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Hugo Race

User Beitrag

dreckskerl

Postings: 6564

Registriert seit 09.12.2014

01.09.2020 - 16:12 Uhr
Hugo Race ist 1963 in Melbourne, Australien geboren und seit den frühen 80ern in der damals regen australischen Undergroundszene unterwegs, gründete mit Nick Cave die Band Birthday Party und nach deren Auflösung auch die Nachfolgeband The Bad Seeds.
Nach 2 Alben ging Cave nach Berlin, Race blieb in Australien und gemeinsam mit ehemaligen Birthday Party Mitgliedern rief er die Band The Wreckery ins Leben. Erstmalig als Leadsänger nimmt er mit der Band 87 und 88 insgesamt 3 Alben auf.

1988 erste Veröffentlichung unter Hugo Race and the True Spirit, die jedoch vergriffen ist.
1989 ebenso Umzug nach Europa, zunächst London, dann Berlin, wo er u.a. 1990 mit Alex Hacke von den Neubauten ein zweites Album auf "Earl's World" auf, was mich damals und bis heute absolut fasziniert. Eine enorm atmossphärische Mixtur aus Blues und Rock in einem höchst eigenen Arrangement. Sehr roh, skeletös, mit viel verzerrter Harmonica, klaustrophobischen Trompeten und Posaunen und eine wirklich besondere Stimme...erinnert u.a. an Tom Waits und seine Bone Machine.

1991 folgt das ebenso gelungene 3.Album "Second Revelator". Nach diesem Album hab ich die Band in einem kleinen Club live gesehen, waren extrem wenig Zuschauer, aber ein grandioser Auftritt.
Er wird in seiner Karriere zumindest außerhalb Australiens leider auch nicht wesentlich erfolgreicher.

Es folgen alle 1 bis 2 Jahre weitere Alben unter True Spirit. Ich habe ihn dann etwas aus den Augen verloren.
Er experimentiert zwischenzeitlich mit Industrial und Trance, es hält zunehmend auch Elektronisches in seinen Sound Einzug. Das Album „Last frontier“ 99, spielt etwas mit Jazz, „Chemical wedding“ 1998 ist sehr düster, episch und apokalyptisch.

Er bereist ganz Europa und seit 1998 lebt er in Italien, wo er mit der italienischen Sängerin Marta Collica das Projekt Sepiatone gründet, das 3. Album von 2011 „Echoes on“ ist ein sehr schönes Album mit einem Retrovibe a la Gainsbourg/Birkin.

2003 kommt unter The True Spirit „the Goldstreet Sessions“ und ich bin wieder voll dabei, die Stimme noch tiefer und die elektronischen Beats gefallen sehr.
Nach den Goldstreet Sessions legt er seine Band True Spirit auf Eis und veröffentlicht unter Hugo Race, oder ab 2007 mit seinem weiteren Projekt Dirtmusic (mit Chris Brokaw (ex Codeine) und Chris Eckman (Walkabouts))., zuächst ein Folkalbum auf, auf den weiteren Alben kommen ethnische Beats und Elektronik hinzu.

Seit 2011 lebt er wieder dauerhaft in Melbourne.
Mit dem italienischen Ambient Dou Sacri Cuori gründet er The Fatalists mit denen er 2011, 2016 und zuletzt 2019 drei hervorragende Alben aufnimmt.
Mit der französischen Violonistin Catherine Graindorge nimmt er 2012 einen Song auf und 2017 ein ganzes Album „Long Distance Operators“, was mit einer ganz eigenen, Mischung seiner skeletösen Bluesgebete mit den sanften und flächigen Violinsounds und der fragilen Stimme Graindorges absolut begeistert.
Im gleichen Jahr nimmt er eine Art Ambient Drone Roots Album zusammen mit dem True Spirit Harmonicaspieler mit Coverversionen von Robert Johnson auf.
Vor einem Monat kommt aus der australischen Quarantäne eine Single unter True Spirit, welche mit Depeche Mode ähnlichen Sounds überrascht.

Ich habe eine Playlist mit den bei spotify verfügbaren Alben erstellt.

Titel: Hugo Race - Werkschau

https://open.spotify.com/playlist/5BLj6mLkPy83ocYXUvIxHS?si=k35qhS_3Q7iGsJTMGH2_5A

Mayakhedive

Postings: 2253

Registriert seit 16.08.2017

01.09.2020 - 16:34 Uhr
Also die "Goldstreet Sessions" sowie "John Lee Hooker's World Today" hab ich mir schon auf den Zahn gelegt und finde beides super.
Dirtmusic werd ich auf jeden Fall auch noch antesten.
Aber welches ist den das angesprochene Robert Johnson-Coveralbum?

dreckskerl

Postings: 6564

Registriert seit 09.12.2014

01.09.2020 - 16:41 Uhr
Oh Mann ist das peinlich...von Anfang an hab ich mir statt John lee hooker, Robert Johnson falsch eingeprägt und hier nochmal.
Vergiss Johnson.

Mayakhedive

Postings: 2253

Registriert seit 16.08.2017

01.09.2020 - 16:43 Uhr
Wegen des guten Tipps bist du entschuldigt ;)
Die Coverplatte ist echt super, hatte ich heute morgen auch direkt in den Alben-Thread gepackt nach'm ersten Durchgang.

Klaus

Postings: 3943

Registriert seit 22.08.2019

01.09.2020 - 16:46 Uhr
Wie schon im Albenthread:

„Long Distance Operators“ ist extrem großartig und packend. Könnte glatt ein Cave/Ellis-Album sein.

"Earl's World" habe ich dann doch gefunden (Spotify Zuordnungen sind manchmal schwierig) und fand es aufs erste Hören schon gut, bin aber generell kein großer Fan von Mundharmonikaklängen, was ja ab und an durchkam. Soweit ich mich erinnere wurde es aber hinten raus noch angenehm lärmend.

Mehr demnächst.

dreckskerl

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Registriert seit 09.12.2014

01.09.2020 - 16:49 Uhr
Ja das ist sie, seit er über 50 ist haut er ein grandioses Album nach dem nächsten raus.

Das 2019er mit den Fatalists "Taken by the dream" ist auch sehr gut und eben dieses Album mit der Französin.
Ansonsten halt die beiden alten Alben "Earls world" und "Second revelator" und die beiden die du erwähnst sind so die besten.

Mayakhedive

Postings: 2253

Registriert seit 16.08.2017

01.09.2020 - 16:53 Uhr
Was du zur "Earls's World" schreibst, spricht mich auf jeden Fall auch an.
Mit Mundharmonika hab ich zum Glück keine Probleme, die kommt ja teils recht verfremdet auch auf der "John Lee Hooker's..." zum Einsatz.

dreckskerl

Postings: 6564

Registriert seit 09.12.2014

01.09.2020 - 17:00 Uhr
Ich liiiiebe gut gespielte Harmonica, bei "Earls world" kommen wegen der Langsamkeit und eben dieser Harmonica leichte Erinnerugen an Talk Talks "Spirit of Eden".

Klaus

Postings: 3943

Registriert seit 22.08.2019

01.09.2020 - 17:03 Uhr
Es war in dem Fall jetzt auch nicht schlimm, sodass es vom Wiederhören abhält. Aber wie gesagt: eher nicht mein Lieblingsinstrument (nicht so schlimm wie Steeldrums!). "Chemical Wedding" klingt aber nach einer vielversprechenden VÖ.

VelvetCell

Postings: 4071

Registriert seit 14.06.2013

01.09.2020 - 19:41 Uhr
Ich nenne "The Spirit" von 2015 mein Eigen. Ebenfalls eine sehr empfehlenswerte Platte. Vor allem erinnert mich der Sound an Lilium. Was aber auch daran liegt, dass Hugo Race auf dem Lilium-Album "Felt" als Gastsänger dabei war.

Von daher der Geheimtipp des Tages:

Lilium - Felt

Right were you are

"We sweat oil and tar and silicar"

dreckskerl

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Registriert seit 09.12.2014

01.09.2020 - 20:46 Uhr
Klingt sehr schön, zu dem Sound passt seine Stimme aber auch wirklich bestens.

Klaus

Postings: 3943

Registriert seit 22.08.2019

01.09.2020 - 21:03 Uhr
So, Fazit zu john lee hookers...

Es ist schon sehr schön. Mag diese sich verlierenden Gitarrenlinien, den Gesang sowieso. Abzüge gibt es für (m)ein typisches Bluesproblem: Es gibt halt ein Sigantureakkord, ein relativ monotoner - fast wie beim Reggae - der viel zu vielen Songs zu Grunde liegt. So auch hier. Drei der Songs haben immer den gleichen schon fast nervigen Akkord/ Beat im Hintergrund - nur in unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Wie dem auch sei: 8/10

Mayakhedive

Postings: 2253

Registriert seit 16.08.2017

02.09.2020 - 15:36 Uhr
Den Vorwurf der Eintönigkeit kann ich nachvollziehen. Das nehme ich schon auch so war, allerdings stört mich das bislang überraschenderweise kein Stück.
Ich bin von diesem Sound ganz verzückt und denke im Moment, dass ich das Album bei früherer Kenntnis vielleicht gar in der Dekadenliste gehabt hätte.
Nichts für jeden Anlass, aber jetzt gerade ideal für mich.

Klaus

Postings: 3943

Registriert seit 22.08.2019

02.09.2020 - 15:38 Uhr
Gestern dann auch mal The Goldstreet Sessions gehört. Gefiel mir gut, ohne allerdings groß Akzente zu setzen. Mit einer Ausnahme: Der 10-Minüter "Is Your Love Strong" ist schon arg geil.

Mayakhedive

Postings: 2253

Registriert seit 16.08.2017

02.09.2020 - 15:48 Uhr
Der schien mir nun wieder etwas lang :D
Hab das Album aber erst einmal im Büro gehört, das muss nochmal aufmerksamer geschehen.

dreckskerl

Postings: 6564

Registriert seit 09.12.2014

02.09.2020 - 16:20 Uhr
Hätte ich mal etwas früher den Herrn Race beworben. Ich bin auch erst letztes Jahr bei der "Recherche" zu der Dekadenliste auf die tollen Veröffentlichungen im letzten Jahrzehnt gestoßen.
Ich hätte 3 durchaus listen können, hab mich dann aber für die Kollabo mit der Französin entschieden.
Sehr stark auch das 2019er Album mit den Fatalists "Taken by the dream".
Das John Lee Hooker Album ist je nach Stimmung genauso geil.
Da denkt man über Blues sei nun alles gesagt, da kommt der mit seinen Feedbacks und verzerrten Harmonica und kreirt einen slowmo Sound als würden zwei riesige Mühlsteine aufeinander reiben.

Mayakhedive

Postings: 2253

Registriert seit 16.08.2017

02.09.2020 - 16:30 Uhr
Glücklich auf jeden Fall, dass du gerade jetzt damit um die Ecke kamst, wo der Sound genau meinen Nerv trifft.

dreckskerl

Postings: 6564

Registriert seit 09.12.2014

07.08.2021 - 15:30 Uhr
Schon wieder ein neues (Solo)Album des emsigen Australiers.

"Dishee" alleine im Studio improvisiert und die einzelnen Stücke zusammengesetzt.
Düstere, Ambient/Dronesounds, very slow Blues, verzerrte Gitarrensounds, indische Tablas, elektronische Soundflächen und Gitarre mit Bluesfragmenten, erinnert dann ein wenig an Neil Youngs "Dead Man".
Zum größten Teil instrumental.

Schwer zu bewerten.


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