Die Türen - Exoterik

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Armin

Plattentests.de-Chef

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18.11.2018 - 12:35 Uhr - Newsbeitrag
Die Türen – Exoterik
Album-VÖ: 25.01.2019
Staatsakt/Caroline International
Formate 3LP/CD/Digital
Vorab-Single „Miete Strom Gas“ hier sehen:



Die Türen öffnen sich wieder! Die Haus- und Hofband von Staatsakt kehrt endlich zurück mit einem neuen Album und einer Tournee. EXOTERIK heißt das neue Werk, es erscheint am 25.01.2019 – und es ist nicht weniger als ein großartiges wie größenwahnsinniges 3-Fach-Album auf den Säulen von Postpunk, Krautrock und Psychedelic.

Die_Tueren_Cover

Bevor wir hier aber weiter Lobhudeleien ausschütten, lassen wir Hendrik Otremba zu Wort kommen, der uns ein herrlich instruktives Info geschrieben hat. Wort ab:

Ich erinnere mich noch daran, als sei es am 17. August 2018 gewesen: da standen im Zuge des Pop-Kultur Festivals in Berlin der Staatsakt-Maurice Summen, die Türen-Mitbegründer Ramin Bijan und Gunther Osburg, der Ja,-Panische Andreas Spechtl und Trommler-Rattenkönig Chris Imler gemeinsam auf der Bühne und spielten merkwürdige, neue Songs. Irgendwann, gegen Ende einer ohnehin in die Kehlen und Beine der Zuschauer mäandernden Darbietung, sang das Publikum dann auch wirklich mit – ‘Ich hab‘ keine Angst, ich hab‘ keine Angst, ich hab‘ keine Angst –, es ging ewig so, die Hingucker und Zuhörer waren plötzlich Teil des Prozesses, waren an Bord, folgten der armausbreitenden Einladung des verschmitzten Summens, dieser Pop sei für alle offen, ein Selbstverständnis, das hier auch deutlich im Groove lag, in der Ansteckung. Danach fühlten sich alle genau so, fühlten sich als Teil dessen, was da stattgefunden hatte, blieben noch etwas verdutzt in der Spielstätte stehen, fühlten sich vielleicht ertappt, unerwartet so aus sich herausgegangen zu sein. Doch das war keine (quasi-)religiöse Erfahrung, sondern ein eigentliches Pop-Ideal: Was da geschehen war, könnte man Exoterik nennen. Und so lautet – logisch! – auch der Titel des Dreifach-Albums der Türen, jener aufgrund konstanter Wiedergeburt nicht tot zu kriegenden Chamäleon-Band, die seit 2003 damit beschäftigt ist, ihren eigenen Modus zu verformen (und diesem Nicht-Zustand stets treu zu bleiben).

Foto

Exoterik (reimt sich ein bisschen auf Funkadelic): Transparenz im Prozess. Und das ist es auch geworden. Wir hören auf diesen drei Schallplatten Gott (?), Madchester, Cosmic Disco und DUB DUB DUB! Und das war alles schon spürbar, an besagtem Abend. Auf Platte bedeutet das jetzt: Türen-Hits, die produziert klingen, wo es spürbar Sicherheit gibt, Radio möglich ist, dann nächtliche Rausch-Übersetzungen, schon zwischen dem Unwort ‘Jam‘ (um es mal zu re-emanzipieren) und der hohen Kunst der Improvisation, Cut-Up Experimente, Club-Sandwiches, Fetzen und epische Gebilde – also konkret: flotte Nummern, entspannte Nummern, freche Nummern, witzige Nummern, mal mit, mal ohne Gesang, aber immer mit Parole, völlig offen, für was oder wen (Exoterik: für alle!). Die Türen steigen in Berlin vom Trans Europa um in den Regional Express. Das klingt mal nach einem etwas rauschigen Proberaummitschnitt der versiertesten Band der Welt und im nächsten Augenblick dann wie eine HD-Studioproduktion der Genialen Dilletanten (sic!), tingelt zwischen Techno und Suicide-Geplucker, zwischen Diskurspop der Berlin-Bohème und Sun Ra, zwischen Kiffertraum und Rocknummer. Oder (prätentiös): wie gelebter Situationismus.

Ein ebenso spannender Moment fand aber nach dem oben beschriebenen Konzert statt, während das Publikum da noch umhertaumelte – und dieser Moment dient dem Portrait: Da saßen die Musizierenden nämlich noch alle auf der Bühne, ‘ne Zig im Maul, ein Bier an den Lippen, und fachsimpelte unaufgeregt und beseelt über das Geschehene, um dann langsam die Kabel zu ziehen. Und ich fragte mich: Wie machen die das, wie haben die das gerade hingekriegt? Und dann dachte ich: Eigentlich ist es doch ganz einfach. Damit das spannend bleibt, für Künstler und Rezipienten, sich die Musiker nicht kannibalisieren, der Spaß also die vorprogrammierte Anstrengung eines solchen Ritts stets übersteigt, muss einfach das Ego abgegeben werden, muss es an der Pforte zum Proberaum, zur Konzertbühne, zum Studio an den Nagel gehängt oder besser noch in die Wand genagelt werden. Dann wird Summen anzählen, Spechtl mal singen (‘ICH BIN ABGEHAUEENNNN‘), Imler den Orient bringen. [Jetzt Entstehungsgeschichte!]: So geschehen im August 2018, in den heißesten Tagen des Dürresommers (39°C tant et plus), in Ringenwalde, im Gasthof zur Eisenbahn. 5 Tage, 15 Stunden Musik, live, gemeinsam, dann Editierung (Mix Bijan und Spechtl, Mastering Norman Nitzsche/Calyx). Summen sagt: „Die besten Bands der Geschichte lebten vom Edit, Beatles, Can, Material, Neu, This Heat ...“! Recht hat er.

Videostill

Service-Leistung Band-Bio: Die Türen gibt es seit 2003, sie sind seit dem mit (kurzer Unterbrechung) Gunther Osburg (Gitarre, Keys), von früh bis spät Ramin Bijan (Bass – der einzige Mucker, der darf!) und Maurice Summen (Gesang, Percussion, Gitarre), seit 2012 Andreas Spechtl (erst Gitarre und jetzt ‘nur‘ noch Modular-System, Keys und Gesang) und Chris Imler (Trommel) und eigentlich Michael Mühlhaus (Keys, diesmal busy mit Kante), die man ALLE AUS DIVERSEN ANDEREN PROJEKTEN KENNT! 2014 hießen sie für kurz mal Der Mann. Das Artwork von Markus S. Fiedler, der sich für die gesamte Ästhetik der Band verantwortlich zeichnet, ist Rosa und Gold geraten, garniert mit etwas Hautfarbe, es wirkt sehr (post-Internet)-modern, zeigt nackte, geschlechtslose Avatare in einem klitoresquen Bubblegum-Gebirge.

Na, und so ist jetzt eben ein unfassbar vielseitiges, exoterisches Dreifach-Riesenalbum entstanden. Aber ganz ehrlich: die Worte genügen nur dem Drumherum, hören muss man das schon selber ...

–Hendrik Otremba

Tourdaten:
01.02.19 Hamburg, Molotow
02.02,19 Münster, Gleis 22
04.02.19 Köln, Bumann & Sohn
05.02.19 Karlsruhe, Kohi
06.02.19 München, Kammerspiele
07.02.19 Nürnberg, Club Stereo
08.02.19 Dresden, Scheune
09.02.19 Berlin, Festsaal Kreuzberg

Tracklisting:
01 – Welthundetag
02 – Miete, Strom, Gas
03 – Fiesta Antifa
04 – Abgehauen
05 – Lieber Gott
06 – Ich bin eine Krise
07 – Information
08 – Selbstverständlichkeit
09 – Rave Regime
10 – BBI
11 – Exoterik I
12 – Exoterik II
13 – Exoterik III
14 – Regionalexpress
15 – Gasthof zur Eisenbahn
16 – Keine Angst
17 – Oma
18 – Lake Angela
19 – Irgendwo hingelegt

Don
23.01.2019 - 18:56 Uhr
Warum erscheint das Album nicht auf CD?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 15970

Registriert seit 08.01.2012

24.01.2019 - 21:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Don
25.01.2019 - 14:49 Uhr
Gibt es irgendwelche Infos, ob es irgendwann auch auf CD erscheint?

MM13

Postings: 1737

Registriert seit 13.06.2013

25.01.2019 - 18:23 Uhr
habs jetzt einmal durch,bin positiv überrascht,wunderbar krautig,und die rezi ist locker mal 3 punkte zu niedrig.
Don
25.01.2019 - 20:22 Uhr
Würde mir das Album ja auch sehr gerne holen, aber Vinyl höre ich schon sehr lange nicht mehr (hab halt auch keine Möglichkeit mehr es in diesem Format abzuspielen) und nur als MP3 würde es mir nicht gefallen. Na ja, vielleicht wird es ja doch irgendwann noch mal auf CD veröffentlicht.
@Don
25.01.2019 - 21:51 Uhr
Kauf dir einen Plattenspieler oder brenn die mp3s auf CD!
Don
26.01.2019 - 10:31 Uhr
Meinen alten Plattenspieler reaktivier ich nicht mehr und bei MP3 hätte ich kein Cover oder/und Booklet. So eine selbstgebrannte & selbstbeschriftete CD wäre doch ziemlich beliebig. Würde ich, glaube ich, nicht sehr oft/begeistert hören. Dann geht dieses "Werk" halt an mir vorbei.......Gibt genug andere Platten (besser gesagt: CDs)

Underground

Postings: 1141

Registriert seit 11.03.2015

26.01.2019 - 10:34 Uhr
"Würde ich, glaube ich, nicht sehr oft/begeistert hören."

Hälst du sonst beim Hören die Plastikhülle in den Händen, betrachtest diese, blättest durch das Booklet, um die Musik voll und ganz zu genießen?

MM13

Postings: 1737

Registriert seit 13.06.2013

26.01.2019 - 12:05 Uhr
laut homepage gibts bei amazon die cd incluse beim kauf der lp.habs bei mamazon zwar nicht gesehen,aber wer weiss?!

Underground

Postings: 1141

Registriert seit 11.03.2015

26.01.2019 - 12:45 Uhr
papazon bietet incl. DL.
Don
26.01.2019 - 15:08 Uhr
@Underground, ja ich halte tatsächlich (zu mindestens beim ersten Hören) gerne das Booklet in den Hände und lese z.B. die Texte mit. Meine selbst irgendwann zusammengestellten "Best Of" CDs (wohl die heutigen Playlists) verstauben (im Gegensatz zu Offiziellen CDs) dagegen im Regal.
rhdf
29.01.2019 - 15:59 Uhr
miete strom gas,na dann lies dich mal satt!

tolles album, extrem schlechte rezi

Aircraft
29.01.2019 - 19:24 Uhr
Das ist ja mal eine richtig gude Pladde und Ihr gebt 4 Punkte ... gehts noch!
Don
30.01.2019 - 00:03 Uhr
@rhdf, ja ich weiss, dass die Texte bei dieser Platte eher, sagen wir mal, knapp gehalten sind. Meinte damit auch in erster Linie andere. Ändert aber nichts daran, dass ich auch bei dieser Platte gerne irgendetwas in der Hand hätte. Auch wenn es nur ein dünnes Booklet mit Angaben zu den Musikern etc. ist.
False Flac (unangemeldet)
30.01.2019 - 11:14 Uhr
Kenne nur "Miete Strom Gas". Schrecklicher Song. Andererseits fand ich "Popo" damals klasse. Sind da auch Songs in dem Stil drauf?

Sick

Postings: 101

Registriert seit 14.06.2013

29.09.2019 - 00:16 Uhr
Na hier liegt Plattentest ja sowas von verkehrt. Psychedlisches Kraut-Postpunkmonster mit Elektronik-Dub-Anleihen. Für ein komplettes Hören natürlich zu lang, aber man kann das gut in zwei Teilen hören.
Die Rezi ist natürlich Blödsinn.

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