Lesezirkel: David Foster Wallace - Unendlicher Spaß

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myx

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13.03.2018 - 17:51 Uhr
Oh ... schöne Nachricht! Dann noch viel Spass auf der Zielgeraden. ;-)

Coaxaca

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13.03.2018 - 20:09 Uhr
Heute zu Ende gelesen. Grandioses Meisterwerk mit einigen Wiederholungen bzw. Redundanzen. 8,9 von 10.

Felix H

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31.03.2018 - 20:22 Uhr
Ich starte vielleicht mit Ebook-Reader ausgestattet mal im Urlaub den zweiten Versuch.
Ich muss zugeben, dass ich es vor ca. 2-3 Jahren angefangen und irgendwann entnervt zur Seite gelegt habe. Obwohl ich Passagen brillant fand.
Einige Ansätze hier haben mich nun aber doch bewegt, das Ding mal wieder in Angriff zu nehmen.

Felix H

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31.03.2018 - 21:24 Uhr
Hm, der erste Dämpfer ist schon, dass nicht nur Verlinkungen zu den Fußnoten am Ende fehlen, sondern auch im Text sogar die Fußnotennummer nicht erscheint. Was soll das?

myx

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01.04.2018 - 10:05 Uhr
@Felix:

Auch für mich gibt es einige Passagen im Buch, die ich sowohl als kompliziert geschrieben wie auch als inhaltlich völlig uninteressant empfunden habe und die man deshalb getrost als nervtötend bezeichnen kann. Der ganze Rest des Buches ist aber, finde ich, von so einzigartiger Qualität, dass sich eine Lektüre unter dem Strich in jedem Fall lohnt.

Mit dem Auftreten der Ennet-House-Entzugsklinik als Schauplatz und von Don Gately als Klinikaufseher (etwa ab Seite 500) gewinnt der Roman m. E. nochmals an Qualität und Authentizität hinzu, und auch die teilweise ärgerlichen Fremdwörter und Neologismen werden deutlich seltener. Also: Dranbleiben lohnt sich! :-)

Noch dies: Was macht eigentlich die Einzigartigkeit von "Unendlicher Spass" aus? Ich habe es schon weiter oben angetönt: DFH dringt in die hintersten Winkel der – kranken/gepeinigten – Psyche vor und bringt Seelenzustände ans Tageslicht, die einem sonst verborgen bleiben würden. Es kommt nicht häufig vor, dass Depressive, Alkoholkranke und Drogenabhängige ihr Leiden mit einer solchen Eloquenz und Präzision zu beschreiben in der Lage sind. Man sollte den Roman deshalb zur Pflichtlektüre für alle im psychosozialen Bereich tätigen Personen erklären (Psychiater, Therapeutinnen, Pflegende).

myx

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01.04.2018 - 14:56 Uhr
Etwas brennt mir noch unter den Nägeln: "Unendlicher Spass" ist natürlich auch aus soziologischer Sicht spannend. Was ist das für eine Gesellschaft, die reihenweise psychisch Kranke und Süchtige produziert? Ohne einer Diskussion vorgreifen zu wollen: Im Roman findet sich wohl die eine oder andere triftige Antwort.

Gerade kürzlich habe ich in der NZZ gelesen, dass die Zahl der Drogentoten in den USA dramatisch gestiegen ist. Unter anderem, weil die Allgemeinärzte immer häufiger süchtigmachende Schmerzmittel verschreiben, und die Betroffenen, weil es billiger ist, auf Heroin umsteigen. Was man dagegen tun kann? Den Drogendielern mit der Todesstrafe zu drohen, wie es der amerikanische Präsident vorsieht? Wohl kaum ... Was DFW (nicht DFH, sorry) ist seinem Buch beschrieben hat, ist jedenfalls heute aktueller denn je.

Felix H

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27.05.2019 - 22:25 Uhr
Nachdem ich ein funktionierendes Ebook aufgetrieben habe (sprich: man kann zu Fußnoten springen), habe ich angefangen und bin nun knapp 400 Seiten weit.

Ich muss zugeben, dass ich aber manchmal einige Passagen halb überlese, weil es mich wahnsinnig macht. :-D Teils ist es dann doch nur langatmig, besonders die Umgebungsbeschreibungen sind echt seeehr ausladend.
Andere sind wiederum richtig genial geschrieben (der Junkie ohne Punkt und Komma, was man "lernt" aus der Entzugsklinik...). Da kommt das ganze Genie dann durch.

In Sachen Scope, Beobachtungsgabe und Vielfältigkeit (diese ganzen Schreibstile muss man erst mal so hinbekommen) ist das jedenfalls ohne Konkurrenz.

The MACHINA of God

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27.05.2019 - 22:46 Uhr
Der arme Übersetzter auch. 9 Jahre hat er glaub ich gebraucht.

Felix H

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27.05.2019 - 23:20 Uhr
Wundert mich keinesfalls. Aber das Ergebnis ist toll geworden, zumindest was ich anhand der englischen Passagen, die ich gelesen habe, vergleichen kann.
Und ich behaupte, ich bin in Englisch echt fit, aber viele, die das auch von sich sagen, haben hier aufgegeben. Das Buch erfordert so schon volle Konzentration, da ist Muttersprache einfach das beste.

Der Untergeher

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27.05.2019 - 23:51 Uhr
Ich knabbere nun ja auch seit einer Weile an dem Brocken. Mittlerweile habe ich Seite 900 erreicht. Ein Zwischenupdate meines Leseeindrucks folgt, wenn ich die Tage mal Zeit und Ruhe finde.

myx

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29.05.2019 - 08:45 Uhr
Schön, dass wieder Leben hier in die Bude kommt. :) Das motiviert mich, erneut in die Essaysammlung reinzuschauen und vielleicht auf diesem Weg das eine oder andere zum Verständnis des Romans und der Schreibweise von DFW beizutragen.

@Felix: Frage mich grade, ob du bei deinem Ebook eine andere Seitennummerierung hast. Wahrscheinlich ja, du liest das Buch ja nicht als PDF ... Gedruckt ist der Roman, ohne Anmerkungen, 1410 Seiten lang.

@Machina: 6 Jahre hat Ulrich Blumenbach an der Übersetzung gearbeitet, auch nicht nichts!

Felix H

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29.05.2019 - 08:53 Uhr
@Felix: Frage mich grade, ob du bei deinem Ebook eine andere Seitennummerierung hast. Wahrscheinlich ja, du liest das Buch ja nicht als PDF ... Gedruckt ist der Roman, ohne Anmerkungen, 1410 Seiten lang.

Ne, das ist im üblichen EPUB-Format, mit 1410 Seiten ohne Anhang müsste aber hinkommen, da haben sie sich wohl an die Printausgabe gehalten. Die "Blätterseiten" stimmen halt nicht mit den nummerierten Seiten überein, da man ja Schriftgröße etc. verändern kann. Kommt dann halt vor, dass nach dem Blättern die Seitenzahl mal nicht weiterspringt.
Bei "A Game of Thrones" ist es z.B. anders, das Ebook ist 1900 statt 900 Seiten lang, dafür überspringt er beim Blättern auch ab und zu eine Seitennummer.

myx

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29.05.2019 - 08:59 Uhr
Ok, danke! Habe kaum Erfahrung mit Ebooks, darum frage ich.

Dann kann man sich ja bei der Besprechung des Romans gut über die Angabe der Seitenzahl koordinieren, ohne da weit auseinanderzuliegen.

Felix H

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02.06.2019 - 17:04 Uhr
Puh, das Entzugs-Kapitel um Poor Tony (S. 466-476) ist harter Tobak, der nach einem recht endlosen Tennis-Geplänkel sehr überraschend kommt. Sehr interessanter Mix aus unverblümter und metaphorischer Beschreibung, der einigermaßen fassbar macht, in was für einem Abgrund der Mensch da steckt.

myx

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02.06.2019 - 22:26 Uhr
@Felix: Schön gesagt. Sicher eine der grössten Stärken des Buches, dieses Eintauchen in den Bewusstseinsstrom. Wobei man immer das Gefühl hat, dass DFW ziemlich genau weiss, wovon er spricht, ob aus eigener Erfahrung oder aufgrund von Schilderungen.

Dass man dabei ein gewisses Verständnis und Mitgefühl für diese von der Gesellschaft bzw. den Lebensumständen oftmals an den untersten Rand gespuckten Menschen entwickelt, ist sicher nicht das Falscheste.

Felix H

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02.06.2019 - 23:10 Uhr
dieses Eintauchen in den Bewusstseinsstrom

Ja, in solchen Momenten echt fantastisch. Und daneben Sätze, die das ganze Herunterkommen in eigenen Körperflüssigkeiten und fremden Bakterien komplett unverfälscht entgegenschleudern. An sich dann wieder ein krasser Kontrast zum klinisch reinen Tennisakademie-Sprech.

Dass man dabei ein gewisses Verständnis und Mitgefühl für diese von der Gesellschaft bzw. den Lebensumständen oftmals an den untersten Rand gespuckten Menschen entwickelt, ist sicher nicht das Falscheste.

Definitiv. Gerade hier ist ja auch mal keine Beobachterperspektive am Werk, man ist mittendrin.

Unangemeldeter

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07.06.2019 - 13:23 Uhr
Sehe heute Abend die Bühnenfassung von Thorsten Lensing an der Volksbühne und bin wahnsinnig gespannt wie man aus diesem Buchmonster ein Theaterstück machen kann.

myx

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07.06.2019 - 16:24 Uhr
Da gibt es echt eine Bühnenfassung? Krass. Gerade bei "Unendlicher Spass" war ich mir sicher, dass man dieses Werk mit seinen vielen introspektiven Passagen niemals würde umsetzen können. Auf keinen Fall für das Kino, aber auch nicht für das Theater.

Da wäre ich auch sehr gespannt. Schönen Abend wünsche ich!

Unangemeldeter

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07.06.2019 - 17:07 Uhr
Danke, ich kann gerne berichten! Die Kritiken waren tatsächlich äußerst positiv, deswegen gehe ich auch mit recht viel Optimismus und weniger Skepsis hin.

myx

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07.06.2019 - 17:13 Uhr
Prima. :)

myx

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23.06.2019 - 22:11 Uhr
@Unangemeldeter: Hast du noch vor, ein wenig von der Volksbühne zu berichten? Würde mich schon interessieren, wie das Buch umgesetzt wurde und wie dir die Vorstellung gefallen hat. Wenn nicht, auch ok. ;)

Unangemeldeter

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24.06.2019 - 18:08 Uhr
Ja, klar! Es war tatsächlich (fast) rundum großartig! Ich war sehr beeindruckt und begeistert. Den ganzen Video-Handlungsstrang haben sie komplett rausgestrichen, damit blieb Hal (+ Familie) und die Entzugsklinik - und damit auch viele der besten Episoden des Buches. Die ersten 2 Stunden waren wahnsinnig lustig, der zweite Teil dann wesentlich ernster und düsterer. Das ist auch mein einziger Kritikpunkt: die Trennung war mir zu doll, das Buch lebt ja auch von der andauernden Gleichzeitigkeit von Humor und Traurigkeit, An- und Entspannung.
Das an sich hat auch toll funktioniert, war aber auch eine irrsinnige Riege an super Schauspielern, die auch schon körperlich alles gegeben haben und denen man die Lust auf das Stück richtig anmerkte. (Spontaner Ausruf von Devid Striesow, da gerade im Planschbecken sitzend: "Na das ist doch mal ne ROLLE!" :D)

Ich würde so weit gehen und sagen: eines der besten Stücke, die ich je gesehen habe, sowohl von Regieeinfällen, Schauspielleistung, Textauswahl, Emotion absolut überzeugend.

Das Stück tingelt ja nun schon eine Weile durch Deutschlands Bühnen - wenn das mal noch in deine Nähe kommt: absolute Empfehlung!

myx

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25.06.2019 - 10:14 Uhr
Danke, das klingt wirklich toll! Sollte die Truppe in den süddeutschen Raum kommen, wäre das die Gelegenheit, endlich mal wieder ins Theater zu gehen. :)

Eine Frage habe ich noch: War Kate Gompert in dem Stück auch vertreten? Für mich persönlich ist sie eine der wichtigsten Figuren des Romans, auch wenn sie nur einige wenige Auftritte hat. Nirgendwo sonst habe ich je eine so treffende Beschreibung der Depression gelesen wie insbesondere auf den Seiten 994 bis 1002. Pflichtlektüre für jeden, der für diese schwere Erkrankung und die damit einhergehende hohe Selbstmordrate etwas mehr Verständnis aufbringen möchte.

Unangemeldeter

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25.06.2019 - 11:58 Uhr
Leider nein! Zwar war die Liga der Entstellten mit dem SCH.M.A.Z. vertreten, sowie einige Stimmen aus den N.A.-Meetings, Kate Gombert allerdings nicht (die mich im Buch genau wie dich auch sehr berührt hat).

myx

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25.06.2019 - 12:12 Uhr
Ja, schade. Die N.A.-Meetings gehören aber auch zum Besten im Buch und gehen ja in eine ähnliche Richtung.

Der Untergeher

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04.08.2019 - 10:06 Uhr
Gerade zu Ende gelesen. Puh. Das muss ich erstmal sacken lassen..

myx

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04.08.2019 - 11:37 Uhr
Daumen hoch. Bin dann gespannt auf deine Eindrücke.

Felix H

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04.09.2019 - 21:56 Uhr
Bin gerade bei Seite 800 und Quietsch, auf jeden Fall das Kapitel mit dem äußerst blutigen, brutalen A.F.R.-Mord und der Lenz-Passage, wo der Typ als Ausgleich zum Entzug zum Tierquäler wird. Während ersteres nur (ziemlich detaillierter) Splatter ist, ist letzteres auch aufgrund der zynischen Situationsanlage so bedrückend. Man wünscht sich ja förmlich, Lenz würde einfach wieder saufen (Drogen nimmt er ohnehin noch, was das Ganze noch kruder, aus meiner Sicht aber auch seltsam inkonsequent in der Kritik am Entzugsprogramm macht).
Gut, eigentlich wünscht man sich eher ganz andere Sachen für ihn...

myx

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05.09.2019 - 11:37 Uhr
Gerade bei Randy Lenz (im Buch S. 776-790) habe ich mich schon gefragt, warum hat DFW einen derart grausam-sadistischen, schockierenden Charakter in seinen Roman eingefügt? Was will er damit sagen?

Dass Krankheit, Sucht und Entzug - und bei Lenz besonders das Gefühl der Machtlosigkeit - einen Menschen dazu bringen, grausam und rücksichtslos zu werden? Aber das ist ja nicht bei jeder sich ohnmächtig fühlenden Person automatisch (bzw. überhaupt) der Fall.

Also was dann? Vielleicht, dass es Menschen gibt, die zu Bösem neigen, und dass eine Gesellschaft höllisch aufpassen muss, dass diese schlummernden Bomben nicht hochgehen? Dies scheint mir noch die plausibelste Erklärung zu sein.

Ich kann mir nämlich einfach nicht vorstellen, dass der "pflichtbewusste" (s. u.) DFW allein aus Lust an der Provokation und am Schockieren Figuren erfindet. Er will vielmehr damit – mit seinem Schreiben – beim Leser etwas erreichen, eine Veränderung zum Positiven bewirken.

Ich zitiere dazu eine Stelle aus dem Essay "Fiktionale Zukünfte und die dezidiert Jungen" (S. 185):

Wenn es trotz der Umwälzungen im popkulturellen, akademischen und intellektuellen Leben noch Menschen mit intakten langgehegten Überzeugungen gibt, dann sollte es auch ein Glaubensartikel sein und bleiben, dass der pflichtbewusste, begabte und erfolgreiche Künstler jedweden Alters immer noch die Macht hat, Veränderungen zu bewirken. Und wenn Marx (...) spottete, die Intellektuellen seiner Zeit hätten die Welt nur verschieden interpretiert, es komme aber darauf an, sie zu verändern, dann scheint der Spott heute umso angebrachter, wo sich viele unserer bekanntesten D.J. Schriftsteller anscheinend damit begnügen, das Interpretieren noch aufs Jammern zu reduzieren.

Womit wir dann gewissermassen auch einen ersten Interpretationsmassstab/Diskussionspunkt hätten: Kann ein Schriftsteller mit einem Roman wie "Unendlicher Spass" die Welt - ein Stück weit - verändern? ;)

myx

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06.09.2019 - 09:07 Uhr
Gut, eigentlich wünscht man sich eher ganz andere Sachen für ihn...

Dazu möchte ich etwas mir ganz Wichtiges noch ergänzen: DFW stellt Randy Lenz, wenn ich mich richtig erinnere, gerade nicht ins moralische Abseits bzw. enthält sich jeder negativen Bewertung seiner Person, wie er das auch bei seinen übrigen Romanfiguren tut.

Warum macht er das? Weil er m. E. aus eigener Krankheits- und Suchterfahrung genau weiss, wie man sich in solchen Krisensituationen fühlt, und dass es nur wenig braucht und man tickt selber aus.

Wenn man dann nicht das Glück hat, aus einer intakten Familie bzw. einem intakten sozialen Umfeld zu stammen, das einem stabile, starke Werte vermittelt hat, dann kann es eben passieren, dass man nicht auf der guten, rechtschaffenen Seite bleibt, sondern ins Böse, Kriminelle abgleitet.

Natürlich entschuldigt das kein Verhalten, wie es z. B. Lenz an den Tag legt (man handelt auch in grössten Stresssituationen irgendwo immer noch aus freien Stücken), aber es macht wenigstens ein wenig verständlich, wie es so weit kommen kann.

Für mich ist diese Sicht auf menschliche Krisensituationen eine der grössten Stärken von "Unendlicher Spass" (habe ich auch schon mehrfach erwähnt): Es verändert das Verständnis jener Gruppe Menschen, die man gerne als „Abschaum“ bezeichnet, und ist dadurch – gerade auch politisch – vielleicht eher bereit, etwas für die Abgehängten der Gesellschaft zu tun.

*Ende Wort zum Sonntag* :D

Felix H

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06.09.2019 - 10:19 Uhr
DFW schreibt ja generell sehr nüchtern und distanziert (außer aus gewissen Point of Views), d.h. das Empfinden als Leser wird in meiner Wahrnehmung sehr offen gehalten.
Er erzeugt auch Verständnis für die Situation der Figuren, geht aber nie so weit, das als "Entschuldigung" für das Handeln zu verkaufen. Bei mir ist das dann eine merkwürdige Dualität aus Verständnis und Unverständnis, bei Lenz tu ich mich allerdings doch sehr schwer mit ersterem. :-)

myx

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Registriert seit 16.10.2016

06.09.2019 - 11:27 Uhr
bei Lenz tu ich mich allerdings doch sehr schwer mit ersterem.

Da stimme ich natürlich mit dir überein: Lenz' Verhalten ist nur schwer verständlich und nicht zu entschuldigen. ;)

Vielleicht konnte DFW aber an dieser krassen Figur einfach am besten aufzeigen, dass er sogar hier nicht dazu übergeht, die Moralkeule zu schwingen. Und wollte den Leser damit zum Nachdenken darüber anregen, warum er sich da in "Unendlicher Spass" lieber zurückhält.

Felix H

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Registriert seit 26.02.2016

15.09.2019 - 22:25 Uhr
Vielleicht ganz hilfreich zum Hinterherlesen:
Zusammenfassung bei Litcharts

Hat mir vor allem geholfen, manche Details wieder in Erinnerung zu rufen und/oder in das große Ganze einzubetten und ich finde ein paar Interpretationsansätze ganz spannend.

myx

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Registriert seit 16.10.2016

15.09.2019 - 22:46 Uhr
Schöner Link, Felix. Werde mich gerne näher auf der Seite umsehen.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

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Registriert seit 26.02.2016

15.09.2019 - 23:19 Uhr
Gerne!
Ich lese meist in unregelmäßigen Abständen die letzten Kapitel dort mal nach. Das Buch liest sich dadurch auch leichter weiter, finde ich.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

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Registriert seit 26.02.2016

17.11.2019 - 21:59 Uhr
Ich bin durch!
Das letzte Drittel des Buches las sich deutlich leichter, sei es, weil man die Figuren nun besser kennt, oder auch, weil DFW auf sehr krude Erzählweise weitestgehend verzichtet. Und das Buch, trotz der nicht chronologischen Erzählweise, schon auf einen Höhepunkt zusteuert.


===== SPOILER =====




Ich hatte schon erwartet, dass vieles wohl nicht endgültig aufgeklärt wird.
Verrät Orin der A.F.R., wo die Master Copy liegt? Überlebt er?
Was passiert nun damit? Verteilt die A.F.R. den Film in die ganze USA?
An der E.T.A. sind doch nun die A.F.R. anstelle der eigentlichen Turniergäste angekommen. Was machen sie nun da? Wozu diese Aktion, wenn zugleich mit Orin der entscheidende Charakter ins Netz gegangen ist? Irgendwie fand ich das sehr wirr.
Hab ich es richtig verstanden, dass Gately wieder in die Abhängigkeit rutscht? Der Anfang des Buches spielt ja quasi nach dem Ende, scheint also so?





===== SPOILER ENDE =====

Vive

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Registriert seit 26.11.2019

01.12.2019 - 09:32 Uhr
irgendwann mach ich mich ran, aber sogar das hörbuch wirkt einschüchternd

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