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Welches Buch liest Du gerade? / Welches Buch hast Du zuletzt gelesen? Wie war/ist es?

User Beitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

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28.07.2021 - 14:44 Uhr
Auch wenn ich mir für die Hauptfigur Jude eine andere psychotherapeutische Herangehensweise gewünscht hätte (die Autorin spricht mehrfach von «Reparatur», wo es doch eigentlich «nur» um Selbstakzeptanz gegangen wäre)

Das ist ein guter Punkt. War neben dem für mich irgendwann zu sehr angehäuften Leid der Schwachpunkt des Buches. Trotzdem sehr beeindruckend.

myx

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Registriert seit 16.10.2016

28.07.2021 - 16:04 Uhr
Die Menge an Leid, welche die Autorin auf fast gnadenlose Weise anhäuft, ist schon auch ein Kritikpunkt, stimmt.

Angela Schader (NZZ) hat diesen Aspekt des Buches schön umschrieben: "Es ist eine Geschichte von Missbrauch und Gewalt, Selbsthass und Selbstverletzung, die schwer auszuhalten ist, obwohl die Autorin diese Themen zumindest in der Beschreibung nie auf billige Weise ausreizt. Im Quantitativen aber kann man ihren Effort nur mit Kleists Worten quittieren: Sie will den Ida auf den Ossa wälzen – und das hält auch ein fast tausendseitiges Buch nicht ohne weiteres aus."

Enrico Palazzo

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Registriert seit 22.08.2019

28.07.2021 - 16:35 Uhr
War auch DER Kritikpunkt bei uns im privaten Buchclub. Wir waren irgendwann einfach nur noch genervt und die letzten 200 Seiten hatten wir kaum Lust weiterzulesen. Bis auf eine Person, die das Buch fantastisch fand. Wir anderen Drei so geht so okay, aber definitiv nicht beeindruckend.

The MACHINA of God

User und Moderator

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Registriert seit 07.06.2013

28.07.2021 - 16:43 Uhr
SPOILER -
Ich weiss noch, dass es bei mir an der Stelle zuviel war, wo er nach der Sache mit dem "Therapeuten" und dem Auto trampt und auch da noch mehrfach mißbraucht wird. Irgendwann dachte man halt "Ja, es gibt viele böse Menschen, aber es kann nicht sein, dass Jude wirklich jeden einzelnen davon trifft".
Ich hab mich auch irgendwie gewundert, dass sie Autorin das so übertreibt, da das Buch ja in Sachen Beschreibung des Leids ja nie wirklich plakativ oder effekthascheriscch ist... es sind eben einfach nur etwas zuviel "böse Begegnungen".

Enrico Palazzo

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Registriert seit 22.08.2019

28.07.2021 - 17:18 Uhr
SPOILER
Genau, ab Dr. Traylor war bei uns der Ofen komplett aus.

Bei uns war auch noch ein großer Kritikpunkt, dass die Geschichte am Anfang quasi als Geschichte vierer Freunde eingeführt wird, aber nach kurzer Zeit eigentlich alle anderen Figuren nur noch schlecht ausgeleuchtete Staffage für Judes Leid sind. Hat uns nicht so gut gefallen.

The MACHINA of God

User und Moderator

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28.07.2021 - 18:37 Uhr
Du warst ja schon immer der größte Kritiker es Buchs. :)
Wie gesagt, mich hat es trotzdem sehr berührt, aber ich bin auch ein Emo-Waschlappen. Und es war ja auch erst ihr zweiter Roman, wenn ich richtig sehe. Von daher...

myx

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Registriert seit 16.10.2016

28.07.2021 - 20:42 Uhr
Bin da bei Machina, für mich trotz der berechtigten Einwände eine eindrückliche Leseerfahrung und dann doch schlussament eine 9/10.

myx

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Registriert seit 16.10.2016

30.07.2021 - 08:40 Uhr
Und hier jetzt noch der Rückblick auf die Bücher im Juni:

Maxim Gorki - Meine Kindheit (9/10)

Ich liebe gut geschriebene autobiografische Romane. Und Maxim Gorkis «Meine Kindheit» ist ein hervorragend geschriebener autobiografischer Roman, der tief in die Seele des russischen Kleinbürgertums blicken lässt. Gorki erfährt in seiner trostlosen Kindheit Armut und Gewalt, hauptsächlich durch seinen strengen, bigotten Grossvater, und kann sich nur mit Mühe und dank der Unterstützung seiner liebenswürdigen Grossmutter davor bewahren, selber «böse» und zum Gewalttäter zu werden. Freue mich auf die beiden Fortsetzungsromane «Unter fremden Menschen» und «Meine Universitäten», wo er unter anderem die Idee einer sozial gerechten Gesellschaft entwickelt (in welcher die Menschen es gar nicht mehr nötig haben, «schlecht» zu werden, könnte man wahrscheinlich ergänzen ;).

Eine Schlüsselstelle aus «Meine Kindheit» möchte ich im Folgenden gerne zitieren, die wohl nicht zufällig an die humanistischen Gedanken von Stefan Zweig erinnert. Beide Autoren standen in regem Briefkontakt. Hier das etwas längere Zitat:

«Wenn ich diese bleiern lastenden Scheusslichkeiten des unkultivierten russischen Lebens wieder in der Erinnerung zum Leben erwecke, frage ich mich zuweilen, ob es sich auch lohnt, von diesen Dingen zu reden. Und mit voller Zuversicht gebe ich mir die Antwort: Ja, es lohnt sich, denn es ist noch immer lebendige, traurige Wirklichkeit, was ich da schildere, eine Wirklichkeit, die in ihrer Rohheit noch heute vorhanden ist und die man bis in ihre Wurzel hinein kennenlernen muss, um sie mitsamt der Wurzel aus dem Bewusstsein, aus der Seele des Volkes, aus unserem gesamten dumpfen, schmachvollen Leben zu reissen. […]

Nicht das allein ist an unserm Leben so erstaunlich, dass in ihm die Schicht des Rohen, tierisch Gemeinen noch so feist und dick ist, sondern auch das, dass durch diese Schicht, so dick sie auch sein mag, das Gute, Gesunde, Schöpferische, das Menschliche siegreich hindurchwächst und die unerschütterliche Hoffnung auf unsere Wiedergeburt zu einem schönen, lichtvollen, wahrhaft menschlichen Dasein wach erhält.»


Leo Perutz - Der Meister des Jüngsten Tages (7,5/10)

Siehe separater Buchclub-Thread.

Sten Nadolny - Netzkarte (6/10)

«Netzkarte» von Sten Nadolny war eine treffliche Zuglektüre auf dem Weg nach Wien und an den Neusiedler See, mit einem sympathisch herumirrenden und den richtigen Lebensweg suchenden Protagonisten und mit der einen und anderen amourösen Eskapade. Vom Gefühl der existenziellen Verlassenheit und der Vergeblichkeit aller menschlichen Beziehungen her kann der Roman für mich aber nicht mit «Faserland» von Kracht mithalten.

Yasushi Inoue - Das Jadgewehr (7/10)

Eine schöne Novelle in Briefform, die das Thema (vermeintliche) Liebe und tatsächliche Einsamkeit behandelt. 7/10 mag für diesen hoch geschätzten Klassiker der modernen japanischen Literatur vielleicht als etwas wenig erscheinen. Mich hat aber auch hier wieder die ausgeprägte Neigung zur ästhetischen Darstellung menschlicher Konflikte gestört. Die Kategorie des Schönen ist der sozialen Welt und ihren Verwerfungen ja eigentlich innerlich fremd, nicht? Aber vielleicht fremdle ich ja auch einfach nur ein wenig mit der japanischen Kultur bzw. Ästhetik.

Bay

Postings: 81

Registriert seit 12.07.2019

31.07.2021 - 23:08 Uhr
Gerade zu Ende gelesen wurde "Diese Fremdheit in mir" (9/10) von Orhan Pamuk. Familien- und Liebesgeschichte, Portrait einer liebenswürdigen Hauptfigur und Chronik einer Stadt über ca. 50 Jahre (gemeint ist natürlich Istanbul) ergänzen sich aufs Vortrefflichste. Pamuks absolutes Glanzstück bleibt für mich aber "Schnee".
Davor: "Das Teemännchen" von Heinz Strunk (8/10) mit Geschichten über Verlierer und Außenseiter.
Jetzt lese ich mal wieder einen Klassiker mit John le Carres "Der Spion, der aus der Kälte kam". In seinem ersten Roman von 1963 ist noch kaum etwas zu spüren von den erlesenenen Wortkompositionen, die seine späteren Werke kennzeichnen. Alles unter 8/10 kommt da trotzdem oder gerade deswegen nicht in Frage.

Otto Lenk

Postings: 646

Registriert seit 14.06.2013

01.08.2021 - 14:33 Uhr

Offene See von Benjamin Myers 8/10

Deaf

Postings: 1331

Registriert seit 14.06.2013

09.08.2021 - 09:40 Uhr
30) Andrea De Carlo - Techniken der Verführung (1991)
Einblick in das korrupte Italien der 90er Jahre sowie in das Schriftsteller-Milieu. Mir war die Geschichte aber zu wenig interessant und zu vorhersehbar.

31) André Kaminski - Nächstes Jahr in Jerusalem (1986)
Bisweilen ziemlich witziger Schelmenroman aus der Zeit kurz vor und kurz nach dem ersten Weltkrieg.

derdiedas

Postings: 676

Registriert seit 07.01.2016

09.08.2021 - 10:51 Uhr
Lese mich gerade durch Thomas Manns Erzählungen. Alles gut bis großartig geschrieben, mir persönlich spielt sich das nur zu sehr auf der Metaebene ab, es geht immer auf die eine oder andere Art ums Künstlersein, "Tonio Kröger" z.B. ist fast schon eine als Geschichte verpackte Auseinandersetzung darum, wie er gleichzeitig "Künstler" und "Bürger" sein kann

Er war schon auf eine Art ein eigentümlicher Mensch. Eigentlich in der sehr privilegierten Situation, aus einer wohlhabenden Familie und gleich der erste Roman ein unglaublicher Erfolg, und selbst später im Exil, als andere geflohene deutsche Autoren echte Probleme hatten, blieb er erfolgreich.
Dafür hatte er anscheinend zeitlebens eine Identitätskrise darum, dass er als Sohn einer respektierten Kaufmannsfamilie so etwas Unanständiges wie ein Schriftsteller geworden war. Ist ja schon beim Ende von Buddenbrooks Thema

Telecaster

Postings: 1108

Registriert seit 14.06.2013

10.08.2021 - 08:34 Uhr
Grad "The F*ck It List" von John Niven durch. Stilistisch das, was man von ihm gewohnt ist. Story ok, Ende nicht zu überraschend.
Inhaltlich zeitgemäß pessimistisch.
War nicht übel.

Deaf

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Registriert seit 14.06.2013

25.08.2021 - 20:41 Uhr
32) Graham Greene - Unser Mann in Havanna (1958)
Unterhaltsam-skurrile Spionagegeschichte, die sich nicht zu ernst nimmt. Gibt es überhaupt ein Buch von Greene, das nicht verfilmt wurde? ;-)

33) Ann Petry - Die Strasse (1946)
Wunderbar einfühlsam geschriebener Debutroman. Im Fokus steht eine alleinerziehende Mutter und ihr Sohn, die im Harlem der Kriegsjahre in Armut vor sich hinvegetieren. Aber auch die Gedankengänge der diversen anderen Figuren werden beleuchtet. Das Ende ist im wahrsten Sinne des Wortes brutal, aber mehr soll hier nicht verraten werden.

Pete Dorn

Postings: 328

Registriert seit 20.08.2021

25.08.2021 - 21:42 Uhr
Ernst Jünger - In Stahlgewittern

Ein autobiographisch angelegtes, tagebuchartiges, erzählendes Kriegsbuch, das Erlebnisse eines Offiziers mit bürgerlichem Bildungsindividualismus und Landsknechtmoral schildert. Es ist das vielleicht unbarmherzigste, brutalste und nackteste Kriegsbuch, das ich kenne. Um so interessanter für mich, als es von einem Kriegsbejaher geschrieben ist.

Kevin

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

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Registriert seit 14.05.2013

27.08.2021 - 23:03 Uhr
Michel Houllebecq - Karte und Gebiet

#14: Ein Houellebecq, der zunächst ungewöhnlich anmutet: Es gibt wenig bis keinen Sex und auch sonst kaum Schockmomente. Bis am Ende die Bombe platzt. Stilistisch mag ich Houllebecq, halte ihn aber nicht für das Genie, das manch andere in ihm sehen. So auch hier, es reicht für 7/10.


Kristen Roupenian - Cat Person

#15: Kurzgeschichtensammlung, die vor zwei Jahren in aller Munde war, insbesondere wegen der Titelstory. Mir haben Roupenians Miniaturen über moderne Paarbeziehungen, Sex, Gier und Macht im Großen und Ganzen gefallen, teils sind diese schon sehr zynisch und böse, manchmal auch etwas überzeichnet. 7/10


Friedrich Dürrenmatt - Die Physiker

#16: Klassiker der Schweizer Literatur. Sehr komisch und stilistisch wirklich große Klasse. Eine skurrile Komödie, die man gelesen haben sollte. 8/10


Fuminori Nakamura - Der Revolver

#17: War mein Vorschlag für den Buchclub. Eine total intensiv erzählte Geschichte um einen jungen Mann, der an einem Tatort einen Revolver findet. Er stiehlt ihn und entwickelt eine faszinierende Obsession für die Waffe. Irgendwann wird diese zu einem regelrechten Wahn. Großartiges Ende, btw! 8/10

Perfect Day

Postings: 462

Registriert seit 18.01.2014

28.08.2021 - 08:46 Uhr
Hab mir den „Revolver“ auch schon in meine Leseliste gepackt. Klang sehr interessant, freue mich drauf.

Pete Dorn

Postings: 328

Registriert seit 20.08.2021

28.08.2021 - 10:05 Uhr
Karl Kraus - Heine und die Folgen

Sein hauptsächlichen Angriffsziel ist das Feuilleton, das nach Kraus von Heine eingeschleppt worden sei. Geschmeide, geschmeidig, Geschmeiß nennt er es. Es erscheint ihm zwischen Kunst und Leben als ein "gefährlicher Vermittler", als Parasit an beiden. Lesenswert.

Jennifer

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 4555

Registriert seit 14.05.2013

28.08.2021 - 13:47 Uhr
Ich habe "Der Revolver" heute auch im Buchladen meines Vertrauens bestellt.

Kevin

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

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Registriert seit 14.05.2013

28.08.2021 - 14:11 Uhr
Ich hoffe, es gefällt Euch!

Grizzly Adams

Postings: 1620

Registriert seit 22.08.2019

28.08.2021 - 17:19 Uhr
Money Dick - Herman Melville. Dtv Verlag. Übersetzung von Matthias Jendis. Soll sehr nahe am Originalmanuskript sein. Sprachlich daher nicht ganz so modern. Ein riesiger Anhang mit Begriffserklärungen (hilfreich!). Ich habe das Buch bisher nie gelesen, obwohl es einer der weltweiten Klassiker geworden ist. Zu Lebzeiten war der Roman wohl nur so Mittel erfolgreich. Reich geworden ist Melville damit nicht. Aber er konnte zumindest einige Eigene Erfahrungen einbringen. Das ist in der sehr detaillierten Beschreibung des Walfangs und der anschließenden Verarbeitung auch rauszulesen. Was den Roman zum Teil auch zu einem historischen Sachbuch macht.

myx

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Registriert seit 16.10.2016

29.08.2021 - 19:10 Uhr
@Dorit und Perfect Day:

Gerne ein paar Worte zu "Oblomow": Ich finde den Roman ganz wunderbar und bin, auch dank bestem Lesewetter, schon fast bis ans Ende von Teil 2 vorangekommen.

Mir gefällt die leichtfüssige, gepflegte Sprache, die in der Neuübersetzung von Vera Bischitzky auch nicht zu angestaubt klingt, und ich mag die liebenswerten, gut gezeichneten Charaktere. Besonders schön aber finde ich Gontscharows Humor. Über weite Strecken (v. a. im ersten Teil) lag ein zufriedenes Schmunzeln auf meinen Lippen, und an einigen Stellen habe ich sogar herzhaft gelacht, etwa dort, wo Oblomow mit seinem Diener die zahllosen, "unüberwindbaren" Schwierigkeiten eines Wohnungsumzugs verhandelt. Köstlich!

Dies so meine ersten Eindrücke, hauptsächlich bezogen auf den ersten Teil. Dass der Roman sich natürlich nicht in der Komik eines phlegmatisch-lebensuntüchtigen Herrn und seines schusseligen Dieners erschöpft, deutet sich spätestens im zweiten Teil an. Mir graut es jedenfalls schon ein wenig vor der weiteren Entwicklung der Geschichte ...

Wie ist euer Eindruck? Hattet ihr überhaupt bereits Zeit für den Roman?

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 26894

Registriert seit 07.06.2013

29.08.2021 - 20:37 Uhr
@Grizzly:
Lustig, lese ich auch gerade, auch wenn meins einen etwas anderen Titel hat. :)

Perfect Day

Postings: 462

Registriert seit 18.01.2014

30.08.2021 - 07:57 Uhr
Der Wille war da, aber der Freizeitstress dann doch zu hoch. Bin derzeit im Urlaub mit einer Gruppe und hatte kaum eine ruhige Minute. Nach zwei Seiten „Oblomov“ bin ich abends sanft entschlummert. Will aber bis Ende der Woche zumindest mit dem ersten Teil durch sein…

myx

Postings: 2654

Registriert seit 16.10.2016

30.08.2021 - 09:06 Uhr
Kein Stress. Ich hatte dieses Wochenende sturmfrei und konnte mich ganz diesem wunderbaren Schmöker hingeben, weshalb ich auch bereits gehörig über die eigentlich vereinbarte erste Zwischenetappe hinausgeschossen bin.

Für meinen ungefragten Redebeitrag bitte ich ebenfalls um Verständnis, das war eigentlich anders abgemacht, aber ich konnte meine Begeisterung für "Oblomow" nicht zurückhalten. ^^

Pete Dorn

Postings: 328

Registriert seit 20.08.2021

31.08.2021 - 21:06 Uhr
Der Gedanke, dass die Gesellschaft sich ständig verändern müsse, ist Oblomow nicht geheuer. Er ist nie revolutionär, und nie gefährlich. Lenin läßt 60 Jahre später das ganze russische Volk an dem Text weiterschreiben. Er will den alten Oblomow überwinden, es herrscht ein vom Pathos des "Lebensbauens" inspiriertes Arbeitskonzept. Ein Konzept, das letztlich die sowjetischen Straf- und Arbeitslager hervorgebracht hat.

dieDorit

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Registriert seit 30.11.2015

31.08.2021 - 22:06 Uhr
Ich bin kurz vor Beginn der Nerdrunde auch mit dem ersten Teil von „Oblomov“ fertig geworden und bin bisher recht angetan. An manchen Stellen hat es zwar für mich ein paar Längen, aber das liegt wohl daran, dass ich kürzere Lektüren gewöhnt bin. Es ließt sich aber recht flüßig und vor allem die Dialoge sind sehr unterhaltsam. So viel vorweg. Ansonsten folgt wohl ein ausführlicheres Fazit wenn ich die anderen drei Teile auch noch gelesen haben.

dieDorit

Postings: 1988

Registriert seit 30.11.2015

31.08.2021 - 22:09 Uhr
Ich lese es übrigens in der Übersetzung von Clara Brauner. Diese finde ich ebenfalls gut gelungen.

myx

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Registriert seit 16.10.2016

01.09.2021 - 09:13 Uhr
@Pete Dorn:

Interessanter Beitrag. Dass Lenin den Oblomow, ja das ganze Oblomowsche der russischen Gesellschaft überwinden wollte, kann ich mir sehr gut vorstellen, auch wenn ich erst die Hälfte des Romans kenne. Und dass diese Zwangsbeglückung der Menschen letztlich zu Straf- und Arbeitslagern führt, leuchtet mir auch ein.

@Dorit:

Die Dialoge finde ich auch klasse, sie tragen in meinen Augen nicht wenig zur Lebendigkeit des "Oblomow" bei. Schön, dass dies in beiden Übersetzungen so gut zum Ausdruck kommt.

Dass ich die bisherige Lektüre nicht ebenfalls in Teilen als langatmig empfunden habe, liegt sicher an meiner Begeisterung für die Charaktere und den Witz des Romans. Ein bisschen aber vielleicht auch an der Übersetzung von Vera Bischitzky, die allgemein für ihr flottes, originalgetreues Tempo gelobt wird.

Mal schauen, wie sich das Ganze dann am Ende der vier Teile präsentiert. ;)

Perfect Day

Postings: 462

Registriert seit 18.01.2014

01.09.2021 - 18:04 Uhr
„oblomov“… ich bin ja noch nicht sehr weit, aber die Grundbeschreibung kommt mir dann doch erschreckend nah. Ich hab nur keinen Schlafrock.

myx

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Registriert seit 16.10.2016

01.09.2021 - 19:38 Uhr
:D

Perfect Day

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Registriert seit 18.01.2014

04.09.2021 - 08:58 Uhr
Ich bin weiter dran am „Oblomov“, aber bislang nur die ersten beiden Kapitel durch. Liest sich wie ein klassisches Volkstheaterstück (muss laufend an bayerisches Bauerntheater denken), durchaus unterhaltsam. Was allerdings nicht heißen soll, dass es nicht einige tiefergehende Ansätze aufweist… wird weitergelesen!

myx

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Registriert seit 16.10.2016

04.09.2021 - 09:37 Uhr
... wird weitergelesen!

Ich bitte darum! ;)

Kojiro

Postings: 1130

Registriert seit 26.12.2018

05.09.2021 - 15:18 Uhr
Endlich mal (wieder) die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.

Gomes21

Postings: 3715

Registriert seit 20.06.2013

05.09.2021 - 21:10 Uhr
Juli Zeh - Leere Herzen


abgefahren. Erst mal noch keine Bewertung.
Bin schnell und gut reingekommen, die Welt des Buches dystopisch bis nihilistisch, ziemlich gut.
Das Ende hat mich erst mal nicht so völlig überzeugt, muss noch mal etwas abstand gewinnen.

Deaf

Postings: 1331

Registriert seit 14.06.2013

11.09.2021 - 09:17 Uhr
34) W. G. Sebald - Austerlitz (2001)
Teilweise schwierig zu lesen, so ganz ohne Absätze. Die Fotos lockern das aber etwas auf, schöne Idee. An sich ein interessanter Rückblick auf des Leben eines Waisen, der erst am Ende etwas Licht in seine Herkunft bringen konnte.

35) Leila Slimani - All das zu verlieren (2015)
Während in der ersten Hälfte der Alltag der sexsüchtigen Adèle begleitet wird, verliert sich die Geschichte dann etwas. Insgesamt zwiespälter Eindruck, für mich ein typisch französicher Roman.

Perfect Day

Postings: 462

Registriert seit 18.01.2014

12.09.2021 - 09:09 Uhr
Bin jetzt mit dem ersten Teil von "Oblomov" fertig.
Ein wirklich schöner Zeitvertreib... Man hat das Gefühl beim Lesen selbst nicht aus dem Schlafrock zu kommen und die Zeit an einem vorbeitreiben zu lassen. Obwohl die Handlung kaum vom Fleck kommt, entwickelt sich ein konstanter Sog, der mich immer wieder zum Buch greifen ließ (obwohl ich kaum ausreichend Zeit dafür hatte).

Besonders angetan war ich von der Traumsequenz in Oblomovka, eine Märchenszenerie, die mitreissend und ziemlich witzig war.

Ich freue mich schon auf's Weiterlesen, sobald ich das Septemberbuch des Buchclubs zur Seite gelegt habe!

Pete Dorn

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Registriert seit 20.08.2021

12.09.2021 - 13:34 Uhr
"Besonders angetan war ich von der Märchenszenerie, die mitreissend und ziemlich witzig war."

Das ist keine Märchenszenerie, sondern Gontscharows Entwurf einer konservativen Utopie. Einer auf Konsumtion, Betriebsamkeit und Fortschritt ausgerichteten Gesellschaft, wird eine Gesellschaft gegenübergestellt, die ohne Arbeit auskommt und sich in ihrer Apathie selbst erhält.

Perfect Day

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12.09.2021 - 13:47 Uhr
Das mag natürlich der Ansatz sein, der mir keineswegs verborgen blieb. Ich lese das Buch allerdings ohne große Kenntnis der damaligen gesellschaftlichen Strömungen und gehe daher sicherlich ein wenig naiver mit der Thematik um.

Pete Dorn

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Registriert seit 20.08.2021

12.09.2021 - 14:21 Uhr
Kein Problem. Im übrigen wirkt dieser Idyllentraum äußerst bedrohlich auf mich. Denn was Gontscharow hier schildert ist letztendlich ja ein leidenschaftsloses, fast todähnliches Leben, in dem es in seiner Unbeweglichkeit kaum einen tatsächlichem Tod gibt. Eine sich im Verfall erhaltende Welt.

Pete Dorn

Postings: 328

Registriert seit 20.08.2021

12.09.2021 - 14:25 Uhr
Edit: " ist letztendlich ja nichts anderes als ein leidenschaftsloses , todähnliches Leben"

Pete Dorn

Postings: 328

Registriert seit 20.08.2021

12.09.2021 - 14:34 Uhr
Im Grunde erinnert mich die ganze Szenarie ein wenig an Stifters "Nachsommer".

myx

Postings: 2654

Registriert seit 16.10.2016

17.09.2021 - 09:19 Uhr
@Perfect Day:

Freut mich sehr, dass du weiterhin gerne zum "Oblomow" greifst. Ich bin vor ein paar Tagen mit dem Roman ans Ende gekommen. Er gehört zu jenen Büchern, deren Buchdeckel man nicht anders als mit einer gewissen Wehmut ein letztes Mal zuklappt. Das kann ich hier schon mal verraten. ;)

@Pete Dorn:

Ich bin nicht sicher, ob ich mir das gleichförmige, sorgenlose, vormoderne Leben im dörflichen Oblomowka als Himmel oder als Hölle vorstellen soll.

Sicher bin ich mir aber (und hier bezieht auch Gontscharow klar wertend Stellung, während er sich der Schilderung der "Gesellschaftsutopie" zurückhält), dass das verzärtelte, überversorgte Aufwachsen Oblomows seinen Charakter entscheidend geprägt hat. Er wird von der Fürsorge seiner Mutter und seiner Kinderfrau nahezu erdrückt und kann seinen Unternehmungsgeist kaum entfalten. Heute würde man von "Helikopter-Eltern" sprechen. ^^

myx

Postings: 2654

Registriert seit 16.10.2016

17.09.2021 - 09:28 Uhr
Da ist mir noch ein kleiner Fehler unterlaufen, seh ich grade, sorry: während er sich "bei" der Schilderung der Gesellschaftsutopie zurückhält, wollte ich sagen.

VelvetCell

Postings: 4083

Registriert seit 14.06.2013

17.09.2021 - 09:37 Uhr
Sven Regeners "Glitterschnitter". Ich liebe ja Regeners Romane. Und auch wenn ich seinen neuen Roman, der wieder nahtlos an "Wiener Straße" anschließt, gerade erst begonnen habe, kann man jetzt schon sagen: Man bekommt genau was man erwartet und erhofft. Seitenlange Bandwurmsätze, wahnwitzige Dialoge und höchstskurrile Situationen. Wie immer ein großer Lesespaß!

Pete Dorn

Postings: 328

Registriert seit 20.08.2021

17.09.2021 - 11:05 Uhr
"Er wird von der Fürsorge seiner Mutter und seiner Kinderfrau nahezu erdrückt..."

...und verlässt der Knabe ihre Umarmungen, so kann er an den Rand des Abgrundes geraten, wie es tatsächlich einmal passiert: "Dann, nach nochmaligen Liebkosungen, entließ ihn seine Mutter, damit er im Garten, auf auf dem Hof spazierengehe; die Kinderfrau bekam dabei die strenge Anweisung, den kleinen nicht allein zu lassen, nicht zu dulden, dass er den Pferden, den Hunden oder dem Ziegenbock Nahe käme, nicht weit vom Hause fortzugehn und namentlich ihn nicht an die Schlucht heranzulassen als den schrecklichsten Ort der ganzen Umgehend..."

Oblomow ist in seinem Traum von einer einzigen Gefahrenzonen bedroht: die Schlucht. Und alle Anstrengungen der Mutter sind darauf gerichtet, das Kind vor einem Sturz zu bewahren.

myx

Postings: 2654

Registriert seit 16.10.2016

17.09.2021 - 11:23 Uhr
Oder sie sperren Oblomow vorsorglich zu Hause ein, nachdem er es doch mal gewagt hat, sich zwecks Schneeballschlacht zu den Dorfburschen davonzustehlen:

"Zu Hause ist alles in heller Aufregung, sie haben schon die Hoffnung aufgegeben, ihn je wiederzusehen, und halten ihn für tot; als sie ihn aber lebendig und unversehrt erblicken, ist die Freude der Eltern nicht zu beschreiben. Sie danken Gott dem Herrn, flössen ihm Pfefferminztee ein, auch Holunderblütentee und gegen Abend noch Himbeertee und behalten ihn drei Tage lang im Bett, für den Jungen aber wäre nur eines gut gewesen: sich wieder im Schnee zu tummeln ...".

Mit diesem Absatz endet auch das Traumkapitel.

Perfect Day

Postings: 462

Registriert seit 18.01.2014

17.09.2021 - 15:46 Uhr
Ich hab zum Glück noch einige Zeit mit Oblomowereien zu tun. Bin im zweiten Teil und von Kapitel zu Kapitel mehr angetan… ein tolles Buch.

Pete Dorn

Postings: 328

Registriert seit 20.08.2021

19.09.2021 - 19:15 Uhr
Heinrich Heine - Atta Troll

Tendenz- und Haltungsbär Atta Troll, der Vater der Trolle:

Atta Troll, Tendenzbär; sittlich
Religiös; als Gatte brünstig;
Durch Verführtsein von dem Zeitgeist,
waldursprünglich Sanskülotte;

Sehr schlecht tanzend, doch Haltung
Tragend in der zottgen Hochbrust;
Manchmal auch gestunken habend;
Kein Talent, doch ein Charakter!

Pete Dorn

Postings: 328

Registriert seit 20.08.2021

19.09.2021 - 19:18 Uhr
Edit: "Sehr schlecht tanzend, doch Gesinnung"

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