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Monta / Miles

User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

25.08.2020 - 11:22 Uhr - Newsbeitrag

MILES und MONTA
Kompletter Backkatalog ab 25.09.2020 via Labelmate auf allen Streaming-Kanälen und neue Monta-Single »All these goods are gone«
Vollbemusterung nur auf Anfrage

Liebe Musiclovers,

Heute ist er vor allem als Produzent und Co-Writer von Künstlern wie Milky Chance, Feine Sahne Fischfilet, Clueso und Thees Uhlmann bekannt. Zuvor stand der Songschreiber, Sänger und Gitarrist Tobias Kuhn hinter zwei der besten deutschen Indie-Pop-Acts überhaupt: MILES und MONTA. Nun erscheint deren Backkatalog erstmals gebündelt bei sämtlichen Streaming-Diensten.

Was mich persönlich besonders freut, weil ich durchaus ein alter Weggefährte von Tobias bin seit jenen Tagen als Rewika Promotion noch Rewika Records hieß und Platten rausbrachte. In unseren Breiten nicht zuletzt Montas erstes Album »Where Circles Begin« und zuvor, in Kooperation mit Marc Liebschers altehrwürdigem Label Blickpunkt Pop, Montas Debüt-EP »Always Altamont«.

Doch bevor ich hier lang rumreminisziere und darüber noch sentimental werde, Wort ab für Torsten Groß, der Tobi Kuhns Schaffen in aller gebotener Ausführlichkeit zusammengefasst hat.

Wir unterteilen das Leben gerne in künstlich voneinander getrennte Kapitel, sprechen von »Neuerfindung« oder »zweiter Geburt«, wenn jemand nun plötzlich etwas scheinbar ganz anderes macht als zuvor. Tatsächlich aber ist das Neue immer schon im Alten angelegt, die meisten Übergänge sind fließend.

Nehmen wir zum Beispiel Tobias Kuhn: Natürlich ist Kuhn heute vor allem als einer der renommiertesten und besten deutschen Musikproduzenten bekannt. Kuhn hat mit Clueso, Udo Lindenberg und den Toten Hosen gearbeitet. Man kennt ihn als Produzenten und Co-Songwriter so unterschiedlicher Künstler wie Feine Sahne Fischfilet, Mark Forster, Alec Benjamin, Alice Merton, Noah Kahan, Lost Frequencies, Gurr und Milky Chance, er schrieb für den »Tatort« die Musik, man könnte die Liste endlos fortsetzen.

Aber vor dieser Geschichte, vor der Geschichte des Top-Produzenten Tobias Kuhn gab es eben noch eine andere – und wenn man genauer hinguckt, gehören beide untrennbar zusammen. Insofern ist es ein Segen, dass sie nun auch endlich in einem nicht nur symbolischen, sondern ganz konkreten Akt zusammengeführt werden: Am 25. September macht Tobias Kuhn den kompletten Backkatalog seiner ehemaligen Band Miles und seines späteren Soloprojekts Monta erstmals gebündelt auf sämtlichen Streaming-Portalen verfügbar, außerdem gibt es mit » All these goods are gone« sogar noch einen ganz neuen Monta-Song. Und so kommt also zusammen, was zusammengehört: Die musikalische Geschichte des Tobias Kuhn wird vollständig.

Begonnen hatte sie in Würzburg. Es sind die Neunzigerjahre, Familie Kuhn hatte in Cambridge und in Peking gewohnt und war nun ausgerechnet nach Unterfranken gezogen: Das malerisch gelegene, architektonisch reizvolle Würzburg mag bedeutende Universitäten haben, mit 130.000 Einwohnern knapp als Großstadt gelten und das sogenannte »Herz der Weinregion Franken« sein, als Popmetropole ist die Stadt eher nicht bekannt. Aber natürlich kommt der beste Pop traditionell ja genau aus solchen Orten, aus der Provinz, von den Hochschulen, aus den Fabriken.

Eben dort, in Würzburg, gründet Tobias Kuhn mit 15, 16 Jahren die Band Miles gemeinsam mit Gilbert Hartsch zunächst als klassische Schülerband. Der Schlagzeuger Andreas Wecklein und René Hartmann (Bass) komplettieren das Line-up, letzterer wird später durch Nina Kränsel ersetzt. Wie gesagt, es sind die Neunzigerjahre: In den USA initiiert der Sänger und spätere Pop-Impressario Perry Farrell die erste Ausgabe der heute weltweit erfolgreichen Festivalreihe Lollapalooza als grellen Rock’n’Roll-Zirkus und Abschiedstournee seiner Band Jane’s Addiction. Das gefällt Kuhn und seinen Freunden natürlich, also schmieden sie in der bayerischen Provinz den einigermaßen größenwahnsinnige Plan, in Deutschland etwas ähnliches aufzuziehen. Spoiler: es gelingt.

Sigi Schuller, ein Freund der Musiker, übernahm das Miles-Management. Er hatte ein Wirtschaftsstudium und kannte sich ein bisschen mit Zahlen und Promotion aus, das musste reichen. Heute ist Schuller übrigens Vize President bei Columbia Records, noch so eine aberwitzige Karriere, die bei Miles begann. Solchermaßen aufgestellt, kam jedenfalls 1993 gemeinsam mit einer Band aus dem Allgäu und einem Elektro-Künstler aus Würzburg tatsächlich die sogenannte Melt-Festival-Tour zustande, die mit dem bekannten Festival in Sachsen-Anhalt nur den Namen gemeinsam hat.

Die Miles-Karriere nahm Fahrt auf: Kuhn lernte den Produzenten Olaf Opal kennen, es wurden erste Sessions im Studio von The Notwist in Weilheim anberaumt. 1996 unterschrieb die Band dann einen Plattenvertrag mit V2. In der Folge waren Miles permanent auf Tour, sie hatten einen Hit in Japan und spielten auch dort, für eine deutsche Band kamen sie verdammt viel um die Welt. Kein Wunder: Mit »The Day I Vanished« (1998) oder »Miles« (2000) verdichtet die Band die wesentlichen Gitarrenpop-Strömungen der Neunziger von Pavement über Blur bis Radiohead zu einem zeitlosen, erstaunlich gut gealterten Indie-Sehnsuchts-Gitarrenpop von melodischer Brillanz.


Auf diese Weise entstanden drei Alben, bis der Gitarrist ausstieg und irgendwie allen klar wurde: alles erlebt, alles erzählt, mehr geht nicht. Kuhn schrieb sich daraufhin für Medizin ein, doch die Musik ließ ihn nicht los. So begann das zweite musikalische Kapitel im Leben des Tobias Kuhn. Unter dem Namen Monta wendete er sich einem intimeren, Folk-grundierten Ansatz zu und nimmt so zwei Alben auf, deren Veröffentlichung er selbst übernimmt. Bald gab es ein weltweites Netzwerk kleiner Indie-Labels, die die Monta-Musik vertrieben und sogar die »Sunday Times« machte »Where Circles Begin« zum Album der Woche.

Und so begann die dritte, bis heute andauernde musikalische Karriere von Tobias Kuhn: die des Produzenten und Songschreibers. Kuhn wäre nicht Kuhn, wenn nicht auch dieser Abschnitt wieder von einer Reihe scheinbarer Zufälle und Begegnungen befeuert worden wäre, die sich eben nahtlos aus allem, was davor war, ergaben.

Es ging immer weiter, Zeit zum Innehalten war nur selten. Kuhn produziert das letzte Tomte-Album, das MTV-Unplugged-Album der Sportfreunde Stiller, Thees Uhlmanns Soloalben, in dessen Band er außerdem Gitarre spielt. So wird der ehemalige Sänger, Performer, Gitarrist und Songschreiber Tobias Kuhn schleichend immer mehr zum Produzenten und Songschreiber, und zwar zu einem der besten und vielseitigsten, die es in diesem Land gibt.

Irgendwann fällt ihm auf, dass er schon ziemlich lange nicht mehr auf der Bühne gestanden und generell nur noch im Privaten eigene Musik gemacht hatte. Monta schleicht sich langsam aus und findet zu einem natürlichen Ende. „Es ist gut, dass es so gekommen ist“, sagt Kuhn. »Ich habe gerne Musik gemacht und ich liebe es, Songs zu schreiben, aber die Bühne war immer eine Überwindung. Als Gitarrist bei Thees war es okay, da hatte ich meinen festen Platz.«

Aber trotzdem war da natürlich noch die viele Musik, die über die Jahre entstanden war. Die Jahre gingen ins Land, Distributionswege und Formate änderten sich, es kam: das Streaming-Zeitalter. Immer wieder wurde Kuhn von Bekannten und Fans auf diese wunderbaren alten Monta- und Miles-Alben angesprochen, die es leider nur auf physischen Tonträgern gab, die dann auch noch überwiegend vergriffen waren.

Diesen Katalog nun im Sinne einer Repertoire-Pflege als Streaming-Paket verfügbar zu machen, ist ein Gedanke, der Kuhn seit einigen Jahren umtreibt. Zumal er bisweilen durchaus noch an eigener Musik gearbeitet hat: Über die Jahre entstanden zwei Monta-Alben, die Kuhn nie veröffentlicht hat. Immerhin einen Song aus diesen Alben macht der Musiker nun mit der Veröffentlichung seines kompletten Backkatalogs als Streaming-Paket erstmals der Öffentlichkeit zugänglich: »All these goods are gone«, ein Indie-Hit reinsten Wassers, mit diesem sehnsuchtsvoll aufgeladenen Gesang, den man an Tobias Kuhn immer geliebt hat, sowie einem himmelwärts strebenden Refrain, für den andere ihr Haus verpfänden würden.

»Es hatte seine Zeit und alles ist gut, wie es war und sich entwickelt hat«, sagt Tobias Kuhn. »Trotzdem wollte ich diese Musik noch einmal zugänglich machen. Das ist meine Geschichte, das gehört alles da rein.« Und so können wir nun also endlich wieder »The Day I Vanished«, »Miles« und »Don’t Let The Cold In« von Miles hören und »Always Altamont«, »Where Circles Begin« sowie »The Brilliant Masses« von Monta. »Es fühlt sich wie anderes Leben an«, sagt Kuhn.

Es ist höchste Zeit, diese Musik wieder aufzusuchen und neu zu entdecken!

(Torsten Groß)
Discography:

Miles:
„Manana EP“ (1992)
„Baboon“ (1993)
„The Day I Vanished“ (1998)
„Miles“ (2000)

Monta:
„Always Altamont EP“ (2002)
„Where circles begin“ (2004)
„The Brilliant Masses“ (2007)


foe

Postings: 36

Registriert seit 10.06.2020

25.08.2020 - 18:57 Uhr
Nur als Streams, verstehe ich das richtig?

jo

Postings: 3344

Registriert seit 13.06.2013

25.08.2020 - 20:24 Uhr
Scheint so. Aber die gab es ja bisher nicht.

jo

Postings: 3344

Registriert seit 13.06.2013

29.08.2020 - 21:49 Uhr
Auch ganz komisch, dass in der "Miles"-Auflistung ganz unten (und auch weiter oben im Text, als die Jahre durchgegangen werden) dann die "Don't Let the Cold in" fehlt. Nur am Ende des Textes wird sie (noch vor der Auflistung) einmal genannt. Scheint also auch dabei zu sein, aber aus der Geschichte gestrichen. Seltsam...

Vive

Postings: 484

Registriert seit 26.11.2019

29.08.2020 - 22:04 Uhr
Fand ich auch seltsam. Ist aber doch sicher dabei!?

jo

Postings: 3344

Registriert seit 13.06.2013

30.08.2020 - 09:47 Uhr
Hoffe ich zumindest. Wobei der Text natürlich etwas übertreibt - besonders schwer ist es ja nicht (und ebenso wenig teuer), an die CDs heranzukommen.

Vive

Postings: 484

Registriert seit 26.11.2019

30.08.2020 - 22:51 Uhr
Das baboon Album hab ich vor ca 15 Jahren bei eBay erstanden, ich glaub für 5 Euro, war damals schon ziemlich rare.

Obrac

Postings: 1346

Registriert seit 13.06.2013

31.08.2020 - 09:16 Uhr
Finde ich gut. Habe letztens noch bei Spotify nach der selbstbetitelten Miles gesucht. Wäre aber schön, wenn von Kuhn mal was Neues käme. Hat sich in den letzten Jahren anscheinend auf Filmmusik konzentriert.

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