tolles Buch!

Perfect Day

Postings: 385

Registriert seit 18.01.2014

30.09.2021 - 14:35 Uhr
Und ich teile zu 100% die Ansicht von Old Nobody, kann mich an dieser Stelle nur nicht so schön ausdrücken!

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 17672

Registriert seit 10.09.2013

30.09.2021 - 15:10 Uhr
Ideen für Brother Junipers Rolle:

- Kritik/Lächerlichmachung der Theodizee; gerade seine Tabelle mit "goodness", "usefulness" etc ist so absurd, dass sie eigentlich nur Parodie sein kann.
- Sein Schicksal soll die Moral vermitteln, individuelle Biografien von Menschen nicht zu Mustern oder Typologien zusammenzufassen. Immerhin wird er für diesen Versuch am Ende verbrannt.
- Er dient einfach nur als faules framing device, um die Existenz der drei Geschichten zu rechtfertigen.

Deaf

Postings: 1235

Registriert seit 14.06.2013

30.09.2021 - 18:07 Uhr
Mir ging es ähnlich wie den meisten hier, obwohl ich vielleicht noch etwas mehr erwartet hatte. Meine liebste Figur ist auch ganz klar Camila Perichole, da hätte ich gerne noch mehr erfahren, aber aufgrund der Kürze war eine weitergehende Figurenentwicklung halt nicht vergesehen. Der wunderbare Schluss hievt das Ganze aber nochmals auf eine höhere Stufe. Auch toll übrigens das Nachwort von Patrick Roth in der neusten deutschsprachigen Fassung.

myx

Postings: 2427

Registriert seit 16.10.2016

30.09.2021 - 20:17 Uhr
Falsches Timing bei mir, bin deshalb noch nicht mit dem Buch fertig. Sollte aber in Kürze der Fall sein, dann gerne mehr.

Autotomate

Postings: 3620

Registriert seit 25.10.2014

30.09.2021 - 20:30 Uhr
Hier ebenso, bin gerade erst down mit Esteban^^

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 17672

Registriert seit 10.09.2013

30.09.2021 - 20:40 Uhr
Die Perichole war übrigens eine reale und auch schon vor Wilder literarisch gewürdigte Person: https://en.wikipedia.org/wiki/Micaela_Villegas

Autotomate

Postings: 3620

Registriert seit 25.10.2014

04.10.2021 - 13:09 Uhr
Bin seit gestern nun auch endlich durch. Das ist insgesamt sehr schön ironisch geschrieben, z.T. wahnsinnig komisch, muss ich sagen, etwas spannungsarm zwischendurch, aber stets elegant, dicht und überlegen erzählt. Das Buch hat sich für mich nebenbei als historischer Einblick in das Peru zu Zeiten der spanischen Vizekönige gelohnt, recht interessantes Kolonialismuskapitel, über das ich nie weiter nachgedacht hatte.

Die Rahmenhandlung zwischen Zufall und Notwendigkeit, Bestimmung und Sinnlosigkeit, zwischen Liebe und Verzweiflung, fand ich etwas schwierig zu durchschauen. Die Absurdidtät des kirchlichen Wiegens und Messens von Sünde und Tugendhaftigkeit wird mehr als deutlich aufgezeigt, aber was ist mit der Liebe? Die Abgestürzten sehnten sich nach ihr, die Verbliebenen hatten keine für sie übrig, und doch ist sie zum Schluss die Einzige, die bleibt. Von allen, außer der Äbtissin, unerreicht und ungenutzt...

myx

Postings: 2427

Registriert seit 16.10.2016

04.10.2021 - 20:32 Uhr
Bin auch gestern fertiggeworden mit diesem schönen Büchlein. Gute Beiträge hier, ich möchte lediglich in sprachlicher wie auch in theologischer Hinsicht noch etwas ergänzen:

Zum Sprachlichen: Wilder arbeitet nicht selten mit ganz wenigen, raschen Pinselstrichen, um einen Charakter oder ein Geschehen zu umreissen. Das wirkte auf mich dann gleichzeitig souverän und dicht, wie Autotomate schreibt, als auch ein bisschen skizzenhaft, und ich musste schon meine ganze Konzentration aufbieten, um keine wichtige Information zu verpassen (was mir trotzdem nicht immer gelungen ist).

Zur Theologie: Wilder stammte aus einem streng evangelisch-calvinistischen Elternhaus. Nun ist es ein Hauptmerkmal der evangelischen Theologie, dass sie im Unterschied zur katholischen Lehre das Tun des Menschen und das Handeln Gottes völlig voneinander entkoppelt. Das heisst, ob ein Mensch erlöst wird oder nicht, hängt allein von Gottes Gnade ("sola gratia") ab und kann von uns Menschen weder durch richtiges Verhalten erwirkt noch gar erkauft (Ablasshandel) werden. Anders formuliert: Gott schaut nicht wie ein Buchhalter auf unsere Taten und Missetaten und rechnet diese am Ende unseres Lebens auf, sondern behandelt uns Sterbliche nach einer Gnadenlogik, die uns verborgen bleibt.

Aus dieser evangelischen Sicht macht es dann auch keinen Sinn, nach der göttlichen Logik hinter dem Brückenunglück zu fragen. Weder belohnt Gott die Guten noch bestraft er die Bösen. Und ich kann mir vorstellen, dass Wilder die Figur des Jesuitenpaters Juniper tatsächlich auch deshalb eingeführt hat, um die katholische Sicht des Ganzen zu kritisieren bzw. sogar ad absurdum zu führen. Vielleicht gehe ich mit dieser Annahme aber auch ein bisschen zu weit ...

(Man müsste dann noch hinzufügen, dass die evangelische Theologie sich als Theologie der Freiheit versteht, gerade weil sie den Menschen aus dem Höllenkreis des Tun-Ergehen-Zusammenhangs befreit und ihn für die wahre, zweckfreie, gottgemässe Liebe öffnet - und hier könnte man dann vielleicht den Bogen zur Liebesthematik des Büchleins (Stichwort Äbtissin) spannen -, aber auch das ist dann evtl. ein bisschen zu theologisch interpretiert, wer weiss ... ;)

dieDorit

Postings: 1922

Registriert seit 30.11.2015

04.10.2021 - 20:56 Uhr
@Autotomate
Ich bin mir nicht sicher ob das Buch als Referenz für das damalige Peru gesehen werden kann. Im Klapptext zum Buch steht jedenfalls:

„Thornton Wilders Peru zur Zeit der spanischen Vizekönige ist ganz und gar fiktiv, denn er selbst hat dieses Land nie bereist.“

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

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Registriert seit 10.09.2013

04.10.2021 - 21:10 Uhr
Gut, um das Peru zur Zeit der spanischen Vizekönige zu bereisen, hätte er ja auch eine Zeitmaschine bauen müssen :)

"Ganz und gar fiktiv" stimmt so ja nun nicht, da wie oben gesagt z.B. die Perichole real war. Aber ich denke auch, dass der akademische Unterbau dieses Buches eher literaturbewusster, philosophischer und theologischer als historischer Natur ist.

Autotomate

Postings: 3620

Registriert seit 25.10.2014

04.10.2021 - 21:49 Uhr
Ihr werdet euch sicherlich denken können, dass ich das Buch nicht als Referenzwerk zur Geschichte des Vizekönigreichs Peru gelesen habe, sondern nur als Anstoß, mich ein wenig darüber zu informieren ;)

und ich musste schon meine ganze Konzentration aufbieten, um keine wichtige Information zu verpassen (was mir trotzdem nicht immer gelungen ist).

Ging mir auch so, zumal ich die Angewohnheit habe, noch ein wenig vor dem Einschlafen zu lesen, was mit diesem Buch echt nicht einfach ist.

aber auch das ist dann evtl. ein bisschen zu theologisch interpretiert, wer weiss ... ;)

Ich habe keine Ahnung von Theologie, daher sind das für mich recht interessante Gedanken zum Verständnis des Buches.

myx

Postings: 2427

Registriert seit 16.10.2016

05.10.2021 - 08:00 Uhr
Freut mich, dass meine Ausführungen auf Interesse stossen und ich mit meinem theologischen Exkurs nicht zu weit gegangen bin.

Meine Kenntnis der Theologie ist erst in jüngster Zeit wirklich gewachsen. Seit bald einem Jahr belege ich einen theologischen Fernkurs ("Grundkurs Theologie" Würzburg), in welchem wir neben vielen anderen für mich spannenden Fragen (wie etwa die Erbsündenlehre oder das Theodizee-Problem) auch die Unterschiede der katholischen und evangelischen Lehre behandeln.

Wer sich ebenfalls für diesen Fernkurs interessiert, findet hier weitere Informationen: www.fernkurs-wuerzburg.de

myx

Postings: 2427

Registriert seit 16.10.2016

05.10.2021 - 08:31 Uhr
Der Kurs ist übrigens auch wertvoll für Leute wie mich, die nicht besonders gläubig sind, sondern einfach intensiver über religionsphilosophische Fragen nachdenken und diskutieren möchten.

Diese Ergänzung ist mir wichtig, damit kein falscher Eindruck vom Kurs bzw. von einem seiner Teilnehmer entsteht. ;)

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

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Registriert seit 10.09.2013

05.10.2021 - 10:40 Uhr
Vielleicht stößt du in deinem Kurs auch auf einen Wilder, Thorntons Bruder Amos war nämlich Theologe :)

myx

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Registriert seit 16.10.2016

05.10.2021 - 11:34 Uhr
Schöner Hinweis, danke. :)

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