Ayreon

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Analog Kid

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29.04.2020 - 21:39 Uhr
Ich mach mal n Thread auf. Hatte schon länger vor, mich mal durch die Diskographie zu arbeiten. Jedenfalls soweit sie mir vorliegt. Ich pack das lieber hier rein, damit nur ware magots schreiben.

Am Anfang schuf Gott das Intro, die Ouverture, den Prolog, die Introduction, dann Himmel und Erde, und sehr viel später kam das erste Ayreon Album

"The Final Experiment"

nämlich im Jahre des Herrn 1995.

Ist mir seinerzeit unerklärlicherweise völlig durch die Lappen gegangen, vermutlich haben mich die ganzen "Musical"-Beschreibungen immer abgeschreckt, eigentlich hasse ich ja Musicals.
Vor ca. 10 Jahren hab ich dann zum ersten Mal in dieses Album als Start ins Ouevre reingehört, und weiss noch bis heute wie ich aus dem Grinsen nicht mehr rauskam. DAS hätte anno 95' bei mir 100pro eingeschlagen wie nix, war ja damls voll drin in meiner Schwulstprogmetal-, Fantasy-& Rollenspielphase (ja, so richtig Pen&Paper :) )
Die musikalische Mischung hier trifft bei mir voll ins Schwarze.

Allein die Tracks 1 bis 6 bilden einen Lauf, wo ein Smasher den anderen jagt. Dieser herrlich bedeutungsschwangere "Prologue", "his name is... Ayreon" und dann die geschmacklosesten (sprich: geilsten) Keyboardfanfaren seit weiss nicht... Final Countdown? Die "Ouverture" wie es sein soll, stellt markante Themen diverser Songs des Albums vor, und die ersten beiden Nummern "Dreamtime" & "Eyes of Time" sind einfach unironisch gute, durchaus nicht unberührt lassende Hardrocknummern natürlich mit der Extraportion "Epischhaftigkeit". Nee, ohne Scheiss, der Lucassen kann gute Songs schreiben, keine Frage. Gesangstechnisch sind hier sehr viel sogenannte "Rockröhren" am Start, die stellenweise auch etwas nerven, aber hier gehts noch.
Das 11-minütige "The Banishment" ist dann der Longtrack des Albums, und definitiv eine der geilsten Nummern hier. Wieder diese Fanfaren aus der Ouverture, Rockröhrengeröhre mit pseudosouligem Backgroundgesang (so ein bisschen Möchtegern-Pink Floyd) und dann plötzlich diese Keith-Emerson-Orgel unterlegt mit arschgeilem 80ies-Metal, und Solos, Solos und nochmal Solos, man kommt aus dem Luftgitarre, Luftkeyboard und Luftschlagzeugspielen gar nicht mehr raus. Und dann dieser völlig unpassende Death-Metal-Part. Ich muss echt jedes Mal lachen, das ist Progrock-Comedy at it´s best. Und was muss nach einem Death-Metal-Part kommen? Richtig, ein höfischer Minnesang. "I must win the heart of Guinevere!!!" schmachtet die nächste Rockröhre untermalt von Spinett und Flöte in "Ye Courtyard Minstrel Boy" (eine sehr gute aber).
Und wer dachte, noch mehr Dopamin kann nicht ausgeschüttet werden, wird mit "Sail Away To Avalon" eines besseren belehrt. Wehe hier kommt einer mit Santiano-Vergleichen. "Sail Away And Never Die, The Gods Are At Your Side..." - epischer wurde nie geschunkelt.
Die nächsten Stücke (Game Over, Waracle) find ich dann nicht sooo dolle, es wird mir stellenweise etwas zu sehr gerockröhrt, aber sind okaye Nummern.
Herausragend dann wieder: "Listen To The Waves", Pink Floyd meets Herr der Ringe oder so, & "Merlins Will" & "The Charm Of The Seer", saugeile Ohrwürmer mit schönem Irish-Folk-Touch, auch hier wäre eine gute Gelegenheit, Santiano-Fans behutsam an Prog heranzuführen (falls jemand ein solches Bedürfnis verspüren sollte).
Das Finale enttäuscht nach all dem Spass dann ein wenig, auch wieder zu viel nerviger Gesang (ein generelles Problem auch gerade späterer Ayreon-Alben), ganz zum Schluss gibts dann noch krassestes 4D-Schach, wenn der "Narrator" sich an den Hörer wendet:"The Outcome of the Final Experiment now lies... IN YOUR HANDS!"

aber trotzdem knappe 8/10

Analog Kid

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29.04.2020 - 22:41 Uhr
Als nächstes mal "Into The Electric Castle", obwohl vorher ja noch "Actual Fantasy" kam, aber die Electric Castle ist der Alltime Favourite von Mr. Lucassen für mich, daher kommt die mal jetzt schon:

"Into The Electric Castle" (1998)

Hab ich mir damals gleich als nächstes geholt, nachdem die Final Experiment so überraschend viel Spaß bereitet hat, und wurde hier ebenfalls nicht enttäuscht.

Dieses Intro schon wieder: "...you must enter the nuclear portals of THE ELECTRIC CASTLE!!!" dadämm!!!

...und schon sind wir wieder in einer MEGAEPISCHEN Story, die ich jetzt nicht wiedergeben werde, da ich erstens bis heute nix so richtig davon gecheckt habe, und es zweitens auch scheissegal ist.

Diesmal in Sachen Sänger und Gastmusiker mit deutlich mehr Prominenz als vorher (Fish, Anneke van Giersbergen, Damian Wilson, Clive Nolan)

Gleich die ersten beiden Nummern "Isis and Osiris" & "Amazing Flight" lassen eigentlich keine Wünsche offen, ausgezeichneter, moderat angeproggter Melodic-Rock wird hier serviert, deutlich besser und professioneller produziert als auf dem Debüt. Sehr geil wieder die folky Passagen auf "Amazing Flight", Jethro Tull lassen diesmal grüssen. "Time beyond Time" verbindet dann spacige Pink Floyd-Klänge mit ebenfalls mit einem folkigem Zwischenteil, und es funktioniert super (diese Mischung kriegt irgendwie auch nur Mr. Ayreon so hin)

Bei "Across The Rainbow Bridge" krieg ich immer solche Tenacious D.-Vibes ("Enter The Gate!!!"), es klingt ausserdem auch schwer nach der BAND Rainbow (irgendwie logisch)

to be continued...

Bonzo

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29.04.2020 - 22:52 Uhr
Das Œuvre Lucassens erinnert mich an Rush. Es ist der selbe vertraute Sound, aber immer gerade richtig alternierend. Die Fanbase ist auch frappierend ähnlich.

Analog Kid

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29.04.2020 - 23:42 Uhr
"BEHOLD!!! The Star Towers Of The Electric Castle..."

CD2:

"Garden Of Emotions" nervt leicht mit einigen Gesangspassagen ("Se Weussesss in se Skeiii"), ist aber sonst OK, schön protzige Neoprog-Keys machen Laune.

"Valley Of The Queens" - Anneke lässt den Hörer schmachten - wunderschön.

"The Castle Hall" dann völlig geil. Erst so ne Art Frankenstein-Version von Mike Oldfields "Shadow On The Wall", dann wieder fröhliche Folkmetalpassagen, und es passt wie "Arsch auf Eimer" (diese klassische Redewendung aus ca. jeder zweiten Plattenkritik im Rockhard anno damals muss jetzt leider sein)

"The Tower Of Hope" - erstklassiger Ohrwurm, hätte problemlos ne Hitsingle sein können.

"Cosmic Fusion" - Zuerst ätherische Klänge, dann erschütterndes Gegrowle unterlegt mit ebenso erschütternden Key-Fanfaren. The Tension Rises... und es folgt ein naaaa - genau, Solopart, gefolgt von einem Solopart, gefolgt von einem Unisono-Solopart. Geilomat.

"The Mirror Maze" - Part One - Lucassen versucht sich an einer Beatles-Imitation mit 80ies AOR-Refrain und es gelingt gerade so - Part Two - wieder mehr vertrautes Hardrockgelände, schon besser, das Finale wieder grandios ("Riding On The Wings Of Time...")

"Evil Devilution" - ganz geiler Ohrwurm mit etwas anachronistisch daherkommenden (und deswegen auch schon wieder ganz geilen eigentlich) "futuristischen" Soundeffekten, am Ende wird nochmal amtlich abgeproggt, top.

"The Two Gates" - Ok, hier jetzt echt Tenacious D. "Enter The Gate To Your DESTINY!!!" Was ich an diesem Album so liebe, ich werd den Verdacht nicht los, dass das alles im Gegensatz zu späteren Ayreon-Alben auch eher mit Augenzwinkern zu verstehen ist, kann mich aber auch irren.

Zum Schluss dann wieder ne hübsche Beatles-meets Hardrock-Nummer, ein besseres Finale als die Erste auf jeden Fall

9/10

hideout

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30.04.2020 - 09:30 Uhr
"Into The Electric Castle" (1998)

Hab ich mir damals gleich als nächstes geholt


Die habe ich aucu und die nimmt ganz schön Platz weg, aber seinerzeit gab es ja noch keine Plastikdiskussion. :D

"The Castle Hall" dann völlig geil.

Geil? Wahnsinn! Demons dance in the castle hall ... mein absolutes Highlight auf dem Album. Ein Meisterwerk von einem Song, dieser Gitarrensound und insebsondere der tiefe Gesang - eine unfassbare Atmosphäre, die trotz dieser ganzen radikalen Stilwechsel überhaupt nicht leidet.

Insgesamt finde ich diese ganzen "liquiden" elektronischen Spielereien unheimlich gut, das klingt seiner Zeit schon sehr voraus.


Bin schon gespannt auf "The dream sequencer", "My house on Mars" höre ich heute genauso gern wie damals, hat sich nie abngenuitzt. :)

Analog Kid

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08.05.2020 - 22:00 Uhr
So, Bierchen ist eingeschenkt, weiter geht's:

Ayreon - Actual Fantasy

"Sit back and relax, crawl into the maze..."

Großmeister Lucassen entführt uns auf dem zweiten Ayreon-Album diesmal weniger in ein maze, als in eine eher lose Songsammlung, die wohl teilweise von diversen Filmen und Stories inspiriert ist, das einzige Ayreon-Album glaub ich, das tatsächlich kein Konzeptalbum ist, und ohne große Gästeliste.

Ist Ewigkeiten her, dass ich die zuletzt gehört habe, aber der Refrain von "Abbey of Sins" war gleich wieder präsent. Nicht schlecht. Der Song ist wohl von "Der Name der Rose" inspiriert, schön schleppende Nummer, mit leicht psychedelisch anmutendem, mehrstimmigem Gesang.

Auch der zweite Song haut in die gleiche Kerbe, ein sehr geschmackvoller (naja, also für Ayreon-Verhältnisse) 70ies/80ies Hardrock-AOR-Song mit schönen instrumentalen Schnörkeln und Schlenkern.

In dem Stil geht's dann weiter, "Computer Eyes" dann mit heftigen PF-Anleihen a la "Welcome to the Machine" und einem etwas plakativen Text über ein Bewußtsein, dass in einem Computer gefangen ist, vermutlich einem 386er mit 25 Megaherz und VGA Grafikkarte. Dated, aber witzig.

"Beyond the last Horizon" grummelt in den Strophen etwas rum, fährt dann aber eine Refrainmelodie zum Niederknien auf, geil, Hit!!

"Farside of the World" bietet neben dem (auf diesem Album übrigens allgegenwärtigen) Sequenzergewummer und Brian-May-Gedächtnisgitarren dann einen Refrain, der an schönste Slade-Momente erinnert, echt cool.

"Back On Planet Earth": seltsame Rhythmik & Melodieführung gelingt es so in etwa eine Art "Hardrockspacefeeling" zu erzeugen - wenn die bärtigen Dudes aus dem Film "Darkstar" statt Country epischen Progmetal bevorzugt hätten, wäre diese Nummer wohl in Dauerschleife in der Kommandozentrale gelaufen (ach was, das ganze Album wahrscheinlich).

Auf Forevermore dann wieder die unnachahmliche Mischung aus Beatles und Hardrock/Metal, die auch irgendwie so Ayreon-typisch ist, sehr hübsch. Cool, wie das so Hey-Jude-mäßig am Ende ausläuft.

"Dawn Of Man" haut einem dann die Synthiekaskaden um die Ohren, dass einem ganz kosmisch zumute wird. Ein total geiler Ohrwurm, der dem Hörer mit gnadenlos überproduziertem Überwältigungspathos nichts geringeres als die Entstehung der Menschheit nahebringen will in knapp 6 Minuten. Janeeisklar. :)

Würd ich auch 8/10 geben, macht einfach Spass die Platte.

Now prepare to enter the Dream Sequencer...
(hoffentlich reicht mein Bier)

Analog Kid

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08.05.2020 - 23:18 Uhr
Ab in den "Isolation Tank", Elektroden befestigt, Bier steht griffbereit, komme was da wolle...


Ayreon - Universal Migrator Part I: The Dream Sequencer


Ach ja, "I'm alone in my house on mars...", ich vergaß...
Johan "Tiamat" Edlund gruftet durchaus effektvoll im Space-Ambiente und bringt die Verlassenheit einer solchen Existenz ganz gut rüber - allein, ich kanns immer noch nicht 100% ernst nehmen, das ist trotz allem immer noch eher Roland Emmerich als Stanley Kubrick :) ist aber ein guter Song whatsoever.

"2084" dann durchaus ähnlich, auch wieder so Endzeitstimmung, erinnert auch an irgendwas von "Final Experiment", womöglich besteht da ein inhaltlicher Zusammenhang.

"One Small Step" thematisiert offensichtlich die Mondlandung, auch wieder in seeehr getragenem Tempo, langsam krieg ich Bock auf ein bissel mehr Action...

Die bietet der nächste Song ("The shooting company of Captain Frans B. Cocq") leider auch nicht so wirklich, dafür aber hübsche Gesangsmelodien wieder mit leichter Beatles-Schlagseite.

Ich muss es leider so deutlich sagen: Lana Lane nervt kolossal. Anneke van G., wo bist du??
Ich mein, in den ruhigeren Momenten geht's, aber dieser Refrain in "Dragon Of The Sea" - da krieg ich ja Angst um mein Bierglas.

Oh, da ist Anneke ja wieder. Ach nee, ist eine gewisse Jaqueline Govaert. Schon deutlich angenehmer. Der Titel "Temple of the Cat" lässt einen zwar schlimmes ahnen, ist aber eine hübsche Nummer mit vergleichsweise wenig Nervpotential - aber auch wieder so... ähh... langsam...

Charm of the Seer? Carried by the Wind? Hab ich irgendwie grad ein Dejawü...? Eine folkige Nummer mit "Ayreon" Lucassen in der Hauptrolle, soll wohl den Bogen schlagen zum ersten Album, ein Möbiusband aus Albumkonzepten umschlingt den Hörer...

Ah, Damien Wilson, "And The Druids Turn To Stone..." - dudidudidudiduuuu... schöne, folkige Melodie wieder, aber im Gegensatz zu den Vorgängern fehlt halt der dann immer irgendwie darauf folgende "Abgeh-Part" - alles wieder in diesem zääääheeen Tempo...

Ok, Neal Morse hat auf "First Man On Earth" leichtes Spiel. Die mit Abstand beste Nummer hier. Nix mehr zäh und lahm, wirkt so locker und aus dem Ärmel geschüttelt wie immer bei unserem Jesus-Fan. Hätte echt mal Bock auf ein komplettes Album Lucassen meets Morse :) Auch wieder sehr geschmackvolle Beatles-Reminiszenzen.

Zum Schluss dann nochmal instrumental Floyd ohne Ende, überhaupt bei eigentlich fast jedem Song eine gilmouresque Gitarre nirgendwo, und alles eben in diesem typischen geriatrischen Floyd-Tempo, bin da ja nicht soo der Riesenfan von.

Deshalb will ich mal mit Symphathiebonus und gaaanz viel Augen zudrücken noch

7/10

geben

Als nächstes dann der "Flight of the Migrator"...

Analog Kid

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10.05.2020 - 00:13 Uhr
Universal Migrator Part II: Flight Of The Migrator:

Weils so schön war, gleich nochmal in den Isolation Tank...

„Dream Sequencer system online, Beers filled intus, kann losgehen...

I will now take you back to the time before the big bang and the birth of the very first
soul called the Universal Migrator. However, system protocols require confirmation of
RISK FACTOR. No user has ever preincarnated back this far before.
ARE YOU SURE YOU WANT TO CONTINUE?“

Wer so krass drauf ist, und jetzt echt continued, erfährt erschütternde Fakten über unser Universum: Am Anfang war nicht etwa das Wort, der Urknall, oder was da sonst törichte Menschlein je gedacht haben, sondern: Synthiefanfaren, Doublebass und Speedmetalriffs! Nehmt das, Einstein, Hawking und wie ihr alle heisst!

Im Ernst, als gelte es die ultimative Antithese zur Lahmarschigkeit des ersten Teils zu bieten, serviert der Meister bereits im Intro feistesten Symphonic Speedprogmetal dass es nur so qualmt. Und das bleibt im Grossen und Ganzen gottseidank auch über die ganze Distanz der knappen Stunde so.
Sänger und Gastmusiker rekrutieren sich demzufolge auch diesmal auch mehr aus der Metal-Ecke, plus ein paar unvermeidliche Ayreon-Konstanten (Lana „Nerv“ Lane leider auch, trällert aber gottseidank nur im Hintergrund rum)

Gleich die beiden ersten Nummern sind Hits sondergleichen, „Dawn Of A Million Souls“ stampft im Midtempo, während Symphony X´ens Russel Allen heldenhaft wie immer den Killerchorus zur Urknallhymne schlechthin schmettern darf:“What a show! Behold! The dawn of a million souls!“, wer hier nicht die Dieter-Bohlen-Faust (oder mindestens zwei) ballen will, hat kein Herz im Leib!

"Journey On The Waves Of Time" genauso packend mit dem etwas schrilleren Organ Ralf Scheepers´"verziert". Geiles Key-/Gitarren-Co-Geriffe in den Strophen und cooles Hammondsolo mittendrin.

Weiter geht’s "To The Quasar", mit schönem mehrstimmigen Gesang, hier krieg ich voll die Electric-Castle-Vibrations, ein weiterer Volltreffer! Im zweiten Teil wirds dann symphonisch-futuristisch und der Meddl von der Leine gelassen - "Toooo The Quäääääiiisaaar", ich möchte meine He-Man-Figuren-Sammlung vom Dachboden holen und damit ein Musikvideo mit billigen Laserstrahlen-Effekten drehen.

Danach wird es ernst, es geht nämlich ins "Black Hole" und es barmt und greint kein Geringerer als Bruce Dickinson persönlich – man stelle sich vor:"Nothing escapes, not even light!!!" Ja so soll es zugehen in schwarzen Löchern, gut dass man es jetzt aus erster Hand weiss. Der Song ist wieder eher schleppend und in der Mitte darf Clive Nolan von "Arena" seine berüchtigten Wiuwiuwiuwiuwiu-Keys solomässig loslassen. Am Ende gibt’s dann ein schwarzes Loch in Gestalt eines gaaanz leicht überproduzierten Gesangsoverkills, da muss man durch.

Wie jeder weiss, muss man nach einem Black Hole zwangsläufig auch durch ein "Wormhole", wovon uns dann auch in der folgenden Nummer Fabio Lione (Rhapsody) unterrichtet.
Über einer leicht gewöhnungsbedürftigen Basis aus einem merkwürdig hüpfendem Orgel-& Keypatterns geht Maestro Lione seinem Tagewerk nach, eine eher mittelmässige Nummer, aber OK.

Keine Ahnung wieso man dann „Out of the white hole“ kommt, aber Astrophysiker Lucassen wird sich schon was dabei gedacht haben. Der Song gefällt wieder, schön schmissige Melodien, diesmal ist Timo Kotipelto von Stratovarius dran. Reizende Solotüpfel von Gitarre und Keys an allen Ecken und Enden machen Spass.

Nach all diesen nervenaufreibenden Adventures endlich ein "glimpse of home", es geht nämlich "To The Solar System", optimistisch rockröhrt der bereits vom "Final Experiment" bekannte Robert Soeterbek "Planet Of Blue" ist in Sicht! Aber nein, ein "system alert" macht alle Hoffnung zunichte...

Oder doch nicht? Ach so, jetzt verstehe ich: in "The New Migrator" ist dann anscheinend der Mensch enstanden, wir haben also die intergalaktische Reise der "Ursuppe" sozusagen durch Zeit und Raum verfolgen dürfen. Glaube ich jedenfalls. Ist auch egal.
Die letzte Nummer gibt nochmal Vollgas, Killerrefrain, und Solos über Solos, geil.

Insgesamt deutlich besser als der Dream Sequencer, aber genrebedingt nicht so vielfältig wie "Electric Castle". Eigentlich ein astreines Melodic Speedmetal-Album, mit gaaanz viel Zucker und Sahne in Gestalt von überbordendem Keyboardbombast , Chören und Gitarrensolos obendrauf. Ich finds wieder sehr witzig, und es sind grösstenteils auch einfach echt schmissige Nummern mit ordentlich Ohrwurmpotential.

8/10

doept

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Registriert seit 09.12.2018

10.05.2020 - 00:28 Uhr
Interessanter Thread!

Eigentlich ist das so gar nicht meine Musik, aber vielleicht sollte ich Ayreon echt mal eine Chance geben.

Hatte zwar mal kurz bei Ayreon reingehört , aber so richtig kenne ich ihn (Arjen Lucassen) nur vom Nebenprojekt "The Gentle Storm" (2015), und das habe ich mir auch nur angehört da ich Anneke van Giersbergen-Komplettist bin ;-)

Mittlerweile ist das Album in der regelmäßigen Rotation, was neben der wie immer famosen Leistung von Anneke natürlich auch an der wirklich gut durchdachten Story und Musik liegt, in dem Fall ja mit auf zwei Alben verteilten Prog- und Akoustik-Versionen, die beide super sind.

Analog Kid

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Registriert seit 27.06.2013

10.05.2020 - 11:40 Uhr
Das Gentle Storm Album ist mir ein Begriff, leider wie so mancher anderer späterer Lucassen-Release bisher an mir vorbeigegangen. Wurde ja recht wohlwollend aufgenommen glaub ich. Muss ich mir noch holen, genauso wie die "Lost in the new Real", soll ja auch ganz gut sein.

Würde dann auch die Bands/Projekte abseits von Ayreon hier reinstellen, soweit geläufig.

Mach deshalb dann mal kurz weiter mit "Star One - Space Metal", die ja gleich nach der zweiten Universal Migrator rauskam, und stilmässig ähnlich ist, nur mit deutlich dünnerer Personaldecke diesmal, angeblich wollte Lucassen mit diesem Projekt endlich mal live auftreten, und bei der Gelegenheit auch gleich mal ein paar Ayreon-Klassiker zum Besten geben.

Am Mikro dürfen sich wieder allem Russel Allen, Damien Wilson und Floor Jansen austoben, mit Unterstützung von Elchtodlegende Dan Swanö & Dave Brock von Hawkwind. Flitzefingerkeys gibt's u.a. von Malmsteen-man Jens Johannsen.

Wie schon auf "Actual Fantasy" gibt's hier nur ne lose Songsammlung, jeder Song widmet sich einem berühmten SciFi-Film, ähnlich wie damals die legendären Blind Guardian-Alben, bei denen man auch immer so schön raten konnte, welches Buch oder welcher Film zugrunde liegt.

Der Einstieg nach kurzem Intro gerät mit "Set Your Controls" grandios - ein übelst geiler Speedmetal-Smasher von Sir Russel Allen stilsicher vorgetragen, im Refrain darf dann Damian Wilson ran, auch weiblicher Background balanciert auf der Schneide lustig/nervig und stürzt nicht ab. Als Sahnehäubchen gibt's noch schöne Malmsteenmässige Spinettsolos von Johansen oben drauf.

Leider wird dieses Niveau nicht über die ganze Albumdistanz gehalten. High Moon z.B. dann leicht zwiespältig, in der Bridge (oder ist das ein Refrain? K.A.) genial ("The Shuttlecraft has landed...") aber dieses langgezogene "Heiii Muuuuuhn" dann leider leicht nervig. Das zieht sich dann so ein bisschen durchs ganze Album.

"Songs from The Ocean" dann ähnlich, aber der Refrain reissts raus, gute Nummer.

"Eyes of Ra" muss noch gesondert Erwähnung finden - dieser fette Chorus, der im Intro und im Solopart kurz angedeutet wird, und dann zum Schluss übernimmt, während die Musik drumrum langsam ausgeblendet wird - das ist ein absolut umwerfender Moment. Gänsehautalarm hoch zehn!

Die restlichen Nummern sind gut bis ok, nix allzu besonderes, n bisschen Lucassen von der Stange sozusagen.

7/10

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