Lambchop - Is a woman

User Beitrag
captain kidd
19.02.2002 - 16:18 Uhr
Da ist sie also. Die neue Lambchop. Für 16 Euro bei Karstadt.
Und der erste Durchgang war etwas reserviert.
"Doch sehr sehr ruhig, oder???"
Aber man wollte sie gleich nochmal hören. Und dann setzte schon die Langzeitwirkung ein. Diese Platte ist - mit Verlaub - mal wieder genial. Lambchop bleiben definitiv die beste Band der Welt.
Das war eigentlich schon 1994 nach den ersten Tönen des Debuts 'I hope your sitting down/Jack's tulips' klar. Keine Band klingt wie diese. Es ist kein Country, bestimmt kein Americana, kein Pop. Es ist einfach Lambchop. Die leiseste Big Band der Welt. Mit Texten von banal ("and I count your fingers you still have ten") bis genial ("well you can't win did you think we could"). Das zweite Album 'How I quit smoking' überzeugte dann zwar mit teilweise noch besseren Songs (Life's little tragedy) war aber noch nicht wirklich der grosse Wurf. Der kam dann für viele nach der EP 'Hank' mit dem Album 'Thriller'. Sicherlich war diesmal erstmals ein wirklicher Hit zu finden (You're fucking sunny day) das Album war jedoch ein wenig kurz und der Titeltrack kann mich bis heute nicht überzeugen. The year Lambchop broke war dann für mich eindeutig 1998. Das Album 'What another man spills' begeisterte durch und durch. Diese Stücke, diese Stimme, diese Arrangements... Klasse. Wäre nicht damals auch Live 1966 von Dylan erschienen... das Album des Jahres. Definitiv. Mit 'Interrupted', 'The saturday option' und 'life #2' mindestens 3 Tracks für die Ewigkeit. Auch die Hinwendung zum Soul war schon zu erkennen und die erreichte beim Nachfolger 'Nixon' einen bisherigen Höhepunkt. Hier gab es Soulballaden, Falsettgesang und noch mehr Streicher. Das alles in nie gekannter Einigkeit. Wahrscheinlich das beste (weil konsequenteste) Album der Band bisher. Wieder Hits (Up with people, The book I haven't read, The old gold shoe), bestechende Arrangements und alles, was man Lambchop liebt (oder lieben sollte). Was konnte nach diesem perfekten Album noch kommen? Diese Schwierigkeit haben sie (natürlich) grossartig umschifft. Sie nahmen die Streicher wieder raus, verlagerten den Sound auf Stimme und Klavier und schufen damit ein neues Meisterwerk. Es beginnt mit ein paar Pianotönen zu denen sich weitere Instrumente schleichen bis schliesslich Kurt Wagner anfängt seine Geschichten zu erzählen. Ein sehr sehr schönes und ruhiges Stück Musik. Das zweite Stück 'The new cobweb summer' setzt dann auf schwerere Klavierakkorde, die jedoch niemals düster schwer klingen sondern immer eine gewisse Leichtigkeit aufweisen. Mit Worten ist das nicht zu beschreiben. Schon Melancholie irgendwie. Aber eine "wissende" Melancholie. Und wenn dann die Bläser dazukommen... Ach, herrlich. Das nächste Stück ist mit knapp 8 Minuten das längste. Und findet sich auch kein wirklich grosser Refrain wir es keine Sekunde langweilig. Zu schön fliesst alles zusammen, zu fragil ist das Arrangement, zu subtil der Vortrag . Danach folgt die beinah einzig mögliche Single 'I can hardly spell my name'. 3 Minuten feinster Lamchop Country Soul. Genial. Nach zwei weiteren sehr sehr ruhigen Tracks folgt dann mit 'Caterpillar' ein recht düsterer Song, dessen Akkordlinie allerdings etwas nah an 'Life's little tragedy' angelehnt ist. Zur Hälfte des Albums fällt schon auf, dass es kaum gesungene Refrains mehr gibt, vielmehr ist an deren Stelle das Klavier getreten. Und das ist sehr sehr angenehm. 'D Scott Parsley' war mit erst etwas suspekt. Jetzt ist es mein Favorit. Ein sehr sehr grooviger Song, mit einigen kurzen Breaks und einer wunderbaren Steigerung. Die Gitarrenphrase kann am Anfang etwas "überfordern". Später merkt man aber "... das die dahin muss". Es folgen dann zwei weitere Titel, bei denen besonders die "soulige" Basslinie von 'The old matchbook trick' auffällt. Der Titeltrack beendet dann die Reise über den Planeten Lambchop. Ruhige Pianoakkorde und diese Stimme. Doch dann bricht der Lamchop eigene Humor durch. Im Finale des Songs kippt die Ballade plötzlich in einen eleganten Reggae. Hört sich ein wenig an wie 'Knockin' on heavens door' in Dylans 1978er Japan Version. Sehr gut also. Und man bekommt wieder nach dem höchstens zweiten Mal hören das Gefühl, dass das da einfach hin muss!!! Das ist eine Kunst, die ganz früher vielleicht auch Oasis beherrscht haben. Nämlich einem Song eine Wendung zu geben (sei es durch Akkordwechsel oder Melodie), die man so nicht erwartet hat, die dann aber "schon immer so sein musste". Lambchop können das immernoch. Oasis leider nicht.
Und das ist keine The(e)se sondern die Wahrheit.
Lambchop is a Wunder.
Armin
19.02.2002 - 20:03 Uhr
Dürfen wir das abdrucken? Dann müssen wir nicht länger auf die Platte warten, und Oliver kann sich die Arbeit sparen. ;-)
captain kidd
20.02.2002 - 16:17 Uhr
gerne.
ann
20.12.2002 - 23:26 Uhr
...lyrics zu ~is a woman~ von lambchop?

danke im voraus.
ann
21.12.2002 - 17:41 Uhr
...niemand...?
Pure_Massacre
21.12.2002 - 18:51 Uhr
Schau mal bei www.modernrocklyrics.com nach, vielleicht wirst du da fündig.
Buttergeist
20.07.2005 - 20:34 Uhr
Grade nochmal gehört. Ein Album für die Ewigkeit. Absolut zeitlos. Wundervoll. *dahinschmelz*
bee
21.07.2005 - 12:00 Uhr
"Ein Album für die Ewigkeit"
genau das gleiche dachte ich, als ich neulich mal wieder die What another man spills ganz durchgehört
habe ...
Paul Paul
25.12.2005 - 09:53 Uhr
Gestern geschenkt bekommen. Wunderbar klingt's.
Pure_Massacre
25.12.2005 - 10:11 Uhr
@Pure_Massacre: Modernrocklyrics? Du hast sie doch nicht mehr alle! ;-)

Das Album hör ich übrigens ab und an sehr gerne, vor allem den Titelsong.
bee
03.02.2006 - 21:03 Uhr
bei mir neu reingekommen: Kurt Wagner Trio live von der Promo Tour für Is a woman (Amsterdam 2002) - ganz grosses Kino gerade durch die kleine Besetzung. Allein die 7 Minuten von By blue wave - aaaaahhhhhh
Walt
30.11.2010 - 10:57 Uhr
Das Album höre ich heute komplett und in original Titelfolge live. Kenne die Band gar nicht so gut, bin schon gespannt, vor allem da ich das Album gerade zum ersten Mal höre und es jetzt schon toll finde.

Die Daten zu "Is a woman"-Tour:

30.11.2010
Hamburg (D) , Kampnagel

01.12.2010
Hannover (D) , Pavillon

02.12.2010
Nürnberg (D) , Tafelhalle

03.12.2010
Gera (D) , Johannis-Kirche

04.12.2010
Innsbruck (A) , Treibhaus

05.12.2010
Zürich (CH) , El Lokal
Hogi
30.11.2010 - 23:06 Uhr
tolles Konzert heute in HH, diesen Klassiker in voller Länge zu hören war ein echter Genuß.

Herder

Postings: 1806

Registriert seit 13.06.2013

12.09.2013 - 16:18 Uhr
Der Herbst ist da, da sollte Lambchop wieder regelmäßig(er) auf dem Plattenteller rotieren! Entspannter und schöner kommt man wohl kaum durch die grauen Tage. Eignet sich freilich auch hervorragend für die Untermalung ausgedehnter Herbstspaziergänge.

Für mich ist "Is a Woman" - neben "How I quit smoking" - eines der besten Lambchop-Alben, die sich aber natürlich allesamt auf einem ziemlich hohen Niveau bewegen.

Cosmig Egg

Postings: 768

Registriert seit 13.06.2013

14.09.2013 - 21:03 Uhr
kanns gerade nicht glauben....

ist das wirklich der einzige thread zu der platte?

mit 15 beiträgen?

Herder

Postings: 1806

Registriert seit 13.06.2013

14.09.2013 - 21:09 Uhr
Also an mir lag/liegt es nicht ;)

Und ich teile dein ungläubiges Staunen angesichts der Größe der Platte...

dr. note

Postings: 15

Registriert seit 14.06.2013

14.09.2013 - 22:05 Uhr
Ich staune auch...

Herr

Postings: 810

Registriert seit 17.08.2013

14.09.2013 - 22:36 Uhr
Der Herr dankt für diese göttliche Ausgrabung und nahm dieses zum Anlass, auch das famose Doppelalbum Aw C'Mon / No You C'Mon erklingen zu lassen, mit dem unfassbaren Song Something's Going On.
Gemüseschnitter
15.09.2013 - 22:16 Uhr
Es ist definitiv das leiseste, zarteste Album dass ich kenne. Irgendjemand meinte mal, es ist erstaunlich, dass ein so großes Musikerkollektiv wie bei Lambchop so leise und bedächtig sein kann. :-) Der "Schlagzeuger", allein das Wort klingt in dem Zusammenhang viel zu hart, streichelt die Felle nur leicht, der Sänger haucht mehr als dass er singt, Melodien werden eher angedeutet. So als hätte diese Musik einen zu großen Sinn für das Schöne und Ästhetik als dass sie dies durch jegliches Barbarentum kaputtmachen wollte. So als müsste man sehr sorgsam mit Tönen umgehen, da sie sonst Verletzungen zufügen können. Doch bei alldem klingt es keineswegs verweichlicht oder langweilig, sondern fundiert und lebenserfahren. Liest sich alles sehr doof, aber das sind meine Gedanken zu dieser Musik. Ich mag das Album, hörs zwar nicht oft, aber es ist einfach perfekt für ruhige Momente. Schon so ein stilles Meisterwerk.

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