Bücher: Karl Ove Knausgard - "Min kamp"-Reihe

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The MACHINA of God

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03.10.2019 - 01:27 Uhr
Ich finde, dazu könnte man doch mal nen eigenen Thread machen. Affengitarre liest es grad, wie ich weiss, und im Buch-Thread war ja auch oft die Rede.

Hab auch schon wieder Lust, wieder anzufangen.

Bald mal mehr, das nur zur Eröffnung.

myx

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03.10.2019 - 09:00 Uhr
Gute Idee, freue mich über diesen Thread und werde gerne meine Eindrücke beisteuern. Mir fehlt noch der finale Band 6, mit dem ich ab Mitte November (Rückkehr aus den Flitterwochen) starten werde.

Affengitarre

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03.10.2019 - 11:22 Uhr
Ja schön, ein Thread dazu macht schon Sinn.

Habe ja erst kürzlich damit angefangen, bin also aktuell erst im letzten Viertel von Band 1. Ist eigentlich auch genau meine Art Buch, es konzentriert sich auf zwischenmenschliche Beziehungen und geht (was natürlich bei der Thematik Sinn macht) stark auf das Innenleben des Erzählers ein. Knausgard schreibt so offen und schonungslos, so direkt und unverblümt, schafft aber durch seine Sprache immer wieder beeindruckende Bilder.

Ich kann mir vorstellen, dass manchen die etwas langwierigen Stellen über gewisse Punkte seines Lebens (beispielsweise jetzt die Jugend mit dem Verliebtsein und allem drum und dran) anöden, ich finde das allerdings sehr klasse. Ich mag halt sowieso Geschichten über Menschen, die durch die Welt stolpern und mit anderen Menschen reden (liebe ja auch Murakami) und man lernt den Protagonisten und andere wichtige Charaktere dadurch auch viel besser und auch intimer kennen.

Besonders heftig war jetzt die Passage, in der er mit seinem Bruder nach der Nachricht zum Haus der Großmutter fährt und alles so extrem wiederfindet. Schon sehr brutal. Ist natürlich auch eine sehr schwierige Thematik.

Ich weiß jetzt nicht, ob Spoilerwarnungen bei so einer Art Buch wirklich notwendig sind, aber ich mache es vorsichtshalber mal trotzdem.

+++SPOILER+++

Ich finde ja den Fall des Vaters ziemlich krass. Er wird ja zunächst vorgestellt als zwar kühler und harter, aber auch gebildeter und disziplinierter Mann, der viel Wert auf sein Erscheinungsbild legt. Da ist es schon erschreckend, wie groß der Fall dann gegen Ende ist.

+++SPOILER ENDE+++

The MACHINA of God

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05.10.2019 - 01:17 Uhr
Jepp. Band 1 ist direkt auch wohl der heftigste. Aber im Gesamtkontext sicher sehr gut, mit dieser Phase seines Lebens anzufangen... da der Vater defintiv das Zentrum seiner Geschichte auf irgendeine Art und Weise ist.
Hach, ich hab schon wieder Lust, es zu lesen.

Obrac

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05.10.2019 - 08:36 Uhr
Habe auch neulich mit "Sterben" angefangen. Macht Spaß, das Buch.

Affengitarre

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05.10.2019 - 11:43 Uhr
"Spaß" ist interessant ausgedrückt. :D Band 1 habe ich gestern geschafft, das war schon sehr intensiv. Gerade gegen Ende im Haus der Großmutter, puh. Bin mal gespannt, wie es weitergeht.

myx

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05.10.2019 - 13:12 Uhr
Man nistet sich ja im Innersten von Knausgards Seele ein und will da gar nicht mehr weg. Über 3000 Seiten bin ich jetzt schon mit dem Leben des Norwegers mitgegangen, was ich nie gemacht hätte, wenn mir der Kerl und seine Art des Schreibens nicht durch und durch sympathisch wären. Der opulente Schlussgang kommt ja dann erst noch, ist wie Weihnachten und Ostern zusammen. :D

Obrac

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05.10.2019 - 14:34 Uhr
@Affengitarre: "Spaß" finde ich in meiner Wahrnehmung eigentlich sogar den richtigen Ausdruck. Ich fühle mich vor allem nämlich echt gut unterhalten. Besonders die beschriebene Kindheit ist doch eigentlich recht flapsig erzählt. Allein die Beschreibung von Knausgards Band ... ;)
Später wird es dann vor allem beim Niedergang des Vaters ernst, aber da bin ich gerade erst.

Affengitarre

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05.10.2019 - 14:56 Uhr
Ah, okay, dann stimme ich dir auf jeden Fall uneingeschränkt zu. Bei der Band musste ich auch mehrmals laut lachen. Wie sie sich um den Gig im Einkaufszentrum kümmern, sich den Kopf über die Tracklist zerbrechen und dann final dort steht:

Smoke on the Water
Paranoid
Black Magic Woman
So Lonely


Herrlich! :D

Affengitarre

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08.11.2019 - 10:14 Uhr
Da ich in den letzten Tagen sowohl "Lieben" als auch direkt danach "Spielen" verschlungen habe, möchte ich ein kurzes Zwischenfazit geben.

Ich verstehe wohl immer mehr, was mit Spaß gemeint ist. Es ist einfach sehr faszinierend, in Knausgards Welt abzutauchen, er schildert die alltäglichsten Sachen auf so eine interessante Art und Weise, dass man nur in den Bann gezogen werden kann. Und das ist es auch irgendwie, was ihn ein wenig ausmacht. Er beschreibt oft die allgemeinsten und natürlichsten Dinge und fasst dabei in Worte, was man selbst die so wirklich ausdrücken konnte und beschreibt dabei extrem intim seine eigene Welt und sein eigenes Leben. Dadurch verschmilzt man fast mit dem Charakter Knausgard und gerade bei "Spielen" dachte ich auch ständig an meine eigene Kindheit zurück.

"Liebe" geht auf einige spätere Liebesbeziehungen von Knausgard ein, auf das komplizierte Verhältnis zu seiner Frau und seinen Kindern als auch die Liebe allgemein. Extrem faszinierend, wie er den Prozess zur Geburt schildert, sein Hineinwachsen in seine Vaterrolle und allgemein seinem alltäglichen Leben. Nicht mehr so harter Tobak wie "Sterben", da der Vater kaum noch präsent ist, aber nach wie vor sehr faszinierend.

"Spielen" geht dann wieder zurück in die Kindheit, hier werden die Jahre von Beginn der Einschulung bis zum Beginn der Pubertät. Auf manche Erzählung, die bereits vorher kurz erwähnt wurde, wird näher eingegangen (zum Beispiel die Geschichte der verlorenen Socke) und da der Vater natürlich während der Kindheit die meiste Zeit anwesend ist, nimmt er hier auch wieder größeren Raum ein. Das ist eine ziemlich interessante Mischung. Einerseits hat man einen Jungen, der eben älter wird, Freundschaften knüpft, in der Schule zurechtkommen möchte und Interesse an Mädchen entwickelt und auf der anderen Seite steht dann der Vater, der wie ein Schatten über allem liegt. Er ist kalt, streng, unfair, unmenschlich. Es ist wirklich erschreckend zu lesen, wie sehr Knausgard unter diesem leidet.

Gleichzeitig macht der Band aber auch einfach sehr viel Spaß. Die ländlichen norwegischen Regionen werden toll beschrieben, für die Dauer des Romans lebt man wirklich dort. Der B-Max, die Müllkippe, die ganzen Orte brennen sich ein.

Sowohl "Lieben" als auch "Spielen" haben mir sehr gut gefallen, ich freue mich schon sehr darauf, weiterzulesen.

The MACHINA of God

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08.11.2019 - 16:40 Uhr
Freut mich, dass es dir so gefällt.
Auf welchen "Spaß" beziehst du dich am Anfang deines Beitrags?

Affengitarre

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08.11.2019 - 17:23 Uhr
Ach, so einiges. Ich habe großen Spaß, wenn Knausgard sich mit seinen Freunden trifft, wie verbittert er ist, als er mit Vanja durch die Straßen zieht und generell seine Scheue und das unbeholfene Verhalten gegenüber anderer Menschen. Bei "Spielen" dann dieser ganze Unsinn, den er mit seinen Freunden oder unterwegs anstellt. Ich denke da gerade an eine gewisse Flasche und einem Käfer am Schrottplatz, haha.

Total schön übrigens, wie sehr er seinen Bruder Yngve liebt. Diese Bruderbeziehung bringt er super rüber.

The MACHINA of God

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08.11.2019 - 17:28 Uhr
Ach so, das klang wegen dem "Ich versteh immer mehr..." als hätte jemand die Bücher als "Spaß" bezeichnet. Deshalb war ich verwirrt.

Affengitarre

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08.11.2019 - 18:54 Uhr
Naja, Obrac hat das ja.

Web2.0

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08.11.2019 - 18:54 Uhr
Ich finde die essayistischen, theoretischen Passagen am besten, wenn er schreibend denkt sozusagen. Die Alltagsprobleme sind wahrscheinlich je nach eigener Lebensphase interessant, das Buch, dass in Bergen spielt, fand ich deswegen am packendsten, der klägliche Beginn seiner Karriere, so lässt selten jemand die Hosen runter.

The MACHINA of God

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28.11.2019 - 23:36 Uhr
So, ich fang in diesem Moment mit Band 1 von neuem an. Dazu natürlich Motorpsycho. Es ist einfach die beste Jahreszeit für die Bücher.

myx

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29.11.2019 - 07:03 Uhr
Schön! :)

Ich habe vorgestern mit Band 6 losgelegt, und es freut mich schon mal sehr, dass wieder die Zeit mit seinen Kindern und die Beziehung zu seiner Ehefrau im Vordergrund steht, dass er also an Band 2 anknüpft, der mir - neben den Kindheitserinnerungen - am besten gefallen hat.

Werde ab und an ein paar Leseeindrücke aus "Kämpfen" hier deponieren.

Affengitarre

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29.11.2019 - 07:51 Uhr
Ich bin zur Zeit noch am "Träumen" und nach wie vor sehr angetan.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

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29.11.2019 - 14:14 Uhr
Klingt gut, was ihr schreibt... ich glaube, das würde ich mir als Urlaubslektüre mal zulegen.

The MACHINA of God

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29.11.2019 - 19:23 Uhr
@myx:
Endlich Hitler! :D

@Felix:
Solltest du aber in ne kalte Region fahren.

myx

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29.11.2019 - 20:24 Uhr
Es braut sich bereits etwas in diese Richtung zusammen: Knausgard erwähnt ein Notizblatt mit dem Titel "Das Dritte Reich", welches als Grundlage für einen neuen Roman gedacht war und auf dem er Begriffe wie "Nationalsozialismus", "Biologie", " Eugenik", "Blut" und die im NS-Dunstkreis stehenden Philosophen Jünger und Heidegger als Ideengeber dieser Notizen notiert hat. Bin sehr gespannt, und das ist noch untertrieben. :D

myx

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18.01.2020 - 11:45 Uhr
Bin nun seit ein paar Tagen endlich mit der Knausgard-Reihe fertig. Nicht, dass mir die Romane nicht gefallen hätten. Aber ich bin einfach froh, den Kopf wieder für anderes und das Buchjahr 2020 freizuhaben.

Band 6 war das erwartet grosse, aber leider nicht in allen Teilen grossartige Finale. Am (über-)langen Essay haben mir nur die Ausführungen zu Hitlers Leben und seiner Entwicklung zum Nationalsozialisten und Antisemiten wirklich gut gefallen, mit den anderen theoretischen Inhalten konnte ich leider nicht so viel anfangen.

Knausgards Berichte aus dem Lebenschaos waren aber gewohnt stark, besonders die Schilderung der manisch-depressiven Phase seiner Frau Linda fand ich mutig und berührend.

Was mir, als kleines Schlussfazit, über alle Bücher hinweg gefallen hat, ist die gemächliche, immer gleichbleibende, überaus entspannt wirkende und immer sehr detailgetreue Erzählweise Knausgards. Man hat fast das Gefühl, dass diesen Mann nichts aus der Ruhe bringen kann.

Und ganz zum Schluss: Nie habe ich anderswo so oft die Sätze "Ich zündete mir eine Zigarette an" und "Ich rauchte eine Zigarette" gelesen. :D

Affengitarre

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18.01.2020 - 14:05 Uhr
Tolle Zusammenfassung. Ich stecke derzeit noch im vorletzten Band "Träumen" und habe noch einen kleinen Weg vor mir, auch wenn ich mir sehr auf das noch folgende freue.

Nie habe ich anderswo so oft die Sätze "Ich zündete mir eine Zigarette an" und "Ich rauchte eine Zigarette" gelesen. :D

:D Mochtest du nicht auch Murakami? Der ist ja auch ein totaler Zigarettenfetischist, wie er immer alle möglichen Marken aufzählt und so weiter, selbst wenn er im Alltag gar nicht raucht. :D

myx

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18.01.2020 - 16:10 Uhr
Danke. :) - "Naokos Lächeln" hat mir ja leider nur bedingt gefallen, der Roman ist mir stellenweise zu nah an der Grenze zum Kitsch geschrieben.

Von einer Literaturkritikerin der NZZ gibt es den Satz, Murakami sei "der Richard Clayderman der japanischen Literatur". Das ist natürlich etwas übertrieben, geht aber in die von mir empfundene Richtung. Selbstverständlich sieht das nicht jeder so, auch nicht jedes Feuilleton, man lese nur bei "Perlentaucher" nach.

Nein, es gibt noch so viele Bücher, die ich gerne lesen würde, ein weiterer Roman des japanischen Zigarettenexperten wird wohl nicht mehr darunter sein. ;)

Affengitarre

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18.01.2020 - 18:32 Uhr
Okay, dann hatte ich dich verwechselt. :)

Affengitarre

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02.04.2020 - 17:17 Uhr
Komme langsam zum Schluss der Serie und werde "Kämpfen" wohl in den nächsten Tagen abschließen.

Das ist jedenfalls der Band, in welchem er am öftesten und ausführlichsten abschweift. Klar, bereits vorher hat er schon scheinbar aus dem nichts die abwegigsten Themen angeschnitten, aber hier fällt es eben doch sehr auf. Während der Anfang des Bandes sich hauptsächlich mit den Schwierigkeiten der Veröffentlichung der Reihe auseinandersetzt und ähnlich wie in "Lieben" wieder verstärkt den Familienalltag mit Linda und den drei Kindern schildert, wird im Kapitel "Der Name und die Zahl" über alles mögliche geschrieben: Ausführliche Gedichtanalysen, eine Menge über die Bibel, das Christentum, Dante, den jungen Hitler und dessen Aufstieg, der wissenschaftliche Alltag Leonardo Davincis, es wird vor kaum etwas halt gemacht. Allerdings ist das auch die meiste Zeit total faszinierend erzählt und stört kein Stück, eher im Gegenteil.

Band 4, "Leben" fand ich ganz großartig. Zeitlich ja ein recht festgesteckter Rahmen, aber ich finde dieses Szenario des ahnungslosen Aushilfslehrers im kleinen Dorf, in welchem es eigentlich immer Nacht ist, total faszinierend.

Der fünfte Band hat mir dann fast noch besser gefallen. Der junge, ziellose Knausgard in der Großstadt, toll.

Bin gespannt, wie dieses Mammutwerk letztendlich aufhört und weiß jetzt schon, dass ich traurig sein werde, am Ende zu sein.

Affengitarre

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06.04.2020 - 16:27 Uhr
Es ist geschafft. Nachdem ich für den letzten, sechsten Band noch einmal mehr als 1200 Seiten gelesen habe, ist die "min kamp"-Serie beendet. Es war toll, dem Leben und allen möglichen Ausführungen Knausgards zu folgen und in seine Gedanken- und Lebenswelt einzutauchen. Es gab lustige, herzliche Gespräche mit Freunden, furchtbare, dunkle Erlebnisse, kindische Albernheiten, Kämpfe mit der Familie und einiges mehr.

Das Ende vom letzten Band beschäftigt sich noch einmal intensiv mit der Beziehungen zu seiner damaligen Frau Linda, dem Alltag mit den drei Kindern und allen Schwierigkeiten, die dabei entstehen, vor allem durch die psychische Erkrankung seiner Frau. Vieles wurde schon im zweiten Band angedeutet, aber so hart und schonungslos wie hier wurde er dabei nicht. Er wirkt teilweise so, als würde er die Worte einfach nur noch ausspucken, die scheinbar lange tief in ihm schlummerten. Er schreibt, er hätte nichts mehr zu verlieren, er sei so unglücklich gewesen wie niemals zuvor.

Die Schilderungen, wie die extremen Stimmungswechseln von Linda sich auf den Familienalltag auswirken, lesen sich heftig. Nachdem Knausgard mehrere Hundert Seiten eigentlich nur die Schattenseiten der Ehe beleuchtet, wirkt das Ende nicht ganz richtig. Als müsse er das, was er geschrieben hat und so furchtbar klingt noch kurz richtigstellen.

Es war klasse, diese Serie zu lesen. Obwohl es so intim ist, obwohl nur ein Leben so detailliert geschildert wird, schwingt in den Ausführungen stets etwas Allgemeingültiges mit. Oft habe ich mich dabei erwischt, Gedanken und Erlebnisse auf mein Leben zu übertragen und habe überlebt, ob es vielleicht ähnlich sei. Es war packend, unterhaltsam und hat mich die meiste Zeit total bekommen. Sonst liest man ja wohl kaum mehrere tausend Seiten über das Leben irgendeines Norwegers.

Affengitarre

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06.04.2020 - 17:02 Uhr
Dass er sich am Ende des Abschlusses vom Dasein als Autor verabschiedet hat natürlich etwas dramatisches, aber es war ja irgendwie auch klar, dass er das nicht lange durchhielt. :D

myx

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06.04.2020 - 18:11 Uhr
Tolle Postings, Affengitarre. Man merkt richtig, mit wie viel Sympathie und Begeisterung du die Bände gelesen hast. Ging mir grösstenteils auch so. :)

Allein mit dem langen Essay im Schlussband hatte ich im Unterschied zu dir meine Mühe. Für mich hat er diese riesige, heterogene Stofffülle mit den Begriffen "Der Name und die Zahl" einfach nicht überzeugend auf einen Nenner gebracht. Entsprechend gering waren für mich der Unterhaltungs- und besonders der Erkenntniswert. Hatte aufgrund der spannenden Gedankenausflüge in den früheren Bänden aber vielleicht auch zu viel erwartet.

Für mich wird Knausgard denn auch nicht als der grosse Theoretiker, sondern als der unermüdliche Reporter von der Lebensfront in Erinnerung bleiben, wo wir alle in etwa die gleichen Kämpfe auszutragen haben.

The MACHINA of God

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06.04.2020 - 18:18 Uhr
Schöner Post, Affengitarre. Freut mich, dass es dir so gefallen hat und dich auch bewegt hat.

@myx:
Meinst du die ganze Hitler-Sache? :D

Für mich wird Knausgard denn auch nicht als der grosse Theoretiker, sondern als der unermüdliche Reporter von der Lebensfront in Erinnerung bleiben, wo wir alle in etwa die gleichen Kämpfe auszutragen haben.

Trifft es gut.

Affengitarre

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06.04.2020 - 19:25 Uhr
Danke für das Lob! Mir haben die Ausflüge total gefallen. Bei jedem neuen Thema hatte ich Lust, noch deutlich tiefer einzusteigen - und das mache ich ja irgendwie auch. Nachdem ich mir direkt die Erinnerungen von August Kubizek geschnappt und gelesen habe, sitze ich jetzt an "Die Welt von gestern" von Stefan Zweig. Klar, dieses Kapitel fiel schon sichtbar aus dem sonstigen Rahmen, aber man merkte, dass Knausgard diese Themen sichtlich interessiert haben und es gelang ihm, dieses Interesse auf mich zu übertragen.

myx

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06.04.2020 - 20:03 Uhr
@MACHINA:
Nö, gerade die Hitler-Sache fand ich noch am besten. Aber da ging es ja auch vornehmlich ums Biografische. :D Ich denke, dass Knausgard nicht zuletzt wegen dieser lebensgeschichtlichen Parallelen zu Hitler (Rolle des Vaters) seine Reihe "Min Kamp" genannt hat.

@Affengitarre:
Das ist natürlich schön, wenn du da inspiriert worden bist. Dann viel Spass beim Vertiefen.

The MACHINA of God

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06.04.2020 - 20:19 Uhr
@myx:
Ja, geht mir ähnlich. Fande die Ausführungen sehr interessant. Nur bei der "Todesfuge" kam ich nicht mit. Aber mit Literaturtheorie hab ich es leider eh nicht so. Ich versteh das immer einfach nicht. :D

myx

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06.04.2020 - 20:49 Uhr
Aber hast du nicht Anglistik studiert? Oder bilde ich mir nur ein, das letztens mal bei dir gelesen zu haben? Falls es stimmt, hast du dich dann also wahrscheinlich sinnvollerweise auf Sprachwissenschaft/Linguistik spezialisiert. :D

The MACHINA of God

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06.04.2020 - 21:18 Uhr
Ja, genau. Anglistik mit Linguistik als Spezialisierung. :D Und ich lese auch viel Belletristik, aber wenn es um die reine Literaturtheorie ging, bin ich immer ausgestiegen. Das war mir immer irgendwie zu überanalysierend. Und gerade wenn Knausgard Celan auseinander nimmt, bin ich echt nicht mehr mitgekommen.

myx

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06.04.2020 - 21:28 Uhr
Ha, richtig vermutet. :) Mit Knausgards Analyse der "Todesfuge" hatte ich aber auch grosse Probleme ... Nicht ansonsten mit Literaturtheorie überhaupt. Die hab' ich immer sehr gemocht und deswegen sogar mit Germanistik begonnen, aber recht schnell das Studium wieder hingeschmissen. Hauptsächlich wegen der Sprachwissenschaft. :D

Affengitarre

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06.04.2020 - 21:43 Uhr
Hatte er nicht "Engführung" analyisiert?

myx

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06.04.2020 - 22:02 Uhr
Stimmt! Habe ich in der Erinnerung jetzt voll verwechselt, weil er von der "Todesfuge" auch immer mal wieder spricht.

Affengitarre

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Registriert seit 23.07.2014

06.04.2020 - 22:07 Uhr
Ja genau, die erwähnt er auch öfter mal im Vergleich. Während in der "Todesfuge" ja noch Namen und Personen auftauchen, fallen diese ja in "Engführung" vollkommen weg, letzteres erschien glaube ich auch chronologisch etwas später. Deswegen passt es ja auch gut in "Der Name und die Zahl", weil hier nochmal die Wirkung von Namen verdeutlicht wird.

Der Ort, wo sie lagen, er hat
einen Namen – er hat
keinen.


Ich weiß nicht mehr genau, in welchem Band das war, ich glaube 5, schildert er aber auch nochmal, wie begeistert er von der "Todesfuge" und dessen dunkler Anziehungskraft er war. Die Dame, in welche er zu der Zeit verliebt ist (und mit Yngve zusammenkommt) besucht ihn, die ganze Situation ist unangenehm und er liest ihr, obwohl sie es gar nicht will, die "Todesfuge" vor. :D

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 22372

Registriert seit 07.06.2013

06.04.2020 - 22:08 Uhr
KOmischerweise dachte ich acuh bis eben, es war die "Todesfuge". :D

myx

Postings: 1191

Registriert seit 16.10.2016

06.04.2020 - 22:15 Uhr
@Affengitarre: Alles klar, jetzt erinnere ich mich wieder, danke. ;)

Herr Lehmann

Postings: 58

Registriert seit 24.11.2013

07.04.2020 - 11:29 Uhr
Bei mir steht der letzte Band noch aus. Hatte ihn seinerzeit begonnen, wurde mir dann aber doch zu abschweifend irgendwann. Werde ich aber definitiv nochmal angehen.
Insgesamt ein krasses Projekt, das wie momentan sonst kaum jemand anderes zeigt, wie radikal Künstler sein können.
Hat denn jemand auch den "Roman" gelesen, dessen Entstehung er im zweiten Teil beschreibt ('alles hat seine zeit' oder so ähnlich)? Die darin enthaltene Version der Schöpfungsgeschichte bis zur Sintflut hat mich (als bekennender Atheist) unfassbar berührt.

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