100 Alben der 2010er für die Ewigkeit

User Beitrag

Mister X

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15.06.2020 - 02:35 Uhr
Mit Musik dachte ich eher an die musikinustrie xD

Orph

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15.06.2020 - 09:17 Uhr
Warum sollten visuell erzählte Geschichten und Spiele verschwinden?

Deren Form wird sich eben entsprechend der sozialen und technischen Gegebenheiten und Entwicklungen verändern. Aber verschwinden? Auch späteren Inkarnationen wird man ihre Verwandtschaft zu heute zeitgenössischen Filmen und 'Games' ansehen können.

Der Mensch ist das Tier, das Geschichten erzählt, wie es so schön heißt. Und gespielt wurde doch auch schon "immer", genauso wie schon "immer" musiziert wurde.

Given To The Rising

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15.06.2020 - 10:57 Uhr
Es geht um die technischen Mittel. Wenn wieder ein dunkles Zeitalter einbricht und das Wissen verschwindet, dann sind nicht vorhandene Games auch das geringste Problem. Wenn man Theater auch zu Filmen und Brettspiele zu Games zählen will, wird das bestimmt auch lange Bestand haben.

boneless

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15.06.2020 - 22:35 Uhr
boneless soll den Rest posten, wann er will. Das Ergebnis ist sowieso verfälscht. Ich hatte Age of Adz nicht auf dem Schirm, und Janelle Monáe kannte bisher ich gar nicht. Beides wäre jetzt weit vorn. So geht es anderen mit anderen bestimmt auch.

Wenn das ein Vorwurf sein soll, so kann ich zumindest reinen Gewissen behaupten, dass ich meiner Top 100 nach Fertigstellung Mitte März weder etwas hinzugefügt, noch etwas daraus entfernt habe. Lediglich die Postitionen innerhalb der Liste haben sich geringfügig geändert, nachdem ich beim erneuten Hören feststellen musste, dass diese und jene Platte doch höher bzw. etwas niedriger gelistet werden muss.

Seis drum, ich habs fast geschafft.


03. Deathspell Omega - Paracletus

Alles, was mich am Black Metal fasziniert - das Mystische, das Dunkle und Böse, der abgrundtiefe Wahnsinn, die besinnungslose Raserei, weltabgewandte Depression, aber auch Melodien, wo man keine vermutet und noch so einiges mehr - floss ab ca. 2007 in einer Gruppe zusammen, die mit ihrem damals vierten Album Fas – ite, maledicti, in ignem aeternum eine bis dato nicht gehörte schwarze Welle über mir zusammenbrechen ließ. Ich konnte nicht fassen, was ich da vernahm. Intensivere Musik war kaum vorstellbar. 3 Jahre später dann Paracletus und in diesem Stück durchkalkulierter Monstrosität gipfelte nun alles, was Deathspell Omega bis dahin heraufbeschworen hatten. Sie entfachten einen höllischen Sog, aus dem es kein Entrinnen gab, einen alles verschlingenden Moloch. Und obwohl die Franzosen sich natürlich kein Stück einem etwaigen Szene-Mainstream anbiedern, so ist Paracletus bei aller vernichtend verschwurbelten Härte in einem Maße eingängig, ja gar offensichtlich melodiös, dass einem auch beim 1000. Hören die Kinnlade entgleiten darf. Selten zwang ein Band aus diesem Sektor die genannten Punkte so überzeugend an einen Tisch, ohne auch nur einen Finger breit in pathetische Gefilde abzurutschen. Spätestens jetzt ließ man alle anderen Schwarzbrenner hinter sich und beanspruchte ein Gebiet, von welchem seitdem ungezählte Bands zumindest ein kleines Stück abhaben wollen. Bisher scheiterte jeder Versuch kläglich... und obwohl sich Deathspell Omega nach Paracletus nicht mehr steigern konnten, sind sie (zumindest für mich) bis heute die mit Abstand spannendste Gruppe unter der dunklen Sonne und weiterhin absolut konkurrenzlos.

Peacetrail

Postings: 1003

Registriert seit 21.07.2019

15.06.2020 - 22:38 Uhr
„Wenn das ein Vorwurf sein soll,...“

Nein, das sollte nur heißen, dass Du Dir Zeit lassen kannst!

Given To The Rising

Postings: 4564

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15.06.2020 - 22:44 Uhr
Wegen der Verflechtungen mit Mikko Aspa und der NSBM-Szene sind DO für mich auch kein Thema, mal abgesehen davon, dass mir die Musik auch nicht richtig zusagt. Dann lieber die Cascadian Bands.

boneless

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21.06.2020 - 13:38 Uhr
02. Max Richter - Sleep

Zugegeben: Die Idee ist nicht neu. So hatte schon Robert Rich mit Somnium Musik für den Schlaf geschaffen und sogenannte Sleep-Concerts veranstaltet. Doch Richter's bombastisch introvertiertes acht Stunden Ungetüm setzt in dieser Hinsicht nochmal ganz neue Maßstäbe, weil er sich nicht nur auf beruhigendes Rauschen konzentrierte, sondern Musik komponierte, die Hand und Fuß hatte und der eine bisher nie dagewesene Ruhe innewohnt, die mich komplett überwältigte. Ich war und bin selten so in Musik versunken und hier ist der Ausdruck "die Zeit vergessen" nicht nur bloßes Klischee, sondern Wirklichkeitszustand. Klänge schweben durch Sphären, die nur Mittels Unterbewusstsein erfahrbar werden. Wer dieses "Album" zum schlafen hört, wird (und das behaupte ich mit vollster Überzeugung) eine außergewöhnliche Erfahrung machen. Aber nicht nur zur Nachtruhe eignet sich Sleep, auch im Alltag hilft Richters Vision von Entschleunigung, dem rastlosen Treiben Einhalt zu gebieten und die eigene Lebensfrequenz auf ein gesundes Maß herunterzutakten. Auf ganz wundervolle Weise schaffen es diese Stunden gepflegter musikalischer Meditation, Soundtrack des eigenen Innehaltens zu werden, um Dinge zu tun, für die man sonst keine Zeit hat oder sich keine nimmt. I wrote SLEEP as an invitation to pause our busy lives for a moment. sagt Richter über den Höhepunkt seines Schaffens. Wer diese Einladung annimmt, wird selbst Teil etwas unfassbar Großem, gehüllt in unscheinbare Laken stiller Zufriedenheit. Ein moderner Klassiker.

Nur zur Info

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09.07.2020 - 22:08 Uhr
Life's a joke. A waiting game.

boneless

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10.07.2020 - 18:26 Uhr
So. Jetzt wo es keinen mehr interessiert, kann ich die Sache beschließen. Es ist mir selbst ein wenig peinlich, dass es so lange gedauert hat, aber bevor ich mich in Rechtfertigungen verstricke, haue ich lieber meine kleine, unspektakuläre und sehr persönliche Nummer 1 raus. Die Rezension dazu ist mehr eine fragmentarische Ansammlung von Gedanken und Erinnerungen, denn wirkliche Besprechung... jene wollte mir ehrlich gesagt auch nicht so recht gelingen. Mehr muss als Vorwort dann auch nicht sein. Vorhang auf für:

01. Nils Frahm - Felt

Wo fängt man an, wo hört man auf... Ich sollte wohl als erstes erwähnen, dass Felt im Grunde und so für sich ganz allein gesehen nicht mein Album des Jahrzehnts ist. In dieser Hinsicht haben die Alben auf Platz 2 bis 4 doch einiges mehr zu bieten. ABER ich kann Felt gar nicht isoliert betrachten von dem, was Frahm in meinem "musikalischen" Dasein losgetreten hat. Er ist mit großem Abstand der Künstler, der mich in den letzten 10 Jahren am meisten beeindruckte, faszinierte, packte.

Alles begann mit Said and Done. Einem unglaublich tollen Piano-Track, der mir von einem last.fm Freund geschickt wurde, damals noch nichtsahnend, dass diese 3 Minuten alles verändern sollten. Wohlgemerkt nicht sofort, aber es war quasi der erste kleine Rausch, der etwas in Gang setzte, was ich in den folgenden Jahren nur noch schwer kontrollieren konnte.
Im Januar 2011 habe ich den guten Nils das erste Mal live gesehen, im Rahmen eines recht durchschnittlichen Instrumental-Festivals im Societätstheater in Dresden. Nils spielte als letztes vor einem überschaubaren Publikum, lass es um die 60 Leute gewesen sein. Er und der Flügel + ein Synthesizer. Unspektakulär, aber wirkungsvoll. Ich war durchaus sehr angetan. Er war sympathisch und zurückhaltend und dankbar für jeden, der ihm zuhörte.

Cut.

8 Jahre später sitze ich im ausverkauften Kulturpalast und kann noch nicht so recht fassen, was eigentlich passiert ist. War es nicht eben noch so, dass Nils Frahm nur Insider kannten und man gerade mal 7 Euro für Konzertkarten ausgeben musste? Es ist kaum zu glauben, dass Frahm von der grauen Neoklassik Maus zum absoluten Superstar avancierte, den Soundtrack für einen der besten und erfolgreichsten deutschen Filme der letzten Jahre komponierte, mittlerweile große Konzerthallen locker ausverkauft und in Berlin im Funkhaus sogar 3 (!) Zusatzkonzerte geben musste, weil die Nachfrage so groß war. Er ist in der Tagesschau aufgetreten, hat ungezählte Beiträge in bekannten Kultursendungen gehabt und sich von schlichten Pianokompositionen hin zu komplexen - live bis zu 30 Minuten langen - Technoambientdroneclassic-Ungetümen gesteigert und dabei sowohl gesetztere, ältere Semester wie auch junge Hipster gleichermaßen begeistert. Eine fast schon surreale Entwicklung.

Ich habe seinen Werdegang quasi monatlich mit verfolgt. Habe mir so ungefähr jeden Konzertmitschnitt angesehen, den ich finden konnte, viele Sachen aufgenommen und teilweise über Wochen und Monate kaum etwas anderes gehört. Ich war regelrecht fanatisch, habe seine Stück selber auf dem Klavier nachgespielt und war begeistert, wie man so einfache und doch so unglaublich intensive Melodien erschaffen kann. Ja, Frahm hat mich nach Jahren der Abstinenz wieder an die Tasten zurückgeholt. Etwas, dass ich so nicht mehr für möglich gehalten habe: Stunden am Klavier zu verbringen und auch noch Spaß dabei zu haben.

12 Konzerte durfte ich in den letzten Jahren miterleben und jedes davon war denkwürdig, einzigartig, sympathisch. Sicher gab es bessere und schlechtere Auftritte, aber trotz des unermüdlichen Tourens war Frahm nie gelangweilt oder genervt, sondern man spürte immer und zu jeder Minute, dass er es jeden Abend aufs Neue liebt, auf der Bühne zu stehen und für das Publikum seine Stücke zu spielen, zu improvisieren, an eigene Grenzen zu gehen, auch auf die Gefahr hin, mal daneben zu greifen.
Ich muss zugeben, dass meine Euphorie in den letzten 2 Jahren etwas nachgelassen hat, was nicht zuletzt daran liegt, dass er sich in eine Richtung entwickelt, die mir nicht mehr zu 100% zusagt. Aber seis drum, er ist und bleibt ein wichtiger Akteur, der auch jungen Menschen zeigt, dass Klaviermusik cool sein kann.

Kommen wir zum genannten Album. Warum Felt? Es ist nicht unbedingt die Musik, die dieses Album herausragen lässt, obwohl sie selbstredend großartig aus den Boxen perlt. Es ist mehr die Art und Weiße, wie Frahm seine mitunter zu Tränen rührenden Miniaturen aufgenommen und in Szene gesetzt hat. Ein derart intimes Album gab es bis dato wohl noch nicht, denn man sitzt förmlich im Piano und hört jedes Geräusch, welches dieser Wunderkasten von sich gibt. Es knackt, knarzt, atmet. Selten wurde einem Instrument allein durch die Art der Aufnahme so viel Leben eingehaucht. Dieses direkte, unmittelbare Moment, welches zu jeder Sekunde spürbar ist, hüllt Frahms Kompositionen in eine warme, sanfte Decke und ist in manchen Augenblicken wie im unsterblich schönen Familiar fast schon mehr, als man ertragen kann. Aber nur fast, denn Felt überfordert natürlich nie, sondern hilft eher dabei, die Ruhe im alltäglichen Sturm zu finden. Felt hat zwar noch nichts von der euphorisch, überschwänglichen Art, die Frahm vor allem durch seine Liveauftritte zum Megastar machte, liefert aber in jeglicher Hinsicht den Grundstein für all das, was später noch kommen sollte (und enthält mit More in der abgespeckten Version das Stück, welches auch heute noch zu den opulenten Höhepunkten seiner Auftritte zählt).

Über ein Dutzend Veröffentlichungen hat Nils Frahm in den letzten 10 Jahren auf die musikliebende Welt losgelassen und maßgeblich dafür gesorgt, dass ein im Grunde recht altbackenes und hier und da auch recht angestaubtes Genre eine Frischzellenkur und viele, viele neue Freunde bekam. Und schon deshalb kann es für mich keine andere Nummer 1 geben.

Voyage 34

Postings: 922

Registriert seit 11.09.2018

11.07.2020 - 08:46 Uhr
Schöne Nummer 1 boneless. Teile die Begeisterung nicht zu 100%, aber bei der Beschreibung wird man schon angefixt! :-)

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