Serie: Rom (HBO)

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jayfkay

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11.10.2013 - 02:27 Uhr
Habe hier im Forum kein Ergebnis dazu gefunden.
Gerade fertig mit der Serie.
Was kann ich sagen? Wirklich wunderbare Besetzung - klasse Schauspieler, hervorragend gewählt für die Rollen. Sehr authentische Kostüme und astreine Kulisse. Astreine Synchronsprecher - die deutsche Version ist wirklich gut anschaubar für meinen Geschmack! Besonderes Lob an Peter Fechtner, begnadeter Sprecher. Tolle Dialoge. Ohne Längen ineinander übergehende Erzählstränge.

Wem die Serie nichts sagt, sie setzt ein am Ende des gallischen Krieges und endet mit der Vernichtung Mark Antons in Ägypten und ist dabei in weiten Teilen historisch akkurat.

Wirklich 100% empfehlenswert. Was denkt ihr?

Desare Nezitic

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11.10.2013 - 02:34 Uhr
US-Serie, die opulent ist, aber wie alle anderen 487 HBO/Showtime-Serien total banale Allerweltstories in außernormalen, fantasiebestärkenden Settings erzählen.
Von den Leitmedien wird so etwas natürlich gehypt, weil die Leute Zeit damit viel verbringen, anstatt kritisch zu hinterfragen, warum sich unsere freiheitliche Demokratie immer weiter entartet.
Sehr subtil das Ganze. Nicht nur die US-Serien.

jayfkay

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Registriert seit 26.06.2013

11.10.2013 - 03:16 Uhr
Na gut, das trifft nicht nur auf Serien zu. Und in erster Linie wird hier kompakt Geschichte dargestellt, die eigentlich alles andere als banal ist, auch wenn aus der "era" natürlich damit gerademal ein kleiner Einblick gewährt wurde.

wenn es nach dir ginge, sollte man überhaupt keine Unterhaltungsmedien nutzen, nehme ich an. was denn dann? protestieren? meinen körper formen? mich fortbilden? versuchen, ein guter mensch zu sein? das tue ich trotzdem..

falls überhaupt, welche serien würdest du denn als anschaubar betrachten?

Rote Arme Fraktion

Postings: 2723

Registriert seit 13.06.2013

11.10.2013 - 06:21 Uhr
eine der Top3-HBO-Serien neben Deadwood und den Sopranos. 9,5/10

eulenspiegel

Postings: 23

Registriert seit 15.06.2013

11.10.2013 - 10:10 Uhr
Die erste Staffel war der Hammer, die zweite hat mich dann persönlich nicht mehr ganz so sehr gepackt, ist aber trotzdem immer noch erste Sahne. Schade, dass die Serie nicht fortgesetzt wird, es war wohl geplant, die Handlung im Laufe der Zeit mehr und mehr nach Palästina zu verlegen...
Angeblich war ja auch mal ein Kinofilm geplant, welcher, wenn ich mich recht erinnere, zu Zeiten Varus' in Germanien spielen sollte - ominöser weise mit Lucius Vorenus. Hat sich aber wohl mittlerweile verlaufen...

Kacke

Postings: 714

Registriert seit 13.06.2013

11.10.2013 - 10:45 Uhr
Ich war von der Serie enttäuscht und habe nach der ersten Staffel aufgehört.
War doch im Prinzip nur Gemetzel und Ficken, und da ist Spartacus wesentlich besser.
Tralala
11.10.2013 - 10:50 Uhr
Sehr gute Serie, bitte auf den Troll-Versuch von Kacke nicht eingehen.

"Wem die Serie nichts sagt, sie setzt ein am Ende des gallischen Krieges und endet mit der Vernichtung Mark Antons in Ägypten und ist dabei in weiten Teilen historisch akkurat."

Was soll eigentlich immer diese Eindeutschung von Marcus Antonius?
Mark Aurel
11.10.2013 - 11:01 Uhr
Man weiß es nicht...

eulenspiegel

Postings: 23

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11.10.2013 - 11:16 Uhr
Naja, im englischen nennt man ihn Marc Anthony, da lässt es sich doch mit weggelassenen Kasusendungen besser leben :-D
Frank Schöbel
11.10.2013 - 11:18 Uhr
Ichdachte der ist Südamerikaner?
dunkelhäutiger
11.10.2013 - 12:03 Uhr
@frank: waren die damaligen römer nicht auch irgendwie "latinos"?

jayfkay

Postings: 512

Registriert seit 26.06.2013

11.10.2013 - 17:06 Uhr
habt ihr sie auch auf deutsch geguckt? meinung zur synchro?

Knackschuh

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11.10.2013 - 17:09 Uhr
Ähm, gut?

Knackschuh

Postings: 3762

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11.10.2013 - 17:11 Uhr
"War doch im Prinzip nur Gemetzel und Ficken, und da ist Spartacus wesentlich besser."

Pff!
"Rom" ist wenigstens geschichtstreu (so weit es ging).

Knackschuh

Postings: 3762

Registriert seit 20.08.2013

11.10.2013 - 17:50 Uhr
Jede Dekade hat mehrere, gute wie schlechte, Vertreter, die das Antlitz des antiken Rom - wie es der jeweilige Macher in seinem Jahrzehnt sieht - darstellt: die Bauten weiß in weiß, jedoch imposant. Die Kostüme
pailettenschimmernd und schön, jedoch oft ein wenig unauthentisch. Die Sprache jedoch immer hoffnungslos geschwollen!

Da kommt einem Interessierten des antiken Rom (wie mir!) eine Serien-Produktion wie HBO's "Rom" nur mehr als recht: eine in Anbetracht der aktuellsten Erkenntnisse der Wissenschaft gemachte Serie, die sich erfreulich sichtlich bemüht, ein Fenster zum alten Rom für uns zu öffnen, von dem man nicht mehr seinen Blick abwenden will.
Die Welt vor mehr als 2000 Jahren, die einem durch dieses Fenster offenbart wird, wirkt so echt, dass man sich unweigerlich in ihr verliert, ja, förmlich von ihr eingesogen wird. Die Bauten, nicht weiß in weiß, sondern
bunt angestrichen und imposant! So, sagen zumindest die Forscher (und warum sollten sie uns anlügen?) sah der Stadtstaat Rom damals zur Zeit der späten Republik aus.
Liebevoll farblich gestaltet ist die antike Metropole, die Wände nicht selten mit Graffiti übersäht - das Internet der
damaligen Zeit, wie die Macher zeitgeistig betonen. Auch die Kostüme sollen historisch korrekt sein - ob's stimmt oder nicht, holla, sie machen echt was her! Und die dargebotene Fäkalsprache in der Serie ist so gar nicht geschwollen, wie wir Sandalenfilm-Liebhaber es aus früheren Film- und Fernsehproduktionen gewohnt sind: es wird geflucht, dass sich die Marmorsäulen biegen.
Genau so haben die einfachen Leute damals in den Straßen Roms miteinander geredet, sagen die schlauen Köpfe hinter der HBO-Serie,
im sogenannten Vulgärlatein. Lediglich die Aristokraten drückten sich gewählter aus.

Aber noch mal zu den aufwändigen Bauten von "Rom", die in den sagenumwogenen römischen Cinecittà-Studios errichtet wurden: Sie sollen die teuersten und detailverliebtesten
sein, die die Filmwelt je sah. Glaube ich sofort, denn selbst die größenwahnsinnigen Sets eines Coppolas in "Apocalypse
Now!" oder in Costners "Waterworld" müssen gegen die in "Rom" kapitulieren. Jedem Geschichtsinteressierten stockt einfach der Atem beim Anblick dieser Film-Illusion aus US-amerikanischer/britischer/italienischer Produktion (angeblich sollen auch deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehanstalten den Geldbeutel geöffnet haben, aber die tatsächlichen Hintergründe bleiben weiterhin nebulös).

Wir schreiben das Jahr um 50 vor Christi Geburt. Feldherr Gaius Iulius Caesar (großartig gespielt vom Iren Ciarán Hinds)
hat gerade erfolgreich in Gallien gewütet und den Freiheitskämpfer Vercingetorix, und die von ihm vereinigten gallischen Stämme, unterworfen. Nun, seine von ihm geführte und kadavergehorsame 6. Armee hinter sich wissend, fühlt er sich zu noch Größerem berufen: die Herrschaft über Rom und somit über ganz Europa und weite Teile Afrikas.
Sein Plan ist sogar noch perfider: Er plant die Zerschlagung der Republik und will quasi
einen Gottesstaat - mit sich als Gott!

Der Flurfunk der herrschenden Klasse funktionierte schon damals gut, und so kam es, dass die Pompeius-Sippschaft schnell Wind von Caesars Angriffsplänen bekam. Feldherr Gnaeus Pompeius Magnus war der, der mit Ceasar das "Erste Triumvirat" bildete, in dem sich beide zusammen mit Marcus Licinius Crassus (der gar nicht so "krassus" ist, wie sein Name vermuten läßt, hihi) die Macht in Rom teilten.
Dieser war so gar nicht erfreut darüber, dass sein früherer treuer Weggefährte ihn nun absägen wollte - wenn nötig, mit
entschiedener Waffengewalt in Form von Hieb- und Stich- Waffen, deren verheerende Wirkung oftmals drastisch in dieser Serie zur Schau gestellt wird, um es gediegen zu sagen. Pompeius Magnus flüchtet sich zunächst in Relativierungen und Selbstlobhudeleien, in denen er immer und immer wieder alte siegesreiche Frontgeschichten vom Stapel läßt - auch, um sich und seine Anhänger zu beruhigen. Feigheitsbekundungen. Denn als Ceasar wirklich mit seiner gefürchteten 6. Legion den Rubikon überquert, nehmen Pompeius und Konsorten schnell Reißaus. Kampflos geht die alleinige Macht auf den großen Feldherrn über.

Vom Volke geliebt, vom Adel gefürchtet
marschiert dieser in der "ewigen Stadt" ein. Zwischen den Häusern: leergefegte Straßen. So ganz trauen mag noch niemand der ganzen Angelegenheit. Was will Ceasar wirklich? Zweifel ausräumen kann er zumindest schnell beim Pöbel, dem einfachen Volk, indem er Rom quasi zu einem Sozialstaat macht, nicht unähnlich unerem heutigen System. Die Elite bleibt jedoch Mißtrauisch, schließlich sind sie Verfechter altgriechischem Demokratieverständnisses, der Republik.
Ceasar wiederum will eine Diktatur, die den Senat ad absurdum führen soll.
Keiner will eine Marionette eines Despoten sein. Doch zunächst verbleibt der Unmut im stillen Kämmerlein, während Pompeius eine Gegenoffensive im spanischen Exil plant und organisiert.

Ceasar unterdessen holt die Siegesparade nach, krönt sich selbst zum gottesgleichen Kaiser und krempelt dann die ganze Innenpolitik um. Das Volk lebt schon bald in bescheidenem Wohlstand und hat alsbald schon fast die alte Republik vergessen, wie sie einst war: korrupt. Ceasar sonnt sich als Sonnengott in seinem Ruhm in Genugtuung.

Er macht politisch alles richtig, bis auf eines, dass ihm schon bald das Leben kosten wird: gemeint ist seine grenzenlose Gnade, mit der er seinen Feinden begegnet. Dass er seine Feinde zu Freunden machen kann, wird sich schnell als Trugschluss erweisen...

Das schöne an "Rom" ist ja, dass der Fokus abwechselnd auf mehrere Protagonisten gerichtet ist. Zum Beispiel auf das
charismatische Legionärs-Gespann Lucius Vorenus/Titus Pullo.
Beide sind historisch vage angelehnt an Ceasars Schlachtenwerk "De Bello Gallico", in dem er eben diese kurz erwähnt - jedoch als um seine Gunst Konkurierende in der 6. Legion, nicht, wie in der Serie ausgelegt, als unzertrennliche Busenfreunde. Was jedoch nicht der Tatsache schadet, dass die Briten Kevin McKidd und Ray Stevenson sie umwerfend sympathisch darstellen. Mckidd aka Lucius Vorenus, der gniesgnaddelige, vom Dauerkriegzustand abgestumpfte und ganz sicher auch traumatisierte Zenturio wird großartig dargestellt, wie auch Stevensons Titus Pullo, der hünenhafte Knuffeltyp, mit dem man gern einen heben geht, der jedoch
(vor allem im Suff) auch mal seine Ausbrüche kriegen kann - sein Herz letztendlich aber am rechten Fleck hat.
Sie durchleben im Laufe der Ereignisse ihre charakterliche Entwicklung wie auch viele andere großartige Figuren, wobei viele
historischen Bezug haben, also nachweislich wirklich lebten, andere jedoch für die Dramatik der Serie dazugedichtet wurden.
Polly Walker muß man da unbedingt ausgiebig
erwähnen, die in "Rom" die Atia vom Geschlecht der Iulier verkörpert. Sie wird in alten Schriften als Nichte von Ceasar
erwähnt und ist die Mutter des späteren Kaisernachfolgers, Ceasars Ziehsohn Augustus (gespielt von Max Pirkis, der kleine Augustus, da noch Gaius Octavius, und Simon Woods, der den großen Octavius spielt, der in der zweiten Staffel zu Kaiser Augustus wird). Die britische Schauspielerin spielt
wahrlich um ihr Leben, anders kann man das nicht sagen. Ihre Präsenz in der Serie war für mich die prägnanteste, einfach die, die mit am stärksten wirkte.

Wie auch James Purefoy als Ceasars rechte Hand Marcus Antonius, der als herrlich vulgärer Schürzenjäger dargestellt wird, der auch kein Problem dabei hat, sich eine kleine Bäuerin auf dem Heimweg nach Rom aus Gallien zu schnappen, um diese ausgiebig unter einem Baum zu knattern, während seine ihm unterstellte Truppe ungeduldig auf ihn wartet. Dieses Vorrecht nimmt er sich als Ceasars vermeintlicher Nachfolger (zumindest glaubt er das) heraus (also ich meine, die Bäuerin ohne ihr Einverständnis zu vergenusswurzeln, nicht, seine Truppe warten zu lassen).

Eigentlich spielen alle Besetzungen hervorragend, was wohl auch daran liegt, dass
es sich überwiegend um britische Schauspieler handelt. Nur diese Lyndsey Marshal, Kleopatra, wirkte vollkommen fehlbe-
setzt, optisch, wie auch schauspielerisch. Dieser großen historischen Figur war sie ganz und garnicht gewachsen.
Ein wenig aufgesetzt wirkten auch die jüdischen Freiheitskämpfer, die wohl in keiner Filmerzählung über die Antike
fehlen dürfen.

Ab der 2. Staffel nimmt die Qualität auch ein
kleines Bisschen ab, was wohl an den Logiklöchern liegen mag, die sich hie und da auftun, aber kaum schmerzen - außer
vielleicht Kennern der Historie des alten Rom, die den Ablauf und die Zeitsprünge ab und an als ein wenig zu rasant empfinden
werden. Was aber, um die Macher zu verteidigen, meines Erachtens unabdinglich war, um den Fluß der Serien-Story nicht zu stören - die ja auch viel über andere römische Bürger zu erzählen hat, als nur den ganzen politischen Kram.

In "Rom" lernt man viel über das Alltagsleben in der antiken Stadt. Wie lebten die Menschen damals vor zwei Jahrtausenden? Was waren ihre Bräuche? Wen oder was beteten sie an? Wie sahen ihre Behausungen aus? Was aßen und tranken sie? All diese Dinge werden in dieser Serie, gestützt von wissenschaftlichen
Fakten, quasi erklärt. Auch darum taugt die Serie "Rom" guten Gewissens als kleines Lehrstück zum Leben in der europäischen
Antike. Zeitgerecht aufgearbeitet mit viel Sex und Gewalt, also so, wie wir uns das alte Rom heute vorstellen. Schade Nur, dass
bereits nach 2 Staffeln, trotz Riesenerfolges, Schluss war...

Staffel 1: 9/10
Staffel 2: 7,5/10

Knackschuh

Postings: 3762

Registriert seit 20.08.2013

11.10.2013 - 17:51 Uhr
Das Forum hat meinen Text wieder zerschossen! *grummel*
....
11.10.2013 - 18:37 Uhr
Ein wenig aufgesetzt wirkten auch die jüdischen Freiheitskämpfer, die wohl in keiner Filmerzählung über die Antike
fehlen dürfen.


sei vorsichtig, dass dir das hier nicht als judenfeindlichkeit ausgelegt wird!
Kackschuh
11.10.2013 - 20:13 Uhr
Hasse ja auch den J*denverein FC Bayern! :)
Der PT-Gähner
11.10.2013 - 20:17 Uhr
"Hasse ja auch den J*denverein FC Bayern! :)"

*gähn*

jayfkay

Postings: 512

Registriert seit 26.06.2013

11.10.2013 - 21:38 Uhr
nettes review, kann es nicht besser ausdrücken, absolute zustimmung :)
Dollfuss
08.08.2019 - 19:11 Uhr
Heil Gladio!

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