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Serie: The Leftovers

User Beitrag

didz

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Registriert seit 29.06.2017

14.01.2022 - 10:15 Uhr
das is so ne traurige sicht der dinge, ich weiss nich wo ich anfangen soll...also lass ichs.
und ich teile die absolut nicht, nein.

wenns dir um die sache gehen würde, grade wenn es um film und kunst im weiteren sinn geht, sollte klar sein das es kein richtig und falsch gibt.

deine weiteren ausführungen zeigen deutlich, das du meinst es "besser" zu wissen, also war meine erste annahme ja nich so unrichtig.
das is für dich eine schöne, meiner meinung nach ungerechtfertigte, annahme die du gern haben kannst, die aber nicht teile.

und dein beispiel mit der milch...puh. wenn du das für einen angemessenen vergleich hälst, was soll ich dann noch sagen...

ich hab generell nie lust auf streit, aber ich lass mir auch nich jeden unterton unkommentiert gefallen.

ijb

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Registriert seit 30.12.2018

14.01.2022 - 11:13 Uhr
Na gut, ich kann dir jetzt auch ehrlich gesagt nicht mehr folgen. Aber nur um es festzuhalten: Das einzige, also die ganz konkrete Sache, zu der ich einen Kommentar gemacht habe, dem man ankreiden kann, dass ich meine, es besser zu wissen, war ja diese:

Über einige Seiten in diesem Thread erwähnte MACHINA immer mal wieder sein Bedürfnis, dies oder jenes in "The Leftovers" gerne verstehen zu wollen. Darauf komme zuverlässig von anderen hier die Reaktion, er solle doch einfach schauen, man könne das nicht alles verstehen bzw. man könne da nicht auf alles Antworten bekommen.

Ich habe dazu lange nichts geschrieben, weil ich denke, "klar, diese Meinung kann man haben". Da aber in der Anhäufung (der Wiederholung dieser Reaktion auf MACHINAs Kommentare) irgendwann der Eindruck entstand, dass das so eine Art "richtiger Umgang" mit dem Punkt zu sein scheint, fand ich es angemessen, mal zu schreiben, dass ich denke, damit wird man der Arbeit der Serienmacher / Drehbuchautoren nicht gerecht, da ich sicher sei, dass die diese Serie nicht so geschrieben haben, einfach aus meinem Erfahrungshorizont heraus, dass Drehbuchautoren und Filmemacher/Geschichtenerzähler auf dem Niveau der Serie "The Leftovers" nicht so arbeiten.

Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger als das habe ich "besserwissend" geschrieben. Ja, du hast Recht: In diesem konkreten Punkt glaube ich, es besser zu wissen als jemand, der nicht von Berufswegen mit Drehbuch und filmischem Erzählen arbeitet und eine Serie rein in der Freizeit anschaut.

Tut mir sehr leid, wenn du das traurig findest.
Ich sehe es wie gesagt anders: Ich habe in meinem direkten Umfeld viele Leute aus den unterschiedlichsten (teils studierten) Berufsfeldern – Architekten, Produktmanager, Koch, Mathematiker, Krankenpfleger/inn, Ärzte, klassische Musiker/innen, freie Künstlerinnen, Fotografen, Webdesign, Lebensmittelsicherheit, Filmschnitt usw... – alle wissen in dem Bereich, den sie studiert haben oder in dem sie eine Berufsausbildung gemacht haben, total vieles besser als ich, auch wenn ich ich mich dafür interessiere. Wenn mich da jemand auf etwas hinweist, wenn er/sie den Eindruck hat, dass ein Kommentar von mir vielleicht der Arbeit ihrer jeweiligen Berufskollegen nicht gerecht wird, finde ich das nicht traurig, sondern wertvoll. Ich finde das weder arrogant noch besserwisserisch, noch denke ich mir, derbildet sich "viel drauf ein", dass er das studiert hat oder vermute, dass da jemand Streit anzetteln will.

Zappyesque

Postings: 655

Registriert seit 22.01.2014

14.01.2022 - 13:00 Uhr
Übrigens hatte Damon Lindelof nach dem Finale das hier zu sagen:

We don't know if Nora's story was true.
If we showed it, you would know that it was true. By not showing it, you have to believe that it's true, if that makes any sense. I think that what's important is Kevin says that he believes her, and she seems surprised by that. She says, "You do?" And he says, "Why wouldn't I? You're here." That's kind of everything we have to say about how relevant the truth is, because if a belief system works for you, if it brings you together with the people that you love, it's actual veracity is secondary to what that belief system basically gets you. That's not like self-help guru promise bullshit, that's the way that I think things work. I think that this finale and this season and this series is packed with people who are telling stories. Part of the territory, the very rich territory that we wanted to explore was: Are any of these stories true? Or do these stories have an added veracity because they're told in a world where this crazy supernatural event happened? Or are they all bullshit? We want the audience to be thinking and feeling and wrestling with all of those questions.


Das geht jetzt natürlich überhaupt nicht in die Tiefe, aber ich finde es zeigt ein wenig, dass der Fakt, dass man sich an diversen Handlungen aufhängt, so ein wenig Sinn und Zweck dieser Serie ist. Wenn einem genau deswegen das Vergnügen an der Serie vergeht, ist das natürlich schade, aber wahrscheinlich dennoch in Übereinstimmung damit, dass die Intentionen des Drehbuches erfüllt wurden :)

fuzzmyass

Postings: 7184

Registriert seit 21.08.2019

14.01.2022 - 13:18 Uhr
Genau so wie Lindelof es äußert hatte ich es auch verstanden und hier implizit auch kundgetan, so wie recht viele andere User auch - als gutmütiger Erklärungsversuch und nicht in Absicht irgendjemanden anzugreifen oder runterzumachen: es geht IMO in der Serie darum, was die Protagonisten glauben und wie sie innerhalb dieses selbst aufgebauten Glaubenssystems mit der Umwelt und sich selbst umgehen, nicht um faktische Realität und auch nicht darum, ob ihr Glauben rational+faktisch begründet ist oder nicht. Und wie wir an Querschwurblern, Trumpisten und ähnlichen Verschwörungstheoretikern in unserer Realität sehen, ist es nicht unrealistisch, dass Menschen so ticken und in unlogischen Parallelwelten flüchten. In der Serie wird dieser Umstand durch das "supernatural event" des Verschwindens und einiger anderer übernatürlichen Geschichten (purgatory) sogar noch stark beschleunigt bzw. potenziert. Dadurch entsteht die Spannung - wie weit sind Menschen bereit zu gehen, auch wenn ihr Glauben nicht rational begründet ist und sie sich nicht mal selber sicher sind wo die Realität anfängt und zuende geht bzw. wo sie selbst genau stehen...

Wenn man dann mit den falschen Erwartungen rangeht und sich darauf partout nicht einlassen will, dann ist es natürlich schwierig die Serie annähernd interessant zu finden.... ist ja auch vollkommen legitim...

didz

Postings: 880

Registriert seit 29.06.2017

14.01.2022 - 20:27 Uhr
@ijb

nochmal zur serie: natürlich denkt sich der lindelof was dabei, in dem was er macht und was er zeigt. es is ja nich so das er einfach zusammenhangslose bilder an die leinwand schmeisst, und sagt "so leute, jetzt nehmt euch davon was ihr darin seht". das behauptet ja auch keiner(also ich jedenfalls nich)
viele sachen werden erklärt indem sie entweder direkt gezeigt werden, oder man sie sich herleiten kann. aber, viele sachen sind eben auch absichtlich so gezeigt, das sie auf mehrere arten interpretiert werden können. ich weiss nich wie man das bestreiten kann. das is ein so oftbenutztes stilmittel, klar arbeiten drehbuchautoren und showrunner damit.
wenn ich dich richtig verstanden habe, sagst du jetzt "ne leute, so arbeiten die nich, alles was da is kann auch erklärt werden. und ich weiss das(besser) weil ich studiert habe und mehr ahnung habe als ihr" etwas überspitzt formuliert.
und da geh ich nich mit, sorry.
du magst erfahrungen haben, aber diese erfahrungen sind ja nicht allgemeingütig. auch helfen die nich dabei zu wissen, was die intention und die gedanken der macher war. natürlich gibt es sachen die nich definitiv erklärt werden können, eben weil die macher das genauso wollten. und sie helfen auch nich dabei, eine serie oder film "besser" interpretieren zu können als andere. das finde ich tatsächlich eine seltsame annahme. ich sehe da den zusammenhang nicht.

auf der einen seite hast du das technische handwerk wie man ein drehbuch schreibt und wie ein film gemacht wird usw., und auf der anderen seite hast du die interpretation vom fertigen werk. das sind doch 2 verschiedene dinge, und zu sagen du hast das studiert und weisst wie so leute drehbücher schreiben...das is schön, aber es heisst nich zwangsläufig das du serien besser interpretieren kannst.
diese schlussfolgerung teile ich nicht.

ich räume hier gerne in, das wir vllt ein wenig aneinander vorbeigeredet haben.

ja, es mag sachen geben wo ich mich besser auskenne, aber sollte ich die erläutern wollen, würde ich das anders tun als dus getan hast.
wie gesagt, das las sich wie "is ja witzig, das ihr ungebildeten laien der meinung seid, einem studierten profi vom fach wie mir das erklären zu können".
und das wirkt auf mich arrogant, sorry. zumal wir wie gesagt nich über ein handwerk reden.
rationale dinge mit der interpretation von kunst zu vergleichen, finde ich schon etwas "traurig", ja.

deshalb hinkt auch dein vergleich mit der milchproduktion...das sind technische, mechanische abläufe, die bis auf die kleinsten aspekte der produktion durchanalysierr sind, und jeden tag gleich ablaufen. das kann man doch nich mit der interpretation von kunst vergleichen.
wenn wir hier über das handwerk des drehbuchschreibens an sich geschrieben hätten, dann könnte ich das nachvollziehen, auch wenn ich die formulierung immer noch unglücklich gefunden hätte.

deine erläuterungen wirken auf mich sehr rational, und ich gebe gern zu das mich das in verbindung mit der arroganten wirkung etwas triggert.

auch erinnert es mich an meine kurze zeit im studium. als bei der großen willkommens-ansprache der typ irgendwas schwafelte von "ihr seid die elite", hätten bei mir die alarmglocken schon läuten sollen. und die atmosphäre und stimmung danach war für mich auch eher unerträglich. es ging nich um das ziel, am ende einen abschluss bzw eine möglichkeit zu haben, einen job zu machen in dem man menschen helfen kann. es ging irgendwie nur darum "die elite" zu sein, der gewählte weg nur ein mittel zum zweck, um sich persönlich zu profilieren. damit kann ich nix anfangen. mit diesem hubris kann ich nix anfangen.

natürlich haben studierende von den sachen die sie studieren mehr ahnung als leute, die aus einem anderen fach kommen, das wär auch komisch wenns nich so wär. aber hier geht es wie gesagt nich um ein handwerk, oder technische, wirtschaftliche, ökologische oder ähnliche dinge, sondern um dinge die nich so rational sind.

so, ich habe fertig. sollte ich etwas missverstanden haben, dann sorry.

Matjes_taet

Postings: 1061

Registriert seit 18.10.2017

15.01.2022 - 01:10 Uhr
Schon zu lange, als das ich mich detailliert äußern könnte. Erinnere mich aber gern an den Soundtrack, und das mich die Grundprämisse sowie ein paar Charaktere ziemlich in den Bann zogen.
Allerdings auch daran das es eine der wenigen Serien war, die ich erst kurz vor Schluss (Mitte Staffel 3) abgebrochen habe weil ich sie zunehmend esoterisch verworren fand und mich die Auflösung (falls es eine gab) nicht mehr interessierte.

ijb

Postings: 2138

Registriert seit 30.12.2018

15.01.2022 - 03:06 Uhr
@didz

viele sachen werden erklärt indem sie entweder direkt gezeigt werden, oder man sie sich herleiten kann. aber, viele sachen sind eben auch absichtlich so gezeigt, das sie auf mehrere arten interpretiert werden können. ich weiss nich wie man das bestreiten kann. das is ein so oftbenutztes stilmittel, klar arbeiten drehbuchautoren und showrunner damit.

Da bin ich voll und ganz deiner Meinung.

wenn ich dich richtig verstanden habe, sagst du jetzt "ne leute, so arbeiten die nich, alles was da is kann auch erklärt werden.

Nein, das hast du leider sehr überinterpretiert. Das habe ich nicht gesagt und diese Meinung habe ich auch nicht.

und ich weiss das(besser) weil ich studiert habe und mehr ahnung habe als ihr" etwas überspitzt formuliert.

Und diese wiederkehrende seltsame Arroganz, die du mir da laufend andichtest, is einfach albern.


auf der einen seite hast du das technische handwerk wie man ein drehbuch schreibt und wie ein film gemacht wird usw., und auf der anderen seite hast du die interpretation vom fertigen werk. das sind doch 2 verschiedene dinge, und zu sagen du hast das studiert und weisst wie so leute drehbücher schreiben...das is schön, aber es heisst nich zwangsläufig das du serien besser interpretieren kannst.
diese schlussfolgerung teile ich nicht.


Dann ist ja super, denn diese Schlussfolgerung habe ich auch niemals im Sinn gehabt, wäre ehrlich gesagt nicht einmal auf eine solche Idee gekommen.
Ganz genau: Das sind zwei verschiedene Dinge.
Und ja: Nie und nimmer würde ich in einem Gespräch sowas sagen wie dass ich eine Serie "besser interpretieren" könnte. Du hast Recht, wenn du sagst, dass da offenbar etwas aneinander vorbei ging. Wie es scheint, hast du eine rege Fantasie und interpretierst du verschiedene Schlussfolgerungen in meine ziemlich kurzen Beiträge (die geben solche Interpretationen doch gar nicht her!), die dich ärgern - und dann schreibst du mir hinterher, dass du diese Schlussfolgerungen nicht teilst.


ja, es mag sachen geben wo ich mich besser auskenne, aber sollte ich die erläutern wollen, würde ich das anders tun als dus getan hast.

Daran zweifle ich nicht. 100 Leute verhalten sich auf 100 verschiedene Weisen. Ich würde halt in Fällen wie diesen, wo man das Gegenüber null kennt und nicht mehr als die reinen Worte hat, immer erstmal sagen: Wenn mit jemand nicht konkret mitteilt, dass er ein Problem mit mir hat oder mich persönlich kritisiert - dann finde ich es besser, keine persönliche Wertung vor- oder anzunehmen.
Deshalb ist es an dieser Stelle vielleicht angebracht, noch einmal darauf hinzuweisen, dass ich zu keinem Zeitpunkt irgendwen hier beleidigt habe, irgendwem etwas unterstellt habe oder geschrieben (nicht einmal gedacht) habe, dass irgendjemandes subjektive Meinung weniger Wert oder berechtigt wäre als meine.
Hingegen habe ich mir Mühe gegeben, zweifellos ruhig sachliche Entgegnungen zu schreiben zu wiederholt Kurzvordergürtellinie-Zeugs wie, ich würde mir viel auf meine Ausbildung einbilden, verhielte mich arrogant, wüsste wohl was besser, würde vorgeben, was "richtig und falsch“ ist und würde „so ne Stimmung“ machen / verursachen, evtl. sogar Streit anzetteln(?); dabei habe ich mir wohl auch nicht zuschulden kommen lassen, im Erwidern, dass das alles eher an mir/meinen Beiträgen und der Sache vorgeht, höflich zu bleiben.

Dabei zeigen deine Erklärungen ja, wie viel du eigentlich überinterpretierst, in meinen vorher ziemlich knappen Worten. Und weißt du was: Bei mir kommt das dann ein wenig arrogant rüber. Weil du damit sagst, dass du glaubst, meine Kommentare besser bzw. richtiger zu verstehen als ich selbst.
_

Dies gesagt hast du in einigen Punkten tatsächlich einfach unrecht.
Z.B. wenn du sagst, dass wir wie gesagt nich über ein handwerk reden.
Vielleicht ist es zu kompliziert, das jetzt hier zu erläutern – und ich zögere auch, das zu tun, weil mir dann womöglich nur wieder ein belehrender Tonfall vorgehalten wird. Es ist aber einfach nicht wahr. Du vermischst hier ganz einfach verschiedene Dinge. Das ist z.T. okay, weil das wirklich nicht ganz einfach zu erklären ist. Es sit aber schlicht falsch zu sagen, dass die Arbeit an einem Drehbuch, gerade auch an solchen wie bei dieser Serie, keine "rationalen" Dinge seien. Du wirfst hier ziemlich frei die Arbeit der Drehbuchautoren und Erzähler/Regisseure/Showrunner/Filmemacher mit den Fragen der Interpretation von Kunst durcheinander.

Um den Raum für Interpretationen zu schaffen, muss man als Drehbuchautor SEHR genau wissen, was man erzählt, wie man es erwählt und was man eben nicht erzählt - was erzählt man klar und eindeutig und was erzählt man uneindeutig und bewusst unklar. Das ist für jeden Drehbuchautoren eine sehr fordernde Arbeit, und nicht selten arbeitet man über Jahre dran. Das ist dann vielleicht nicht weniger kompliziert als eine Wissenschaft - und in den besten Fällen wahnsinnig schwer, genau zu wissen, was genau das "richtige" für genau diesen einen Stoff und diese konkrete Geschichte ist. Eben deshalb würde ich (wie MACHINA vermutlich auch) auch sagen, dass die Drehbücher hier nicht perfekt sind - wodurch ungewollte Unklarheiten entstehen. Viele Unklarheiten sind selbstverständlich bewusst. Das bestreitet hier ja auch niemand.
Es ist einfach so: 90% oder eher 95% der Drehbucharbeit ist eine rationale Arbeit, ein Handwerk - und das, das die "Kunst" ausmacht, ist ein sehr viel kleinerer Teil. Ich verstehe, dass du das "traurig" findest - aber ich verspreche dir: Jede/r gute Drehbuchautor wird das bestätigen. Drehbuchschreiben, Regiearbeit ist vor allem ein Handwerk. Wenn man dieses nicht versteht bzw. beherrscht, kommen schlechte Filme dabei raus.

Dir ist doch, wenn du kurz drüber nachdenkst, sicher total klar, dass bei meinem Beispiel weder die technischen Abläufe in der Molkerei der Punkt sind, warum ich das Besipiel erzählt habe (sondern auf den Aspekt, dass mir jemand sagt, "hey, hier hast du was falsch verstanden / falsch gehört / nicht ganz richtig erfasst, und zufällig weiß ich das, weil das mein Berufsfeld ist"), noch dass ich den Vorgang des Interpretierens von Kunst dem der Milchproduktion gleichsetze (das kannst du doch auch nicht ernsthaft glauben, oder? Sondern ich hatte nur geschrieben, dass die Arbeitsprozesse beim Schreiben eines professionellen Drehbuchs einfach nicht ganz so gering zu werten sind, wie das in diesem Thread jetzt schon ein paar mal getan wurde, Interpretation hin oder her). Die Situation hatte ich deshalb erwähnt, weil sie auf eine total simple Weise beschreibt, dass man so eine Gesprächssituation ganz einfach auch mal amüsant finden kann, wenn man merkt, dass man gerade jemanden passioniert, aber mit Halbwissen belehrt hat, der von diesen Dingen vielleicht doch ein bisschen tiefere Einblicke hat.

Aber danke, dass du ein wenig besser erklärt hast, woher dieser Überinterpretationshang bei dir rührt. Wenn du von diese "ihr seid die elite"-Nummer schreibst und entschieden sagst: "damit kann ich nix anfangen. mit diesem hubris kann ich nix anfangen." dann bin ich da vollkommen derselben Meinung.
Aber das hatte ich ja schon mehrfach erläutert.
Ich hoffe, du kannst davon irgendwas mitnehmen, ohne dass du jetzt der Meinung bleibst, dass ich mich für irgendeine Elite halte. Ich kann dir sagen, kein Filmemacher oder Drehbuchautor, den ich schätze, hält sich für elitär oder für besser als andere Berufe. Keiner. Im Gegenteil: Jede/r gute Filmemacher/in macht den Beruf, weil er oder sie sich für die Welt und die Mitmenschen aufrichtig interessiert und mit offenem Blick hinaus geht. Anders kann man es meines Erachtens auch nicht dauerhaft gut machen.

ijb

Postings: 2138

Registriert seit 30.12.2018

15.01.2022 - 03:13 Uhr
Fehlerkorrektur:

*dabei habe ich mir wohl auch nicht zuschulden kommen lassen (...) unhöflich zu werden.

didz

Postings: 880

Registriert seit 29.06.2017

15.01.2022 - 18:20 Uhr
@ijb

danke erstmal für deine gedanken und erläuterungen. ich geh zwar nich mit allem mit, aber ich weiss es zu schätzen wenn sich jemand zeit nimmt und versucht zu erklären, anstatt einfach einen dreizeiler rauszuhauen.

ja, wir kennen uns nich, alles was man hier hat und wonach man gehen kann sind die wörter, denen man hier begenet.
ich von meiner seite kann nur beschreiben wie sie auf mich wirken, ich räume aber wie gesagt ein das meine reaktion zu sehr in richtung vorwurfsvoll gekippt is und unangebracht war.

zur serie und meinen erläuterungen dazu...ich komm her und beschreib meine erfahrungen und wahrnehmungen, gedanken und ansichten zu vielen dingen, darunter auch diese serie.
ich formuliere dabei meine meinung, ohne dabei(hoffe ich) davon auszugehen oder zu behaupten, das meine sicht die einzig richtige is.
in diesem einen punkt wo ich drauf bestanden hab, sozusagen, is ja eigentlich auch keine meinung von mir, sobdern eine wiedergabe von einer tatsache(nämlich das viele dinge absichtlich offen interpretierbar dargestellt werden). paradebeispiel hierfür ist allein schon das ende bzw die letzte szene.
meine intention mit meinen erläuterungen war nicht, irgendwen belehren zu wollen.
allein aus dem grund wäre das gar nich möglich gewesen, weil ich zu dem zeitpunkt ja gar nich wusste das du beruflich mit dem thema zu tun hast, bevor du es erwähnt hast.

ich zweifle auch keine sekunde daran, das du vom drehbuchschreiben usw. mehr ahnung hast als ich.

so, wenn ich dich nun richtig verstanden habe...du sagst, das du in der lage bist zu erkennen, ob einzelne szenen/erzählstränge absichtlich offen interpretierbar gestaltet sind, oder ob sie aufgrund von unzulänglichkeiten im drehbuch unabsichtlich so erscheinen. trifft es das besser?

bitte seh es mir nach, wenn es mir ohne konkrete beispiele, und ohne die möglichkeit direkt bei herr lindelof nachzufragen, schwerfällt das zu glauben.

das "problem" was ich weiterhin bei der sache habe ist, das wir wie gesagt über zwei verschiedene dinge sprechen.
auf der einen seite das handwerk des drehbuchschreibens, und auf der anderen dann die interpretation des eines fertigen werks.

ohne es besser zu wissen, gehe ich davon aus das es ein bestimmtes schema gibt, nach dem ein drehbuch aufgebaut ist und wie man es schreibt.
ein blueprint sozusagen, ähnlich wie das zb. bei songs mit dem strophe/refrain/strophe/refrain/bridge/refrain-schema der fall is. wenn nun ein film oder eine serie mit diesem schema bricht, ist dies für ein geschultes auge sichtbar, zb. auch dadurch das charaktere plötzlich etwas tun was nicht zu ihrem charakter passt, weil ihre taten nicht auf frühere ereignisse beruhen, weil sie sachen wissen die vorher nicht gezeigt wurden und nach aktuellem wissensstand des charakters sowie des zuschauers nicht wissen könnten, weil man das gefühl hat es wurden szenen und exposition "vergessen", die zum besseren verständnis beigetragen hätten usw. da gibts ja haufenweise beispiele die man bringen könnte.
so in etwa stelle ich mir das vor?

wenn dem so sein sollte, dann kann ich da ein stückweit mitgehen, aber in erster linie wenn es um lineare und einfache erzählstrukturen geht.
aber bei einer serie wie the leftovers is so viel mehr drin, als in anderen herkömmlichen serien.
woher willst du wissen, das die macher nicht absichtlich mit diesen strukturen gebrochen haben? woher willst du wissen, was die intention jeder einzelnen szene war? es fällt mir sehr schwer zu glauben, das man das allein mit dem wissen, wie drehbücher geschrieben, wissen kann.
und ich habe tatsächlich auch ein problem damit, kunst durch ein enges regelwerk zu betrachten. das is mir wie gesagt zu rational.

es gibt künstler die absichtlich mit konventionen bricht, das is ja auch nichts "neues"
die spannensten und tollsten sachen entstehen erst, wenn man aus diesen strukturen ausbricht.

naja, soviel dazu. ich hoffe ich konnte deutlich machen worum es mir geht, und das ich nicht streiten möchte und es mir nicht darum geht recht zu haben oder irgendjemanden zu belehren.








Vennart

Postings: 721

Registriert seit 24.03.2014

17.01.2022 - 00:50 Uhr
Für mich ist die Serie wie schon mal erwähnt eine der besten, die ich gesehen habe und deswegen stimme ich Machina hinsichtlich der Meinung zur Serie nicht zu aber ich denke jede/r hier kennt das, dass bestimmte Werke bei einem selbst nicht funktionieren und man da keinen wirklichen Zugang dazu findet und man verstehen will, was so viele daran so gut finden. Da wird dann auch mal vielleicht etwas pingeliger als bei anderen Serien nach dem Haar in der Suppe gesucht :)
Außerdem hat Machina viele konkrete Beispiele gebracht, was er nicht gut findet, ist also kein Grund hier zu streiten.


Etwas problematisch finde ich hingegen aber die Argumentation von ijb. Hier gab es kaum konkrete Beispiele, dafür Sätze wie
"Aber ist wahrscheinlich keine große Sache – der oder die eine schaut Serien/Filme eher an der Freude an Drehbucheinfällen, die "weird" oder "krass" sind und an spektakulären Handlungswendungen, anderen ist die Schlüssigkeit von Charakteren doch eine Idee wichtiger."

Für sich genommen wäre das natürlich ok aber in Kombination mit
"Witzig aber, dass ihr mir als studiertem Filmemacher und erfahrenem Filmtheroretiker solche Dinge erläutert"
finde ich das etwas schwierig, weil es den Eindruck vermittelt, dass man die Serie nur gutfinden könne, wenn man ein ahnungsloser Tölpel ist, der den faulen Drehbuchautoren auf den Leim gegangen ist :D

Klar kann man sagen, dass man das studiert hat, ist ja ernsthaft cool aber damit seinen Punkt zu unterfüttern ist imo ein etwas eigenartiger Move, als ob dadurch die eigene Meinung mehr oder die des unstudierten Individuums weniger valide würde. Ich weiß, dass das nicht die Intention war aber auf mich kam das auch so rüber.

Falls das irgendwie untergegangen seien sollte: wir sind hier in nem Internetforum, nicht an einer Hochschule in einem Filmtheorieanalyseseminar, hier gibt es keine Noten für richtige und falsche Antworten.
Und auf dieser Ebene ist Kunstwahrnehmung der einzelnen Personen IMMER subjektiv und der angedeutete Vergleich mit Mathematik und Lebensmittelsicherheit ist da auch nicht einleuchtend für mich, weil es in diesen Bereichen nicht subjektiv abläuft.

Wenn es um Filme und Serien geht, kann dir selbst Roger Ebert höchstpersönlich bescheinigen, dass du da gerade den besten Film der Welt siehst, gefällt er dir nicht, wird der Film dadurch für dich keinen Deut besser. Es kann dich vielleicht zum Nachdenken anregen, wenn er dir konkret mit anschaulichen Beispielen erklärt, was daran so gut ist aber die bloße Aussage
"Ich bin Roger Ebert und du schaust den besten Film"
ist nicht gerade vielsagend bzw. hilfreich.

Dass
"Drehbucharbeit eine rationale Arbeit, ein Handwerk - und das, das die "Kunst" ausmacht" ist, will ich nicht anzweifeln aber wie didz richtig geschrieben hat, kann ich in der Kunst auch nach intensivem Studium etwas ja gerade deswegen gut finden, weil es von der gelehrten Theorie vehement abweicht oder deswegen gut finden, weil es ein praktisches Musterbeispiel für die Theorie ist.

The Leftovers ist übrigens die meist gefeierte Serie des letzten Jahrzehnts nach Meinung von einigen professionellen Kritikern in englischsprachigen Ländern. Die haben sicher teilweise auch tiefergehendes Wissen vom Filmemachen und Drehbücher schreiben, auch wenn ich deren Meinung zu einer Serie deswegen nicht einen Zentimeter über die eines Laien stellen würde. Welcher Expertenrat hat jetzt mehr Ahnung von der Materie und mehr Expertise, um die korrekte Deutungshoheit für sich zu beanspruchen? Ist das nicht ziemlich unnötig, diese Box überhaupt zu öffnen?

https://www.metacritic.com/feature/best-tv-shows-of-the-decade-2010s

Ich will natürlich auch nicht streiten und hoffe auch, mich nicht im Ton vergriffen zu haben und damit gute Nacht und wieder auf Football konzentrieren!

didz

Postings: 880

Registriert seit 29.06.2017

17.01.2022 - 03:36 Uhr
danke vennart, also habe ich es mir nicht eingebildet^^

ijb

Postings: 2138

Registriert seit 30.12.2018

19.01.2022 - 10:20 Uhr
Hey, ich lese erst jetzt eure Kommentare.

Hmm…. Herr Vennart, könnte man diese mehr und mehr ausufernden Über-, Um- und Fehlinterpretationen meiner Kommentare jetzt vielleicht doch mal wieder ein wenig runterfahren und bei dem bleiben, was ich geschrieben hatte...?

Es geht doch alles darauf zurück, dass ich "MACHINA of God" zur Seite gesprungen bin mit der Anmerkung, ich bin sicher, dass die Leftovers-Macher sich mehr dabei gedacht haben – und dass diese das von MACHINA wiederholt formulierte Bedürfnis nach Verstehen höchstwahrscheinlich nicht so salopp beiseite wischen würden, wie das in diesem Thread recht regelmäßig von verschiedenen Leuten gesagt wurde. Dabei habe ich nicht mal jemanden persönlich angesprochen oder gar attackiert, auch nicht habe ich irgendwas darüber gesagt, was ich besser wüsste oder was ich persönlich gut oder schlecht an der Serie finde.

Hier noch einmal kurz wiederholt, was eigentlich, ursprünglich der Dialog war:

– MACHINA of God fragt immer mal wieder was zum Verständnis und formuliert seine subjektive kritische Meinung.

– Rückmeldung darauf ist regelmäßig, von verschiedenen Leuten: „Es geht nicht ums Verstehen. / einfach die Bilder genießen / es gibt nicht auf alles Antworten“ (und ähnliches).

– Darauf MACHINA: „das hat bisher jeder gesagt. Einfach nicht drüber nachdenken. :D "

– Darauf ich, stimmte ihm zu: „Ja, ich meine auch, das ist ein bisschen zuuu wenig. Die Drehbücher/Inszenierung geben schon mehr her. Da steckt schon mehr drin, als manche hier immer wieder sagen, auch mehr 'Antworten'." [[Merke: Weder habe ich behauptet, (alle) Antworten zu haben (oder irgendwie supercool den Durchblick hätte), noch habe ich auch nur angedeutet, dass ich die Drehbücher schlecht fände, geschweige denn, dass jemand, der dieser Meinung wäre, deswegen ein ahnungsloser Tölpel wäre. Ich habe genau das Gegenteil davon, dass die „Drehbuchautoren faul" wären, geschrieben. Ich habe geschrieben, die wiederkehrende Belehrung auf MACHINAs Kommentare, das sei nicht zu verstehen, sei "faul".]]

– Darauf kamen zwei Antworten auf meinen Kommentar, die mir recht ausführlich erklärten, dass es immer verschiedene Interpretationen für Filmgeschehen gäbe, und dass „Leftovers“ dies besonders tue [...meiner Meinung tun das viele andere ebenfalls (sehr) gute – vor allem künstlerische - Filme überhaupt nicht weniger, aber das steht ja nicht zur Debatte] und dass diese Offenheit für Interpretation ja Absicht sei.

– Ich denk mir „Okay, klar, hab ja auch nie was anderes behauptet“, also schreibe ich das: „Ihr beiden erklärt jetzt aber was anderes als das, wovon wir gerade gesprochen hatten. Hier nochmal kurz, was ich gerade gesagt hatte."
(Und in Klammern: Aber eigentlich ist es ja ganz witzig, dass ihr so viel Mühe auf die Erklärungen dieser anderen Sache aufwendet, zumal – gedacht, nicht geschrieben – da sind wir hier doch sowieso all der gleichen Meinung, ich sowieso...“)

__


@ didz
ich komm her und beschreib meine erfahrungen und wahrnehmungen, gedanken und ansichten zu vielen dingen, darunter auch diese serie.
ich formuliere dabei meine meinung, ohne dabei(hoffe ich) davon auszugehen oder zu behaupten, das meine sicht die einzig richtige is.


Das ist doch total klar; dagegen habe ich doch auch ja gar nichts gesagt.
Schade, dass du den Eindruck hast, das so verteidigen zu müssen.
Dabei habe ich damit gar kein Problem.

Bei fast allem, was du hier gerade (noch einmal) erläuterst, sind wir doch total einer Meinung. Ist viel weniger ein Problem, als du anscheinend meinst.
Dennoch bin ich – noch einmal – verwundert, wie viel du mir doch (noch immer) an anderen Ansichten "andichtest" (nicht böse gemeint, ebenso wenig wie der "witzig“-Kommentar irgendwie böse oder bissig gemeint war, überhaupt null gegen irgendjemanden oder als Widerspruch gegen irgendeine hier geäußerte Meinung; wenn man den Gesprächsverlauf liest (siehe auch Kommentar eben) – es hat überhaupt GAR nichts damit zu tun, dass verschiedene Zuschauer verschiedene Meinungen haben oder dass ich voll den supergenialen Durchblick hätte oder ich irgendwelche Meinungen mit arroganter Filmtheorie von oben herab abwarten würde, und noch weniger hat es was damit zu tun, was Vennart jetzt da auch noch drandichtet – Stichwort Filmtheorieanalyseseminar … „damit seinen Punkt zu unterfüttern“ etc, gar eine Verbindung mit dem Kommentar "der oder die eine schaut Serien/Filme eher an der Freude an Drehbucheinfällen, die "weird" oder "krass" sind und an spektakulären Handlungswendungen, anderen ist die Schlüssigkeit von Charakteren doch eine Idee wichtiger.“ zu ziehen… (ohnehin: das eine ist doch nicht besser als das andere, jeder hat unterschiedliche Vorlieben… warum sollte ich eine solche Meinung vertreten?!) … – Mein kleiner, total freundlich und ohne großen Hintergedanken gemeinter "witzig"-Kommentar war doch auf eine ganz andere inhaltliche Sache und eine Reaktion auf eine ganz bestimmte Dialogsituation, nämlich auf das ausführliche Erklären (von dir und fuzzmyass) von verschiedenen Punkten, bei denen sich ohnehin alle hier Mitkommunizierenden einig sind und die gar keiner in Abrede gestellt hatte, vor allem den Punkt mit den verschiedenen möglichen Interpretationen, die diese Serie – aber eben auch jeder wirklich gute Film! – erlaubt.

Der Quatsch
den Eindruck vermittelt, dass man die Serie nur gutfinden könne, wenn man ein ahnungsloser Tölpel ist, der den faulen Drehbuchautoren auf den Leim gegangen ist
ist ja genau das Gegenteil von dem, was ich geschrieben hatte: Ich habe geschrieben, dass man die Arbeit der Macher geringschätzt, wenn man sagt, da gäbe es nichts zu verstehen. Und mehr hatte ich ja da gar nicht geschrieben.
Auch der Blödsinn mit Noten für richtige und falsche Antworten usw. hat komplett gar nichts mit dem zu tun, wovon ich geschrieben hatte. Jetzt ist aber auch echt mal gut mit dem Unterstellen von Blödsinn, nicht zuletzt, weil mir hier irgendwie angehängt werden will, ich hätte "Leftovers" als was Schlechtes oder Nicht gelungenes abgewertet, wo ja nun das Gegenteil der Fall ist. Also bitte, @Vennart, vielleicht nicht einfach mich für Sachen kritisieren, die ich nicht einmal denke.

ijb

Postings: 2138

Registriert seit 30.12.2018

19.01.2022 - 10:30 Uhr
es gibt künstler die absichtlich mit konventionen bricht, das is ja auch nichts "neues"
die spannensten und tollsten sachen entstehen erst, wenn man aus diesen strukturen ausbricht.


Ja! Also sind wir doch voll und ganz derselben Meinung.

@didz

Aber zu den ziemlich vielen Fragen deines letzten Kommentars versuche ich dann jetzt doch noch einmal etwas zu antworten, auf die Gefahr hin dass ich wieder von jemanden den Vorwurf des besserwissenden Filmanalyseseminaristen ernte... Wen's nervt: einfach ignorieren :-)
... auch wenn das sicher unvollständig bleibt. Ehrlich, es liegt mir total fern, alle möglichen Kommentare zu sezieren und zu verbessern. Das ist nicht mein Anspruch oder Ziel, nie gewesen. Aber ich will die Fragen auch nicht unbeantwortet lassen. Das fände ich dann schon eher arrogant.
Also, weil du mir anscheinend nicht folgen kannst, wo ich meinte, "da hast du einfach Unrecht".... als Erklärung: Dies wäre so ein Satz:
vieles der serie is einfach nur zeigen, ohne zu urteilen oder dn zuschauer beeinflussen zu wollen, sondern einfach nur zeigen.

Und das ist halt einfach so nicht richtig, vollkommen unabhängig davon, was ich persönlich meine oder richtig finde oder gut oder schlecht oder sonstwie an dieser Serie interpretiere.
Klar und unzweifelhaft ist jeder erzählerische Film so gestaltet, dass er den Zuschauer beeinflusst. Das ist der ganze Sinn von Drehbuch und Regie. Wenn die "nur zeigen" wollten, "sonst nichts", dann würden sie eine Kamera hinstellen und einfach unbewegt die Realität abfilmen, ohne Beeinflussung. Aber schon in dem Moment, wo für die Kamera (=für den Zuschauer) geschrieben, gespielt, inszeniert und im Schnittraum sehr bewusst montiert wird, kann man nicht sagen "die wollen einfach nur zeigen". Dafür macht sich kein Filmemacher oder Drehbuchautor die monate- oder jahrelange Arbeit. 
(Vielleicht hast du was anderes sagen wollen? z.B. dass diese Geschichte dir/und nicht vorgibt, WAS wir mit dem Gesehenen machen sollen? Hier kann man sich natürlich drüber streiten; so ziemlich jede/r Erzähler und Filmananalytiker würde widersprechen, aber das wird aus niemandes Sicht deine Meinung abwerten; deshalb habe ich auch ohnehin null Interesse, darüber zu streiten.)
Und nur das habe ich ganz zu Beginn gemeint, wenn ich sage, mit solchen Aussagen schätzt ihr die Arbeit der Macher VIEL geringer, als sie ist.

Vermutlich sollten wir uns der Einfachheit halber lieber in echt unterhalten, dann kann ich das besser erläutern, und du hast nicht den Eindruck, dass ich dir irgendwelche Meinungen absprechen wollte oder irgendwie auf wichtig oder zu rational oder gar "zu enges regelwerk" machen würde. Dass du das von mir denkst, geht echt total an meiner Haltung vorbei. Wir sind da viel näher bei einander, als du anscheinend denkst.

Davon ungeachtet aber, viele diese Dinge, die du hier eben ausführst:

(aber bei einer serie wie the leftovers is so viel mehr drin, als in anderen herkömmlichen serien.
woher willst du wissen, das die macher nicht absichtlich mit diesen strukturen gebrochen haben? woher willst du wissen, was die intention jeder einzelnen szene war? es fällt mir sehr schwer zu glauben, das man das allein mit dem wissen, wie drehbücher geschrieben, wissen kann.
und ich habe tatsächlich auch ein problem damit, kunst durch ein enges regelwerk zu betrachten. das is mir wie gesagt zu rational.
usw.)

Nun, egal, ob du ein 0815-Drehbuch nach "Schema F" schreibst oder eines nach Schema "Leftovers", ob du David Lynch bist oder James Cameron, jeder Autor/Erzähler etabliert im Verlauf des Drehbuchs/Films mehr und mehr Regeln, dafür, wie man das, was uns gezeigt wird, erfassen und emotional verfolgen kann, das ist „automatisch“ so, das ist nicht einfach nur meine Meinung. Anders könnte niemand die Filme schauen oder der Handlung folgen.
...und die Fragen, die du hier stellst, gehen ein bisschen an dem vorbei, was ich schrieb (und meinte): Ich habe nie behauptet, dass ich "die intention jeder einzelnen szene" wüsste. Das habe ich doch niemals auch nur gesagt. Man (auch ich) kann aber Erzählprinzipien erkennen, die die Erzähler aufbauen, und man kann diese reflektieren, und ja, bis zu einem gewissen Grad kann jede/r, der sich intensiver mit Film und Drehbuch beschäftigt, daher einordnen, was eine bewusste Irritation ist und was nicht. Das ist wirklich kein Hexenwerk, das ist nicht einfach meine total überhebliche Ansicht. Anders könnte man ja auch diese Dinge nicht erlernen, studieren, mit anderen besprechen, drüber schreiben. Ich verstehe, dass du das „zu rational“ findest, aber das ist nicht mehr oder weniger „rational“ als in jeder anderen Tätigkeit, die man erlernen und professionell machen kann. Und steht auch nicht im Widerspruch dazu, dass jedem Zuschauer (s)eine eigene Lesart überlassen wird. Ich würde sogar soweit gehen, dass je versierter der Erzähler weiß, was er tut, desto besser ist unser Raum als Zuschauer, das für uns individuell auslegen zu können.

Über die Jahrzehnte habe ich viele Seminare/Workshops/Werkstattgespräche mit Filmemachern und Drehbuchautoren besucht; und in den allermeisten Fällen sind die Macher selbst viel kritischer, als du zu glauben scheinst. (sorry, wenn ich das falsch verstanden habe) – Die allermeisten, speziell die wirklich guten Leute, sehen die Schwächen ihrer eigenen Arbeit sehr genau, weil sie ja über Monate oder Jahre damit gearbeitet haben und jede kleinste Entscheidung im Prozess wieder und wieder hinterfragt und diskutiert haben. In 99,9% der Fälle ist die Fertigstellung eines Films von vielen – kleineren oder größeren – Kompromissen begleitet (manchmal ist es nur, dass ein Drehort etwas anders (mit-)erzählt, als man vorab im Sinn hatte, oder dass man etwas anders als im Drehbuch inszenieren muss, weil es am konkreten Drehort nicht genau so machbar ist, oder weil der Schauspieler eine neue Idee dazu bringt oder weil man plötzlich etwas Spannendes beim Drehen findet, das man „mitnimmt“, anders als es der Drehbuchautor in seinem Zimmer in einer anderen Stadt vorüberlegt hatte, oder man merkt, dass eine Kamerabewegung nicht so hinhaut, wie man das vorher gedacht hatte, also muss man spontan eine andere Lösung finden, oder, Klassiker, das Wetter macht einen Strich durch die Rechnung, also muss man eine Szene, die für strahlenden Sonnenschein geschrieben war, vielleicht durch Drehverzögerungen in der Abenddämmerung drehen, und dann verändern sich einzelne Aspekte des Erzählten, oder der Produktionsleiter sagt, wir können morgen dummerweise doch nicht in diesem Ort drehen, weil… und dann wird eine Szene von einem Innenraum an einen Außenraum verlegt oder andersrum oder was auch immer…  Will sagen: Immer wieder muss man, z.B. im Schnitt, ausbügeln, was nicht genau so funktioniert, wie man es sich vorgestellt hatte – und je weiter man sich von Erzählkonventionen entfernt, desto schwieriger ist es, genau diese Dinge vor dem Schnitt perfekt vorauszusehen. Hinter jedem einzelnen Element der Erzählung steht aber eine Entscheidung. Da wird nicht "einfach was gezeigt“.

An der Akademie, wo ich studiert habe, war ich z.B: mal mit Kollegen bei einem Gespräch mit dem Editor von "Drive". Und es war total wertvoll und bestärkend zu sehen, dass ganz vieles, was wir zuvor an dem Film problematisch, nicht so richtig gelungen fanden, tatsächlich die Probleme waren, die sie im Schnitt (das Drehbuch hatte schon einiger dieser Schwächen) so gut wie möglich zu "retten" versucht hatten. Der Regisseur und der Editor wissen das sehr genau, und ich bin mir nahezu zu 100% sicher, dass man mit den Erzählern von "Leftovers" auf eine vergleichbare Weise über das besser gelungene und das evtl. nicht ganz perfekt gewordene ohne Eitelkeit sprechen könnte.
Das heißt überhaupt nicht, dass der Film ("Drive")/ die Serie deshalb Mist wäre oder dass ich das besser wüsste oder gar besser könnte. Und schon gar nicht wird aber selbstredend die Meinung von irgendjemandem, der den Film/ die Serie deshalb total super findet, weniger wert. Ich verstehe gar, woher dieses Bedürfnis von euch kommt, mir anzudichten, ich würde es „besser wissen“ als irgendeine Meinung zu dem, was „the Leftovers“ erzählt (ich hab nur gesagt: die Macher haben sich schon ein bisschen mehr dabei gedacht, als wiederholt hier gesagt wurde).
Man kann mit zunehmender Erfahrung doch auch vieles – wertungsfrei! – einordnen. Nein, natürlich nicht ALLES. Und natürlich auch nicht alles "richtig" interpretieren. Aber dass man auch Sachen missverstehen oder übersehen kann, ist ja auch klar.

ijb

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Hier ist was los. :D

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didz

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@ijb

ok ok ok, ich denke wir haben an einigen punkten wirklich einander falsch verstanden.
erstmal kurz weil das jetzt raus muss:

als ich sagte vieles is nur zeigen, war das keineswegs abwertend gemeint. ganz im gegenteil.
nochmal kurz meine interpretation...ähnlich wie bei lost sehe ich the leftovers als ein gedankenspiel. ein "was wäre wenn?"
es wird als ursprung ein ereignis/event dargestellt, was verschiedene ereignisse und verhaltensweisen der charaktere in gang setzt, und der inhalt der serien dreht sich danach um die charaktere. es sind charakterstudien, und der weg ist bei beiden serien definitiv das ziel.
einfach formuliert.
was ich nun mit nur zeigen meinte ist, das die serie(n) die charaktere verfolgt und zeigt wie sie mit ihren umständen umgehen. es geht nicht um das beantworten irgendwelcher fragen, oder das auflösen von mysterien am ende, sondern diese dinge sind der backdrop, in dem sich die charaktere bewegen. wie gesagt, es is ein gedankenspiel, die frage wird gestellt "wie könnten/würden sich menschn auf so ein ereignis reagieren und verhalten?"
und die serie zeigt mehrere(oder vllt auch eher wenige in relation zu den theoretisch endlos möglichen) möglichkeiten, wie menschen mit sowas umgehen und es verarbeiten könnten.
das is für mich der "sinn" der serie.
dieses gedankenspiel ermöglichen, diese ereignisse lostreten, und zeigen/darstellen was passieren könnte. und dem zuschauer die möglichkeit geben, zu vergleichen bzw zu hinterfragen wie er reagierrn würde, und sich natürlich eine meinung zu bilden zu den einzelnen entscheidungen, die die charaktere treffen.
und wie gesagt, das wichtige bzw tolle an der serie is, das dies ohne bewertung und verurteilung geschieht. es wird gezeigt wie man reagieren könnte(leute wenden sich zu religion, andere davon ab, die bildung von sekten und anderen extremen gruppen, unfassbare trauer oder bei anderen vllt sogar eher erleichterung, weil dieses chaos für sie mehr sinn macht als das "normale" leben usw.) aber die charaktere werden von den autoren dsfür nicht verurteilt. die serie ist nicht pro oder contra religion, sie setzt sich einfach mit thema useinander. es geht darum sich mit der menschlichen kapazität für trauer auseinander zu setzen, was und wie menschen etwas ertragen können.

das meinte ich mit "einfach nur zeigen".
natürlich will lindelof nicht nur bilder zeigen.
wie gesagt keiner wirft einfach bilder an die wand und sagt "leute so nehmt euch was ihr denkt". natürlich gibt es ein ziel, einen "sinn" bei dem ganzen, und dieser sinn is das(again, für mich) was ich oben erläutert habe.

soviel erstmal auf die schnelle dazu.

ps: waaas, es gibt sachen die du an drive nicht gut fandest? :-O

nur spass ;-)

didz

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19.01.2022 - 12:15 Uhr
ich sollte noch hinzufügen:

es geht nicht in erster linie um das beantworten von fragen, aber natürlich ist das auch ein teil der sache. ähnlich wie bei lost ist das aber nich oberste priorität(die is wie gesagt für mich was ich oben beschrieben habe) was aber auch einfach die natur der sache mit sich bringt.
weil in vielen fällen isses der fall, das das beantworten einer frage, gleich wieder die nächste frage(n) aufwirft.
meiner meinung nach werden in beiden serien genug dinge beantwortet, die man zur einordnung der handlung benötigt.
man kann(und sollte auch gar nicht) alles beantworten bzw es versuchen, weil wie gesagt die beantwortung(bzw. der versuch) in vielen fällen in ein bodenloses "rabbit hole" münden würde.
wir werden in diesem leben leider auch nicht alle antworten auf unsere existenz bekommen.

it's what makes us whole.

ijb

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19.01.2022 - 13:10 Uhr
@didz

ja, wir sind doch im Wesentlichen derselben Ansichten.

Betr. "Zeigen" vs. "Antworten geben":
Wie gesagt und bekräftigt hatte ich aber auch nie den Eindruck, dass das jemand hier in Abrede stellt. Ich würde im übrigen so weit gehen zu sagen, dass das allerdings auf mehr oder weniger alle wirklich guten und gelungenen Filme zutrifft, in natürlich unterschiedlichem Ausmaß. Einige (auch viele Drehbuch-Lehrer) sagen ja: Wenn du eine Message hast, schreib einen Brief (oder ein Pamphlet), aber kein Drehbuch.

Trotz allem lässt sich wiederum nie vermeiden, dass man aber doch sehr vieles über eigene Sichtweisen, Grundhaltungen, die eigene Zeit, Lebenswelt und Gesellschaft erzählt. Hierzu empfehle ich immer gerne die Filmanalysen von Wolfgang M Schmitt. Der versteht genau dies hervorragend und kann es auf kluge Weise kommunizieren. Die letzten beiden Beiträge von ihm, die ich in diesem Sinne abolsut empfehlen kann, sind die zu "Don't Look Up" und "Squid Game".
Aber auch viele andere. (Selbstredend teile ich seine Meinung nicht immer, in diesen beiden Fällen aber vollauf.)

ijb

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19.01.2022 - 13:11 Uhr
@ MACHINA

Ach, du bist das! Super. Ja, hatte vorhin das U2-Auto gesehen. Und auch sonst ein paar tolle stimmungsvolle Bilder.

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