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Film: Martyrs

User Beitrag
chucky
26.09.2008 - 13:23 Uhr
Angeblich sollen Filme wie High Tension oder Inside nur ein kleines, warmes Fürtzchen gegen diesen FIlm sein. Nach der filmstarts-kritik bin ich ernsthaft am Zweifeln, ob ich mir das geben will, beziehungsweise überhaupt kann. Das Non Plus Ultra des filmischen Terrors? Was geht zur Zeit eigentlich mit den Franzmännern ab?
Letztendlich wird es sowieso wieder darauf hinauslaufen, dass ich mir den Film anschaue und mich danach ein paar Tage wie ein seelisches Wrack fühle. Danke nochmal an Inside...
Ach Neugier ist doch eine scheiß Sache...
Leatherface
26.09.2008 - 13:37 Uhr
Naja, da der Rezensent neu bei Filmstarts ist, lässt sich die Qualität der Rezension schwer einschätzen und in Sachen Horror sollten sowieso andere Quellen aufgesucht werden. Aber da Inside was Terror betrifft ohnehin kaum zu überbieten ist, nehme ich das jetzt nicht so ernst.
Leatherface
26.09.2008 - 13:41 Uhr
Oh, aber ich sehe der kommt über Autobahn, wie auch schon Inside, Hard Candy, Brick, Shortbus, Mandy Lane und einige weitere kontroverse, aber sehr gelungene Filme. Da kann man ja schon gespannt sein.
chucky
26.09.2008 - 13:43 Uhr
Er scheint die anderen Filme ja zu kennen. Und wie er den Film beschreibt, da ist mir beim Lesen schon die Muffe vor dem Film gegangen...
Leatherface
26.09.2008 - 13:48 Uhr
Ja, aber 9/10? Mit Sicherheit nicht. Da hat sich der Herr wohl noch nicht den Bewertungskriterien der Redaktion angepasst.
arnold
26.09.2008 - 13:53 Uhr
Wobei Filmstarts oft und gerne mal nen Punkt zu viel gibt.
Leatherface
26.09.2008 - 13:55 Uhr
Trailer
Khanatist
26.09.2008 - 13:55 Uhr
chucky (26.09.2008 - 13:23 Uhr):
Non Plus Ultra des filmischen Terrors


*notier*
chucky
26.09.2008 - 14:01 Uhr
Na gut, vielleicht nicht das Non Plus Ultra, aber mit Sicherheit auf einer Stufe mit Far Cry! ;)
Leatherface
26.09.2008 - 14:12 Uhr
aber mit Sicherheit auf einer Stufe mit Far Cry!

Versprich nichts, was der Film nicht halten kann. Die zermürbende Idiotie von Far Cry dürfte der ultimative Terror für das Gehirn sein.
Leatherface
26.09.2008 - 14:37 Uhr
80%
Milo
26.09.2008 - 15:36 Uhr
Finde Inside leider richtig schlecht. Klar, wird da in den ersten 40 Minuten richtig spannung aufgebaut und da ging einem schon die Muffe, doch mit Beginn des selten dämlichen Gemetzels war der Film nur noch das von chucky erwähnte Fürzchen.

Deshalb bin ich gegenüber Martyrs skeptisch. Bin dieser Art Film echt überdrüssig geworden. Aber ich lasse mich gerne positiv überraschen.
bernhard.
26.09.2008 - 16:59 Uhr
hab den film aufm fantasy filmfest gesehen, und hab vorher ne gastkritik auf filmstarts geschrieben, ich kopier die mal schnell rein:


Das Programmheft des Fantasy Filmfest ist ja immer so eine zweischneidige Sache, die Filme werden natürlich möglichst theatralisch beworben, damit möglichst viele Menschen interessiert sind, den Film auch zu sehen.

Dass seit Hostel, wie in der filmstarts.de Kritik bereits angesprochen, das Genre des Terror Films zieht, ist nichts neues - die Enttäuschung über den Film H6 vor ein paar Jahren, der als ach-so-gut und endlich mal ein richtiger Terrorfilm geprießen wurde, letztendlich dann allerdings doch weit unter den Erwartungen zurückblieb und nicht mehr war, als eine billige Aneinanderreihung von perversen Aktionen einen Serienkillers, war umso größer.

Dieses Jahr also die Ankündigung von Martyrs - härter, krasser, ja all das. Eine Inhaltsbeschreibung war nicht zu finden. Ein weiteres mal konnte man sich ja noch auf den Versuch einlassen, die Steigerung von Schmerz zu erleben, wahrscheinlich war das ganze Brimborium doch nur übertrieben.

Nein. War es nicht.

Martyrs wirkt nach. Der Anfang des Films ist verstörend. Die Angst wird im Zuschauer immer weiter geschürt, die Fingernägel krallen sich im Kinosessel fest, die Gewaltspirale nimmt perverse Formen an, unzeigbares wird gezeigt, bis es schließlich endlich zur, naja, erlösenden Szene kommt, und man froh ist, diesen psychischen Alptraum hinter sich gebracht zu haben.

Was allerdings dann passiert, ist das wohl wahnsinnigste und härteste Experiment, das man bisher auf einer Leinwand sehen konnte. Und alles andere als zu erwarten. Die Gewaltspirale beginnt von neuem, nur dass sich die Schraubzwinge in dieser zweiten Hälfte enger und fester zudreht als noch zuvor.
Man will seinen Blick von der Leinwand lösen, aber es geht nicht.

Direkt nach dem Kinobesuch war ich zuerst enttäuscht über den letztendlich vorhersehbaren großen Knall am Ende.

Jetzt allerdings, im Abstand von ein paar Wochen, muss man es sich einfach eingestehen: Filmisch betrachtet ist das hier wahrscheinlich der intensivste, radikalste, härteste, schonungsloseste, widerwärtigste, perverste und ganz einfach beste Horrorfilm der letzten Jahre.
Eine Steigerung im Qualitätsbereich ist momentan nicht vorstellbar.

Irgendetwas über die Handlung zu verraten verbietet sich, man kann sich nicht vorstellen, was beim Lösen der Kinokarte auf einen zukommt.

Auf diesen Film kann man sich nicht vorbereiten.
Auf diesen Film kann man sich nicht einlassen
Diesen Film kann man sich nicht ansehen.

Aber man muss es.




ist halt so ne sache, man muss schon wirklich n filmfan sein sag ich mal, so sensationsgeile kinogänger werden da nicht befriedigt, der film ist absolut keine unterhaltung à la saw oder auch hostel, vielleicht in der ersten hälfte, aber dann wirds wirklich krank, also so richtig krank.
und ja, er ist wirklich sehr brutal. hab die anderen franz. filme nicht gesehen. aber den hier kann ich sehr empfehlen.
collin
26.09.2008 - 17:26 Uhr
Habe "Martyrs" beim FFF gesehen und ich weiß bis heute nicht, was ich von ihm halten soll. Hatte nach dem Film weiche Knie und mir war furchtbar schlecht. Aber ich war auch beeindruckt von der brutalen Konsequenz in dem Film und den teilweise wirklich sehr intelligenten Handlungssprüngen. Der Film ist ultrahart, aber Gott sei Dank nicht so pervers wie "Inside". Hätte er noch ein wenig mehr auf Spannung und weniger auf Gore gebaut, wär ich vielleicht sogar begeistert. 7/10
The MACHINA of God
09.01.2009 - 03:04 Uhr
Hat noch jemand ihn gesehen?
The MACHINA of God
09.01.2009 - 03:10 Uhr
Ich werde hier kein Wort über den Inhalt des Filmes verlieren.
Wer wirklich vorhat sich ihn anzuschauen, sollte dies möglichst unvorbereitet tun.
So kann der Film seine brachiale Wucht, mit der er den Betrachter überfährt am besten entfalten.

*** WARNUNG***
Dies ist eine wirklich ernst gemeinte Warnung. Schaut euch diesen Film nur an, wenn Ihr bereit sein ihn auch zu ertragen.

Martyrs ist die zweite Regiearbeit des Franzosen Pascal Laugier und schwimmt auf der derzeitigen Welle kompromisslos-harter französischer Filme. Andere Vertreter dieser Kategorie sind beispielsweise Inside und Frontier(s). Pascal Laugier, der auch das Drehbuch schrieb, setzt mit seinem Film in diesem aufkeimenden Subgenre frühzeitig einen Höhe- (evtl. sogar einen End-)punkt, da eine weitere Steigerung momentan nicht denkbar erscheint.

Der Film ist einfach nur ein endloses Martyrium, nicht nur für die Figuren des Film, nein, er wirkt auch, und das in einer nie zuvor gesehenen Unerbittlichkeit, direkt auf den Betrachter.
Über dem Film schwebt eine ständige unheilvolle Ahnung (später dann Gewissheit) das wirklich schlimme (und später noch schlimmere) Dinge geschehen werden – und das tun sie dann wirklich!

Das ganze komm in einer Realitätsnähe und Ernsthaftigkeit, die wirklich kaum zu ertragen ist.

Pascal Laugiers Martyrs ist große Kunst und widerwärtig abstoßend zugleich.

Ob ich froh bin Martyrs gesehen zu haben?
Ich kann es nicht sagen, aber es ist sowieso nicht rückgängig zu machen – ich HABE ihn gesehen.

Er hat mich verändert.........für immer.



Und das ist bei weitem nicht der einzige Kommentar in diese Richtung.
koe
09.01.2009 - 03:15 Uhr
Irgendwie kann ich die Motivation hinter solchen filmen nicht nachvollziehen, ich weiss ich kenn mich da auch wirklich nicht aus... aber verstanden hab ich das noch nie.
Leatherface
09.01.2009 - 11:01 Uhr
Wenn man nur mal etwas lesen könnte, das sich auch tatsächlich mit dem Film auseinandersetzt, statt immer nur "Woah...voll brutal und verstörend. Ansehen nur auf eigene Gefahr".
Leatherface
09.01.2009 - 11:05 Uhr
Merkwürdige Kubrick-Vergleiche sind mir auch schon irgendwo untergekommen.
koe
09.01.2009 - 12:25 Uhr
Eine recht gute Rezi, wie ich finde.
Obrac
09.01.2009 - 12:34 Uhr
"Insinde" fand ich ziemlich scheiße. Vorhersehbar bis zum Anschlag. Absolute 08/15-Ware. Die allmächtige Psychopathin ist immer überall, weiß stets, wo ihre Opfer sich befinden. Niemand hat eine Chance gegen sie, kein Polizist. Sie kennt sich bestes mit Guerilla-Taktiken aus, ist jedem einen Schritt voraus. Öde. Die einzige Szene, in der man diesem Charakter wenigstens ein Mindestmaß an Tiefe hätte verleihen können, war die mit der Katze. Aber nee, es ist ja viel schockierender, dass sie die Katze umbringt, anstatt dass man dieser Frau ein wenig Menschlichkeit lässt.
Die einzig guten Szenen waren die, wo der Mann ohne Augen die Stromleitung repariert, und die Abschlussszene, wo die Psychopathin mit dem Kind im Schaukelstuhl (?) sitzt.
Ansonsten war das ziemlicher Quatsch.

Naja, hier geht es um "Martyrs". Den habe ich nicht gesehen.
bernhard.
09.01.2009 - 13:45 Uhr
@obrac

ich hab inside nicht gesehen, aber nach der beschreibung hat der film mit martyrs nichts gemeinsam, außer vielleicht, dass er brutal ist.
Re-Toast
18.01.2009 - 10:10 Uhr
Weiß jemand schon genaueres zum DVD-Start?
nun
18.01.2009 - 13:59 Uhr
Französischer DVD-Start laut amazon.fr ist der 3. März. Müsste dann eigentlich auch bei uns im Frühjahr erscheinen.
Leatherface
23.01.2009 - 10:46 Uhr
Martyrs: Horror-Schocker nun doch uncut in Deutschland
Martyrs
Freitag, 23.01.2009 | 10:43 Uhr

Schon mehrfach wurde die DVD-Veröffentlichung des französischen Horror-Schockers „Martyrs“ verschoben und es galt als sicher, dass der deutsche Verleih Senator keine Chance habe, eine Uncut-Veröffentlichung in Deutschland durchzubringen. Doch das hat sich geändert. Wie die Internetseite www.schnittberichte.com berichtet, hat der Film von der Juristenkommssion der SPIO in seiner ungekürzten Version attestiert bekommen, „strafrechtlich unbedenklich“ zu sein. Damit ist der Weg frei für eine ungekürzte Leihversion der DVD, die auch im Laufe dieses Jahres kommen soll. Ein genauer Termin steht allerdings noch nicht fest.

Die Kauf-DVD wird dagegen gekürzt sein.
novemberfliehen
27.01.2009 - 02:18 Uhr
Die Leih-Version gibts vermutlich ab dem 01.04.. wobei ichs erst glaube wenn ich den sehe. Mitte des Jahres dann käuflich aus den Nachbarlanden ;)
novemberfliehen
19.02.2009 - 19:02 Uhr
14.02 gibts die Verleih-Version Uncut (verschiebt sich aus bisher leider unbekannten Gründen um 2 Wochen), die man sich natürlich auch kaufen kann. Eine (gekürzte) Kauf-Version wird es nun wohl voraussichtlich nicht geben, frei nach dem Motto "Ganz oder gar nicht".
Leatherface
08.03.2009 - 04:12 Uhr
Puh....
Leatherface
08.03.2009 - 04:13 Uhr
Oh......
Leatherface
08.03.2009 - 04:14 Uhr
...................................
ToRNOuTLaW
08.03.2009 - 04:21 Uhr
Deine Reviews waren auch schon mal besser :P
Leatherface
08.03.2009 - 04:26 Uhr
Oh...............
Clown_im_OP
08.03.2009 - 04:50 Uhr
Weiß jemand ob die französische DVD zumindest englische Untertitel bietet?
John
08.03.2009 - 05:02 Uhr
Ein Albtraum wird wahr...

Mein Leben hat sich durch diesen Film verändert...
The MACHINA of God
08.03.2009 - 05:05 Uhr
@Leatherface:
So, jetzt sag ml was konkretes an!
Leatherface
08.03.2009 - 06:00 Uhr
Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich einen Film das letzte mal so sehr genossen habe. Also, natürlich nicht genossen im Sinne von Spaß - das ist schon wirklich sehr harter Tobak - natürlich hat man keine Freude daran, wie diese ganzen Menschen leiden. Der Film labt sich übrigens überhaupt nicht am Leid der Figuren, die Gewalt bewegt sich absolut im Rahmen des Nötigen, auch wenn der Film viel grausame Gewalt benötigt - ich kann das gar nicht erklären, es passt einfach.

Freude hatte ich vor allem, weil mir endlich jemand einen Horrorfilm schenkt, der mir wirklich etwas zu erzählen hat und zwar etwas, das ich noch nie gesehen habe - ganz weit entfernt von jeglichen Konventionen, alle Regeln, die sich das Genre über Jahrzehnte hinweg aufgeladen hat, brechend. Kein Film, der jemals gedreht wurde, ist inhaltlich auch nur annährend so wie "Martyrs".

Man hängt hier ständig in der Luft und wird ständig vor den Kopf gestoßen. Die Struktur ist sehr intelligent. Der Film rast durch viele verschiedene Abschnitte mit vielen Wendungen und man sieht nichts davon kommen, weil einfach alles ganz neu und innovativ ist. Diesbezüglich ist "Martyrs" definitiv ein Meilenstein. Da werden für das Genre ganz neue Dimensionen des Erzählens erschlossen.

Ansonsten stimmt auch alles. Die Darsteller sind unglaublich, die Inszenierung makellos. Ich mag gar nicht so genau auf alles eingehen. Jeder sollte diese Erfahrung für sich selbst machen und zwar möglichst ohne irgendetwas über den Film zu wissen.

Ich hatte, nachdem ich ein paar (mehr) Minuten zum Verarbeiten hatte, übrigens den selben Gedanken wie ein Reviewer auf rottentomatoes:The only negative thing about Laugier's film is that once you see it, you'll never be able to see it for the first time ever again. - Das klingt seltsam, aber nachdem man den Film gesehen hat, weiß man genau was gemeint ist.

So, Bewertung. 9/10 in jedem Fall für den Moment. Ich werde noch ein bisschen abwarten, das Ganze ein bisschen reifen lassen und sehen wie er sich im "Test der Zeit" schlägt, aber ich bin zuversichtlich, dass das in einigen Jahren 10/10 sein könnte.
Clown_im_OP
08.03.2009 - 06:09 Uhr
Das glaube ich ja alles gerne, aber hast du jetzt die französische DVD auf, erm... französisch geguckt, oder wie, oder was? :D
Leatherface
08.03.2009 - 06:17 Uhr
Ja, hab ich. Mein Französisch ist in der Tat nicht gut genug, um alles wortwörtlich zu verstehen, aber ich hab die Geschichte komplett verstanden, war gar kein Problem. Es wird ohnehin nicht sehr viel gesprochen und die wenigen Dialogpassagen haben sich mir problemlos erschlossen. Es ergibt sich einfach von selbst.
Clown_im_OP
08.03.2009 - 06:24 Uhr
Danke, das klingt, als könnte ich einen Kauf dieser Version gerade noch so für mich rechtfertigen. Die UK lässt ja doch noch etwas auf sich warten.
John
08.03.2009 - 15:04 Uhr
Wäre froh, wenn ich den Film nicht gesehen hätte - alles war besser und schöner früher!

:-(
Leatherface
08.03.2009 - 19:35 Uhr
Der Film beschäftigt mich schon den ganzen Tag ununterbrochen. Ich muss dringend jemanden finden, der ihn auch gesehen hat und sich mit mir inhaltlich damit auseinander setzt. Ich platze gleich vor Reflektionsbedürfnis! :-D
Zwiebel
09.03.2009 - 18:19 Uhr
Ich hab ihn auch gesehen. Hmm 8/10 würd ich mal so sagen. Ohne Gewähr.
Donny
09.03.2009 - 20:07 Uhr
Hm, ich hoffe ja mal bald in den Genuss zu kommen. Keine Ahnung wie ... deshalb hoffe ich auf baldige Erscheinung.
Farini
09.03.2009 - 20:44 Uhr
Für alle die den Film noch nicht gesehen haben und sich nicht den Spaß verderben wollen, am besten nicht weiterlesen, es folgen nämlich einige
-----------SPOILER-------------






Die erwartete Genre-Revolutionierung hat Martyrs meiner Meinung nach nicht geliefert. Auch wenn er mitunter (natürlich insbesondere im berüchtigten Schlussdrittel) äußerst brutal, gnadenlos und unzimperlich war, so verdient er doch nicht das Prädikat der kompromisslosen Brutalität, das ihm anhaftet. Sicher, der Film ist nichts für zarte Gemüter, der Film ist äußerst explizit, wenn es um die Darstellung von gewalt geht, aber er bewegt sich dabei doch in bekannten Genre-Konventionen, insbesondere denen des neuen französischen Horrorfilms.

Was ihn dann doch aus der Masse heraushebt, ist die Intelligenz mit der die Tortur des Films arrangiert ist. Der Film mutet mir fast wie die Thematisierung seines eigenen Genres an. Da wäre erst einmal die Dreiteilung. Im ersten Teil ein äußerst brutaler Revengethriller, im zweiten Teil eine Horrorgeschichte die an asiatische Vorbilder erinnert und im dritten Teil schließlich die Klimax eines Torture-Por-ns.

Die Selbstreferenz kommt insbesondere im Schlusstitel zum Tragen, nämlich in der Transzendentalisierung des Schmerzes, die ja auch das Hauptthema des Films ist.
In der Erfahrung des Schmerzes und dem Umgang mit dieser spiegelt sich der Umgang des Kinopublikums mit der Schmerzerfahrung wieder. Die Opfer, die Ängstlichen, die von schrecklichen Halluzinationen verfolgt werden, stehen stellvertretend für die verängstigten Zuschauer, die Alpträume plagen, die den Schmerz im Kino nicht ertragen können, all jene die Horrorfilme der Torture Art berwusst meiden. Dagegen sind die Märtyrer, zu denen auch die Protagonisten zählt, jene, die durch die Darstellung von Gewalt einen Zustand der vermeintlichen Transzendentalisierung erreichen.

Dass der tiefere Sinn dieser Transzendentalisierung dem Publikum verschlossen bleibt ist die irritierende Schlusspointe des Films, in dem er sich selbst dekonstruiert und trotz der zuvor aufgebauten Düsternis und Hoffnungslosigkeit fast eine satirische Note bekommt. Im Suizid der alten Dame begeht der Film nämlich auch seinen eigenen Selbstmord. Blanke Ironie, dass ausgerechnet diese Szene im Fokus der zahllosen Kritiker steht. Dem Film wird vorgeworfen, er entziehe seinem Publikum den finalen Sinn der Transzendentalisierung des Schmerzes. Eben in genau jener Abwesenheit spiegelt sich die Gegenerschaft des Filmes zu seinem eigenen Genre wider. Dem Schmerz wird der Sinn aberkannt, die transzendentale Erlösung findet nicht statt und so entreißt sich der Film seiner eigenen Existenzberechtigung. Die Erfahrung des Schmerzes hatte keinen Sinn, hat zu keiner Erlösung geführt. Der Zuschauer bleibt ratlos zurück. Selten hat ein Film so eindrucksvoll seine eigene Sinnlosigkeit thematisiert.

Eine Szene möchte ich noch hervorheben: Anna, die die jahrelang gefangen gehaltene Frau befreit und pflegt. Es ist eine der wenigen Szenen, in denen der Film auf Grausamkeit verzichtet und so etwas wie Menschlichkeit aufblitzen lässt, und doch gehört diese Szene mit zu seinen Grausamsten. In der Befreiung der Frau von ihrem Leid findet zugleich eine Exegese dieses Leids statt. Jede einzelne Schraube, die Anna ihr aus dem Kopf zieht, verdeutlicht die Qualen die die Frau zu erleiden hatte. Jede Narbe die geheilt wird, spiegelt ihre eigene Entstehung wider. Was hier geschieht ist die Exegese der Folter, wie sie in so unzählig vielen Filmen zelebriert wird, aber nicht in der Folter selbst, sondern in der Heilung bzw. Befreiung von dieser. Dem samaritischen, kurierenden Akt wird die Spur der Folter eingeschrieben. Ich fand diese Szene weitaus schwerer zu ertragen als so viele Torture-Szenen die in den letzten Jahren des Horrorkinos zu sehen waren, gerade weil der Film in seinen letzten Rest Menschlichkeit das absolute Grauen, den absoluten Schmerz hineinplanzt.

Eine Bewertung des Gesamtfilms fällt mir nicht leicht. Viele Szenen bedienen sich zu sehr bei bekannten Horrorfilmen (woraus natürlich die Selbstreferenzialität resultiert). Einige Verhaltensweisen der Protagonistin wirken nicht schlüssig, die eingesetzten Schockszenen wirken fast schon störend in der ansonsten eher ruhigen und trostlosen Atmosphäre und wären nicht notwendig gewesen.

Alles in allem ist der Film aber eine interessante Variation des Themas Medialisierung des Schmerzes (und darin tatsächlich stark mit Funny Games verwandt). Weitaus subtiler als andere Filme dieser Art, thematisiert er seine eigene Zelebrierung des Schmerzes und die metaphysische Komponente die er in die Folter steckt wurde so noch nicht gesehen. Ein sehr guter Film, wenn auch nicht das erwartete kompromisslose Meisterwerk.
8/10


So, Leatherface. Jetzt bist du dran. :)



SPOILER ENDE ------------------------
Leatherface
09.03.2009 - 20:55 Uhr
Oh, fein. :-D Gib mir ein Weilchen zum reflektieren und antworten.
Leatherface
09.03.2009 - 22:27 Uhr
Das sind sehr interessante Gedankengänge. Ich war in den letzten Tagen so sehr auf die dramaturgische Form fixiert - weil so sehr davon fasziniert -, dass ich zum Inhalt noch gar nicht wirklich gekommen bin, geschweigedenn dazu Form und Inhalt in Einklang zu bringen. Nun gut, auf einen Versuch.

--------SPOILER---SPOILER---SPOILER-------

Die erwartete Genre-Revolutionierung hat Martyrs meiner Meinung nach nicht geliefert. Auch wenn er mitunter (natürlich insbesondere im berüchtigten Schlussdrittel) äußerst brutal, gnadenlos und unzimperlich war, so verdient er doch nicht das Prädikat der kompromisslosen Brutalität, das ihm anhaftet.

Wie wahr. Vom französischen Quartett (High Tension, Inside, Frontiers) ist "Martyrs" doch eindeutig der Film, der sich am wenigsten an Blut und Gedärmen labt. Er ist aber doch derjenige, der die Gewalt besonders fokussiert zum Einsatz bringt, weil sie integraler Bestandteil der Handlung ist, statt nur effektive Ausschmückung. So sind es doch weniger die riesigen Einschusslöcher von Lucies Opfern, die verstören - da hält die Kamera kein einziges mal wirklich drauf -, sondern viel mehr die unglaubliche Geschwindigkeit mit der dieser Job einfach kaltschnäuzig durchgezogen wird (und das mehr vom Film als von Lucie, denn sie hat ja durchaus einen Hauch von Skrupel). Und das ist gut so, denn würde der Film nicht so rabiat und ohne jegliche Gore-technische Ausschmückung zur Tat schreiten, wäre die (letztendlich fehlgeschlagene) Katharsis der Figur nicht so hervorragend aufgegangen - insofern könnte man Martyrs dennoch als den unzimperlichsten Film des Vierers nennen, weniger auf grafische Gewalt bezogen, denn viel mehr auf seinen Fokus auf das Wesentliche. Am berüchtigten letzten Drittel ist ja besonders interessant, dass bis zur Häutung und eben zum Aufstieg in den transzendentalen Bewusstseinszustand, kaum ein Tropfen Blut fließt - keine ausgestochenen Augen, keine durch die Luft fliegenden Köpfe, keine herausplumpsenden Gedärme, einfach beinahe schon im Genre-Kontext unspektakuläre Prügel, die aber eben erschreckend grausam durchgezogen und unmittelbar eingefangen wird. Auch hier eben auch sehr unzimperlich und ohne grotesk-überzogene Gore-Ausschmückungen, was nebenbei ein Tritt in die Eier für all jene Gorehounds sein dürfte, denen der so attraktive rote Lebensaft entzogen wird. Insofern sicher keine neue Dimension der Gewalt, aber in jedem Fall eine klügere Herangehensweise, was die aktuelle Genre-Bewegung betrifft.

Was ihn dann doch aus der Masse heraushebt, ist die Intelligenz mit der die Tortur des Films arrangiert ist. Der Film mutet mir fast wie die Thematisierung seines eigenen Genres an. Da wäre erst einmal die Dreiteilung. Im ersten Teil ein äußerst brutaler Revengethriller, im zweiten Teil eine Horrorgeschichte die an asiatische Vorbilder erinnert und im dritten Teil schließlich die Klimax eines Torture-Porns.

Ich würde sogar soweit gehen und ihn in 6 Abschnitte aufteilen. Lucies Flucht, ihr Aufenthalt im Waisenhaus und die aufkeimende Freundschaft zu Anna (eher ein halber Teil, da weitgehend Exposition); dann der Revenge-Teil; dann Lucies Kampf mit ihren Dämonen (mit dezenten Asia-Anleihen, richtig); dann Annas schrecklicher Fund und die ebenso herzzereißende wie verstörende Verpflegung; schließlich Annas Martyrium; und zum Schluss noch der perspektivische Wechsel in die Sicht der Sekte - Ich finde darin liegt der eigentliche Coup des Films. Kein einziger dieser Abschnitte ist tatsächlich eine Neuerfindung des Genres, aber das ein Film diese einzelnen Erzählstränge - mit denen andere Filme vermutlich ihre komplette Spielzeit gefüllt hätten ("Inside" ist etwa eine Variation des Revenge-Teils) - so stark, bis auf die Essenz komprimiert und dann nahtlos aneinander fügt, sodass der Zuschauer bei jedem Übergang vor den Kopf gestoßen wird, weil jegliche genre-bedingte Erwartungshaltung gegenüber dem gerade aktuellen Abschnitt pulverisiert wird - das ist neu. Statt die einzelnen Teil-Abschnitte des Horrorgenres wie all die anderen Filme in den letzten Jahren als klar abgesteckte Spielwiese zu begreifen, schlägt Pascal Laugier einfach alles kurz und klein und zieht dann weiter zur nächsten Spielweise. Und kommt damit auch noch durch, weil sich alles wie von Zauberhand zusammen fügt. Das hat mir dann doch die Hoffnung wieder gegeben, dass Horror im Jahre 2009 noch mehr kann als nur Vorgegebenes mehr oder minder originell durchzupausen, sondern auch Grenzen überschreiten und Regeln brechen, die zuvor wie in Beton gegossen schienen.


So, kurze Pause, sonst wird's zu lang, aber der wirklich interessante Teil kommt ja erst noch.;-)

...
09.03.2009 - 23:21 Uhr
Na, wirds heut noch was?
Leatherface
10.03.2009 - 00:06 Uhr
In der Erfahrung des Schmerzes und dem Umgang mit dieser spiegelt sich der Umgang des Kinopublikums mit der Schmerzerfahrung wieder....Dass der tiefere Sinn dieser Transzendentalisierung dem Publikum verschlossen bleibt ist die irritierende Schlusspointe des Films, in dem er sich selbst dekonstruiert und trotz der zuvor aufgebauten Düsternis und Hoffnungslosigkeit fast eine satirische Note bekommt. Im Suizid der alten Dame begeht der Film nämlich auch seinen eigenen Selbstmord.....Selten hat ein Film so eindrucksvoll seine eigene Sinnlosigkeit thematisiert.

Eine sehr feine Beobachtung. Ich bin nur noch nicht sicher, ob die "torture-willigen" Zuschauer eher der Rolle der Sekte oder doch - wie du sagst - den Märtyrern zuzuordnen sind. Schließlich wurden die Zuschauer auch in "Funny Games" richtigerweise auf die Seite der Täter gerückt, denn solche Filme werden schließlich dazu gemacht, um diese Zielgruppe zu erreichen; so auch "Martyrs". Andererseits kann man natürlich davon ausgehen, dass (hoffentlich) eine absolute Mehrheit der Zuschauer sich nicht an den Brutalitäten ergötzt, sondern das Leid mitfühlt, was sie dann natürlich in die Rolle der Märtyrer rückt. Oder lässt sich diese Gruppe gar noch einmal aufspalten, eben in die "Mitfühler" und die, die sich auf die Folterungen einen abwedeln? Kommt wohl darauf an wie man den Suizid der alten Dame interpretiert. Auch in Lucies plötzlichem Ausscheiden aus der Handlung steckt noch Interpretationsbedarf. Muss ich nochmal drüber schlafen.

Eine Szene möchte ich noch hervorheben: Anna, die die jahrelang gefangen gehaltene Frau befreit und pflegt. Es ist eine der wenigen Szenen, in denen der Film auf Grausamkeit verzichtet und so etwas wie Menschlichkeit aufblitzen lässt, und doch gehört diese Szene mit zu seinen Grausamsten. In der Befreiung der Frau von ihrem Leid findet zugleich eine Exegese dieses Leids statt. Jede einzelne Schraube, die Anna ihr aus dem Kopf zieht, verdeutlicht die Qualen die die Frau zu erleiden hatte. Jede Narbe die geheilt wird, spiegelt ihre eigene Entstehung wider. Was hier geschieht ist die Exegese der Folter, wie sie in so unzählig vielen Filmen zelebriert wird, aber nicht in der Folter selbst, sondern in der Heilung bzw. Befreiung von dieser. Dem samaritischen, kurierenden Akt wird die Spur der Folter eingeschrieben. Ich fand diese Szene weitaus schwerer zu ertragen als so viele Torture-Szenen die in den letzten Jahren des Horrorkinos zu sehen waren, gerade weil der Film in seinen letzten Rest Menschlichkeit das absolute Grauen, den absoluten Schmerz hineinplanzt.

Dem ist nichts hinzu zufügen. Diese Szene hat mich auch mit am meisten berührt, auch dass die Geschundene trotz der Befreiung offensichtlich nicht mehr leben wollte. Wie lange muss sie diese Folter ertragen haben, ohne dass sie sich selbst etwas angetan hat, in der Hoffnung irgendwann sowohl physische als auch seelische Befreiung zu erfahren, aber mit der physischen Befreiung reifte dann schnell die tragische Erkenntnis, dass die Folter nie vorbei sein wird - vielleicht die hoffnungsloseste Szene des Films. Dass der Film diese Szene erst in den Wahnsinn driften lässt und dann radikal beendet, ist auch ein Schlag in die Magengrube.

Viele Szenen bedienen sich zu sehr bei bekannten Horrorfilmen (woraus natürlich die Selbstreferenzialität resultiert).

Wie bereits erwähnt, sehe ich im Bezug auf bekannte Horrormotive eine große Stärke des Films. Würde er sich nicht in das Territorium des Altbekannten begeben, hätte er auch nicht die Möglichkeit, die Regeln so effektiv von innen auszuhebeln. "Funny Games" macht das ähnlich (und stellt das Genre eben gleichzeitig an den Pranger), wirkt aber mit seiner herablassenden Art im Vergleich zu "Martyrs" geradezu plump.

Einige Verhaltensweisen der Protagonistin wirken nicht schlüssig

Den einzigen wirklich groben Schnitzer sehe ich in der Tatsache, dass die beiden Frauen sich erstmal noch im Haus ausruhen, statt sofort die Leichen zu entsorgen und zu verschwinden. Überantworten wir das doch einfach dem Gott der Filmlogik. Da hat man schon über ganz andere Dinge hinweg gesehen.

die eingesetzten Schockszenen wirken fast schon störend in der ansonsten eher ruhigen und trostlosen Atmosphäre und wären nicht notwendig gewesen.

Du meinst hier wohl vor allem das Ende des Abschnitts mit dem entdeckten Opfer oder auch den Kampf mit dem inneren Dämon. Könnte sein, dass er hier etwas ins übertrieben-reißerische abgerutscht ist, aber ich finde es passt zumindest bei Ersterem zum Ton des Films mit all seinen plötzlichen radikalen Brüchen.

Alles in allem ist der Film aber eine interessante Variation des Themas Medialisierung des Schmerzes

Das Schöne ist ja, dass hier noch mehr Themen drin stecken, so muss ich z.B. ständig darüber nachdenken, dass die alte Dame (und somit wohl die ganze Sekte) ausdrücklich als atheistisch deklariert wurden. Aber das ist ein anderes Thema....
ToRNOuTLaW
15.03.2009 - 14:46 Uhr
Ich kann den Film nicht bewerten, entzieht sich meinen Maßstäben...was soll man denn Bewerten? Das Erzählerische, filmische Umsetztung? Das Script, die Idee? Nach der Hälfte der Zeit empfand ich Mitleid und Niedergeschlagenheit...Nachdem Anna als Märtyrerin ausgewählt wurde, Verachtung für die Dummheit des vermeintlich beschränkten Motivs der "Sekte" als auch für die Filmemacher...als mir dann aber klar wurde was die "Sekte" letztendlich damit bezweckte, war ich von der eigentlichen Absicht überrumpelt. Nicht das ich das gut heißen konnte, aber das Motiv war nachvollziehbar, diese Leute waren verzweifelt auf der Suche...

Ganz schön harter Tobak, weiß nicht, was ich davon halten soll.
ToRNOuTLaW
15.03.2009 - 15:01 Uhr
Das verstörende an dem Film ist nicht die Explizite Gewalt, dies ist kein Slasher. Dafür ist der Film, wie an anderer Stelle schon gesagt wurde, viel zu ernsthaft. Deswegen treffen auch die Attribute "Torture Porn" und "Horror" weniger als die Bezeichnung Psychothriller, denn die Gewalt ist nie Selbstzweck auch wenn einige Szenen an Streifen wie "Hostel" oder "The Ring" denken lassen. Der Film verfolgt ein anderes Ziel, nämlich die eigene Haltung zu dem gezeigten immer wieder in Frage zu stellen und umzuwerfen. Es geht weniger um eine triviale Aburteilung im ethischen Sinne, die wäre ja eindeutig. Vielmehr steht immer die Frage nach dem Warum und hier steht auch die Distanzierung vom pornografischen Aspekt, es wird immer eine Intention nachgeliefert, die den Zuschauer zwingt, sich nicht von dem Martyrium abzuwenden, man würde es gerne als perversen Gore abtun und ist doch gleichzeitig gefesselt, es muss doch etwas dahinter stehen!

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