Hauswand einer Berliner Hochschule

User Beitrag

2plus2gleich5

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25.01.2018 - 20:33 Uhr
Es ist schon schwierig, dass hier jemand andere auffordert, das Gedicht erstmal zu lesen, um dann selbst das Verb "Gaffen" hineinzuprojizieren, wo auffälligerweise kein Verb vorhanden ist.

Gomringer arbeitet mit parallelen, konjunktivisch verbundenen Klischeebildern, die im Schlussvers einen ironischen Bruch erfahren, quasi als Selbstentlarvung.
Das mag man platt finden, meinetwegen auch nicht den ironischen Aspekt feststellen.
Aber hier völlig ahistorisch und ohne jede Bereitschaft für lyrische Ambivalenzen einen anderen Diskurs drüberkleistern zu wollen,
greift zu kurz.
Die Unfähigkeit, Deutungsoffenheit zuzulassen, ist nicht selten das Symptom einer tiefgreifenden Abstumpfung. Denn es geht nicht nur darum, was das Gedicht einem möglicherweise antut, sondern auch darum, was man selbst mit dem Gedicht anstellt.
Wahre Worte
25.01.2018 - 20:40 Uhr
Die Unfähigkeit, Deutungsoffenheit zuzulassen, ist nicht selten das Symptom einer tiefgreifenden Abstumpfung.

Und es ist das Symptom von ideologischer Verblendung, bei der man glaubt, alles zu wissen und in Besitz der einzigen Wahrheit zu sein, wobei alles davon abweichende diskreditiert werden muss.
jetzt kann geschlossen werden
25.01.2018 - 20:43 Uhr
besser wirds nicht.
https://www.nerdcore.de/2018/01/24/gedicht-uebermalungen-blumen-alleen-und-mad-max/
Kolossale Senioren
25.01.2018 - 21:44 Uhr
Intellektuell etwas hochgepitchter, aber sehr guter Beitrag von 2plus2gleich5. Ob nörtz ihn lesen und verstehen wird, bleibt fraglich?
Immatrikulationist
26.01.2018 - 00:30 Uhr
Ein ZEIT-Kommentator schreibt:

"Vielleicht bin ich zu alt um das noch zu verstehen.
Für mich ist das ein Erschaffen von Problemen die nicht existent sind."


Mehr gibts dazu nicht zu sagen. Ein Erschaffen von Problemen, die nicht existent sind, um sie anschließend mit hocherhobenem moralischem Zeigefinger zu bekämpfen. Hat auch ein bißchen was von Don Quijote und seinem Kampf gegen Windmühlen, mit dem Unterschied, dass es nur noch penetrant und nervig ist.

Man sollte mal wieder auf den Hoden der Tatsachen zurückkehren. Hodor!
Was guckst Du
26.01.2018 - 06:37 Uhr
Alleen, Blumen, Frauen, Männer
Berliner Uni in Political-Correctness-Falle

https://www.n-tv.de/panorama/Berliner-Uni-in-Political-Correctness-Falle-article20248751.html

Die Kritiker des Gedichts verweisen in ihrer Stellungnahme darauf, dass die U-Bahn-Station Hellersdorf und der Alice-Salomon-Platz vor allem zu späterer Stunde "sehr männlich dominierte Orte" seien, an denen Frauen "sich nicht immer wohl fühlten". Dieses Gedicht dabei anzuschauen wirke wie eine Farce und eine Erinnerung daran, dass objektivierende und potenziell übergriffige und sexualisierende Blicke überall sein können.

thermopylos

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Registriert seit 20.12.2017

26.01.2018 - 07:12 Uhr
Zum Don Quijote-Vergleich:
Der Unterschied ist doch vor allem der, dass der Ritter von der traurigen Gestalt von seinen Zeitgenossen für verrückt gehalten worden ist. Nun gibt man seinen Nachkomm*Innen Lehrstühle an unseren hohen Schulen.
Who watches the watchmen?
26.01.2018 - 11:34 Uhr
die im nerdcore Kommentarfoto schön angedeutete nähe zu den Taliban spricht Bände.

damals, kurz vor 9/11 als Afghanistan keine sau interessiert hat, ging ein kurzer Aufschrei durch die presse, als die Allah-Jünger drei mehrere tausend Jahre alte Buddahsteinstatuen sprengten weil sie unislamisch waren.

ähnlich auch der IS mit seinen babylonischen Tempelzerstörungen (auch wenn es da noch den ökonomischen Hintergrund gab, den preis für eventuelle Überreste hochzutreiben und so den IS zu finanzieren)

wer Kunst zerstört oder "entfernen" lässt weil sie nicht ins Weltbild passt, der bewegt sich auf Augenhöhe mit den Taliban. Auch und gerade weil sich jemand wie nörtz qua seiner Interpretation (Gaffer) im Recht wähnt.

Ist die frage ob jemand wie nörtz auch irgendein kulturelles Erzeugnis konsumiert, das den Tugendwächtern ein Dorn im Auge sein könnte, oder ob er, wenn seine Lieblingsband auf dem PC-Index landet, er seine Platten und Poster und Merchandise in die Tonne entsorgt und seine Sünden bereut.
@Löschmod
26.01.2018 - 11:37 Uhr
Bitte endlich den Thread für Gäste sperren!!!!!!!!

Shitty2017

Postings: 26

Registriert seit 18.12.2017

26.01.2018 - 12:01 Uhr
Wann wird nörtz endlich der Moeratorenstatus entzogen?
Einar
26.01.2018 - 12:31 Uhr
Für Gäste sperren reicht hier nicht mehr aus.

1. Für Gäste sperren
2. Threadtitel abändern
3. Eingangspost löschen
Genau
26.01.2018 - 12:42 Uhr
Threadtitel bitte abändern in:

Skandal! S*xgedicht an Uni-Wand!

XTRMNTR

Postings: 529

Registriert seit 08.02.2015

26.01.2018 - 13:07 Uhr
Wir fassen also zusammen:
Männer, die sich Blumen und Frauen aus dem Fenster anschauen, sind Sexisten.

Ab dem wievielten Semester Pädagogik, fängt das Gehirn eigentlich an abzusterben?
Nein
26.01.2018 - 13:33 Uhr
Das wäre eine falsche Zusammenfassung, bzw. eine persönliche Interpretation.

The MACHINA of God

User und Moderator

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26.01.2018 - 16:04 Uhr
Da gibt es soviele wichtige Skandale und dazwischen dieser absolute Quatsch.
@The MACHINA of God
26.01.2018 - 16:19 Uhr
Willst du jetzt Sexismus relativieren?
Quit
26.01.2018 - 16:26 Uhr
Aber echt. Das Gejammer von ein paar Femina_zis, dieses Gedicht wäre sexistisch ist aber nur halb so peinlich, wie das Aufkochen dieser Story durch die Antifemis. Lächerliche Posse von vorne bis hinten.
Quit
26.01.2018 - 16:27 Uhr
War @Machina

The MACHINA of God

User und Moderator

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26.01.2018 - 16:30 Uhr
Trifft es gut.

2plus2gleich5

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26.01.2018 - 16:35 Uhr
Auf dieser Ebene: ja, natürlich.
Aber es gibt noch eine andere. Mit welcher selbstverständlichen Ignoranz instrumentalisieren wir Lyrik? Das finde ich nicht ganz so belanglos.
(Obwohl sich wahrscheinlich sonst eh niemand dafür interessieren würde.)

Achim

Postings: 6041

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26.01.2018 - 16:47 Uhr
Die Parallelen sind echt frappierend:( Am dämlichsten sind dann solche Gegenargumente wie "egal, damals lagen sie falsch, heute richtig" (wurde hier irgendwo auch schon so ähnlich gebracht).

(A.)

mispel

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26.01.2018 - 17:45 Uhr
Das Gejammer von ein paar Femina_zis, dieses Gedicht wäre sexistisch ist aber nur halb so peinlich, wie das Aufkochen dieser Story durch die Antifemis

Inwiefern ist man antifeministisch, wenn man auf problematische Entwicklungen hinweist? Davon abgesehen handelt es sich bei der ganzen Sache nicht um einen Einzelfall und schon gar nicht um eine Lapalie. Auch der Deutsche Hochschulverband sieht die Entwicklung an den Hochschulen, die zunehmenden Denk- und Sprechverbote sehr kritisch:

https://www.hochschulverband.de/pressemitteilung.html?&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=265&cHash=464dba123269f7fad520d316c1a5d58a#_

Das Grundgesetz binde die Freiheit von Forschung und Lehre allein an die Treue zur Verfassung. Darüber hinausgehende Denk- oder Sprechverbote schließe dies ausdrücklich aus. Geistige oder ideologische Komfortzonen, in denen Studierende vor unbequemen Inhalten behütet werden, dürfe es in der Universität nicht geben. "Kritisches Denken, das an der Universität gelehrt und eingeübt wird, setzt die Fähigkeit zur Selbstkritik voraus: Wer eine Universität betritt, muss bereit sein, mit Vorstellungen konfrontiert zu werden, die dem persönlichen Weltbild zuwiderlaufen, und in der Lage sein, sich mit ihnen sachlich auseinanderzusetzen", so Kempen.

Und bei manchen Usern hier im Forum ist genau dies nicht der Fall. Diskussionen werden nicht auf der Sachebene geführt, sondern auf einer ideologischen Ebene, wo es außer ihrer Meinung keine andere geben darf.
besorgter cheeseburger
26.01.2018 - 18:02 Uhr
guter Beitrag @Mispel
Amelia
26.01.2018 - 18:58 Uhr
Wer eine Universität betritt, muss bereit sein, mit Vorstellungen konfrontiert zu werden, die dem persönlichen Weltbild zuwiderlaufen, und in der Lage sein, sich mit ihnen sachlich auseinanderzusetzen

Amen dazu!
Nun ja
26.01.2018 - 19:04 Uhr
Diskussionen werden nicht auf der Sachebene geführt, sondern auf einer ideologischen Ebene, wo es außer ihrer Meinung keine andere geben darf.

Das ist halt der Unterschied zwischen Soziologie und 'echter' Wissenschaft: Bei ersteren gibt es Meinungen und Theorien, bei letzerer gibt es Erkenntnisse und Theorien, welche aber anhand der Realität verifiziert oder falsifiziert werden können, und solange dieses noch nicht geschehen ist, gelten sie als Theorie und nicht als 'Erkenntnisse'

Mainstream

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26.01.2018 - 19:46 Uhr
Meine Fresse, als ob es keine wirklichen Probleme mehr zu lösen gäbe.

thermopylos

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26.01.2018 - 20:07 Uhr
Man sollte im Urteil über die Soziologie insgesamt etwas vorsichtiger sein. Da gibt es sehr viel geistlosen und politischen Kram, der der alten Maxime - sine ira et studio - keinesfalls standhält. Das gilt übrigens genauso für die Germanistik, die sich von ihrem ursprünglichen Gegenstand insgesamt immer weiter entfernt.

Soziologie ist aber nicht nur quantitative Sozialforschung, politisch instrumentalisierte Epmirie und Gender-Bla. Die Systemtheorie Luhmanns, der wohl der letzte Theorieriese der (deutschen) Geisteswissenschaften war, ist etwas vollkommen anderes als das, was man sich vielleicht landläufig unter den Geisteswissenschaften und der Soziologie insbesondere vorstellt:

"Der Mensch interessiert mich nicht, wenn ich das so hart sagen darf."
"Die Aufgabe der Ethik ist es, vor der Moral zu warnen."

Bei solchen Aussagen kräuseln sich den Studieren*den der ASTA Berlin doch die Nackenhaare. - "Beschreiben, nicht bewerten" sei die Aufgabe der Wissenschaften. Das könnten sich einige mal hinter die Ohren schreiben!

Der Wanderjunge Fridolin

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27.01.2018 - 21:12 Uhr
Frauen zu bewundern, ist hier mit Gaffen gleichzusetzen.

Wie anmaßend dieser Satz ist...

Achim

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29.01.2018 - 18:36 Uhr
Mir ist ein genialer Einfall gekommen, wie man den Text zu 99% stehen lassen, die Feministinnen ruhig stellen und die Aussage im Wesentlichen beibehalten kann.

Man macht aus der letzten Zeile einfach:
una admiradora

Wäre zwar auch noch ein gehöriger Eingriff in die Kunstfreiheit, aber damit müssten doch alle leben können. Was meint ihr? Soll ich das mal an diese "Hochschule" weiterleiten?

(A.)

Mutzel

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22.02.2018 - 15:45 Uhr
"Alleen, Blumen, Frauen"
Gomringer-Gedicht hängt jetzt neben Brandenburger Tor

Das umstrittene Gedicht "Avenidas" erhält noch mehr Aufmerksamkeit als bislang: In Berlin soll es sechs Wochen lang unweit des Brandenburger Tors zu sehen sein.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/avenidas-gomringer-gedicht-wird-am-brandenburger-tor-gezeigt-a-1194819.html

Die Stiftung Brandenburger Tor will ein Zeichen setzen - für die künstlerische Freiheit und gegen die Eliminierung von Kunst aus dem öffentlichen Raum, so sagte es eine Sprecherin SPIEGEL ONLINE.

UndercoverBrother

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Registriert seit 16.08.2013

29.03.2018 - 09:18 Uhr
https://m.tagesspiegel.de/berlin/neue-fassade-fuer-avenidas-umstrittenes-gomringer-gedicht-bleibt-in-hellersdorf/21126124.html

Gute Aktion und äußerst witzig. Ein troll auf ganz hohem Niveau. Aufgemerkt, PT trolle , hier kann man was lernen

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