(Bedingungsloses) Grundeinkommen

User Beitrag
Götz
03.07.2007 - 14:37 Uhr
\"Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist ein derzeit diskutiertes sozialökonomisches Modell, in dem jeder Bürger eines Staates, unabhängig von Einkommen, Lebensalter sowie Art und Umfang seiner Tätigkeit, einen gesetzlichen Anspruch auf eine finanzielle Grundabsicherung durch den Staat hat. Die Finanzierung erfolgt über eine starke Vereinfachung und Neuordnung des Steuersystems und durch Abbau von Bürokratie in der Sozialverwaltung, da viele bisherige Sozialleistungen durch das BGE ersetzt werden.\"

Was haltet ihr von Vorschlägen, wie z.B. Götz Werner, die das bedingungslose Grundeinkommen fordern?


Hier ein Interview mit Götz Werner:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,386396,00.html

Bonzo
03.07.2007 - 14:39 Uhr
Gibt es nicht einen ähnlichen thread?
Götz
03.07.2007 - 14:41 Uhr
Ich habe keinen gefunden, kann aber durchaus möglich sein. Wo denn?
üüü
03.07.2007 - 15:23 Uhr
http://plattentests.de/forum.php?topic=30130&seite=1
logan
03.07.2007 - 15:32 Uhr
total oberflächliche aussagen in positiv eingefärbter sprache. da bräuchte es erstmal detailliertere informationen, was wirklich dahintersteckt. wie soll es finanziert werden? wer garantiert, dass die momentan vorgeschlagene geldleistung auch in zukunft mit den tatsächlichen lebenskosten mithält? soll da evtl. über die hintertür lohndumping tür und tor geöffnet werden? ist es überhaupt wünschenswert, wenn das thema finanzieller & sozialer bedürftigkeit mit einer pauschalen leistung abgegolten und abgehakt wird? wie soll da noch auf individuelle bedürnisse & bedürftigkeit rücksicht genommen werden? und wie löst man die widersprüche zu sonstigen forderungen und annahmen auf (stichworte: eigenverantwortung, vorwurf der zu teuren sozialsysteme TROTZ bedürftigkeitsprüfung, sozialer ausgleich, etc.)? fehlt das nach dem gießkannenprinzip verschüttete geld nicht vielleicht gerade da, wo es am meisten gebraucht würde? wie wirkt sich so etwas evtl. auf die inflation aus? so wie es im interview vorgestellt wird, präsentiert sich das doch als sehr naive milchmädchenrechnung. nur weil sich der einzelne unbedarfte leser daraus paradiesische zustände zusammenphantasieren kann, ist das noch lange kein gesellschaftlich tragbares sozialmodell.
Götz
03.07.2007 - 16:14 Uhr
"wie soll es finanziert werden?"

Ich bin kein Wirtschatswissenschaftler (selbst diese sind sich nicht einmal einig), aber wenn jeder deutsche Bürger 1000€ im Monat bekommen würde, dann würde das in etwa 960 Milliarden Euro kosten. Das ist etwas weniger, als die Summe, die wir momentan in den Sozialstaat bezahlen.

"soll da evtl. über die hintertür lohndumping tür und tor geöffnet werden?"

Nun ja, wenn ein Informatiker 1000€ mehr im Monat auf dem Konto hat, wird die Firma, bei der er arbeitet, sein Gehalt sicherlich kürzen, doch das BGE würde diesen Verlust auffangen. Der Unternehmer hätte natürlich Vorteile.
Deutschland könnte fast alle Länder in den Löhnen unterbieten. Der Standort Deutschland würde blühen.

"ist es überhaupt wünschenswert, wenn das thema finanzieller & sozialer bedürftigkeit mit einer pauschalen leistung abgegolten und abgehakt wird?"

Ich denke es ist jedenfalls kein Nachteil.



Rz
03.07.2007 - 16:24 Uhr
Da die Macht hauptsächlich von den Wohlhabenden ausgeht und die ihren Reichtum nur vermehren wollen wird sowas wohl kaum Realität werden. Vielleicht ändert sich ja was in der Richtung wenn intelligente Optionen für mehr direkte Demokratie in Form von Volksbefragungen und -entscheiden eingeführt werden würden,rechnerisch bräuchte es Armut in Deutschland nicht zu geben...
Rick
03.07.2007 - 16:24 Uhr
Ein interessanter Ansatz...als faules Stück hätte ich da nix dagegen...
Norman Bates
03.07.2007 - 16:30 Uhr
Ich stimme logan zu.

Gleiches Geld für ungleiche Leistung ist per se ungerecht. Das ist ein quasikommunistisches Modell, das Eigeninitiative uninteressant macht und Faulheit und Unselbständigkeit fördert.
Tuschi
03.07.2007 - 16:44 Uhr
"Ein interessanter Ansatz...als faules Stück hätte ich da nix dagegen..."

Interessant, dass man immer wieder das gleiche Argument hört, was ich für völlig falsch halte. Man hat immer zwei Menschenbilder in seiner Vorstellung: Einmal das von sich selbst und dann einmal das von dem Rest der Welt. Wer kann mir denn beweisen, dass der Mensch, wenn er 1000€ pro Monat ohne zu arbeiten bekommt, auf der Couch sitzt und nichts tut. Würdet ihr das tun? Ich denke nicht. Denn das ist wirklich die Ausnahme.

Desweiteren muss man dann nicht mehr jeden Job annehmen, sondern man hat die Wahl. Man kann Berufe wählen, die einem Spaß macht, denn das Geld, was man verdient, steht nicht mehr so im Mittelpunkt wie heute. Das würde auch zu einer unglaublichen Produktivitätssteigerung führen meiner Meinung nach.
Luke sein Vadder
03.07.2007 - 16:48 Uhr
hoffentlich kommt das, dann habe ich -faule sau- dauerferien. den tag bekomme ich auch wunderbar ohne arbeit rum, stichtwort *hobbies*
Götz
03.07.2007 - 16:50 Uhr
"hoffentlich kommt das, dann habe ich -faule sau- dauerferien. den tag bekomme ich auch wunderbar ohne arbeit rum, stichtwort *hobbies*"

Leute wie dich gibt es ja heute auch schon. Die Zahl wird sich aber mit dem BGE nicht erhöhen.
Norman Bates
03.07.2007 - 16:51 Uhr
@Tuschi
Wenn ich 1000 € im Monat für nichts bekäme, würde ich maximal 20 Stunden pro Woche zum Spaß arbeiten, aber mit Sicherheit nicht mehr.
logan
03.07.2007 - 16:55 Uhr
@ "wenn jeder deutsche Bürger 1000€ im Monat bekommen würde, dann würde das in etwa 960 Milliarden Euro kosten. Das ist etwas weniger, als die Summe, die wir momentan in den Sozialstaat bezahlen." - Bleibt noch die Frage, ob von dem Geld dann auch effektiv soviel da ankommt, wo es gebraucht wird. Die Frage ist momentan freilich auch nicht optimal gelöst. Aber anstatt da genauer hinzugucken als in den letzten Jahren geschehen, jegliche Kontrolle ganz aufzugeben? Ich bin mir nicht so sicher, dass das der optimale Ansatz ist. Das klingt mir eher wie eine Kapitulation des Solidaritätsprinzips vor dessen Missbrauchern.

@ "rechnerisch bräuchte es Armut in Deutschland nicht zu geben..." - Gehen wir mal davon aus, du hättest Recht, bleibt immer noch die Frage, ob 1.000 € cash auffe Kralle für jeden Erwachsenen die gegenwärtigen Zustände verbessern - besonders für mehrköpfige Familien, denen dafür sämtliche anderen Einkünfte gestrichen werden (und die dann, falls überhaupt wieder Arbeit in Aussicht steht, zu einem evtl. signifikant niedrigeren Lohnniveau auch langfristig nur geringfügig darüberhinaus kommen könnten).

Wie gesagt, ich bin da kein Experte. Aber dass solche wichtigen Fragen von den Propagandisten des Modells (und auch von den "Journalisten"[!] weitgehend) ausgeklammert werden, macht mich stutzig.
Götz
03.07.2007 - 16:58 Uhr
Gerade bei mehrköpfigen Familien sieht es doch paradisisch aus: Stell dir doch mal vor, dass du 4 Kinder hast. Dann bekommst du für 4000€ vom Staat. Jeden Monat. Und dein BGE noch drauf.

Man kann dann auch davon ausgehen, dass die Geburtenraten steigen werden.
MJK (p.b.j.)
03.07.2007 - 17:02 Uhr
Wenn du irgendwelchen Ansprüche wie Essen, Miete, DSL und Urlaub hast, dann wirst du mit den 1000 Euro nicht weit kommen. Zumal interessant wäre, wie sich die "bedingungslosen 1000 Euro auf die Preisentwicklung auswirken würden.
Götz
03.07.2007 - 17:07 Uhr
Die Preise werden gleich bleiben, so wie ich das sehe.

Um das BGE zu finanzieren müsste die Mehrwertsteuer auf ca. 50% erhöht werden. Dafür würden alle anderen Steuern wegfallen. Jede einzelne. Das würde, wenn man das durchrechnet, den Preis einer Ware nicht verändern, denn in den Produkten steckt ja nicht nur die jetzige Mehrwertsteuer, sondern ein Haufen anderer, die nicht auf dem Bon stehen.

Und ein anderer Effekt: Die Reichen werden fair besteuert, wenn es nur noch die Mwst gibt.
Götz
03.07.2007 - 17:08 Uhr
Und mit 1000€ auf die Hand im Monat kommt man ziemlich weit.
MJK (p.b.j.)
03.07.2007 - 17:17 Uhr
Nein, dann werden die besteuert, die konsumieren.
Und 50 % MwSt lässt den Export zusammenbrechen, denn alle anderen Länder haben diese 50 % eben nicht.
Und vergiss nicht, dass von den 1000 Euro auch noch die Krankenversicherung und der andere Kram bezahlt werden muss, erst recht, wenn man sonst nichts mehr arbeitet.
Und dann schmilzt die Herrlichkeit schnell auf das zusammen, was heute Hartz4 heisst.
lazybone
03.07.2007 - 17:18 Uhr
Wenn ich richtig informiert bin, wird beim BGE es so gerechnet, das man je nach Arbeitseinkommen Geld in den BGE-Topf einzahlt.
Das heißt: bei 2000.- euro einkommen bezahlt man ca. 30% in den Topf ein. Je höher das Einkommen, desto höher der Prozentsatz.
Reiche würden demnach mehr zur Finanzierung des BGE beitragen als Geringverdiener. So würde das ganze solidarisch finanziert.
Außerdem hätte man mehr Zeit und Möglichkeit sich ehrenamtlichen Aufgaben zu widmen.
Wer nicht gezwungen ist seinen Lebensunterhalt durch bezahlte Arbeit zu verdienen, hat mehr Freiheit sich anderen zu widmen.
Götz
03.07.2007 - 17:24 Uhr
"Nein, dann werden die besteuert, die konsumieren."

Ja, das ist doch fabelhaft. Wer konsumiert denn am meisten? Die Reichen. Und somit werden sie die meisten Steuern zahlen, was heutzutage eher suboptimal funktioniert.
Die Mehrwerststeuer ist doch die einzig faire Steuer, die wir haben.

Krankenversichern muss sich natürlich jeder selbst. Das ist klar. Aber auch dann wird noch genug Geld übrig bleiben.

Export-Produkte sind derzeit durch die Ertrags- und Einkommenssteuern belastet, die wegfallen und werden wesentlich billiger.
Götz
03.07.2007 - 17:25 Uhr
"Wenn ich richtig informiert bin, wird beim BGE es so gerechnet, das man je nach Arbeitseinkommen Geld in den BGE-Topf einzahlt."

Es gibt verschiedene Modelle. Dieses ist mir neu. Das Modell von Götz Werner, worüber ich spreche, finanziert sich allein durch die Mehrwertsteuer.
cerberus
03.07.2007 - 17:27 Uhr
ich bezahle keinen müden heller in "den topf" ein. das ist der größte unsinn, den ich nach der wende je gehört habe....
Götz
03.07.2007 - 17:29 Uhr
Musst du auch nicht. Du zahlst automatisch in den Topf. Nämlich 50% vom Preis deines Butterbrotes.
lazybone
03.07.2007 - 17:30 Uhr
Die Finanzierung des BGE über einen Solidar-Fond kommt von einem Ulmer Professor. Seinen Namen hab' ich leider vergessen.
Ich denke, das es ohnehin zu einer Mischung verschiedener Modelle kommt, sollte das BGE wirklich spruchreif für die Politik werden..
Götz
03.07.2007 - 17:31 Uhr
Spruchreif ist es. Viele Print-Medien haben das BGE auf ihre Titelseite gestellt, die Grüne Jugend und Teile der FDP sind für das BGE.
cerberus
03.07.2007 - 17:32 Uhr
Musst du auch nicht. Du zahlst automatisch in den Topf. Nämlich 50% vom Preis deines Butterbrotes.

vorher wandere ich aus, als irgendwelche kiffenden und sich "selbstfindende" Subjekte zu finanzieren...
Götz
03.07.2007 - 17:35 Uhr
1. ist das dein gutes Recht, auch wenn das BGE eingeführt wird

und

2. tust du das auch jetzt schon.
lazybone
03.07.2007 - 17:35 Uhr
@cerberus: Auch das tust Du schon jetzt mit Deinen Steuerabgaben.
Wie wär's mir Kofferpacken;-)
cerberus
03.07.2007 - 17:38 Uhr
wisst ihr eigentlich was ihr da schreibt..?

Götz
03.07.2007 - 17:39 Uhr
Wie wäre es mit konstruktiver Kritik?
lazybone
03.07.2007 - 17:45 Uhr
Ich bin alles andere als ein BGE- Spezialist, aber ich halte die Idee für sehr gut.
Wenn Du, lieber Cerberus, eine bessere Idee hast unseren Staat und seine Sozialausgaben zu finanzieren: Na dann los!
Strombuli
03.07.2007 - 17:46 Uhr
Das klingt mir eher wie eine Kapitulation des Solidaritätsprinzips vor dessen Missbrauchern.

mir auch, so schön es klingt
Götz
03.07.2007 - 17:46 Uhr
Es behauptet auch niemand, dass das BGE uns das Paradies auf Erden bringen wird, aber für besser als das jetzige System halte ich es auf jeden Fall.
Götz
03.07.2007 - 17:50 Uhr
Das Solidaritätsprinzip ist doch nicht deswegen am brückeln, weil es so viele Menschen gibt, die es missbrauchen. Da gibt es ja wohl triftige Gründe. Deswegen sehe ich es nicht als "Kapitulation des Solidaritätsprinzips vor dessen Missbrauchern".
Norman Bates
03.07.2007 - 17:51 Uhr
Ich bin ebenfalls kein BGE-Spezialist, aber ich halte die Idee für totalitär und ungerecht.
Götz
03.07.2007 - 17:51 Uhr
* bröckeln

*triftigere
Götz
03.07.2007 - 17:52 Uhr
Totalitär und ungerecht? Das musst du mir begründen.
Norman Bates
03.07.2007 - 18:05 Uhr
1. 50 % Mehrwertsteuer ist totalitär.

2. Geld für nichts ist ungerecht.

Jedes für sich alleine bricht schon jeder Eigeninitiative das Genick.

Und wenn die einzige Geldquelle des Staates die Mehrwertsteuer sein sollte, dann muss alles astronomisch teuer sein. Wo sollen denn die verdammten 1000 Euro für jede Nulpe herkommen?
Götz
03.07.2007 - 18:26 Uhr
1. 50% Mehrwertsteuer sind gerecht. Sehr gerecht. Denn wie schon angesprochen konsumieren die Reichen verhältnismäßig mehr als die Armen. Die Mehrwertsteuer ist die gerechteste Steuer, die es gibt.

2. Taz:Arbeitsminister Franz Müntefering zitiert gern die Bibel und August Bebel: Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen.

Götz Werner: Müntefering ist ein paar hundert Jahre zurückgeblieben. Er lebt noch in der Selbstversorgungsgesellschaft, als alle gegen den Mangel gewirtschaftet haben. Damals galt: Wer seinen Acker nicht bebaute und sein Feld nicht bestellte, der war selbst daran schuld, wenn er nichts zu essen hatte. Jetzt leben wir in der Fremdversorgungsgesellschaft. Ich kann gar nicht für mich allein arbeiten. Immer wenn ich arbeite, arbeite ich für jemand anderen. Ich brauche also ein Einkommen, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

"Und wenn die einzige Geldquelle des Staates die Mehrwertsteuer sein sollte, dann muss alles astronomisch teuer sein."

Nein, denn alle anderen Steuern, die heute auf Produkte erhoben werden, fallen weg.
MJK (p.b.j.)
03.07.2007 - 18:36 Uhr
Ich bleibe dabei, dass mit 50 % kein Unternehmer konkurrenzfähig ist.
Wenn dem so ist, dann wird er schon deswegen auswandern. Und ich wiederhole mich. Geh mal zu deiner Krankenkasse und versichere dich privat. Dann, und mit dem restlichen Geld sollte dir schnell klar werden, dass 1000 Euro definitiv nirgends ausreicht für Wohnung und Nahrung.
Da musst du wieder anfangen deine Kartoffeln im Garten anzubauen, Selbstversorger quasi.
Norman Bates
03.07.2007 - 18:41 Uhr
@Götz
Welche anderen Steuern werden denn noch auf Produkte erhoben? Die Einkommensteuer sicherlich nicht, denn Unternehmer zahlen tricksereibedingt i.d.R. keine Steuern auf ihren Gewinn, und die Konsumenten haben nichts mit dem Verkauf der Produkte zu tun.
lazybone
03.07.2007 - 18:49 Uhr
Tabaksteuer, Mineralölsteuer, Branntweinsteuer auf ebendiese Produkte.
Die anderen Steuern/Abgaben fliessen indirekt in den Produktpreis mit ein.
Bislang ist das BGE auch nur auf dem Papier eine harmonische Sache. Wie es in der Praxis aussieht, gilt es noch zu erforschen.
Es ist jedoch ein guter Ansatz, im Gegensatz zu allen anderen Steuer- und Sozialreformen.
cerberus
03.07.2007 - 19:27 Uhr
Wohlfahrtswirkungen einer Steuer


Wird nun eine Steuer eingeführt, so ist es für ihre Wohlfahrtswirkungen egal, wer diese Steuer zahlen muss. Ökonomisch betrachtet hängt die Frage nach der Steuerinzidenz, also die Frage, wer die Steuer in welchem Maße bzw. zu welchem Anteil trägt (nicht, wer sie zahlt), nur von den Elastizitäten der Angebots- und der Nachfragekurve ab.


Die Einführung einer Steuer hat folgenden Effekt: Anbieter und Nachfrager sehen sich unterschiedlichen Preisen gegenüber, denn den Anbieter interessiert nur, was er netto (ohne Steuer = P1)) bekommt, den Nachfrager interessiert nur, was er brutto (inklusive Steuer = P1 + t) zahlen muss. Damit kommt es durch die Steuer auch zu einem Mengeneffekt. Die abgesetzte Menge geht im Vergleich zum Gleichgewicht ohne Steuern (XGG) zurück auf X1.

Die Konsumentenrente (KR) sinkt nun aus zwei Gründen:

1. Die Konsumenten müssen einen Teil der Steuerlast tragen, dies mindert ihre Rente. (Beispiel: Das Gut ist dem Konsumenten immer schon 200 wert. Vor Steuererhebung hat es 100 gekostet, nach Steuererhebung kostet es 120. Die Konsumentenrente sinkt somit von 100 auf 80.) Dieser Effekt trifft alle Konsumenten, die weiterhin kaufen, sie zahlen statt PGG nun P1 + t.
2. Die Konsumenten konsumieren nun weniger vom Gut als im ursprünglichen Gleichgewicht. (Einige Konsumenten verzichten aufgrund des steuerbedingt erhöhten Preises auf den Konsum des Gutes.) Dies entspricht dem Rückgang von XGG auf X1.

Die Produzentenrente (PR) sinkt ebenfalls aus zwei Gründen:

1. Die Produzenten müssen einen Teil der Steuerlast tragen, dies mindert ihre Rente. (Beispiel: Die Herstellung des Guts kostet den Produzenten 20. Ohne Steuererhebung erzielt er am Markt 100, nach Steuererhebung 120, muss aber 40 Steuer abführen − sein Gewinn (Rente) sinkt von 80 auf 60). Dies betrifft alle Produzenten, die weiterhin anbieten, sie erhalten statt PGG nun nur noch P1.
2. Die Produzenten können weniger verkaufen als im ursprünglichen Gleichgewicht. (Beispiel: Die Herstellung eines Guts kostet 90, ohne Steuererhebung erzielt der Produzent einen Gewinn von 10, wird also anbieten, nach Steuererhebung (Steuer 40, Preis 120) würde er einen Verlust von 10 machen, bietet also nicht an). Dies entspricht dem Rückgang von XGG auf X1.

Die negativen Effekte auf Konsumenten- und Produzentenrente werden zumindest teilweise durch höhere Staatseinnahmen infolge der Steuererhebung ausgeglichen. Dem Staat fließen dabei Einnahmen im Umfang von S zu. Dabei gehen die meisten ökonomischen Modelle davon aus, dass der Staat diese Einnahmen wohlfahrtssteigernd an anderer Stelle einsetzt. Daher sind sie im Modell Bestandteil der Gesamtwohlfahrt. Staatskritische Ökonomen argumentieren jedoch, der Staat könne seine Einnahmen weit weniger effizient verwenden als Konsumenten und Produzenten, weswegen eine vollkommene Eingliederung in die ökonomische Wohlfahrt in der Realität fragwürdig erscheint.

Dem Staat fließt jedoch nicht die gesamte Minderung von Produzenten- und Konsumentenrente zu. Auf die Güter, die zwar vor Steuererhebung gehandelt wurden, nach Steuererhebung jedoch nicht mehr (für die Nachfrager brutto zu teuer, für die Anbieter netto zu günstig) (also auf die Differenz zwischen XGG und X1) wird keine Steuer erhoben. Nur dieser Rückgang der Gesamtrente wird als Nettowohlfahrtsverlust bzw. Zusatzlast der Besteuerung (excess burden oder deadweight loss of taxation) bezeichnet (ZL). Formal: KR+PR (ohne Steuern) > KR+PR+S (mit Steuern)

Einordnung und Rückschlüsse auf die Steuerpolitik [Bearbeiten]

Wer einen größeren Teil der Steuerlast tragen muss, hängt davon ab, wie elastisch Angebot und Nachfrage sind. Bei einer völlig unelastischen Nachfrage (die Nachfrage nach Benzin ist sehr unelastisch) können die Produzenten die Steuerlast fast völlig überwälzen. Bei einer extrem elastischen Nachfrage (Lebensmittel in Deutschland, siehe auch Discounter) müssen die Produzenten die Steuerlast größtenteils selbst tragen.

Bei nur geringer Nachfrageelastizität ist die Zusatzlast der Besteuerung recht gering, da die abgesetzte Menge nur sehr wenig zurück geht. Daher findet sich häufig die Forderung, man solle Gütern mit einer sehr unelastischen Nachfrage besteuern (Zigaretten und andere Suchtmittel, Benzin und ähnliches). Ein interessantes Gegenargument wird von Vertretern der Public-Choice Theorie ins Feld geführt: Wenn unterschiedliche Steuersätze auf unterschiedliche Güter erhoben werden (wie zum Beispiel der verminderte Mehrwertsteuersatz von nur 7 % statt 19 % auf bestimmte Güter, siehe Umsatzsteuer), dann entstehen Kosten durch die zusätzliche Lobbyistentätigkeit, da verschiedene Branchen versuchen werden, ihre Produkte möglichst niedrig besteuern zu lassen, während diese Kosten bei einem einheitlichen Steuersatz geringer sind.
Patte
03.07.2007 - 23:06 Uhr
Ihr unter-/überschätzt die Sache mit der Faulheit einfach. Auch Faulsein will gelernt sein und die meisten Menschen werden nicht ihr Leben lang auf der Couch abhängen, das ist Unfug, diese Angst. Ihnen wird es mit Grundeinkommen so langweilig sein, dass sie sich irgendwann ihrer selbst überdrüssig sind und "etwas machen" müssen. Ganz von selbst.

Man darf auch nicht vergessen, dass viele Arbeitende während ihrer Tätigkeit faulenzen, langsam arbeiten, sich die Zeit falsch einteilen etc. Die Volkswirtschaft spürt sowas irgendwann auch.

@logan:
"Außerdem hätte man mehr Zeit und Möglichkeit sich ehrenamtlichen Aufgaben zu widmen.
Wer nicht gezwungen ist seinen Lebensunterhalt durch bezahlte Arbeit zu verdienen, hat mehr Freiheit sich anderen zu widmen."


Exakt. Gerade, was in Zukunft die Personal-Besetzung der Altenheime angeht, wäre das eine super Sache. Wir bekommen immer mehr Alte, es findet sich aber kaum noch jemand, der das machen will. Warum (unter anderem)? Weil die Heime mittlerweile zu abstoßenden, neoliberalen Bedingungen geführt werden - eins zu eins wie Unternehmen. Meine Mutter erfährt tagtäglich, was es heißt ein Heim als einzige (!) Kraft zu schmeißen. Das ist perverse Schinderei. Sie reibt sich auf und die Alten werden logischerweise unterversorgt, weil sich meine Mutter eben die Zeit einteilen muss. Vom psychischen Druck und den Gewissensbissen ganz zu schweigen. Nun stelle man sich so ein Heim mit zig Fachkräften vor, wo quasi jeder Patient einen Pfleger und ausreichend Versorgungszeit hätte. Es gäbe keinen Zwang mehr, der Zeitdruck wäre weg. Und entspannt lässt es dich doch gleich viel besser, effektiver arbeiten. Wer entspannt ist, kann sich besser konzentrieren und macht weniger Fehler. (Siehe dazu auch: der Arbeitsunlust-Thread, wo eine neue Studie belegt, dass Multi-Tasking den Menschen kein bisschen weiter bringt und für die Volkswirtschaft ein Bremsklotz ist.)
Patte
03.07.2007 - 23:10 Uhr
Ging natürlich an lazybone und nicht logan, pardon! :)
Patte
03.07.2007 - 23:33 Uhr
@Götz:
"Spruchreif ist es. Viele Print-Medien haben das BGE auf ihre Titelseite gestellt, die Grüne Jugend und Teile der FDP sind für das BGE."

Und warum unterschlägst du die Linkssozialisten dabei, ist dir das peinlich? ;-)

@Norman Bates:
"2. Geld für nichts ist ungerecht."

Was ist dann mit Arbeitslosen (am besten ohne Ausbildung und kaum Joberfahrung), die Stütze beantragen? Die machen doch in ihrer arbeitslosen Zeit nichts, bewegen keinen einzigen Produktionshebel und liegen dem Staat, egal wie oft sie zum Job-Center rennen, erst mal auf der Tasche. Die Schmarotzer, die! Fürs Nichtstun auch noch Geld kriegen! Darf das?
Und dann noch das Kindergeld. Für nichts und wieder nichts. Warum bis 25? Warum nicht mit 18 Jahren kappen? Die Jören sind doch dann soweit, uff sich selbst uffzupassen? Die können doch nach Beendigung der Schule sofort arbeiten. Ab in die Arbeitslager. Scheiß was aufs Studium, dauert viel zu lange, und birgt auch keine Jobgarantie.


(Wer Ironie findet, darf sie beha...)

"Jedes für sich alleine bricht schon jeder Eigeninitiative das Genick."

Zuwenig Einkommen bricht aber der Eigeninitiave erst recht das Genick. Man kann sich dann das wichtigste aller Grundnahrungsmittel, neben Brot und Wasser, nicht mehr leisten: Kultur, Bildung.
Piebald
03.07.2007 - 23:55 Uhr
der vorteil ist doch, dass jeder das machen kann worauf er/sie lust hat, ohne leistungsdruck. es wäre deshalb möglich, dass das kreative potential gesteigert und innovative ideen gefördert werden.

andererseits werden sich viel zu viele leute im künstlerischen bereich betätigen und zu wenige handwerkliche und naturwissenschaftliche (z. b. maschinenbau, chemie, elektonik etc.) und medizinische berufe. wer will schon eine nation von ich-ags, bloggern und projektern?
Gemini
03.07.2007 - 23:59 Uhr
Ich bleibe dabei, dass mit 50 % kein Unternehmer konkurrenzfähig ist.
Wenn dem so ist, dann wird er schon deswegen auswandern.


Und zwar vermutlich prompter, als hier auch noch irgendjemand Gelegenheit zur Ermunterung finden wird... Denn auf die phänomenale Idee dürfte beileibe nicht jeder kommen, ausgerechnet an dem Ast selbst mitzusägen, auf dem er sich niederzulassen geneigt ist.
Götz
04.07.2007 - 17:26 Uhr
@ Patte

Dass die Linken das auch fordern, wusste ich nicht. So viel Kompetenz hatte ich von dieser Seite nicht erwartet.

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