Blumfeld - Old Nobody

User Beitrag
Tanztheater
26.04.2011 - 13:54 Uhr
So, endlich ein Thread für dieses großartige Album.

Aus dem L'Etat et Moi-Thread:


nörtz
26.04.2011 - 13:22 Uhr
Was haltet Ihr eigentlich von der "Old Nobody"?
Tanztheater
26.04.2011 - 13:44 Uhr
Old Nobody ist für mich inzwischen auf einer Höhe mit Ich-Maschine. Da Distelmeyer dort zum ersten mal "echte" Texte schreibt, also keine Tagebucheinträge und Zitate zusammenbastelt (was er aber perfekt beherrscht hat), ist es vielleicht auch das beste Kunstwerk Blumfelds. Kaum zu fassen, dass es damals verissen wurde (wobei - bei dem Song "So lang es Liebe gibt" kein Wunder, so kannte man Blumfeld vorher noch nicht, und wusste nicht, wie man das einschätzen soll).
Auch musikalisch finde ichs toll, der geschliffenere Sound passt gut zu den Songs (in Verbindung mit dem ironischen Cover besonders).
Gordon Fraser
26.04.2011 - 13:47 Uhr
Einziges Blumfeld-Album ohne Thread - das sagt doch schon alles...

Im Ernst: radikaler Stilbruch zu "L'Etat...", und zwar auf allen Feldern. Hat mit "Pro Familia" und "So lebe ich" zwei der besten Blumfeld-Songs überhaupt, und auch der Rest ist überwiegend großartig. Die Grenze zum Kitsch wird aber nur einmal übertreten: beim Plattencover.
Tanztheater
26.04.2011 - 13:49 Uhr
Oh, es wurde nicht verissen seh ich grad. Trotzdem unterschätzt ;)
Einfach mal Kritik
26.04.2011 - 13:55 Uhr
Sehr überschätzte Band mit Schlagermelodien und schwülstigen Texten. Musik für Leute, die Howard Carpendale hören.
Dann lieber Thees Uhlmann.
Wichtige Serviceinfo
26.04.2011 - 13:56 Uhr
Mit dem Hineinschreiben in diesen Thread erklären sie sich damit verstanden, dass ihre IP zur Sicherheitszwecken die nächsten 15 Mondzyklen gespeichert wird. Wir bitten um ihr Verständnis.
nörtz
26.04.2011 - 14:17 Uhr
Higlights:

Eines Tages
Tausend Tränen Tief
So Lebe Ich
Pro Familia
Mein System Kennt Keine Grenzen

Klar, dass die harten Prollrocker hier, niemals zugeben würden, dass ihnen "Tausend Tränen Tief" auch gefallen hat.^^
Old Nobody
26.04.2011 - 14:59 Uhr
ist für mich die Definition von "schwul"!
Denniso
26.04.2011 - 15:02 Uhr
"Kommst du mit in den Alltag?" ist mein erklärter Favorit!
Tanztheater
26.04.2011 - 15:16 Uhr
Distelmeyer wirkt auf dem Album und auf den darauffolgenden eher wie der smarte Frauenversteher, der schon in der 3. Klasse gerne Anzüge getragen hat um Mädchen zu beeindrucken ;) Aber zum Glück auch nicht ohne Selbstironie ("Ganz richtig Mädels" :D)
Old Sexy Body
26.04.2011 - 17:22 Uhr
Mir geht's auch wie Tanztheater, im Vergleich wirken die Vorgänger wie Aufnahmen von Schülerrbands, die ihr Unverstandensein rauskrakelen wollen und nun bei der zurückgenommenen Reflexion angekommen sind.
The Hungry Ghost
18.11.2011 - 17:53 Uhr
Hallo,

ich versuche seit einiger Zeit etwas genauer die Alben von Blumfeld zu erschließen und bin momentan dabei, die Bedeutung der Texte von "Old Nobody" für mich zu deuten.

Hat sich jemand von euch schon mal etwas mit dem ersten Stück "Eines Tages" beschäftigt oder weiß, wofür manche Metaphern wohl stehen könnten?

Z.B. in Strophe 5:

"In drei Teufels Namen
leistest du deinen Schwur"
(Ist das als Fluchen zu verstehen?)

oder Strophe 8:

"ein schlafender Blitz
oder Loop - das Phantom?
ein Zwilling im Geiste
Ihr kennt euch vom Sehen
weiß Dunkles zu sagen"
(Ich kenne Loop nur aus der Musik, aber was ist hier damit wohl gemeint?)

Mir ist auch durch viele Interviews und vor allem durch einfaches Hören bewußt, dass Blumfeld keine rein akademische Band waren und ich will auch nicht das Klischee bedienen, dass die Band nur was für verkopfte Gymnasiasten und Links-Intellektuelle ist...
Trotzdem wäre es schön, zumindest grob zu verstehen, was manche Passagen ungefähr bedeuten könnten.




18.11.2011 - 18:45 Uhr
schwul
The Hungry Ghost
18.11.2011 - 18:58 Uhr
Es dürfen gern auch ernstgemeinte Antworten sein..
Mokka-Kaviar
18.11.2011 - 19:09 Uhr
Loop - das Phantom

ist ein Wortspiel. So wie Casper - Das freundliche Gespenst. verstehste?
einfachste Wortspiele kriege auch ich noch mit
18.11.2011 - 19:32 Uhr
@The Hungry Ghost
Ich glaube da wirst du dir wohl die Zähne ausbeissen an Blumfeld.

Fang vielleicht mal bei Silbermond an und arbeite dich dann weiter in Richtung Jupiter Jones später dann vielleicht Clueso, dann liest du mal sowas wie Kant o.ä. und dann probierst du es einfach nochmal mit der Ich Maschine..
einfachste Wortspiele kriege auch ich noch mit
18.11.2011 - 19:34 Uhr
Habe den hier vergessen ;)
The Hungry Ghost
18.11.2011 - 19:55 Uhr
Danke, aber Silbermond, Jupiter Jones und Clueso würde ich gerne überspringen!

Habe nur nichts zu Loop, dem Phantom gefunden, es gibt zwar irgendsoeinen gleichnamigen Film, der aber von 2007 ist.
Kann sein, dass da nicht viel dahintersteckt,
ist manchmal schwierig Referenzen als solche zu erkennen.

Interessant sind auch die Zeilen
"billingual born hobo
Dein Weg ist bereitet
die Weichen gestellt
für eine Stunde der Wahrheit
vergeh'n die Jahre wie Strobo"

Da muss ich unweigerlich an den Song "Strobohobo" vom letzen ALlbum Verbotene Früchte denken und frage mich, ob's da ne Verbindung gibt.
Hobos sind ja so eine Art heimatlose Tramper und in "Strobohobo" taucht dieses Motiv eines der Welt entrückten ja wieder auf.

In "Eines Tages" allerdings scheint mir das Lyrische Ich um einiges verzweifelter und vom Leben gezeichneter zu sein, wohingegen es in Strobohobo über den Dingen steht ("Ich bin was ich bin, und spuck dem Tod ins Gesicht!").

Hat jemand vielleicht eine Idee zu den letzten Zeilen zu Strophe 9:
"mise en abyme
riding the blinds
New York, London, Paris, Munich
in der Schwebe, wie im Flug
besonnen aufgetaucht in Formen
Zeitenwende
Epilog."

?
"

The Hungry Ghost
19.11.2011 - 12:09 Uhr
@Tipp:
Danke, vielleicht kannst du mir dein iPhone leihen, ich habe nämlich keines.

Nee, im Ernst: ernstgemeinte Antworten nach wie vor erwünscht.

The Hungry Ghost
25.11.2011 - 21:55 Uhr
Ich habe leider kein Diplom in Physik und rätsele immer noch an diesen Zeilen aus obigem Kontext vom Old Nobody-Opener "Eines Tages":

(Ende Strophe 5:)

"für eine Stunde der Wahrheit
vergeh'n die Jahre wie Strobo.

(Strophe 6:)

2000 Light Years
in 20 Minuten
ein ewiges Selbst
im Zentrum des Zweifels"

::::

Kann mir jemand helfen, wie das gemeint sein könnte?
Bedeutet "Strobo", dass die gefühlte Zeit schnell ist oder dass sehr viel Zeit vergeht?
Und wie passen die Zeilen "2000 Light Years / in 20 Minuten" da mit hinein?

"2000 Years Light Years from home" ist abgesehen davon ein Rolling Stones-Song(von 1967), weiß nicht, wofür dieser Song steht/früher mal stand.. Vielleicht kennt sich hier jemand damit aus und kann mir Distelmeyers Zeilen etwas enträtseln.



The Hungry Ghost
25.11.2011 - 21:57 Uhr
Hier übrigens nochmal der gesamte Songtext:
http://skyeyeliner.endorphin.ch/ont.htm
Der ist gut….
25.11.2011 - 22:05 Uhr
"Totgeglaubt und nicht gestorben, Geistern wir durch neue Formen"

koe
27.11.2011 - 03:07 Uhr
wunderbares album, still.
Viel zu früh und immer wieder; Castorp
27.11.2011 - 15:47 Uhr
@@osb:
"Old Nobody" ist Jochens musikalische George-Michael-Phase (hört euch mal Songs wie "Jesus to a child" an). Ich mag's.

Das liebe ich ja so an Blumfeld: da gibt's vertracktes Indie-Geschrammel mit verkopften Texten neben bunten Popsongs/"Schlagern" mit simplen (aber keinesfalls banalen) Botschaften. Nennt mir mal eine deutsche Band, die eine solche Vielfalt zu bieten hat(te)!?

Aber eigentlich schloss sich der Kreis irgendwann auch bei Blumfeld: Jochen hat schon Ende der 80er bei den "Bienenjägern" genau das gemacht, was er auf dem allerletzten Blumfeld-Album zelebriert hat.
Viel zu früh und immer wieder; Castorp
27.11.2011 - 18:30 Uhr

"Die Texte der beiden letztgenannten Stücke sind einfach ekelhaft kitschig."

Das müsstest du mal an Beispielen näher aufschlüsseln. Denn Kitsch = hohles Pathos. Aber dazu gibt es bei Blumfeld zuviele Ebenen, um Vorwürfe wie Gefühlsduselei und Kitsch anzubringen.

Ich verstehe auch nicht, was an dem Kinderchor kitschig sein soll. Der Text selbst lässt doch schon folgerichtigen Raum für irgendeine Art von Chor ("Sie singen im Chor..."). Für mich ist "Mein System kennt keine Grenzen" ("Die Songs handeln von mir Jochi-Boy / du kommst auch darin vor") eine Anspielung auf selbstreferentielle Songs wie "Verstärker" ("Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg / als Text der kein Behälter Sarg sein mag / schreib ich mich auf, um nicht zu ex- oder zu implodieren") und "Superstarfighter" ("In den Liedern, die du spielst, ist immer weniger von dir selber drin / stimmt genau, sag ich, die sind so, wie ich selber bin") von den Vorgänger-Alben.

Ich muss jedes Mal schmunzeln, wenn ich den Kinderchor diese Zeilen singen höre und ich glaube, das ist auch eine der Absichten dahinter. Wenn Kinder "Mein System kennt keine Grenzen" singen, bekommt es doch eine ganz andere, unschuldige, komische Note, als wenn es ein Erwachsenen-Chor tun würde. Möglicherweise sollen die Kinder die Gespenster darstellen. Und Kinder haben in ihrem "System" nunmal (zuerst) keine Grenzen, die bekommen sie von ihrer Umwelt irgendwann gesetzt.
meetzz
27.11.2011 - 21:25 Uhr
was die sich bei diesem cd-cover gedacht haben, das is echt hardcore schwul. das album is aber der wahnsinn.
Fencil
27.11.2011 - 23:42 Uhr
Was hier alles als schwul und kitschig bezeichnet wird ist schon ganz schön witzig. "So lang es Liebe gibt" ist überhaupt nicht kitschig, sondern hat eine bedrohliche und düstere Note. Wenn man das mit der nötigen Reife und einen halbwegs guten Musik- Verständnis anhört, erkennt man das eigentlich auch. ich weiss, jetzt seid Ihr wieder beleidigt, weil ich euch nicht den Intellekt zutraue, aber ich empfinde das einfach so. Nicht ein Musiker der Band war jemals Schwul, aber sie haben auch nicht die Angst auch mal mit solch einem Image zu kokettieren. Das Cover ist übrigens auch nicht "Schwul" sondern zeigt 4 Männer um die 30 lächelnd hinter einem schwarzen Hintergrund.
Fencil
27.11.2011 - 23:42 Uhr
sorry, natürlich vor einem schwarzen Hintergrund, nicht hinter ; )
nanu
28.11.2011 - 09:46 Uhr
@The Hungry Ghost: noch da? werd mir mal ein paar gedanken zu dem text machen...
ummagumma
28.11.2011 - 13:22 Uhr
Beim Jochen bin ich mir überhaupt nicht sicher,was nun ernst und was Spaß ist bzw wo er einfach was macht weil er da Bock drauf hat und weil er eben so ist.Man muss ja nicht in alles irgendwas großes bedeutungsschwangeres reininterpretieren.
Wenn er über Liebe singt,singt er eben über Liebe,da braucht man nicht zwischen Zeilen zu lesen.
Jedenfalls sieht das Cover auch für mich ultraschwul aus.Das ist aber nicht negativ gemeint.Mir ist klar,dass keiner von denen schwul ist,ist mir aber auch wumpe.
Das Cover passt zum Video von Tausend Tränen tief.Da sieht es ja irgendwie auch so aus als hätte Jochen ein Date mit Helmut Berger.
Vielleicht wollten sie damit kokettieren,vielleicht wollten sie auch einfach nur ein nettes Foto machen wie später das Picknickfoto mit den Freunden...


Davon ab,sind m.M. die Liebeslieder nicht schmalzig sondern: Sowohl bei oldnobody als auch später bei Lass uns Liebe sein und so hat das immer seinen ganz eigenen Charme,seinen eigenen Touch.Das ist kein Schlager.Das ist vielmehr ganz gradeaus.
Wie auch immer...
Grinderman
28.11.2011 - 13:23 Uhr
Der Mann ist doch Geschichte.
Zustimmer
28.11.2011 - 15:39 Uhr
Ja, eine eigene Geschiche.
The Hungry Ghost
28.11.2011 - 18:53 Uhr
@nanu:

Ah, danke, freut mich, dass du auf meinen Beitrag eingehst und mitüberlegen möchtest.

Zu der losgetretenen Diskussion abgesehen meines Beitrages zur konkreten Schwierigkeit beim Textverständnis:

Verstehe zwar vordergründig gesehen die Angriffspunkte für Schlagerthematik, finde aber, dass sich im Kontext die oberflächlich "schmierig" bzw. dem Kitsch zugeneigten Elemente wie das Coverfoto, Streichersounds, Weichheit bzw. Zartheit in Text/Gesang mit auflösen, sobald man das Ganze ernstnimmt. Also es nicht ironisch betrachtet versucht zu "retten", um es mit den zum Teil skandierend/atemlosen (wie bei Jet Set, Eine eigene Geschichte etc.) und rauh klingenden Vorgängeralben in Einklang zu bringen, sondern sich drauf einlässt und es losgelöst von der Schlagertradition sieht.
Was ich sagen will: würde eine englischsprachige Band so eine Platte machen, würden sich doch viel weniger Leute dran stoßen, hierzulande eckt man aber damit an, die Dinge direkter zu benennen. Finde gut, dass es trotzdem eine Band wie Blumfeld gab, die sich getraut haben, etwas in einer Sprache (inbegriffen des speziellen Sounds) sagen, die für andere "Indie"-Bands mit ihren Coolness-Codes Tabu wäre. Allein schon das starke Zurückdrängen der Schrammelgitarren ist eigentlich sehr mutig und sympathisch. 2 mal L'etat Et Moi hintereinander aufzunehmen ist doch nicht wirklich nötig. Old Nobody will ja auch die ersten Alben nicht widerlegen.
@DER hungrige Geist
28.11.2011 - 19:00 Uhr
tl;dr
Gordon Fraser
28.11.2011 - 19:07 Uhr
Schöne Überlegungen zu einem guten Album.
Viel zu früh und immer wieder; Castorp
28.11.2011 - 21:15 Uhr
@The Hungry Ghost:
"Also es nicht ironisch betrachtet versucht zu "retten", um es mit den zum Teil skandierend/atemlosen (wie bei Jet Set, Eine eigene Geschichte etc.) und rauh klingenden Vorgängeralben in Einklang zu bringen"

Hmm, naja, kann man natürlich machen, aber dazu gibt es doch einfach vielzuviele von Distelmeyer bewusst gesetzte Parallelen zu den Vorgängern (z.B. "Eines Tages", das an das Gedicht von der Vorgänger-Platte anknüpft), als das man das einfach so wegwischen könnte.

Davon mal abgesehen, finde ich manche deutsche "Schlager" sehr berührend und habe auch nie ein Problem damit gehabt, sie mir anzuhören. Möglicherweise bin ich vom anderen Ufer, möglicherweise auch nicht...;D

@ummagumma:
"Beim Jochen bin ich mir überhaupt nicht sicher,was nun ernst und was Spaß ist bzw wo er einfach was macht weil er da Bock drauf hat und weil er eben so ist."

Genau so ist es. Sämtliche Interviews mit Distelmeyer könnte man auf einen Satz eindampfen: "Was gerade cool oder in ist, hat mich noch nie interessiert." (sinngemäß) :-) Diese lässige Haltung hat mir schon immer imponiert und mich irgendwie auch nachhaltig beeinflusst, würde ich sagen. Jedes geschlossene Hirn ist ein Sarg (hat Jochen irgendwann auch mal live umgetextet/gesungen).

P.S.: Helmut Berger ist SCHWUL!!11!!111
The Hungry Ghost
28.11.2011 - 22:34 Uhr
@Viel zu früh und immer wieder; Castorp:

Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob ich dein Zitat von mir mißverstehe, aber ich meine eben, dass ich Old Nobody NICHT ironisch "retten" will, um ein Bild der "eigentlichen", politisch direkteren Blumfeld für mich bewahren, sondern eben das was auf Old Nobody musikalisch stattfindet einfach nur als ein anderes mögliches "Mittel" anzusehen, die gleiche Haltung des Ganzen weiterzuentwickeln.

Was die bewusst gesetzten Parallelen anbelangt, stimme ich also völlig zu, gerade Eines Tages beschäftigt mich auch gerade und mir fielen einige direkte Bezüge auf (sogar auf spätere Veröffentlichungen, wie z.B. "Strobo" und "Hobo" (Strophe 5), "Jenseits von Jedem" (Strophe 8) oder "Alles macht weiter" (letzte Strophe).

Ich frage mich, was es eigentlich damit auf sich hat, dass "Eines Tages", dass auch irgendwo als eine Art gebetsartiger Text beschrieben wurde (was ganz gut passt) in der Du-Form verfasst ist?

Ich hab mal in einem Interview gelesen, Distelmeyer wurde mal drauf aufmerksam gemacht, er würde auf L'etat Et Moi so oft "Ich" sagen, aber meint ihr nicht auch, dass in Eines Tages das Erzählte irgendwie auch besonders eine Art Selbstanrede ist?
koe
29.11.2011 - 00:19 Uhr
Diese Diskussion ueber die Schlagethematik hinkt auch einfach gewaltig. Wirklichen Schlager erkennt man doch auch ziemlich schnell, zumindest diejenige Art von Schlager, die hier so offensichtlich auf Ablehnung stoesst. Da kann man jetzt sicherlich im Einzelnen ein wenig drueber streiten, grundsaetzlich sind da aus meiner Perspektive wenig Parallelen zu 'Old Nobody' zu ziehen. Selbst wenn Distelmeyer romantisch wird und positive oder froehliche Thematiken bedient, dann macht er das immer noch in einem auf gewisse Weise anspruchsvollen bzw. eigenenartigen Stil, oder wie weiter oben bemerkt wurde, mit "seinem eigenen Touch". Er sinkt ja nicht sowas wie "Ohne dich geht die Welt unter komm zurueck die suesse Maus, ich liebe dich so sehr ohne dich gehen hier die Lichter aus."

Zu L'etat et moi muss ich noch anmerken, es ist nun auch nicht so das dieses Album vollgepackt ist mit geradeaus politisierten Statements. Stilaenderungen sind nunmal wichtiger Bestandteil der meisten Banddiscographien (ausser vielleicht AC/DC), Entsetzen ueber Stilaenderungen ist daher grundsaetzlich sinnlos, behaupte ich mal.

Es ist nicht sofort Kitsch, wenn 5 mal das Wort 'Liebe' in einem Lied vorkommt.

Zur Selbstanrede in 'Eines Tages':
Sicherlich. Es ist ja im Prinzip fast unmoeglich, so eine praezise und ueppige Darstellung moeglicher Gefuehlszustaende, Empfindungen und Situation, nur aus Beobachtung und letztenendes dann auch Interview und Fantasie herzustellen. Da verwischen sicherlich die Grenzen zwischen 'Ich' und 'Du'.

Das mit dem 'Ich' ist ja wiederum auch nicht so schlimm. Ist dann eben einfacher, sich damit zu identifizieren finde ich, oder eben nicht. Wenn es dann bei anderen Songs staerker um Emotionen etc. geht, wie z.B. Tausend Traenen tief, dann kann man sich damit, wenn man denn will und es zulaesst, auch extrem schnell identifizieren, oder man faehrt die Barriere hoch und deklariert es dann als 'Kitsch' und 'Schwul' ..^^.

Der DJ Koze Remix von Tausend Traenen Tief ist im Uebrigen zeitlos finde ich.
The Hungry Ghost
29.11.2011 - 11:23 Uhr
@koe:

"Wirklichen Schlager erkennt man doch auch ziemlich schnell, zumindest diejenige Art von Schlager, die hier so offensichtlich auf Ablehnung stoesst."

Grundsätzlich stimme ich zu, bei obigen Beitrag jedoch muss ich an Bands wie Silbermond oder Revolverheld denken, die hingegen von vielen nicht als Schlager eingestuft werden und etwas anderes sein wollen (z.B. in Form einer, ich nenn es mal, "Vortäuschung" irgendwie "indie" zu sein), aber in gewisser Weise trotzdem genauso reaktionär sind und sich affirmativ zur bestehenden Ordnung verhalten.
@Insider
29.11.2011 - 13:19 Uhr
"Nehm Träume für bare Münze" sing Herbert unter anderem in "Halt Mich" und noch viel mehr kitschigen Schrott. Tut mir leid, aber da sind die Texte von Jochen doch deutlich existenzieller und stilvoller. Er versucht in "Ein Lied von 2 Menschen" eines den wichtigsten Dinge des Lebens zu beschreiben und das ist nun mal die Liebe und die ist halt meistens ziemlich einfach und manchmal kitschig, bzw. Romantisch. Kunze hat niemals so geschmackssicher komponiert sondern war erst der verbitterte Intellektuelle Student mit halbwegs brauchbarer Systemkritik, die aber inzwischen veraltet ist und ist jetzt ein orientierungsloser Deutschrocker. Blumfeld haben ein viel durchdachteres Werk hingelegt.
Was Bernd Begemann angeht, so finde ich es bedauerlich das ein Mann mit so einem großen Talent seit 15 Jahren keine wirklich gute Platte hinbekommen hat.
Ich bin kein bedingungsloser Blumfeld Fan, aber ich glaube das Ihr Werk deutlich besser altern wird, als das von Grönemeyer, Kunze oder Begemann.
meetzz
29.11.2011 - 16:38 Uhr
was "banales" wie das zu zweit ins kino gehen gehört zur liebe genauso dazu wie sonst was. wenn dich das an hollywood erinnert, kann jochen nix dafür. was blumfeld auf diesem album machen ist ganz einfach gewagt. kitsch liegt nahe aber wenn man sich einfach mal auf die stimmung einlässt wird man feststellen, dass solche gefühle nunmal im menschen schlummern. diese musikalisch zum ausdruck zu bringen ist nicht automatisch kitschig.
koe
01.12.2011 - 01:37 Uhr
Wenn man mal ehrlich ist, wird man feststellen, dass nur "So lebe ich", "Pro Familia" und "Old nobody" das Niveau des Vorgängeralbums erreichen.

Ach so ein Quark. Wenn ich schon "Niveau des Vorgaengeralbums" hoere. ;-)

Die Platte ist, vor allem nicht im Jahr 2011, nicht nur ausschliesslich im Kontext des Vorgaengeralbums zu sehen, sondern da kann man jetzt auch schonmal ein wenig weiter schauen, danach, davor, Soloalbum. Das ist doch eine sehr arg verengte Sicht, zumal Sie ja mit dem Album auch ganz bewusst etwas geschaffen haben, was sich von L'etat et moi abgrenzt. Ich muss ganz ehrlich gestehen, ich habe diese Platte damals genossen, und zwar mehr als die L'etat, aus dem einfachen Grund, weil sie nicht so anstrengend war. L'etat kann ich mir vielleicht 2 - 3 mal hintereinander anhoeren (wenn ueberhaupt), und dann ist gut, Old Nobody kann ich den ganzen Tag hoeren... .

Ich hab sie jetzt nochmal angehoert gerade.
Und ich muss sagen, nein, da gibts wirklich kein Lied, was irgendwie auch nur annaehernd schlecht ist, ich finde eigentlich alle Lieder ziemlich gut, manche natuerlich etwas herausragender als andere. Wenn ich mir das so recht ueberlege, ist es wirklich das fluessigste Album, dass sie gemacht haben. Auch schoen noch Peter Thiessens Einfluss zu hoeren.

Nunja. Man kann es eben als Kitsch deklarieren, wenn man will. Wahrscheinlich meinen wir dann auch alles das Gleiche, nur dass es den einen abschreckt und den anderen nicht. Ich persoenlich wuerde aber schon nochmal unterscheiden, denn dann fehlen mir ehrlich gesagt aesthetische Bezeichnungen fuer Dinge die nochmal Klassen, wenn nicht so gar Ligen 'kitschiger' sind...
Also
01.12.2011 - 01:53 Uhr
für mich ist das Album die Definition von "schwul"!
Alfred macht weiter
01.12.2011 - 10:59 Uhr
@koe: Nur mal aus Interesse: Wo hörst du auf der Platte Peter Thiessens Einfluss?
koe
01.12.2011 - 16:50 Uhr
@@koe

Jo, dann ist das verstaendlicher. Ist ja auch ok, man muss ja auch nicht das Gesamtwerk eines Kuenstlers moegen.


@Alfred macht weiter
Kann jetzt gerade nicht einhoeren, aber so aus dem Stand war "So lang es Liebe gibt" und "Pro Familia". Bei ersterem ein wenig die Gesangsharmonien und das Arrangement, bei letzterem auch Arrangement.

Kante, die koennten allerdings auch mal wieder nen Album rausbringen ;-)....

Hier nen ganz schniekes Interview mit Peter Thiessen, bei dem er am Ende darueber spricht, dass er Blumfeld manchmal vermisst...^^

http://www.fm5.at/Interview%20mit%20Peter%20Thiessen,%20Sänger%20und%20Gitarrist%20der%20Hamburger%20Band%20Kante/

Album soll ja angeblich naechstes Jahr kommen.
Da bin ich gespannt.
nörtz
08.07.2012 - 03:22 Uhr
"So lebe ich" ist der Übersong des Albums; sieht das noch jemand so?
Gordon Fraser
08.07.2012 - 09:40 Uhr
Ja, zusammen mit "Pro Familia".
Blumen-Helge
08.07.2012 - 20:45 Uhr
Sollte es wahr sein? Eine ernsthafte Diskussion hier im Forum??? Und das noch bis kurz vorm Umblättern???

Das hab ich ja seit meiner Ankunft hier vor vier Jahren noch nicht erlebt - hurra!!!

Gespannt wies jetzt weitergeht wartet der Blumen-Helge
Opa
13.03.2014 - 16:39 Uhr
Früher nannten wir sowas wie "Eines Tages" einfach "Gedicht", heute ist es "Poetry Slam"...
eftta
13.03.2014 - 16:42 Uhr
"Old Nobody kann ich den ganzen Tag hoeren..."

Wie kann man sich das antun? Diese peinlichen Schlagertexte... Ich hoffe nicht, dass du dich damit identifizierst...

nörtz

User und Moderator

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13.03.2014 - 16:43 Uhr
"Pro Familia" und "So lebe ich" sind ganz groß!

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