Lesezirkel: David Foster Wallace - Unendlicher Spaß

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myx

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08.06.2017 - 11:08 Uhr
So, die Bühne wäre hiermit frei: Per sofort kann in diesem Thread nach Lust und Laune zu "Unendlicher Spass" (Infinite Jest) gepostet werden.

Bitte mit Warnhinweis bei wichtigen Ereignissen, damit die Hinterherlesenden nicht gespoilert werden (da hat Jennifer natürlich völlig recht).

Jennifer

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08.06.2017 - 11:56 Uhr
Klasse!

Gomes21

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08.06.2017 - 12:21 Uhr
ich ziehe jetzt auch nach.

Hipster aus Bochum

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08.06.2017 - 14:02 Uhr
Ich habs vor etwa 6 Jahren begonnen zu lesen. Ich sollte wohl mal weitermachen...
Franze
08.06.2017 - 16:27 Uhr
Wie geht der Spaß denn aus?

Affengitarre

User und News-Scout

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08.06.2017 - 18:52 Uhr
Dann bin ich ja gespannt. Bin bisher noch nicht zum Lesen gekommen, da ich momentan einfach viel um die Ohren habe, aber dabei bin ich natürlich trotz allem.

derdiedas

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08.06.2017 - 23:18 Uhr
Cool, wollte ich schon länger mal lesen, ich wär versucht mich anzuschließen wenn ich nicht auch so einen Haufen ungelesener Bücher und gerade leider wirklich keine zeit für so einen dicken Schinken hätte

Jennifer

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09.06.2017 - 00:02 Uhr
Gibt doch keinen zeitlichen Druck. :) Ich werde auch frühestens übernächste Woche anfangen können. Und bei so einem Buch kann ich mir vorstellen, dass sowieso jeder sein eigenes Tempo finden muss.

Felix H

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09.06.2017 - 08:44 Uhr
Ich hatte es mal vor einigen Jahren angefangen, aber bin nicht weiter als 300 Seiten gekommen.
Fand es passagenweise sehr sehr gut, aber im Ganzen war es mir zu anstrengend.

derdiedas

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09.06.2017 - 10:07 Uhr
Erst mal ist King's letzter Dark Tower dran

Loketrourak

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09.06.2017 - 11:24 Uhr
Guten Morgen!

Jennifer

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09.06.2017 - 23:01 Uhr
So, nach Rücksprache mit dem Chef hab ich den Thread eben für Gäste gesperrt, nachdem scheinbar Teile der Story gespoilert wurden.

Die letzten beiden Quatsch-Beiträge hab ich auch gleich noch gelöscht.

captain kidd

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10.06.2017 - 07:10 Uhr
Ist halt kein Grisham, Felix H...

Mir geht es aber genau so. Finde seine kürzeren Sachen viel viel besser.

Gomes21

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11.06.2017 - 08:58 Uhr
Habe angefangen, kurz unterbrochen. Sobald ich American Rust durchhabe geht's wieder weiter.

myx

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11.06.2017 - 13:19 Uhr
Ich bin mal durch die ersten beiden Kapitel geeilt. Es hat bereits einiges Grossartiges dabei (sagenhaft schöne Detailbeobachtungen und Sprachbilder bspw.), die Verwirrung ist andererseits aber auch recht gross (vorwiegend in Kapitel 1). Ich werde nochmals alles in Ruhe lesen und dann erste Eindrücke posten.

myx

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20.06.2017 - 09:57 Uhr
Ich habe nun das erste Kapitel nochmals genauer gelesen. Hat sich gelohnt. Da darin mehr als zehn Personen auftreten bzw. Erwähnung finden, verliert man leicht den Überblick.

Mir gefallen die feinen Beobachtungen und Bilder und besonders der schöne, allgegenwärtige Humor des Autors. Nur ein Beispiel:

"62,5 % der Gesichter im Raum sehen mich freundlich gespannt an. Mein Herz rumpelt wie ein Wäschetrockner mit Schuhen drin." (S. 10)

Es empfiehlt sich, ein Handy in Griffweite zu haben, um regelmässig auftauchende unbekannte Begriffe zu googeln. Beispiel: "kleine aviarische Gestalt" (S. 12). Das Fremdwort "aviarisch" existiert zwar nicht, es gibt aber lat. "aviarius" = zu den Vögeln gehörend. Also ist wohl von einer kleinen vogelähnlichen Gestalt die Rede.

Fazit: Von den ersten 20 Seiten des Buches bin ich schon mal ziemlich begeistert.

myx

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20.06.2017 - 11:11 Uhr
Auch inhaltlich kann das erste Kapitel überzeugen, möchte ich noch kurz nachtragen. Es geht um die Aufnahme des 18-jährigen, offenbar nicht nur sportlich (Tennis) hochbegabten Hal an die Universität von Arizona. Wie die Univerwaltung im Aufnahmegespräch auf diese Sonderbegabung reagiert, verrate ich hier natürlich nicht. Ein kräftiger Schuss Kritik am US-Bildungssystem ist aber schon mal mit dabei.

Jennifer

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25.06.2017 - 13:28 Uhr
Ich hab auch endlich angefangen und bin jetzt circa bei Seite 70. Der Anfang las sich einfacher als gedacht, das wird sich wohl aber noch ändern.

maxlivno

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25.06.2017 - 13:57 Uhr
Also ich hab das Buch vor 4 Tagen zu Ende gelesen. Habe im Januar angefangen und war die ersten knapp 200-300 Seiten richtig drin im Buch. Hatte dann aber immer Phasen im Buch, wo ich es dann auch mal zwei Wochen überhaupt nicht angefasst habe, weil es mir teilweise zu langatmig wurde.

Ich kann nur sagen, wer vorab nichts über das Buch so wirklich weiß und nur nach Klappentextbeschreibung geht: Die Klappentextbeschreibung ist nicht wirklich treffend und wird dem Buch weder gerecht, noch ist sie zu 100% richtig.

Alles in allem ein überwältigendes Buch mit ein paar Schwächen.

myx

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25.06.2017 - 14:42 Uhr
Willkommen im Kreis, Jennifer. Ich bin etwa bei Seite 60 und werde voraussichtlich morgen wieder ein paar Eindrücke posten.

myx

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25.06.2017 - 15:40 Uhr
Dann freue ich mich auf ein weitgehend überwältigendes Buch, maxlivno. :-)

myx

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27.06.2017 - 07:51 Uhr
Also langweilig wird es nicht: Man begegnet einem hochbegabten Schüler und Tennisspieler, genannt Hal (bereits kurz berichtet), einem Suchtkranken, der auf die Lieferung von 200 g Marihuana wartet, einem professionellen Konversationalisten, einem saudisch-kanadischen Gesundheitsattaché des Prinzen Q-, saudischer Minister für Unterhaltungselektronik, einer Jugendlichen, die von ihrem Onkel sexuell belästigt und von ihrer Mutter blutig geschlagen wird, und Orin, dem älteren Bruder von Hal, der Albträume hat und wechselnde weibliche "Subjekte" im Bett. So viel bis Seite 72.

Mir gefällt besonders der Abschnitt mit Erdedy (S. 28-41), der bereits 70 bis 80 mal versucht hat, mit dem Kiffen aufzuhören. Hier hat jemand Ahnung von der beklemmenden Gedankenwelt und Gemütslage eines Drogenabhängigen. Die Schreibweise dieses Kapitels - die ständigen, fast zwanghaften Wiederholungen - erinnert mich ein wenig an Thomas Bernhard (das könnte in unserem Zirkel insbesondere Der Untergeher interessieren).

Nach einigen Anfangsschwierigkeiten liest sich das Buch bis jetzt tatsächlich recht flüssig, da stimme ich Jennifer zu.

Was man jetzt schon sagen kann: Wallace lässt einen in die Abgründe der menschlichen Seele blicken. Bin auf alle Fälle gespannt, wie es weitergeht.

Deaf

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27.06.2017 - 16:37 Uhr
Habe das Buch zwar nicht gelesen, habe aber gerade gesehen, dass im Oktober das Hörbuch erscheinen soll:

Ein zügelloser, unfassbarer Roman, der die menschlichen Obsessionen, Zerstreuungen und Lustbarkeiten in Worte fasst. Nun zum ersten Mal vollständig als Hörbuch: über 1.400 Seiten, pro Seite ein Sprecher. Was als akustisches Experiment begann, endet in einem der spektaktulärsten und spannendsten Hörerlebnisse der letzten Jahre. Unterlegt mit Musik der "Goldenen Maschine": einem analogen Synthesizer, der autonom eine automatisierte Musik vor sich hinkomponiert, die sich niemals wiederholt. Die Schuberedition mit Goldfolie enthält 10 MP3-CDs sowie ein umfangreiches Booklet mit Hintergrundinformationen zum Buch und zum Hör-Projekt. "Ein polyphones Kunstwerk, ein sperrangelweit offenes Literaturportal, durch das man magisch ins Innere einer teuflischen Spiegelwelt gezogen wird, bewohnt von Tennisspielern, Teufeln, Kleinkriminellen und Künstlern." DIE WELT (10 mp3-CDs, Laufzeit: ca. 80h)

Gomes21

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27.06.2017 - 20:36 Uhr
meh ;-)

myx

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01.08.2017 - 14:07 Uhr
Mal wieder ein Zwischenbericht: Bin jetzt bei Seite 441 angelangt. "Unendlicher Spass" ist streckenweise wirklich ein ganz herausragendes Buch:

David Foster Wallace gefällt mir dort am besten, wo er quasi mit Haut und Haaren in die Rolle seiner Protagonisten schlüpft. Am eindrücklichsten ist dies bei "meiner Wenigkeit" der Fall, einer/einem Heroinabhängigen auf der Gasse. Das ganze Kapitel (S. 183-194) ist im kruden, fahrigen Ton eines Menschen erzählt, der nicht mehr ganz bei sich ist: fehlerhaft ("Müllkontehner", "kwerelen"), interpunktionslos und voller Gossen-Slang. (Hier hat auch der Übersetzer Ulrich Blumenbach, der total 6 (!) Jahre an dem Buch gesessen hat, Grossartiges geleistet.) Wäre sehr gespannt, wie sich dieser Abschnitt wohl im Original liest. Vielleicht kann uns Gomes dann eine kurze Kostprobe aus diesem Abschnitt geben.

Weitere Höhepunkte für mich: Das Kapitel mit der hoch suizidalen unipolar Depressiven Kate Gompert (S. 99-123), die im Arztgespräch ihr Leiden auf sehr plastische und präzise Weise schildert; die geniale Abhandlung über die Probleme der Menschen mit der Video-Telefonie (S. 207-216); der skurrile Humor in zwei Kurzgeschichten (Arbeitsunfall eines Maurers und Frau mit einem externen Herzen, S. 195-216); die unglaublich lange und vielgestaltige Liste an "exotischen neuen Kenntnissen" (S. 288), die man in einer Alkohol-Entzugsklinik sammelt. Und und und ...

Einige mühsame, irgendwie unnötig kompliziert geschriebene Abschnitte gibt es aber auch, z. B. wo Tiny Ewell sich für die Tätowierungen der Entzugsklinik-Mitinsassen interessiert (S. 304-316).

Die Anmerkungen sind leider meistens nur schmückendes Beiwerk, einige wenige haben es aber wirklich in sich: So die Filmographie James O. Incandenzas, des Vaters von Hal, Mario und Orin, in der man zum ersten Mal kurz dem Film "Unendlicher Spass" begegnet (Anm. 24). Oder Anmerkung 304, wo es u. a. um das halsbrecherische Jungenspiel "Le Jeu du Prochain Train" geht.

Leider verliere ich in Romanen mit vielen wechselnden Personen rasch den Überblick, weshalb ich mir Notizen zu den handelnden Figuren machen muss und darum nicht ganz so rasch vorankomme. Angesichts des aussergewöhnlichen Detailreichtums von "Unendlicher Spass" ist mir das aber gerade recht: So kriege ich die volle Dröhnung ... :D

Bis etwa Ende Oktober werde ich also bestimmt noch lesen. Ich bin fast sicher, dass bis dann hier in diesem Thread noch der eine oder andere Gedankenaustausch stattfinden wird. Ich würde es mir jedenfalls wünschen. ;-)

Affengitarre

User und News-Scout

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03.08.2017 - 12:50 Uhr
Habe letztens erst angefangen und es ist für mich schon recht zäh. Hoffentlich bin ich aber auch bald ähnlich begeistert wie myx hier.

Jennifer

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03.08.2017 - 12:58 Uhr
Ich musste aus beruflichen Gründen ein bisschen pausieren, da fehlten einfach die Zeit und Konzentration. Aber ich hoffe, dass ich bald wieder einsteigen kann. :)

Loketrourak

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03.08.2017 - 15:06 Uhr
Konzentration ist das Zauberwort. Im Filmthread wurde darüber diskutiert, ob ein Meisterwerk (viele Leute halten US ja dafür) neben dem Inhalt auch immer die Form in Frage stellen sollte (Manche fanden so, andere so). Das tut UF als Roman(?) natürlich auch - allein schon des Formates wegen, aber auch über die Erzählebenen, die pure Anzahl von Personen, Wortkreationen, der ungewöhnlichen Zeitline und was auch immer. Das ist nicht unanstrengend.

Jennifer

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03.08.2017 - 15:17 Uhr
Richtig. Und wenn ich es lese, will ich mich natürlich auch darauf einlassen können. Das war in den letzten Wochen schlicht nicht drin. Aber es wird. :)

Loketrourak

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03.08.2017 - 16:24 Uhr
Mir geht es ja genauso, wollte ich noch anfügen :-)

myx

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04.08.2017 - 14:56 Uhr
Schön, wieder ein paar Mitlesende in unserem Zirkel zu wissen. Ich habe mich, ehrlich gesagt, bereits ein bisschen alleine gefühlt auf weiter Flur ... ;)

Stichwort Konzentration: Ich nehme mir das Buch auch nur dann vor, wenn ich mindestens 1 bis 2 Stunden Zeit habe, um mich in den Text zu vertiefen. Sonst hat man m. E. zu wenig von der Lektüre. Da ich - im eher kleineren Rahmen - selbständig tätig bin, finden sich immer mal wieder solche Zeitspannen. Aber klar, der Roman bleibt dann auch wieder für mehrere Tage liegen. Man will ja schliesslich auch noch Musik hören und ein wenig im Forum mittun. :)

Noch ein paar Gedanken zum Buch: "Unendlicher Spass" hat einige meisterlich geschriebene Passagen, die mich vor allem wegen ihrer unglaublichen Authentizität wirklich sehr begeistern, - ein Meisterwerk ist es für mich aber bis jetzt noch nicht. Dazu sind die einzelnen Erzählstränge einfach noch zu wenig miteinander verbunden - und man weiss auch noch nicht genau, worauf Wallace eigentlich im Ganzen hinauswill. Aber vielleicht bin ich mit dieser Erwartung ja auch völlig falsch gewickelt: Vielleicht bleibt der Roman bis auf Seite 1410 lediglich ein Kaleidoskop aus verschiedensten Ereignissen, die dann eben doch ein getreues Abbild einer Welt darstellen, die in ihre Einzelteile zerfallen ist und sich nicht mehr zu einem Gesamtsinn zusammenfügen will. Bleibt das bis am Ende wirklich so, dann ist "Unendlicher Spass" in seiner konsequenten Vermeidung einer Gesamterzählung vielleicht doch ein Meisterwerk unserer heutigen Zeit. Ich lasse mich jedenfalls gerne überraschen!

myx

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10.08.2017 - 11:42 Uhr
Wieder ein herausragendes Kapitel (S. 494-541): Wallace schildert die Vorgänge bei den Gruppentreffen der Bostoner Anonymen Alkoholiker (AA) und in der Ennet-House-Entzugsklinik. Man spürt auf jeder Seite, dass der Autor genau weiss, wovon er spricht (Wallace war selber alkoholkrank): Das Ganze ist ein faszinierendes Sammelsurium aus informellen AA-Regeln, präzisen Beschreibungen der "Spinne" (wie die Alkoholkrankheit genannt wird) und bizarren biografischen Berichten.

Und die Überraschung: Man begegnet sogar einem waschechten Schweizer, der breitestes Baseldytsch spricht. :-)

myx

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26.08.2017 - 10:16 Uhr
Stehe jetzt bei Seite 706 - für die nächsten 2 1/2 Ferienwochen (ins Fluggepäck nehme ich diesen Wälzer nun wirklich nicht). Vielleicht kann die eine oder der andere Mitlesende ein wenig zu mir aufschliessen, damit nach meiner Rückkehr hier die Post dann so richtig abgehen kann. :D Bis die Tage also!

Loketrourak

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28.08.2017 - 18:36 Uhr
Moin

Ich habe es andersherum gemacht und den eben vergangenen Urlaub unter anderem dazu genutzt, endlich mal voranzukommen (jetzt ~S.490). Notwendige Konzentration und Zeit war damit gegeben.

Ich hattte sicher damit gerechnet, schneller voranzukommen, aber US macht es einem nicht leicht - dynamisches Lesen am Arsch - zumal man sich nicht stilistisch eingrooven kann. Außerdem sind Satzschlängel über eine komplette Seite mit zahllosen Einschüben, Aufzählungen und Nebenbeigedanken keine Seltenheit, man muss vollkonzentriert lesen.

Warum bestimmte Dinge in Fußnoten festgehalten sind (welche ihrerseits auch wieder Fußnoten haben können, und sich vereinzelt über meherere Seiten Strecken können) und nicht in den Roman eingebunden sind erklärt sich mir nicht. Das stört den Lesefluss auch, möchte man ein Gesamtbild haben. Die von myx o.g. Wortkreationen nehme ich tatsächlich eher als störend und mariniert wahr, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwwehren, dass es dem Leser streckenweise bewusst schwer gemacht werden soll. Regelrecht genervt war ich von den seitenlangen detaliertestesten Ausführungen zur Sportart "Eschaton" (Eine Art imperialistisches Tennisspiel mit 400 Bällen). Manch einer mag davon angetan sein, not me. Ich bin mir fast sicher, dass das für die gesamte Handlung keinen wesentlichen Beitrag leistet und hätte seinerseits auch im Fussnotenapparat geklärt werden können.
Andere Strecken lesen sich wiederum außerordentlich gut weg und man bemerkt die Insights des Autors hinsichtlich: Tennissport, amerikanische Sportförderung, Drogenkonsum und -Beschaffung, Räusche, psychische Deformationen, vetrtrtackter Familienverhältnisse, genereller Grenzzustände und therapeutischer Einrichtungen. Das ist mit grandioser Detailsicht beschrieben.

Die Klärung vieler zunächst seltsam scheinender Einzelheiten, Begebenheiten und Dinge werden im Rahmen des Buches an irgendeiner Stelle 'ungefragt' eingeflochten (etwa die Chronologie der industriegesponorten Jahresbezeichnungen) und ein wenig fügt sich doch jetzt sowas wie ein Gesamtbild zusammen.

Wenn man so möchte, ist das Buch eine zeitlich naheliegende Dystopie und erzählt im wesentlichen eine tragische und kaputte Familiengeschichte (zumindest bis zu dem Zeitpunkt, den ich erreicht habe). So kaputt und disruptiv die Zukunft in der sie spielt und ihre Protagonisten sind, so kaputt und disruptiv ist auch der Erzählstil. Ganz sicher trägt das Buch biografische Züge und ziemlich sicher war Wallace ein wenig fabuliersüchtig (oder aber er benutzte das Mittel des Fabulierens als Stilmittel, who knows). Ich mach jedenfalls weiter ...

KarinaSunset

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28.08.2017 - 19:06 Uhr
mariniert

Hahaha, eingelegte Lachspause! Sorry, ich weiß natürlich, dass du weißt...

Loketrourak

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Registriert seit 26.06.2013

28.08.2017 - 20:07 Uhr
:-)

Ja, manieriert, aber kommt auch irgendwie hin. Sind ein paar Flusigkeitsfehler im Text, sehe ich gerade.

myx

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30.09.2017 - 10:32 Uhr
So langsam nehmen die Dinge wieder ihren gewohnten Lauf. In Gedanken hänge ich aber noch immer ein wenig dieser fantastischen Reise durch den Norden Madagaskars nach. Die viertgrösste Insel der Welt geht verschwenderisch mit ihren Reizen um und ist noch kaum touristisch erschlossen. Einzig auf der Tropeninsel Nosy Be gibt es zahlreiche Hotels mit gutem Komfort, wo man zum Schluss der Tour bestens ein paar Tage ausspannen kann. Eine Exkursion zu den Buckelwalen sollte man sich aber auf keinen Fall entgehen lassen. (Man möge mir diesen kurzen Off-topic-Ausflug in die Erinnerung bitte nachsehen.)

Nun aber schnurstracks zurück zum Buch: Auch nach gut vier Wochen Abstinenz war es nicht besonders schwierig, wieder in den Text hineinzukommen. Den roten Faden konnte man ja nicht verlieren – es gibt nämlich praktisch keinen ... :D

Ich bin inzwischen bei Seite 811 angelangt. Nur so viel: Auf den Seiten 790 - 793 geschieht etwas, auf das man schon die längste Zeit gewartet hat. Und als Katzenliebhaber wird man auf den Seiten 776 - 790 auf eine harte Probe gestellt ... Überhaupt darf man bei diesem Buch nicht zartbesaitet sein, da Wallace einem keine psychopathologische Extremsituation erspart. Auf Seite 776 ff. hat er den Bogen aber vielleicht etwas überspannt: Ist das noch psychologisch plausibel erklärbar (Gewaltexzesse aus einem Ohnmachtsgefühl heraus) oder nur noch blosse Effekthascherei und schockieren um des Schockierens willen?

@Loketrourak:

An eine Dystopie – der Begriff ist mir nicht so geläufig – habe ich überhaupt nicht gedacht, aber dieser Ausdruck passt wirklich gut: Die (Zukunfts-)Welt, die Wallace schildert, befindet sich in einem ziemlich elenden Zustand – und man sieht nicht, wie sie da wieder herausfinden sollte. Im Zentrum steht, richtig, die Familie Incandenza (Mutter Avril, Vater James O. sowie die Söhne Orin, Mario und Hal), mit dem Jüngsten, Hal, als Hauptfigur. Einerseits ist die Familiengeschichte tatsächlich tragisch zu nennen und die drei Söhne haben harte Schicksalsschläge zu verkraften. Andererseits ist es erstaunlich, wie sich die drei Jungs in dieser desolaten Welt trotz allem zu behaupten vermögen (jedenfalls bis knapp über die Hälfte des Romans). Das macht, bei allem Negativen, dann doch ein wenig Mut.

Das Autobiographische liegt bei Themen wie Depression, Alkohol, Drogen und Leistungstennis auf der Hand (Wallace hat es als Tennisprofi bis auf Platz 17 der US-Rangliste geschafft), und diese intime Sachkenntnis bis ins letzte Detail ist eine der grossen Stärken des Buches. Ich habe irgendwo gelesen, dass sogar die Grammatikerin Dr. Avril Incandenza nach dem Vorbild der Mutter von Wallace gemodelt sein soll: Letztere war ebenfalls Sprachwissenschaftlerin und soll bei Tisch jeweils gehüstelt haben, wenn jemandem ein sprachlicher Fehler unterlaufen ist. Es folgte betretene Stille, so lange, bis der "Sünder" den Lapsus bemerkt und sich selbst korrigiert hat.
Wallace ist also sozusagen in einem Klima der Fehlerintoleranz aufgewachsen. Dies hat sich offenbar auch auf das Manuskript von "Unendlicher Spass" ausgewirkt, das trotz voluminösem Umfang und überschäumender Fabulierlust (oder obsessivem Fabulierzwang?) praktisch ohne Fehler gewesen sein soll. Karge Kost für das Korrektorat/Lektorat also ... :D

Noch kurz zum "Eschaton"-Kapitel: Das waren wirklich ziemlich mühevoll zu lesende dreissig Seiten. Wie kann man nur so ein kompliziertes, verkopftes Spiel kreieren und bis ins kleinste Detail ausformulieren? Das hat schon fast groteske Züge. So viel akribische Liebesmühe für so ein belangloses, nur in Ansätzen politisches Spiel ("atavistisches Globaler-Atomkriegs-Spiel"), also nahezu für Nichts? Irritiert hat mich zudem in diesem Kapitel der Satz "Bomben detonieren in ganz Israel": Wie kann man eine solche Formulierung hinknallen und dann einfach unbearbeitet lassen? Oder kommt in "Unendlicher Spass" irgendwann auch noch politisch Gespenstisches auf den Leser zu?

Gut, dass nach dem nervigen "Eschaton"-Kapitel gleich einer der besten Abschnitte des Buches folgt (zur Alkoholkrankheit "Spinne"; habe bereits weiter oben darüber berichtet) – so hält einen Wallace trotz allem immer wieder bei der Stange.

Jennifer

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

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Registriert seit 14.05.2013

15.10.2017 - 17:24 Uhr
Also, ich werd noch mal anfangen, wenn ich beruflich etwas mehr Luft habe. Derzeit fehlt mir hierfür schlicht die Konzentration. Aber ich bin auf jeden Fall noch von der Lesezirkel-Idee begeistert und hoffe, dass ich bald wieder einsteigen kann!

myx

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17.10.2017 - 13:22 Uhr
Alles klar. Ich werde schauen, in einigen Monaten oder so dann wieder in den Text zurückzukehren. Sollte aber - auch dank der Notizen - kein grösseres Problem sein. Vielleicht kommt in der Zwischenzeit noch der eine oder andere Diskussionspartner hinzu, aus unserer ursprünglichen Gruppe oder auch von weiterer interessierter Seite.

Noch ein paar Bemerkungen zum Buch (stehe momentan auf Seite 1021): Ich bin schwer beeindruckt, wie präzise Wallace auf den Seiten 998 bis 1002 die psychotische Depression - diese "Raubtiersorte der Depression" - aus der Innenperspektive heraus beschreibt. Besser kann man diese "Ein-Mann-Hölle", aus der es kein Entrinnen zu geben scheint, nicht in Worte fassen. Ganz stark.

Eine weitere psychologisch brillante Passage versteckt sich in Anmerkung 269. Dort charakterisiert Wallace Avril Incandenza als überkorrekte Mutter, die gerade wegen ihres zwanghaften Strebens, eine perfekte Mutter sein zu wollen ("pathologischer Edelmut"), etwas "Unheimliches" an sich hatte. Wallace schreibt über diese nur scheinbare Menschenliebe: "Aus irgendeinem Grund steht mir gerade ein Philanthrop for Augen, der nicht trotz, sondern wegen seiner Mildtätigkeit abstossend ist: Auf irgendeiner Ebene ist einem klar, dass er die Empfänger seiner Mildtätigkeit nicht als Menschen ansieht, sondern als Elemente seiner Apparatur, an denen er seine Tugendhaftigkeit entwickeln und vorführen kann. Unheimlich und abstossend ist, dass ein solcher Philanthrop darauf angewiesen ist, dass Entbehrung und Leid fortdauern, denn er schätzt ja seine Tugend und nicht die Ziele, die sie vorgeblich erreichen will." (S. 1507) Wehe dem also, der in die Fänge einer solcherart tugendhaften Mutter gerät ...

Unangemeldeter

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17.10.2017 - 14:46 Uhr
Bei mir ist die Lektüre inzwischen schon ein paar Jahre her (habe dieses Jahr aber den ebenfalls großartigen Pale King gelesen), freue mich aber sehr über diesen Thread, weil er so viele Erinnerungen wachruft. :)
Ich hab eigentlich nur diese unendlichen Szenen zwischen den beiden Agenten so richtig gehasst, sogar dem Eschaton-Kapitel konnte ich einiges abgewinnen. Nur bei manchem Fußnotengeblättere hätte ich auch gerne vor Frust ins Buch gebissen, aber das ist ja bei allem von DFW so.

myx

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05.11.2017 - 11:06 Uhr
Habe fertig. :)

Jonathan Franzen hat "Unendlicher Spass" kürzlich in einem NZZ-Artikel "titanisch" genannt. Dieses treffende Urteil aus berufenem Munde möchte ich einfach mal so stehen lassen.

Gerne komme ich auf einige Highlights der letzten 400 Seiten zurück, die sich übrigens mehrheitlich sehr flüssig gelesen haben (besonders die Kapitel mit Don Gately). Und auch auf das schöne Posting von "Unangemeldeter" nehme ich dann gerne Bezug.

maxlivno

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Registriert seit 25.05.2017

05.11.2017 - 16:26 Uhr
@myx

Die Eschaton Spielbeschreibung, die du ja Mühevoll zu lesen fandest, ist ja im Nachhinein noch mal wichtig geworden, wie hat dir das Kapitel zum richtigen eschatonspiel gefallen?

myx

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Registriert seit 16.10.2016

07.11.2017 - 18:27 Uhr
@maxlivno:

Ich fand weder die Spielbeschreibung noch das Eschaton-Spiel selbst wirklich toll. Man merkt dem Kapitel meines Erachtens an, dass Wallace - neben Philosophie und Literatur/Creative Writing - auch Mathematik und Logik studiert hat. In einer Fussnote zum Eschaton-Kapitel kommt ja sogar die Infinitesimalrechnung mit entsprechender Grafik zum Zug. Mathe ist nun aber nicht wirklich das, was mich von den Themen, die Wallace im Roman zur Sprache bringt, am meisten interessiert ... Und auch für die im Kapitel aufscheinende erkenntnistheoretische Frage (Verhältnis von Karte/Abbild und Wirklichkeit) fehlt mir mittlerweile der Sinn.

Zudem bleibt auch das Politische des Spiels, wie ich bereits weiter oben geschrieben habe, in den Ansätzen stecken. So ist bei mir von diesem Kapitel insgesamt herzlich wenig hängengeblieben (wie auch ein Blick in meine Notizen zeigt).

Was hat dir denn am Eschaton-Kapitel gefallen (Frage geht auch @Unangemeldeter)? Und was daran ist im Nachhinein nochmals wichtig geworden? (Meinst du - Achtung, Spoiler - die Tatsache, dass die Eschaton-Spieler wegen der "Massenklopperei" beim Rektor antraben müssen und Hal deshalb mit dem Marihuana-Konsum aufhört, um nicht von der Schule zu fliegen - und vor allem, damit seine Mutter nichts von seinem Drogenkonsum erfährt, die dies, wie er meint, nicht überleben würde?).

"Unendlicher Spass" ist für mich dort grossartig, wo Wallace ganz in den Bewusstseinsstrom seiner Figuren eintaucht. Der Roman ist übervoll davon. Ich erwähne nur Erdedy, Kate Gompert, Poor Tony Krause, Hal, Orin und vor allem Don Gately. Kein Roman, den ich bisher gelesen habe, hat mich in dieser Hinsicht so sehr überzeugt.

@Unangemeldeter:

Die Szenen mit den beiden Agenten Marathe und Steeply sind wirklich nicht das Gelbe vom Ei. Eine Ausnahme bildet vielleicht das Kapitel, wo sie sich über das US-amerikanische Wertesystem unterhalten (Glücksmaximierung des Einzelnen). Oder jener Abschnitt, wo Steeply von seinem seriensüchtigen Vater berichtet.

Über den posthum erschienen Roman "Pale King" habe ich auch schon sehr Interessantes gelesen. Werde ich mir wohl irgendwann vornehmen. An die Schreibweise von DFW (besonders die leidigen Fussnoten) habe ich mich ja mittlerweile gewöhnt. ;-)

maxlivno

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Registriert seit 25.05.2017

07.11.2017 - 22:28 Uhr
@myx

Am Eschaton-Kapitel fand ich den politischen Aspekt, der definitiv vorhanden war, leider nur in Ansätzen gut ausgearbeitet und hab damals auch am Ende des Kapitels dagesessen und war enttäuscht, dass DFW da nicht expliziter drauf einging. Jedoch hat mich das, was inhaltlich vorgefallen ist (ich sag nur PC-Bildschirm) und wie auch die großen Jungs um Pemulis und Hal auf die Szene reagierten, sehr gut unterhalten, davon abgesehen, dass die Konsequenzen größeren Einfluss auf den Erzählstrang hatten.

Die Bewusstseinströme sind wirklich das beste am Buch, auch wenn ich Poor Tony's nicht besonders gerne las. Vor allem Hal und Kate Gompert habe ich sehr gerne gelesen, sehr stark fand ich das Kapitel in dem Gompert über Depression spricht. DFW hat dort, mMn, seine eigenen Eindrücke von Depression durch Gompert dem Leser mitgeteilt wie auch in seiner Novelle "Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur üblen Sache", welches ich auch nur empfehlen kann.

myx

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Registriert seit 16.10.2016

08.11.2017 - 13:29 Uhr
@maxlivno:

Die Leidensgeschichte der depressiven Kate Gompert ist auch jene von David Foster Wallace, das sehe ich genau wie du. Anders lassen sich diese präzisen, authentischen Erlebnisse auch überhaupt nicht erklären. DFW schreibt ja im Buch, dass nicht einmal Depressive untereinander wirklich begreifen können, was im Kopf des Gegenübers genau vor sich geht. Hier ist jeder Kranke, bei allem entgegengebrachten Verständnis, ganz auf sich allein gestellt. Deshalb auch die treffende Bezeichnung "Ein-Mann-Hölle" für die klinische/psychotische Depression. (Danke für den Hinweis auf die Novelle, habe ich mir notiert.:)

Auch für mich sind Hal und Kate Gompert - und zudem Don Gately - die liebsten Figuren im Roman. Die Poor-Tony-Szenen sind tatsächlich nicht angenehm zu lesen (v. a. jene in der Herrentoilette der Bibliothek und in der U-Bahn). Trotzdem ist die Art, wie Wallace die Vorgänge im suchtgepeinigten Bewusstsein von Tony Krause schildert, schlichtweg grandios.

Interessant, was du zum Eschaton-Kapitel schreibst. Das Stichwort "PC-Bildschirm" sagt mir, zu meiner Schande, absolut nichts. Da kann nur ein erneuter Blick in das Kapitel Abhilfe schaffen. Vielleicht habe ich im ganzen Dickicht des komplexen Spiels tatsächlich eine entscheidende Passage übersehen ...

@Loketrourak:

Du fandest das Eschaton-Kapitel ja auch nicht gerade berauschend und hast die Vermutung aufgestellt, dass es im weiteren Verlauf des Romans keine grosse Rolle mehr spielen wird. Wie siehst du das in der Zwischenzeit?

myx

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Registriert seit 16.10.2016

10.11.2017 - 12:37 Uhr
Ein wenig untergegangen ist bis jetzt, wie gut David Foster Wallace schreiben kann. Ich möchte nur ein einziges, wie ich finde besonders eindrückliches Beispiel zitieren, das einem kurzen Nebenkapitel entnommen ist (S. 980–985). Darin erinnert sich der 23-jährige Strichjunge Matty Pemulis, wie er als 10-jähriger Bub von seinem Vater – er nannte ihn nur "Da" – missbraucht worden ist; notabene im gleichen Zimmer, in dem auch sein jüngerer Bruder geschlafen hat. Matty schaute also jeweils verängstigt zur Tür hin, "die Tür, die sich in den gut geölten Scharnieren mit der unerbittlichen Langsamkeit des aufgehenden Mondes öffnete." (S. 982) Noch sinnfälliger und beklemmender wird das Bild, wenn man im Anschluss erfährt, dass Matty seinem "Da" noch heute dafür "dankbar" ist, dass dieser bei den nächtlichen Heimsuchungen wenigstens nicht auf ein Gleitmittel verzichtet hat, mit welchem er ihm jeweils seine Rosette eingeölt hat ...

Obwohl DFW seine Charaktere bis ins Innerste entblösst, stellt er sie in keiner Sekunde bloss, sondern behandelt sie immer voller Respekt. Es wäre ein Leichtes gewesen, über all die Suchtkranken und in der Gosse Gelandeten die Nase zu rümpfen und sie in die Bist-ja-selber-schuld-Ecke zu schieben. Stattdessen zeichnet DFW seine Figuren mit einer Sorgfalt, als würde er Fürsten porträtieren. Auch dies macht ihn in meinen Augen zum ganz grossen, sympathischen Schriftsteller.

Loketrourak

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10.11.2017 - 16:24 Uhr
Nur kurz: Ich bin momentan ca bei S. 600 hängengeblieben und komme leider nicht voran, die Familie und mein Dayjob geht da vor. Kann also bei Eschaton noch nichts weiteres beitragen, melde mich aber wieder wenn ich eine längere Session geschafft habe.

myx

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11.11.2017 - 08:21 Uhr
@Loketrourak: Kein Problem. Bis dann also. :)

myx

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21.12.2017 - 08:05 Uhr
Ich habe eine schöne Rezension von Ulrich Greiner in der ZEIT gefunden, die ich unserem Lesezirkel gerne unter den Weihnachtsbaum legen möchte:

"David Foster Wallace: Der Hammer"
http://www.zeit.de/2009/36/Infinite-Jest

Achtung: Eigentlich wäre eine Spoiler-Warnung angebracht, da Ulrich Greiner einige zentrale Ereignisse des Buches verrät. Ich kenne aber kaum einen Roman, in dem die Handlung eine so geringe Rolle spielt wie bei "Unendlicher Spass". Das Buch ist ein Buch des In-sich-Gekehrtseins, nicht der Tat. Damit ist es in etwa das genaue Gegenteil der "Vermessung der Welt" – ich habe gerade Kehlmann gelesen – und könnte also treffend als die sprachliche "Vermessung der Innenwelt" bezeichnet werden. Mir ist jedenfalls kein Roman bekannt, der mit solcher Sorgfalt und Akribie das Innenleben seiner Figuren porträtiert. Deshalb ist "Unendlicher Spass" für mich auch eine glasklare 10/10 (einige wenige schwächere Kapitel fallen da nicht wirklich ins Gewicht).

Damit wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. :)

Loketrourak

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Registriert seit 26.06.2013

13.03.2018 - 13:28 Uhr
Seite 1.188, nicht mehr lange hin!

Seite: 1 2 »
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