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Selbstmorde bei der France Télécom

User Beitrag
Marco Stanley Fogg
28.09.2009 - 23:29 Uhr
Laut spiegel.de (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,651915,00.html) hat nun schon der 20. Mitarbeiter der France Télécom Suizid begangen. 20 Selbstmorde in der gleichen Firma und das innerhalb weniger Monate - das ist schon eine horrende Zahl. In den Abschiedsbriefen wurden ja Hinweise gefunden, dass es am Arbeitsklima lag.

Schlechtes Arbeitsklima, Mobbing von unten und von oben, sinkende Löhne, die Erwartungshaltung, dass Mitarbeiter einerseits megaspezialisiert sein sollen und andererseits dynamische und flexible Tausendsassas, etc. - das glaube ich nur zu gerne und trotzdem frage ich mich, wie kann es zu so einer extrem hohen Zahl kommen. Wie kommt es, dass Menschen in gefestigten Beziehungen mit Ehepartner und Kindern, von heute auf morgen das Licht ausknipsen, "nur" wegen der Arbeit. Warum kündigt so jemand nicht? Mir ist schon klar, dass Arbeitslosigkeit fatal ist und wiederum zu Elend und damit auch wieder zu Selbstmordgedanken führen kann. Aber wäre es in dem Moment nicht "besser" als Selbstmord?

Was ist das für eine Welt? Warum heizen sich die Menschen in ihrer Angst gegenseitig immer weiter an? Die die wenig/nichts haben, haben "sowieso" Existenzängste. Was ist jetzt aber, wenn auch immer mehr Menschen, die genügend/ausreichend haben auch noch der Angst anheimfallen? Gut ist heute nicht mehr gut genug. Nicht das was man vorweisen kann, was man ist, zählt, sondern nur das Potential zu noch besserem, zu noch mehr! Wer flunkert denn heutzutage nicht mehr in Bewerbungsschreiben und -gesprächen. Man muss es tun, weil es alle anderen tun, weil es von einem verlangt wird. Und morgen muss dann das alles in einem noch viel größeren Ausmaß tun, da sich dann schnell wieder alles relativiert hat. Dazu kommt eine ständige Ungewissheit. Wo führt das hin? Und warum leidet jeder für sich so ganz alleine? Ich rede garnicht von Arbeitskampf und vom auf die Straße gehen. Ich rede davon, warum die Menschen sich nicht privat gegenseitig Helfen und unterstützen. Aber wahrscheinlich sind die meisten zu einsam dafür und zu "stolz". Das wurde einem ja auch anerzogen von der Gesellschaft. Wer zugibt, dass er nicht mehr kann, gilt als schwach, als Mensch ohne Selbstbewusstsein und... als faul.

20 Selbstmorde in der gleichen Firma - wie verzweifelt muss man da sein?
Hai-eckige 4
28.09.2009 - 23:45 Uhr
Schockierend und tragisch.
Auf Grund meiner Schüchternheit finde ich nur schwer Arbeit, hatte auch schon sehr oft Suizidgedanken, aber mit der Zeit ist mir klar geworden, dass es mir gar nich so übel geht und ich das Leben genießen sollte. Ich bin 26, noch unverheiratet und hege immer mehr den Wunsch, eine Familie zu gründen. Aber das tue ich erst, wenn ich eine halbwegs sichere Anstellung habe.

Mobbing ist Mordversuch. Die Verursacher wissen oft gar nicht, wie sehr sie andere damit schaden. Ich glaube aber, dass außer Mobbing meist noch andere Komponenten hinzukommen, die Leute in den Selbstmord treiben, z.B. Schulden, Geldsorgen, Ängste, Depressionen, Komplexe und Konflikte aller Art usw.


(Btw, sucht zufällig eine Rockband einen Drummer? ^^)
Hai-eckige 4
28.09.2009 - 23:46 Uhr
*anderen
Der Comedian
28.09.2009 - 23:46 Uhr
Das Leben ist eben nur ein verdammter Witz.
Der Comedian
28.09.2009 - 23:48 Uhr
@Hai: wo wohnstn?
Hai-eckige 4
28.09.2009 - 23:48 Uhr
@ Comedian
In Deutschland.
Hai-eckige 4
29.09.2009 - 00:02 Uhr
Öhm, check grad erst, dass das sicher eine Frage bzgl. meiner Bandsuche war, sry... in der Nähe von Köln/Düsseldorf.
Ähem
29.09.2009 - 00:04 Uhr
Der viereckige Hai. Ein Stück von Helge S.
?!
29.09.2009 - 00:16 Uhr
Das sind doch bisher sogar mehr als 20, oder? Schon extrem die Sache...
sorry
29.09.2009 - 00:58 Uhr
Sorry, aber ich habe gelesen dass die Selbstmordrate im französischen Schnitt liegt. Es arbeiten halt auch 100 .000 Leute da.
Da wird wieder ein Medien Popanz aufgebaut damit der französischer Kerner und Konsorten Quote machen.
Knarre
29.09.2009 - 01:58 Uhr
Kann da mal bitte ein Statistiker ran und mir sagen ob sorry recht hat? Ich meine, kann man den allgemeinen Durchschnittswert direkt mit dem Durchschnittswert bei der France Telecom vergleichen? Ihr wisst schon was ich meine...
ettaP
29.09.2009 - 12:55 Uhr
Ich bin 26, noch unverheiratet und hege immer mehr den Wunsch, eine Familie zu gründen. Aber das tue ich erst, wenn ich eine halbwegs sichere Anstellung habe.

Tu es jetzt, sollte dir danach sein. Nach dem zweiten Weltkrieg haben die Menschen auch Kinder bekommen, obwohl die Verhältnisse vielfach schlechter waren, als heute. Du kannst auch eine sichere Anstellung haben, dir eine Familie gründen und drei Jahre später bei einem Autounfall zum Krüppel werden, dann stünde deine Ehepartner als Alleinernährer da. Insofern: "sicher" ist und war nie etwas.
Boston
29.09.2009 - 15:41 Uhr
(Btw, sucht zufällig eine Rockband einen Drummer? ^^)

Aha. Bestätigt die Theorie des traurigen Drummers.

@Topic:
Die Sache ist doch, dass es in Frankreich extra Studien zur Selbstmordrate in Unternehmen gibt, in anderen Ländern nicht. Wenn es die gäbe, käme man wohl nicht nur bei der France Telecom auf ein schockierendes Ergebnis.
Hobo
29.09.2009 - 15:53 Uhr
Also überall in der Natur ist es doch so, dass die Schwachen nicht überleben und sterben müssen. Nun ist die Gattung Mensch kultiviert, kann das nicht so einfach zulassen und die Gemeinschaft stützt und hilft den Schwachen rein futtermäßig zu überleben.
Bei den neuzeitlich geistigen Anforderungen ist das nicht mehr so einfach zu regeln. Hier findet zum Wohle und zum Erstarken der Firmen im globalen Wettbewerb nun ein neuer Ausleseprozess in dieser Form statt.
@Hobo
29.09.2009 - 15:56 Uhr
Zum Wohle der Firmen... Satire war auch schon mal besser.
Fisch
29.09.2009 - 16:02 Uhr
Nein nein, schon wieder eine falsche Auslegung der Evolutionstheorie! Survival of the fittest heißt nicht, dass die Starken überleben, sondern die, die am besten Angepasst sind. Das können auf lange Sicht z.B. auch die vermeintlich(!) Schwachen sein. Nur, was nützt uns diese Erkenntnis im Privatleben? - Nichts! Wir sind zu klug um einfach ohne Nachdenken vor uns hinleben zu können um uns lediglich Fortzupflanzen. Wir sind eben keine Tiere und haben eine Kultur. Und andererseits ständig aktiv darüber nachzudenken, wie wir am besten "angepasst" sein könnten um möglichst "erfolgreich" zu sein, das ist uns zu müßig. Außerdem könnten wir dann den Alltag nicht überstehen. Es würde auch garnichts bringen, denn Evolution ist nicht planbar und nicht zielgerichtet.
clara
29.09.2009 - 16:03 Uhr
vor so einem halben jahr gabs aus frankreich schon berichte über viele suizide bei michelin und peugeot
berichtet wird jedoch nur wenn sich suizide in größeren firmen häufen
die vielen einzelfälle in vielen kleineren betrieben erfahren medienspezifisch keine aufmerksamkeit
Eduardo Estefan Raimundo
29.09.2009 - 16:16 Uhr
Überall in der neuen globalisierten Welt gibt es immer mehr psychisch Kranke.
Traditionell psychische Schäden hat jedoch ausgerechnet das lebensfrohe Volk in Buenos Aires. Dort gibt es pro Einwohner weltweit die meisten Psychiater. Begegnen sich zwei Portenos, gilt die erste Frage dem Ergebnis des letzten Besuches auf dem Sofa.
Statistik
29.09.2009 - 17:09 Uhr
In Deutschland kommen 11 Selbstmörder auf 100.000 Menschen (die Dunkelziffer ist deutlich höher)

@Eduardo
1983 waren es noch 23 auf 100.000. Mit der Globalisierung hat das Ganze also recht wenig zu tun.
Statistik
29.09.2009 - 17:12 Uhr


http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cb/Suicide_rates_map.svg
Greylight
29.09.2009 - 17:34 Uhr
@Hobo

Dir ist schon klar, dass deine Ansichten in hohem Maße menschenverachtend sind, sofern es sich um einen ernsthaften Beitrag handelt?

Hier findet zum Wohle und zum Erstarken der Firmen im globalen Wettbewerb nun ein neuer Ausleseprozess in dieser Form statt.

Die Frage ist dann nur, wer in einer solchen Gesellschaft noch leben will. Eine moderne Gesellschaft sollte imstande sein, es Menschen ermöglich zu *leben* und nicht nur zu *überleben*, bzw. um sein Überleben fürchten zu müssen. Ansonsten würde ich dir in einer zynischen Auslesegesellschaft noch viel Spaß wünschen, wenn du mal von einem Auto angefahren wirst, nur weil du mal kurz unaufmerksam warst, und daraufhin arbeitsunfähig bist. Kannste zum Wohle der Evolution dich dann ja selbst mit nem Schwert aufschlitzen, weil du nicht mehr von Nutzen bist. Na, wie würde dir das gefallen?
Greylight
29.09.2009 - 18:06 Uhr
Was ist das für eine Welt? Warum heizen sich die Menschen in ihrer Angst gegenseitig immer weiter an? Die die wenig/nichts haben, haben "sowieso" Existenzängste. Was ist jetzt aber, wenn auch immer mehr Menschen, die genügend/ausreichend haben auch noch der Angst anheimfallen? Gut ist heute nicht mehr gut genug. Nicht das was man vorweisen kann, was man ist, zählt, sondern nur das Potential zu noch besserem, zu noch mehr!

Das hasse ich auch. Dieses "Du bist nicht gut genug!"-Gefühl, das einem von mehreren Seiten indoktriniert wird und wohl vor allem von manchen öffentlichen Personen in den Medien. Und wenn man sich ansieht, was das für Leute sind, die so etwas sagen, langts einem meist sowieso. Stromberg ist da sicherlich eine gelungene und wahre Parodie.
Der Mensch sehnt sich doch auch nach Sicherheit und dass es vollkommen ausreicht, wenn man etwas gut macht. Und in Wahrheit kann man oft schon froh sein, wenn jemand überhaupt seine Arbeit gut macht. *g*
Greylight
29.09.2009 - 18:13 Uhr
Und ich habe auch keinen Bock darauf, dass man z.B. auf einmal kein fließendes Wasser mehr hat, nur weil das jeweilige private Wasserwerk pleite ist. Herzlich Willkommen im Mittelalter könnte man dazu nur sagen.
ettaP
01.10.2009 - 18:26 Uhr
http://www.sueddeutsche.de/kultur/15/489402/text

"Die neue französische Revolution: Immer mehr Angestellte begehen Selbstmord - weil sie das KNALLHARTE GESCHÄFT nicht ertragen und herkömmlicher Protest im Land der Revolte nicht mehr zieht."

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