Taylor Swift - Folklore

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musie

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28.07.2020 - 08:53 Uhr
Hab in einer Rezension gelesen:

'Vielleicht war Authentizität nie zuvor etwas so unverhohlen Konstruiertes. Der Folk ist im Anthropozän angekommen. Man kann nie sicher sein, dass die Nachtigall nicht in Autotune singt.'

Und trotzdem gefällt mir das Album sehr gut. Exile ist grossartig und die Stimme von Justin Vernon tut dem Album gut, wenn auch Exile ein bisschen gar auf Hit mit Fliessbandcharakter schielt...

Den Vergleich von 'folklore' mit Coldplay's Ghost Stories finde ich gar nicht so daneben.

Leatherface

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28.07.2020 - 09:33 Uhr
Musik bedient Dutzende verschiedene Rezeptoren. Zu sagen "Musik muss für mich XY sein" ist ungefähr so wie zu sagen "Essen muss für mich scharf sein". Kann man machen, aber man verpasst halt andere Geschmacksrichtungen. Für mich muss Essen auf jeden Fall nicht zwangsläufig überraschend oder originell sein, damit es schmeckt, nur halt stimmig.

Wer sich zum Beispiel darauf versteift, dass Musik sich vorrangig um Melodie und Harmonie drehen sollte, wird mit Genres wie Hiphop oder Techno niemals etwas anfangen können, die eben vor allem Lyrik- respektive Produktionsbasiert sind.

Swift hat trotz allem Pop ihre Wurzeln in Country und Folk, beides Genres bei denen es traditionell ums Geschichten erzählen geht. Demnach spielt Text bei ihr natürlich eine größere Rolle. Für wen Text nur eine untergeordnete Rolle spielt, für den wird sich nicht erschließen, weshalb Swift Hunderttausende leidenschaftliche Anhänger hat, die sich vor allem in ihre Lyrics verliebt haben. Das ist ein bisschen wie mit Tocotronic und zahlreichen anderen deutschen Bands: Wenn man die Lyrics gänzlich ausblendet, wirkt das schnell banal und einfallslos.

fuzzmyass

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28.07.2020 - 10:33 Uhr
naja, das Genre wird von Swift selbst ja vorgegeben - es ist in diesem Fall eben nicht HipHop oder Techno, sondern Pop und Folk und Indie... für Pop fehlt es mir an Hooks, Melodien und Schmissigkeit, für Indie ist es zu sehr auf Hochglanz getrimmt und Folk ist es irgendwie nicht wirklich, da fehlt mir diese folkeigene "Urigkeit"... es ist für mich auch keine besonders spannende Mischung aus diesen Genres, da ist das Album recht gewöhnlich und gar langweilig - etwas mehr Wagnis wäre sicher nett, dann hätte man aber evtl. Publikum verprellt, da ist ja bei 200 Mio Verkäufen schon auch ein gewisser Druck dahinter...
Ich hätte es auch wie schon erwähnt gut gefunden, wenn sie mal ihre übliche und bereits bekannte Melodieführung etwas modifiziert oder entwickelt hätte, statt einfach das Soundgewand etwas zu ändern, während die Melodieführung exakt gleich bleibt..
die Lyrics sind recht ordentlich und auf jeden Fall nicht flach oder so, aber besonders spektakulär sind sie jetzt auch nicht - sie ist jetzt sicher kein Dylan...

Summa Summarum steht für mich ein total durchschnittliches Album, was etwas zu stark hochgehyped wird....
Wenn schon Folk/Country, dann finde ich sowas wie Sturgil Simpson deutlich spannender, und wenn Pop, dann gibt es auch interessantere Musiker.

Enrico Palazzo

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28.07.2020 - 10:34 Uhr
Für mich spielt Text zumeist eine große Rolle - und trotzdem erreicht mich Folklore nicht emotional. Ich höre es und es prallt bis auf wenige nette Songs an mir ab. Und ich werde dazu keine weiteren Eckpunkte geben, sonst geht das gedisse hier gleich wieder los. :)

Ist ja auch okay, man kann ja nicht alles mögen. Müsste ich eine Rezension schreiben, 6/10 wäre hier das absolute Maximum.

Enrico Palazzo

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28.07.2020 - 10:36 Uhr
Zum Thema Folk: Das, was ich unter Folk verstehe oder schätze, höre ich hier auch nicht.

Aber ich würde gerne mal ein komplett auf Gitarre reduziertes und ohne viel Produktion aufgenommenes Album von Taylor Swift hören :)

fuzzmyass

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28.07.2020 - 10:54 Uhr
Joa, das was Palazzo sagt...

Leatherface

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28.07.2020 - 11:07 Uhr
Ihre ersten Alben sind vielleicht noch ein bisschen nackter als die Neue oder haben zumindest eine klassischere Band-Instrumentierung. Aber das sind halt 15 Jahre alte Nashville-Countryalben von einer (frühreifen) Teenagerin und das hört man ihnen auch an. In jedem Fall, wenn's nicht klickt, dann klickt es nicht. Ist ja kein Weltuntergang.

Given To The Rising

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28.07.2020 - 11:52 Uhr
DAS hier ist guter Folk:
https://www.youtube.com/watch?v=br_Tsa97xLU

dreckskerl

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28.07.2020 - 12:37 Uhr
Das ist von der Instrumentierung her gerade noch Folk (bei Stück 4 schon aber auch nicht mehr, da gibts dann Synthies und Bratzelgitarren), sehe das aber allenfalls als Dark-Folkrock, Doom Akustik Folkrock wenn es sowas gibt.
Klingt manches auch wie "Düster Slow Meddle" nur halt mit Akustikgitarre, der Gesang ist halt auch nicht Folk.
Nicht ganz mein Ding, passagenweise gefällt mir das gut, aber bei weitem nicht genügend Folk um zusagen, DAS ist guter Folk.

Desto länger es läuft, verlangt es mich danach Mark Lanegan aufzulegen, der ähnliches aufgenommen hat, aber schöner (für meine Ohren)

Given To The Rising

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28.07.2020 - 13:05 Uhr
Ok, dann nimm das hier:
Folk für Leute, die Elche mit bloßer Hand erlegen:
https://www.youtube.com/watch?v=KWTpdOPAZDw

dreckskerl

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28.07.2020 - 13:07 Uhr
Und Taylor Swifts Album ist auch kein Folkalbum, wird durch den Titel vielleicht impliziert, meint damit aber eher das, was sie mit dem Album erzählen will und wie. Die einzelnen kleinen Geschichten und Erinnerungen, ergeben als Sammlung ihre gaz eigene Folkore.
Natürlich, die Akustikgitarren und insgesamt leiseren und sparsamen Arrangements winken auch ein wenig nach Folk.
Es ist ein Singer/Songwriterpop Album mit einer sehr ruhigen, reduzierten, intimen musikalischen Umsetzung.
Im Grunde ist es völlig einerlei welche Genres hier gemixt werden, entscheidend ist, ob es gefällt und berührt.

Francois

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28.07.2020 - 13:08 Uhr
laut.de mit der genau richtigen Kritik,...

Hochgelobt wegen "Indie-Bonus"? Ja
Ist das Album gut? Ja
Ist es ihr bestes Album? Nein
Hätte es mehr Potential gehabt? Ja,...

Und unterm Strich bleibt, dass Taylor eben kein 0815 Popstar ist,... das untermauert sie aber auch auf Folklore...

Textlich ist sie bärenstark... die ersten 4 Nummern sind sehr gut.
Mirrorball und Seven sind für mich neben Exile ihre besten Songs...

Mindestens eine 7 von 10

dreckskerl

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28.07.2020 - 13:26 Uhr
Ulver...."Folk für Leute die Elche mit bloßer Hand erlegen", meinst du nicht das solche Männer etwas schmissigere Folkmusik hören würden.

Dem Album bin ich schon öfter begegnnet, nennt man wohl Neo Folk, die Band kam ja vom Black metal und hat wohl schon vieles ausprobiert.
Klingt phasenweise auch ganz schön, diese "Wikinger Chöre" mag ich jedoch nicht und die gezupften Gitarrenpassagen, die viel von barocker Lautenmusik beeinflusst sind, klingen dann irgendwann etwas ähnlich und naja es gibt sehr viel akustische Gitarrenmusik, die viel besseres Handwerk liefert.
Aber ich kann mir gut vorstelen dass man das abfeiern kann, aber so richtig Folk ist auch das nicht.

Klaus

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28.07.2020 - 13:35 Uhr
Verstehe gerade nicht ganz, was das in diesem Thread zu suchen hat.

Enrico Palazzo

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28.07.2020 - 17:35 Uhr
Ich glaube mittlerweile aber auch, dass es meine eigene Erwartung war, die mich eben hat zu viel oder etwas falsches erwarten lassen aufgrund der Vorzeichen:
- produziert u. A. Von Dessner
- Song mit Justin Vernon
- Waldkauz-Einsamkeit auf dem Cover
- Folklore als Titel

Ich hatte einfach nicht so einen recht glattpolierten "Indiepop" erwartet oder wie auch immer man das nennen will.

Leatherface

Postings: 1648

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28.07.2020 - 17:45 Uhr
Mich erinnert es musikalisch inzwischen vor allem an "Carrie & Lowell". Das verhuscht-herbstliche, melancholische Gezupfe und Geklimper unterfüttert mit sanften elektronischen Elementen ist praktisch identisch. Bei einigen Intros bin ich fast überrascht, dass da nicht Sufjan Stevens' Stimme einsetzt, sondern Swifts ("mad woman" zB). Es ist nicht ganz so stark, vornehmlich weil Swift eher von Beziehungsdingen statt herzzerreißend von ihrer verstorbenen Mutter singt, aber das macht sie mal wieder mit gewohnt hervorragendem lyrischem Gespür und gewohnt schlechtem Gespür, wo der Rotstift anzusetzen ist. Aktuell würde ich seven, epiphany und peace oder hoax streichen - alles nicht schlecht, aber zu viel. Gerade der B-Seite würde etwas mehr Aufregung gut tun.

dreckskerl

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28.07.2020 - 23:58 Uhr
Nein, das Gezupfe (damit meinst du die Carrie and Lowell Signature Gitarrenarpeggios, die so akzentuiert gespielt sind, dass sie fast harfenhaft daherkommen), die gibt es in deutlich weniger akzentuiert, eher verhuscht auch bei Swift.
Carrie und Lowell ist ein Meisterwerk in allen Punkten, es ähnelt diesem Album hier eigentlich nicht sehr, wie ich finde.

Musikalisch erinnert mich Taylor Swifts Album an frühe 00er und da an Beth Orton und Laura Veirs.
Sehr schönes Album.

dreckskerl

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Registriert seit 09.12.2014

28.07.2020 - 23:58 Uhr
An manchen Stellen muss ich am Madonnas Ray of light denken :-)

dreckskerl

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Registriert seit 09.12.2014

29.07.2020 - 00:06 Uhr
Meine 3 Streichsongs wären Mirrorball, Invisible strings und Epiphany.

Mister X

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29.07.2020 - 01:17 Uhr
Habs jetzt auch durch und finde dass es gegen Ende hin immer mehr nach der Taylor vor ihren Radio-Pop-Hits klingt. Also das mit neu erfunden passt nicht ganz. Album gefällt mir aber.

Hornrabe 1

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29.07.2020 - 12:09 Uhr
Ich bin mit seven, epiphany, peace und hoax als Streichsongs voll bei Leatherface.
Mirrorball finde ich absolut genial... :-)

Armin

Plattentests.de-Chef

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30.07.2020 - 17:51 Uhr - Newsbeitrag
Taylor Swift veröffentlicht neue Version von „cardigan“ inklusive Musikvideo

Knapp eine Woche ist es her, dass Taylor Swift völlig überraschend ihr Album folklore veröffentlichte. Heute überraschte sie erneut ihre Fans: Von ihrer Hitsingle „Cardigan“ erschien vor wenigen Stunden eine neue Version inklusive Musikvideo. Ganz im Stil des gesamten Albums fügt sich auch dieses Video visuell perfekt in das Gesamtkonzept hinein.

Taylor Swift - cardigan “cabin in candlelight” version


Die Orginalversion von Taylors “Cardigan“ ist bisher die meistgestreamte Single auf dem neuen Album folklore und verzeichnete über 32 Millionen Streams auf YouTube. Doch nicht nur die Single, das gesamte Album kommt unfassbar gut an. In weniger als 24 Stunden verkaufte sich das Werk weltweit über 1,3 Millionen Mal. Einen zusätzlichen Rekord brach Taylor auf Spotify: Sie ist die erste weibliche Künstlerin, deren Album am ersten Tag 80,6 Millionen Streams verzeichnen konnte. Auch auf Apple Music erreichte das Album in den ersten 24 Stunden 35,47 Millionen Streams und ist somit das meistgestreamte Pop- Album. Darüber hinaus stellte folklore den Rekord für Indie/Alternative Streamings in den USA und weltweit für Amazon Music auf.

kingbritt

Postings: 1913

Registriert seit 31.08.2016

30.07.2020 - 18:39 Uhr

Taylor Swift konnte ich mit ihrem hin und her nie richtig einordnen. Habe auch die vielen Auszeichnungen und Preise nie verstanden.
Der Song hier ist ne klare Ansage . . .

Francois

Postings: 22

Registriert seit 26.11.2019

30.07.2020 - 22:45 Uhr
Album wächst mit jedem Hören.

ConorO

Postings: 1

Registriert seit 30.07.2020

31.07.2020 - 00:05 Uhr
Jetzt hatte ich doch auch Lust, ein bisschen Eindrücke zum Album zu formulieren. Im Gegensatz zu vielen anderen konnte ich bis dato wenig mit Swift anfangen (wobei ich mich auch nie hineinhörte in übergeordneten Maße), dafür immer von Dessners Band und Sound großer Anhänger war und bin. Daher hat mich die Platte - zugegeben durch diese Tatsache - total interessiert.

Inzwischen habe ich Platte an die zehn mal gehört und es hat sich sehr schnell der Eindruck aufgetan: Ich finde die Platte sehr, sehr schön zu hören. Sehr schöner, aber natürlich auch glatter Sound. Neben einigen guten Songs, gibt es für mich auch ein paar sehr, sehr gute (the last..., exile, mirrorball, seven). Für mich unter dem Strich schon ein kleines Highlight-Album 2020.

Natürlich entsteht gerade ein riesen Hype, das Album wird ja extrem gelobt. Ganz so nachvollziehen kann ich das wiederum dann doch nicht. Klar gibt es ja auch relativierende Stimmen (SZ, NY Times, Deutschlandfunk Kultur), die ich alle auch bewusst wahrgenommen habe. Und die ich auch irgendwo verstehen kann. So sehr ich diese Platte schön finde, so ganz tief emotional bewegt sie mich nicht. Es bleibt doch - auf sehr hohen und schlicht schönen Niveau - oberflächlich. Auch textlich - was ja oft sehr gelobt wird - finde ich das sehr schön und gut, aber für mich dennoch nicht absolut herausragend.

Ich würde dem Album eine 7,5 geben. Evtl. hole ich mir die Vinyl. Ich werde das Album sicher auch in Zukunft - jetzt aktuell sowieso - immer mal wieder rauskramen.

musie

Postings: 2828

Registriert seit 14.06.2013

31.07.2020 - 09:14 Uhr
Absolute Zustimmung zu dem, was ConorO im vorangehenden Post schreibt. Mir geht's genau gleich (Anzahl Durchläufe, Bewertung, Vinylfrage). Bei den sehr sehr guten Songs hätt ich noch august zusätzlich in die Klammer gesetzt und die Bewertung auf 7.7 erhöht.

kingbritt

Postings: 1913

Registriert seit 31.08.2016

31.07.2020 - 09:47 Uhr
"Inzwischen habe ich Platte an die zehn mal gehört"
Das wäre bei mir ein Novum. Hat noch kein Album geschafft. Vielhörer. Höchstens drei mal, dann ist der Eindruck aber meistens vollends. Daher Respekt. Bin jetzt aber dann doch neugierig und werde Folklore durchhören. Auch bzw. schon allein deshalb weil ein Vergleich mit dem ebenfalls neu erschienen Album von Sangeskollegin Katie Melua im Raum steht.

Eliminator Jr.

Postings: 779

Registriert seit 14.06.2013

31.07.2020 - 10:06 Uhr
Ich reihe mich mal in den reigen positiv überraschter Skeptiker ein. Und meine Überraschung hat gleich mehrere Ausgangspunkte: Meine einzigen Berührungspunkte mit Taylor Swift waren bis vor kurzem schwer zu verkraftende Refrains ubiquitärer Charthits über fünf Kilometer weit entfernte Deckenlautsprecher verschiedener Einkaufszentren deutscher Großstädte. Warum ausgerechnet sie ein Indie-Folk Album (ein Genre, mit dem ich nichts am Hut habe) machen soll, das mir auch noch gefällt, entbährt vordergründig jedweder Logik. Wie ich zahlreichen anderen Beiträgen hier und in weiteren Musikforen entnehme, gelingt vielen der Einstieg in dieses Album vornehmlich über die Verbindung zu den Indiedarlings The National, deren rotweingetränkte Wohlfühlmelancholie ich seit 2013 auch nur noch schwer ertrage.

Warum ich letztlich überhaupt reingehört habe, weiß ich gar nicht mehr genau (ich glaube ich war sehr, sehr müde), aber ich bin froh, dass ich es getan habe, denn das Album gefällt mir nach einer handvoll Durchgängen ausgesprochen gut. Ich erkenne weder die Kaufhaus-Taylor, noch den Befindlichkeits-Dessner wieder und höre stattdessen ein zwar nicht riesig eigenständiges, aber rundum gelungenes und herrlich unaufgeregtes Pop-Album ohne all den Exzess, der mir schon so viele Pop-Alben verleidete. Auch auf die Gefahr hin, einigen Puristen vor den Kopf zu stoßen, aber ein Stück wie "seventeen" erinnert mich überzeugend und authentisch an Joni Mitchell und ein viel größeres Kompliment kann ich an dieser Stelle gar nicht geben.

Wie es letztlich mit der Halbwertszeit des Ganzen aussieht, bleibt abzuwarten. Der nahende Herbst bringt eigentlich erst das richtige Setting für diese Strickpullover und Fencheltee-Platte. Und ein bisschen freue ich mich schon auf den ausgedehnten Spaziergang in der waldähnlichen Parkanlage in der seltsam berührenden, wenn auch eigentümlichen Gewissheit, dass in den Kopfhörern dieser Gruppe fünfzehnjähriger Mädchen da drüben gerade dasselbe Album trällert, wie in den meinen.

Die Schallplatte jedenfalls ist in einer von sieben (!!!) exklusiven, zugegebenermaßen unheimlich schönen Preorder-Varianten vorbestellt und liegt voraussichtlich pünktlich zur Adentszeit in der Packstation. Bis dahin soll die Begeisterung für diesen wärmenden Wohlklang also gern anhalten.

Achja, und Ihsahn wollen ihr link Albumcover zurück!

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

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31.07.2020 - 11:53 Uhr
Das mit dem Albumcover finde ich witzig. Ich meine, klar ist da ne Ähnlichkeit, aber bei "Schwarzweißfoto vom Wald" ist die Schöpfungshöhe wiederum auch nicht so groß. :)

kingsuede

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31.07.2020 - 21:01 Uhr
Um, kein Exile und kein Mirrorball In den Highlights.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 5334

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31.07.2020 - 21:06 Uhr
Waren beides Kandidaten. Konnte leider aber nicht das halbe Album reinnehmen.

Given To The Rising

Postings: 5027

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31.07.2020 - 21:12 Uhr
Wer Seven nicht als Highlight erachtet, der hat kein Herz. ;)

Francois

Postings: 22

Registriert seit 26.11.2019

31.07.2020 - 21:40 Uhr
Highlights wechseln sich ab. Cardigan mochte ich anfangs gar nicht wirklich. Jetzt grandios.
Wie August oder This is me trying.
Aber Seven ist fantastisch

Xavier

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Registriert seit 25.04.2020

31.07.2020 - 21:40 Uhr
Album des Jahres.

Armin

Plattentests.de-Chef

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31.07.2020 - 21:42 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Xavier

Postings: 448

Registriert seit 25.04.2020

31.07.2020 - 21:47 Uhr
Doch nicht. Nun ja.

exy

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Registriert seit 22.12.2019

31.07.2020 - 22:04 Uhr
Red House Painters (!) und Wilco (!!) in den Referenzen grenzt schon an Gotteslästerung :)

Peacetrail

Postings: 1176

Registriert seit 21.07.2019

31.07.2020 - 22:12 Uhr
Kate Nash, Beyonce, Joanna Newsom, Sufjan Stevens, Damien Jurado etc.
In der Referenzliste stehen einfach alle Frauen der Musikgeschichte und alle, bei denen auf einem Album mal eine Akustikgitarre zu hören war.
Man muss aber klar feststellen, dass 7/10 sehr konsequent ist, wenn man die Diskussion hier verfolgt hat.

kingsuede

Postings: 1559

Registriert seit 15.05.2013

31.07.2020 - 22:26 Uhr
Yo, bei mir ist es eine klare 8/10, und bei Referenzen von Relevanz für TS weit darüber hinaus. Was Klick- und Verkaufszahlen betrifft, dürfte sie wohl gegen die 14 anderen Alben zusammen vorne liegen.

exy

Postings: 83

Registriert seit 22.12.2019

31.07.2020 - 22:33 Uhr
yo und für mich ist das gesamtprodukt cultural appropriation. tut mir leid. fängt beim cover an (black metal/ dark folk) und geht bei der anbiederung am von uns allen geliebten indie-/ folk-rock der 00er und frühen 10er jahre weiter.

ich kann nicht anders als das ekelhaft zu finden, sorry.

kingsuede

Postings: 1559

Registriert seit 15.05.2013

31.07.2020 - 22:38 Uhr
Zum Glück darf jedeR, die Musik machen, die er mag. Sowas wie Cultural Appropriation ist sowieso stets ein linker Quatsch-Vorwurf. Ohne Aneignung von fremden Materialien gibt es keine Kunst, Popkultur wäre undenkbar.

kingsuede

Postings: 1559

Registriert seit 15.05.2013

31.07.2020 - 22:39 Uhr
Hätte sie ein weiteres (stereotypes) Popalbum gemacht. wäre der Vorwurf aufgekommen, sie könne ja gar nichts anderes.

fuzzmyass

Postings: 2326

Registriert seit 21.08.2019

31.07.2020 - 22:39 Uhr
Ist ja auch ekelhaft im Grunde... das ist schon irgendwie eine pseudo credible Innovation/Entwicklung ihrerseits, die keine wirkliche ist...

Klaus

Postings: 1265

Registriert seit 22.08.2019

31.07.2020 - 22:40 Uhr
"Sowas wie Cultural Appropriation ist sowieso stets ein linker Quatsch-Vorwurf. Ohne Aneignung von fremden Materialien gibt es keine Kunst, Popkultur wäre undenkbar."

Endlich sagt es mal einer.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 5334

Registriert seit 26.02.2016

31.07.2020 - 22:42 Uhr
Hätte sie ein weiteres (stereotypes) Popalbum gemacht. wäre der Vorwurf aufgekommen, sie könne ja gar nichts anderes.

Amen.

exy

Postings: 83

Registriert seit 22.12.2019

31.07.2020 - 22:47 Uhr
@kingsuede: wir hatten doch alle tränen in den augen, als wir "funeral", "illinois", "alligator", "ys" und "a ghost is born" (ggf. auch live!) gehört haben.

und 15 jahre später soll "folklore" eine 7/10 oder gar 8/10 sein? dieses abziehbild? von einer musikerin, die bis dato musik für rednecks gemacht hat? sorry, da bin ich raus.

kingsuede

Postings: 1559

Registriert seit 15.05.2013

31.07.2020 - 22:50 Uhr
Ja, 7/10 für Felix, für mich eine gute 8/10. Illinois ist für mich mind. 9,5/10, Ys 10/10, also weit darüber. Die anderen Alben sind nicht meine Bandfavoriten.

Peacetrail

Postings: 1176

Registriert seit 21.07.2019

31.07.2020 - 22:52 Uhr
„wir hatten doch alle tränen in den augen, als wir "funeral", "illinois", "alligator", "ys" und "a ghost is born" (ggf. auch live!) gehört haben.“

exy, vom Trollaccount zum Gefühlsmenschen. Ehrlich: Schappo!

Klaus

Postings: 1265

Registriert seit 22.08.2019

31.07.2020 - 22:53 Uhr
"„wir hatten doch alle tränen in den augen, als wir "funeral", "illinois", "alligator", "ys" und "a ghost is born" (ggf. auch live!) gehört haben.“

Weiß nicht, wen du mit alle meinst, aber die 3/5 der Alben in der Liste würde bei mir nicht mal die Hälfte der Punkte von diesem hier bekommen - und das hier ist noch nicht mal überzeugend.


Given To The Rising

Postings: 5027

Registriert seit 27.09.2019

31.07.2020 - 22:59 Uhr
Maximal beim parallelen Zwiebelschneiden. Ist doch alles subjektiv.

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