Film: Knives Out

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

12.01.2020 - 22:02 Uhr
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Hype gerechtfertigt?

Für mich eine 7,5/10. Eventuell wäre es ein halber Punkt mehr, wenn die Kino-Nebensitzer nicht zur Unzeit am lautesten gewesen wären.

Zu faul zum einloggen

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Registriert seit 13.07.2017

12.01.2020 - 22:15 Uhr
Hallo Armin, willkommen bei Plattentests.

Wir haben hier einen Film-Thread: https://www.plattentests.de/forum.php?topic=14905&seite=539

Dort wurde der Film auch schon besprochen.

Nein, Hype nicht gerechtfertigt. Der Film ist selbstgefällig, medioker und bestätigt nur, dass das Murder-Mystery-Genre nichts mehr zu bieten hat und Rian Johnson kein guter Regisseur ist.

MopedTobias

Postings: 13677

Registriert seit 10.09.2013

12.01.2020 - 22:17 Uhr
Na, wenn MACHINA seine Sachen auch immer doppelt postet, kopier ich meinen Text hier auch rein :D

Knives Out 8/10

Bekanntermaßen hat Rian Johnson für "Star Wars: The Last Jedi" völlig unverhältnismäßigen Hate von beleidigten Fanboy-Manbabies im Netz abbekommen. Ist "Knives Out" ein Kommentar darauf? Eher nein, auch wenn es hier zumindest einen jungen "Twitter-Troll" als Charakter gibt, den man sich auch wunderbar als einen dieser virtuellen Marktschreier vorstellen könnte. Johnson kontert die Kritik auf eine viel banalere Weise, indem er schlicht einen sehr guten und eigenständigen Nachfolge-Film gemacht hat.

"Knives Out" ist gleichermaßen herrlich altmodisch wie modern. Im Kern sehen wir eine klassische "Whodunnit"-Geschichte, wie sie heute kaum noch gedreht wird: Harlan Thrombey (Christopher Plummer), ein — Achtung, meta! — gefeierter und wohlhabender Krimi-Autor, feiert seinen 85. Geburtstag im Kreis seiner dysfunktionalen Familie und wird am nächsten Morgen tot aufgefunden. Zunächst sieht es nach Suizid aus, doch bald beginnen tiefergehende Ermittlungen, bei denen jedes Familienmitglied zum potenziellen Verdächtigen wird. Doch Johnson hat nicht nur einen alten Aufguss wie Kenneth Branaghs okayes, aber etwas dröges "Murder on the Orient Express"-Remake aufgekocht. Sein Film ist vollständig im Jetzt verankert. Er greift aktuelle politische Diskurse explizit auf, steckt voller Popkultur-Verweise von "Hamilton" bis "Baby Driver" und weiß ganz im postmodernen Geiste auch um seine eigenen Referenzen und Motive. Hier liegt der Clou: "Knives Out" ist sicher mehr Hommage als Parodie, doch neigt der Film zur Überzeichnung seiner traditionellen Tropen. Das fängt schon bei Thrombeys Klischee-Villa an, einem verschachtelten, mit Geheimgängen ausgestatteten Herrenhaus, vollgestopft mit ominösen Krimskrams. An dieser Stelle seien auf jeden Fall das grandiose, detaillierte Set Design und die tollen Kostüme zu loben — Johnsons nicht nur erzählerisch, sondern auch räumlich eingeschränkter Fokus hat sich voll ausgezahlt. Das dramatische Selbstverständnis der Familie wirkt manchmal etwas aufgesetzt, passt aber hervorragend zum Setting und nicht zuletzt auch ihrem ermordeten Oberhaupt, der auch andere Aspekte seines (Ab)Lebens wie seine Bücher inszeniert. Fantastisch gerät auch Johnsons ganz eigener Hercule Poirot. Daniel Craigs Ermittler Benoit Blanc ist eine zwischen Eleganz und Albernheit schwankende, unheimlich faszinierende Erscheinung mit einem knurrenden Südstaaten-Dialekt und einem ganz eigenen Sinn für Theater und Dramatik. So pulpig-spaßig hat man den sonst so ernsten Craig fast nie gesehen, nicht mal sein Wasserstoff-blondierter Tunichtgut in "Logan Lucky" kommt da ran.

Auch der sonstige Ensemble-Cast überzeugt. Ob seiner Größe lässt sich nicht auf jeden einzelnen eingehen, aber hervorheben kann man z.B. Toni Collettes verpeilte Instagram-Influencerin oder einen herrlich gegen den Strich gecasteten Chris Evans, der ein astreines Vorzeige-Arschloch spielt. Den Fixpunkt für den Zuschauer stellt indes Ana de Armas als Marta, Krankenschwester und erste Bezugsperson für den alten Thrombey, dar, an der Johnson auch seinen politischen Subtext exerziert. Natürlich will "Knives Out" mehr als nur banale murder mystery sein, das Herrenhaus steht symbolisch für ganz Amerika. Die Thrombeys begegnen Marta nur augenscheinlich liberal und tolerant, setzen sie aber subtilen rassistischen Spitzen aus und offenbaren schließlich, wenn es ums Eingemachte geht, ihr wahres, um ihre Machtwahrung bangendes Gesicht. Sonderlich komplex ist das nicht, wird aber kohärent und relativ ungezwungen in den Plot eingearbeitet. "Knives Out" hat ein paar kleinere Schwächen: Manch ein Dialog ist eine Spur zu selbstverliebt und der Cast ein bisschen unnötig aufgebläht (schade um etwa Lakeith Stanfield als Blancs im Hintergrund stehender Helfer-Cop). Aber insgesamt ist es ein dynamischer, witziger, stilsicherer und selbstbewusster Film, mit dem sich unabhängig vom Subtext unheimlich viel Spaß haben lässt. Dass es wohl zumindest einen Nachfolge-Film mit Craig als Ermittler geben wird, ist ein großer Grund zur Freude.

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

12.01.2020 - 22:32 Uhr
Hallo Armin, willkommen bei Plattentests.


Danke, bin neu hier.

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