Welches Buch liest Du gerade? / Welches Buch hast Du zuletzt gelesen? Wie war/ist es?

User Beitrag

Enrico Palazzo

Postings: 104

Registriert seit 22.08.2019

27.04.2020 - 15:30 Uhr
@Pavel: "Sand" nur 7/10? Was ist denn da bei dir schiefgelaufen? :) Das ist für mich einer DER deutschen Romane der letzten 20 Jahre. Ich habe den mittlerweile mehrmals gelesen und bin immer bei einer 10/10. Das ist Literatur - thematisch und künstlerisch - die ich so selten bis fast gar nicht im deutschsprachigen Raum finde.

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 7087

Registriert seit 23.07.2014

27.04.2020 - 15:46 Uhr
Ich habe von Herrndorf ja fast alles gelesen und geliebt, aber von "Sand" habe ich bisher die Finger gelassen, unter anderem, weil er auch in seinem Quasitagebuch nicht so positiv darüber schreibt. Agententhriller, ausführliche Folterszenen, das klingt nicht so lockend.

myx

Postings: 1006

Registriert seit 16.10.2016

27.04.2020 - 16:03 Uhr
@Pavel: Hoppla, eine 10/10 für den aktuellen Roman eines Landsmanns von mir. Hab' schon gute Besprechungen dieser als "Schelmen-Thriller" bezeichneten Neuerscheinung gelesen. Ist jetzt nicht mein bevorzugtes Genre, trotzdem packt mich jetzt doch die Neugierde auf "Für immer die Alpen". Werde ich mir bestellen.

Enrico Palazzo

Postings: 104

Registriert seit 22.08.2019

27.04.2020 - 16:06 Uhr
Ich finde "Sand" einfach herrlich skurril und mit vielen sehr komischen Momenten. Die aber vor allem auch aus der wunderbaren Sprache kommen. Aber ja, das Buch wird auch mitunter recht hart. Trotzdem: Kein Grund, davor zurück zu schrecken! :)

Pavel

Postings: 8

Registriert seit 09.01.2020

27.04.2020 - 16:32 Uhr
@Enrico Palazzo, Sand hab ich tatsächlich gestern Abend ausgelesen. Natürlich ein sehr sehr gutes Buch, leider hatte es für mich so ne leichte Länge Ende des zweiten Drittels. Aber so wie das ganze aufgebaut ist, ist das schon stark und kratzt natürlich an der 8. Alles Objektiv.

@myx - Für Immer die Alpen ist wirklich ein geiles Teil. Hat mir viel Fun bereitet, ist auch irgendwie alles andere als gewöhnlich. Starkes Debüt

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 21573

Registriert seit 07.06.2013

30.04.2020 - 18:58 Uhr
Michael Azerrad - "Our Band Could Be Your Life: Scenes from the American Indie Underground, 1981–1991" 9,5/10

Hat mir beim ersten Lesen vor ein paar Jahren schon einige der Bands näher gebracht, besonders Hüsker Dü und The Replacements. Und auch beim zweiten Mal hatte ich viel Spaß mit diesem Buch. Azerrad schafft es wunderbar, Kurzportraits der Band zu zeichnen und gleichzeitig ein Gesamtbild der 80er-Underground-Zeit zu malen. Interessant sind auch die Bandgefüge und daraus resultierende Richtungsänderungen oder eben auch Trennungen. Selbst wenn ich nicht alle Bands so liebe wie Hüsker Dü oder Sonic Youth, ist es doch echt toll, sich da etwas reinzuhören anhand der Geschichte (außer Beat Happening, deren Musik ich leider echt schlimm finde und deren Kapitel ich dieses Mal auch abgebrochen habe). Am abgefahrensten ist sich das Butthole Surfers-Kapitel. Eine Band, die wohl nahezu in jeglicher Hinsicht extremer war als alle anderen Bands dieser Welt. :D

Mr. Orange

User und News-Scout

Postings: 1558

Registriert seit 04.02.2015

01.05.2020 - 09:14 Uhr
Bin bzgl. „Sand“ vollkommen bei Enrico Palazzo. Absolut fantastisches Buch, dem ich auch mindestens 9/10 gebe. Und so vollkommen anders als das meiner Meinung nach etwas überbewertete „Tschick“.

Otto Lenk

Postings: 599

Registriert seit 14.06.2013

01.05.2020 - 10:28 Uhr

Der Wal und das Ende der Welt 9/10

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 7087

Registriert seit 23.07.2014

01.05.2020 - 14:31 Uhr
Wenn man es nicht kennt, lohnt sich auf jeden Fall noch Herrndorfs "Tagebuch" "Arbeit und Struktur". Er schreibt darin über seine Einflüsse, seinen Alltag und dann natürlich auch über seine Krebserkrankung. Ist schon hart zu lesen teilweise, Herrndorf zeigt sich als Mensch, der sehr viel Wert auf sein rationales Denken und Kommunikation gibt und dann ist es genau das, was er nach und nach verliert. Auch verrückt, dass er mit "Tschick" das erste Mal in seinem Leben einen richtigen Durchbruch hat und im Grunde kurz danach schon wieder stirbt.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 21573

Registriert seit 07.06.2013

02.05.2020 - 21:06 Uhr
David Browne - "Goodbye 20th Century: A Biography of Sonic Youth" 10/10

Wie letztens die R.E.M.-Biographie einfach perfekt. Viel Infos und Einblicke und eine super Balance zwischen Musik, Bandgefüge, zeitlichen Kontexten, Label-Landschaft usw.

Talibunny

Postings: 190

Registriert seit 14.01.2020

02.05.2020 - 21:15 Uhr
Zuletzt gelesen : Lol Tolhurst - Cured
Gerade bei : Horace Panter - Ska'd for life

Beides sehr unterhaltsam. Gebe jeweils eine klare Empfehlung.

Jennifer

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 2390

Registriert seit 14.05.2013

06.05.2020 - 16:49 Uhr
Colson Whitehead hat zum zweiten Mal den Pulitzer gewonnen.

Kevin

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 814

Registriert seit 14.05.2013

06.05.2020 - 19:42 Uhr
Cool. Hab's noch nicht gelesen, werde ich aber definitiv noch.

Given To The Rising

Postings: 4051

Registriert seit 27.09.2019

06.05.2020 - 20:38 Uhr
Émile Zola - Das Glück der Familie Rougon
Mal gucken, wie sich das Werk entwickelt. Die Sprache sagt mir sehr zu. Naturalismus ist sowieso eine gute Epoche.

myx

Postings: 1006

Registriert seit 16.10.2016

06.05.2020 - 20:39 Uhr
Bei mir ist jetzt erst mal "Underground Railroad" an der Reihe. Steigert aber durchaus meine Vorfreude. :)

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 21573

Registriert seit 07.06.2013

06.05.2020 - 21:51 Uhr
Arthur Conan Doyle - "His Last Bow" (Sherlock Holmes 8/10

Eine Zusammenstellung von 7 bzw. 8 Holmes-Stories, die über einen längeren Zeitraum einzeln veröffentlich wurde. Dadurch ergibt sich nicht so sehr ein Gesamtbild wie bei den vorherigen Sammlungen, die ja recht zeitgleich entstanden sind. Trotzdem wieder sehr gute Geschichten inklusive des kleinen Spionage-Exkurses in der Titelgeschichte.

Given To The Rising

Postings: 4051

Registriert seit 27.09.2019

07.05.2020 - 11:06 Uhr
Extrem anstrengend, das Zola-Buch zu lesen, wenn die direkte Rede nie in Anführungszeichen gesetzt ist. Sein Schreibstil ist zwar gut, er verliert sich aber meiner Meinung nach zu sehr in der Beschreibung der Umgebung und kommt nicht zum inhaltlichen Punkt.

Given To The Rising

Postings: 4051

Registriert seit 27.09.2019

07.05.2020 - 11:29 Uhr
Hab mir jetzt Michail Lermontows "Ein Held unserer Zeit" bestellt. Vielleicht ist das besser.

Given To The Rising

Postings: 4051

Registriert seit 27.09.2019

07.05.2020 - 11:31 Uhr
Der starb übrigens schon 1 Jahr jünger als Kurt Cobain.

derdiedas

Postings: 514

Registriert seit 07.01.2016

07.05.2020 - 11:49 Uhr
Orhan Pamuk - Das Schwarze Buch

Als Istanbul-Porträt ist das fantastisch. Die Erzählungen aus der Hand des fiktiven Journalisten Celal, die die Hälfte des Buches ausmachen, sind oft wirklich großartig und erwecken die Stadt richtig zum Leben. Ich kriege total Lust, hinzufahren.
Nur mit der eigentlichen Hauptgeschichte kann ich weniger anfangen. Der Anwalt Galip sucht seine verschwundene Frau Rüya und liest deshalb alle Artikel ihres Halbbruders Celal, der auch nicht mehr aufzutreiben ist. Galip und Rüya finde ich als Charaktere einfach nicht besonders interessant, und die Geschichte gleitet immer mehr auf eine Metaebene über das Verhältnis von Leser und Autor ab, mit der ich auch nicht so viel anfangen kann. Trotzdem mal gespannt wie Pamuk das zu Ende bringt, ich stelle mich mal auf alle möglichen postmodernen Twists ein.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 21573

Registriert seit 07.06.2013

07.05.2020 - 18:36 Uhr
wenn die direkte Rede nie in Anführungszeichen gesetzt ist.

Find ich auch schwierig. Kenn das von Welsh und Stuckrad-Barre (der es von Welsh hat).

Marküs

Postings: 583

Registriert seit 08.02.2018

07.05.2020 - 18:58 Uhr
Ann Petry - The Street (9/10): True Classic

kingsuede

Postings: 1445

Registriert seit 15.05.2013

09.05.2020 - 17:51 Uhr
Cormac McCarthy - Blood Meridian 9/10

Brutale anstrengende sch..., aber ganz groß. Nihilismus in Perfektion.

peppermint patty

Postings: 1906

Registriert seit 07.05.2019

09.05.2020 - 23:08 Uhr
Wollte mein Jobathan Frantzen Debüt mit "Die Korrekturen" feiern. Aber das geht wohl nur mit 120 prozentiger Konzentration (oder so), weil die Konstruktionen seiner Sätze eh nicht ohne sind, wenn dann Corona noch im Kopf ist und zudem noch die lauten Opernarien, die sich mein Nachbar gibt, im Gehör, dann lieber ein andermal :(

myx

Postings: 1006

Registriert seit 16.10.2016

11.05.2020 - 13:47 Uhr
Hier nun noch Rückblick Teil 2:

Junot Diaz - Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao (10/10)

Brillant erzählte Geschichte des sympathischen Anti-Helden Oscar und seiner Familie, mit Wurzeln in der Dominikanischen Republik unter Diktator Trujillo. Eine Geschichte zwischen "Fuku", dem dominikanischen Namen für alles Unheil, und "Zafa", der Widerstandskraft gegen das Böse. Wird sich der in New Jersey gross gewordene Oscar von dem Fluch, der auf seiner karibischen Familie lastet, befreien können? – An einigen Stellen dieses Romans musste ich tatsächlich laut lachen (was eher selten vorkommt), hie und da habe ich aber auch ein Tränchen verdrückt (was nicht ganz so selten vorkommt). Diese emotionale Spannbreite muss ein Buch erst mal hinkriegen. Ich schliesse mich deshalb gerne den bisherigen 10/10 hier im Thread an und vergebe ebenfalls die Höchstnote für diesen überaus quirlig und dank mancher Fussnote auch informativ geschriebenen Roman.

Mario Vargas Llosa - Das Fest des Ziegenbocks (8,5/10)

Auch wenn die Geschichte doch eher schleppend in Gang kommt und das Ende des Romans, die Geschehnisse um Urania, einigermassen vorhersehbar war, ist "Das Fest des Ziegenbocks" ein meisterhaft geschriebener, detailreicher und zuweilen auch schonungslos realistischer Roman über den Diktator Trujillo, der die Dominikanische Republik dreissig Jahre lang mit eiserner Faust und nicht zuletzt mit brutalen Foltermethoden beherrscht hat, bevor er 1961 einem Attentat zum Opfer fiel. Ich lese diesen Diktatorenroman indirekt auch als ein Plädoyer des grossen Liberalen Vargas Llosa für die freiheitliche, der Würde des Einzelnen verpflichteten Demokratie, deren vielleicht wichtigstes Kennzeichen es ist, dass man missliebige Regierungen gewaltfrei, nämlich durch freie und geheime Wahlen, wieder loswerden kann.

Alexander Schimmelbusch – Hochdeutschland (7/10)

Man erhält einen interessanten, wahrscheinlich auch recht stimmigen Einblick in die schon fast krankhaft workaholisierte und schamlos überbezahlte Welt des Investmentbankings. Die gestelzte, hochtrabende Sprache des Romans passt perfekt zu diesem nicht gerade sehr sympathischen Milieu. Dass der Protagonist Victor, selbst Investmentbanker und dem Ganzen schon seit Längerem überdrüssig, deswegen ein politisches Manifest für mehr soziale Gerechtigkeit (verkürzt gesagt) entwickelt, erscheint zwar etwas überraschend, aber dennoch folgerichtig. – Kein herausragender, aber doch ein lesenswerter, manchmal schon fast satirisch überspitzt wirkender Roman.

Given To The Rising

Postings: 4051

Registriert seit 27.09.2019

11.05.2020 - 16:31 Uhr
Michail Lermonow - Ein Held unserer Zeit
Laut Beschreibung das Portrait eines Mannes, der die Sinnlosigkeit seines Daseins.erkennt.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 21573

Registriert seit 07.06.2013

17.05.2020 - 19:55 Uhr
Arthur Conan Doyle - "The Valley Of Fear" (Sherlock Holmes) 8,5/10

Der vierte und letzte Roman der Holmes-Reihe ist nach natürlich "The Hound of the Baskervilles" der beste der Reihe. Die Zweiteilung (wie schon bei den ersten beiden) in einen Teil mit Sherlock und eine Vorgeschichte ohne ihn klappt hier besser als beispielsweise beim relativ schwachen "The Sign Of The Four". Einfach auch, weil die Vorgeschichte hier spannender und einfach besser ist.
So, jetzt noch "The Case-Book of Sherlock Holmes" und dann bin ich leider schon durch alle 60+ Stories durch. :(

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 21573

Registriert seit 07.06.2013

17.05.2020 - 21:17 Uhr
Albert Camus - "Die Pest" 9,5/10

War mit meine erste große Buch-Liebe (Dank an die Manic Street Preachers), die damals eine Zeit lang jeden Sommer gelesen habe. Nun "aus aktuellem Anlass" (wobei sich die Parallelen stark in Grenzen halten) mal wieder gelesen und sofort wieder in der Atmosphäre gefangen gewesen. Hab mir dieses Mal paar kleine Notizen zu den Namen gemacht, da ich die früher immer verwechselt habe. :D
Ich mag einfach die Stimmung des Buches und den behutsamen und nicht reißerischen Ansatz der Geschichte durch die Augen des Erzählers. Außerdem gibt es ein für mich ein paar unvergessliche Szenen (wie z.B. das Baden im Meer). Am liebsten mag ich sowieso Camus'/Rieux' Ausführungen über die Krankheit und deren Auswirkungen an sich. Jaja, das Buch ist eine alte Liebe...

myx

Postings: 1006

Registriert seit 16.10.2016

18.05.2020 - 07:56 Uhr
Fernando Pessoa - Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares (9/10)

Warum eine 9/10? Weil ich schon lange nicht mehr ein so hochphilosophisches und gleichzeitig hochpoetisches Buch gelesen habe. Die Seiten sind jedenfalls voll mit meinen Unterstreichungen und Randnotizen, weil diese von Pessoa an einer Stelle treffend als "Ästhetik der Gleichgültigkeit" bezeichneten Textfragmente und Notizen immer wieder spannende, filigrane Gedanken zu Tage fördern, angesiedelt irgendwo zwischen reiner, unverstellter Empfindung und absichtslosem Tagtraum.

Warum keine 10/10? Weil mir Pessoa bzw. sein Alter Ego Bernardo Soares dann doch insgesamt zu misanthropisch ist. Immer sind die Menschen dumm und ist allem Guten, das diese in sich tragen, zu misstrauen. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich Pessoa hier nicht auf den Leim gehe. Weil er häufig alles, was vor einer Sekunde gerade noch einleuchtend klang, selber wieder in Frage stellt. Weshalb im "Buch der Unruhe" neben der allgegenwärtigen, für Portugal typischen Melancholie auch immer eine feine Ironie und Lust am Verwirrspiel mitschwingt.

Auch wenn auf diesen gut 500 Seiten kaum etwas an Erzählenswertem passiert, hat mich dieser ständige, mit sich selbst beschäftigte Gedankenfluss dennoch bestens unterhalten.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 21573

Registriert seit 07.06.2013

24.05.2020 - 17:40 Uhr
Kristine McKenna & David Lynch - "Room to dream" 9,5/10

Die (Auto)biographie ist interessant in ihrer Sturktur. Der erste Teil eines jeden Kapitels (meinst ungefähr einen Film umfassend) ist von McKenna und im klassischen, chronologischen Biographie-Stil gehalten. Der zweite Teil ist dann jeweils von Lynch und gleichzeitig Antwort auf den ersten Teil wie Autobiographie.
Ansonsten ist das auf 500 Seiten ein wunderbares Eintauchen in die Welt Lynchs und dessen Filme. Eigentlich fast zu kurz und manchmal hätte man sich NOCH mehr gewünscht. Ausdrückliche Empfehlung für jeden, der Lynch mag.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 21573

Registriert seit 07.06.2013

24.05.2020 - 17:44 Uhr
Franz Kafka - "Die Verwandlung" 8,5/10
Albert Camus - "Der Fremde" 8/10

Hab mal die Stadtbibliothek bzgl. der beiden Autoren geleert und werd mich jetzt mal etwas durch deren Werk ballern. :)

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 21573

Registriert seit 07.06.2013

24.05.2020 - 17:53 Uhr
Noch vergessen:

Albert Camus - "Der Mythos des Sisyphos" -/10
Der eigentliche Sisyphus ist ja nur 6 Seiten lang, den Hauptteil macht hier natürlich die "absurde Betrachtung" aus. Da es ein philosophisches Werk ist, macht eine Wertung nicht so wirklich Sinn.
Da ich generell mit philosophschen Texten immer meine Probleme hatte (sprachlich wie abstrakt), war ich überrascht, dass ich das Buch dieses Mal tatsächlich verstanden habe (und es tatsächlich auch recht meiner eigenen "Philosophie" (naja, hehe) entspricht. Das war vor ein paar Jahren noch anders. Vielleicht streck ich doch noch mal ein paar Fühler in die Richtung aus.

Given To The Rising

Postings: 4051

Registriert seit 27.09.2019

24.05.2020 - 18:06 Uhr
Lies unbedingt auch noch "Der Mensch in der Revolte". Der gibt mir mehr als "Der Mythos des Sisyphos". Dessen Hauptaussage, dass Sisyphos ein glücklicher Mann wäre, weil er eine Aufgabe hätte, kann ich nicht nachvollziehen. Zumal ein Mensch diesen Stein nicht ewig hochrollen würde, sondern spätestens nach 3 Tagen Zeus eine Kopfnuss verpassen würde.

Der Untergeher

User und News-Scout

Postings: 1414

Registriert seit 04.12.2015

25.05.2020 - 21:01 Uhr
Fernando Pessoa - Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares (9/10)

Ach, das freut mich zu lesen! Faszinierend an der Person Pessoa (Pessoa bedeutet auf portugiesisch "Person", aber auch "Maske"!) und seinem Werk: die Heteronyme, von denen Bernardo Soares nur eines ist. Alberto Caeiro, Ricardo Reis, Alvaro de Campos - alle sind sie unterschiedliche Menschen und alle sind sie Pessoa. Dass sie aufeinander reagieren, einander bewundern und verabscheuen, macht den Pessoa-Kosmos noch mehr zu einem grandiosen Verwirrspiel.

José Eduardo Agualusa - Die Gesellschaft der unfreiwilligen Träumer (8/10)

"Der angolanische Journalist Daniel Benchimol, frisch und unschön geschieden, träumt immer wieder von einer aparten, eleganten Frau, dann findet er eine Kamera und entdeckt Fotos, auf denen eben diese Frau zu sehen ist, die Künstlerin Moira, die sich mit der Darstellung von Träumen beschäftigt. Sie lernen sich kennen und lieben.
Benchimols Freund, der ehemalige Guerillero und Hotelier Hossi, kann selbst nicht mehr träumen, taucht aber regelmäßig in den Träumen anderer auf, was sogar den kubanischen Geheimdienst auf den Plan ruft, der ihn zeitweilig entführt. Benchimols Tochter Lúcia schließlich träumt von einer freien Gesellschaft, demonstriert mit ihren Freunden gegen die autoritäre Regierung, wandert ins Gefängnis und geht in den Hungerstreik. Ihr Vater setzt alles in Bewegung, um sie zu befreien. In diesem wunderbar poetisch geschriebenen, rebellischen, aber auch komischen Roman geht es um die Sprengkraft, das Geheimnis und den Zauber von Träumen, die kollektiv geträumt, sogar ein Regime zum Abtreten zwingen können. Es geht um private, politische und utopische Träume und um die traumhaft verschlungene, rätselhafte Realität des Lebens selbst. Ein Fest des Erzählens."

Barocco Tropical hat mir noch besser gefallen, aber auch dieses Werk ist virtuos geschrieben, pendelt immerzu zwischen Realität und Traum. Magischer Realismus, mit einer politischen Vision. Dieser Roman ist aber erheblich hoffnungsvoller, ohne zu viel zu verraten.

Given To The Rising

Postings: 4051

Registriert seit 27.09.2019

28.05.2020 - 19:16 Uhr
Die Angelsachsen (Beck Wissen Reihe)
Die Reihe mag ich ja besonders. Hab schon einige Bücher von der geholt, u.a. auch das von 1066 und der Schlacht von Hastings sowie den Umständen, die dazu führten.

Kevin

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 814

Registriert seit 14.05.2013

04.06.2020 - 02:28 Uhr
Hanya Yanagihara - Ein wenig Leben

#7: Puh, was für ein Parforce-Ritt! Der umfangreiche Roman schildert auf knapp 1000 Seiten das Leben von vier Studenten, wobei jeder auf seine eigene Weise mit Dämonen zu kämpfen hat. Der Fokus liegt letztlich doch vor allem auf Jude St. Francis, der eine traumatische Kindheit hatte, die in Rückblenden nach und nach beleuchtet wird. Zentrale Motive des Romans sind die Freundschaft der vier, deren Aggregatzustand sich über die Jahrzehnte immer wieder verändert, psychische Belastungen und der Umgang damit, Sexualität und welche Erwartungen in einer Beziehung an das Individuum geknüpft werden. Für mich ein ganz großer Text, durchdrungen von einer ungeahnten existenziellen Wucht. 9/10

Alice

Postings: 156

Registriert seit 27.10.2019

04.06.2020 - 07:43 Uhr
Das Buch von Hanya steht als nächstes auf meiner Liste, freue ich mich schon drauf.

Zurzeit noch Jack London - König Alkohol (8/10)

Voyage 34

Postings: 867

Registriert seit 11.09.2018

04.06.2020 - 19:20 Uhr
Hanya Yanagihara...

A Little Life steht bei mir auch im Regal, kommt sehr bald. Habe letztes Jahr The people of the trees gelesen und war schwer angetan!

Enrico Palazzo

Postings: 104

Registriert seit 22.08.2019

04.06.2020 - 21:24 Uhr
Roger Willemsen - Das Hohe Haus 7/10

Unterhaltsam und wie immer klug, Willemsen halt, mit Längen und Schwächen. Aber trotzdem interessant.

AndreasM

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 455

Registriert seit 15.05.2013

05.06.2020 - 10:39 Uhr
Roger Willemsen - Das Hohe Haus 7/10

Unterhaltsam und wie immer klug, Willemsen halt, mit Längen und Schwächen. Aber trotzdem interessant.


Ich würde es höher bewerten. Der Ansatz dieser Parlamentsberichterstattung war aus meiner Sicht doch sehr gelungen und hat - auch mit vielen kleinen Beobachtungen - einen umfassenden Blick auf die Rolle des Bundestages geworfen. Auch sprachlich fand ich es klarer als manch andere Willemsen-Lektüre. Ich habe etliche Willemsen-Bücher gelesen und zähle "Das Hohe Haus" zu meinen Favoriten.

Boston

Postings: 531

Registriert seit 14.06.2013

05.06.2020 - 11:35 Uhr
Dessen Hauptaussage, dass Sisyphos ein glücklicher Mann wäre, weil er eine Aufgabe hätte, kann ich nicht nachvollziehen. Zumal ein Mensch diesen Stein nicht ewig hochrollen würde, sondern spätestens nach 3 Tagen Zeus eine Kopfnuss verpassen würde.

Du hast das Absurde nicht verstanden.

Given To The Rising

Postings: 4051

Registriert seit 27.09.2019

05.06.2020 - 11:47 Uhr
"Du hast das Absurde nicht verstanden."
Das Absurde ist, dass unsere Existenz eine Art Sisyphos-Existenz ist. Wir bemühen uns und dennoch finden wir keinen Sinn, in dem was wir tun, weil es ihn nicht gibt. Ob ich nun jeder Oma über die Straße helfe oder mordend durch die Innenstädte ziehe, ändert nichts daran, auch wenn die Reaktion der anderen eine unterschiedliche sein wird. Das ist mein Verständnis von Camus. Wir müssen uns arrangieren mit einer Welt ohne Ziel in einem Leben ohne Ziel und darin können Momente des Glücks vorhanden sein, weil man nicht mehr einer Illusion hinterherjagt. Die einfach Gestrickten geben sich mit ihren alltäglichen Routinen zufrieden, für die ist ein Sisyphos-Leben vielleicht Erfüllung.

Peacetrail

Postings: 870

Registriert seit 21.07.2019

05.06.2020 - 11:53 Uhr
Oh, Du Schelm aus alten Zeiten,
skrupellos und schlau dazu,
gabst nichts auf die Sittlichkeiten,
selbst der Tod war kein Tabu…

Hast die Götter gar verachtet
und das Totenreich gesperrt.
Du bist, wenn man’s so betrachtet,
der Erinn’rung wahrhaft wert…

Thanatos hast Du gebunden,
bist dem Todesgott entwischt.
Dies hat er wohl nicht verwunden,
Strafen wurden aufgetischt.

Einen Felsblock musst Du tragen
bis in alle Ewigkeit,
drum stehst Du in diesen Tagen,
für die sinnlos‘ Tätigkeit…

Given To The Rising

Postings: 4051

Registriert seit 27.09.2019

05.06.2020 - 12:37 Uhr
Die griechische Mythologie ist sowieso viel lebensnaher als die christliche. Tantalos, dem die Trauben näher kommen, wenn er wegsieht, und sich entfernen, wenn er sie greifen will, ist ein Beispiel. Wenn du etwas unbedingt willst, erreichst du es nicht, sondern wenn es dir eigentlich zuwider ist.

VelvetCell

Postings: 2211

Registriert seit 14.06.2013

05.06.2020 - 13:01 Uhr
Henri Charriere – Papillon

Lese es seit vielen Jahren das erste Mal wieder. Und es hat leider an Faszination abgenommen. Mir ist früher nicht aufgefallen, was für ein selbstverliebter Erzähler Charriere aka Papillon ist. Stets stellt er sich als jenen dar, der eine Situation als erstes überblickt, dem alle sofort folgen und den sie respektieren.

Auch seine vor allem körperliche Liebe zu der jungen und der sehr jungen Eingeborenen liest sich unappetitlich.

Nichtsdestoweniger bleibt es ein kraftvolles Buch.

Xavier

Postings: 242

Registriert seit 25.04.2020

05.06.2020 - 13:35 Uhr
"Die einfach gestrickten geben sich mit ihren alltäglichen Routinen zufrieden."

Ja, wie Francoise, die Köchin des Proustchen Haushalts, die weiß, was zu tun ist, und lieber Tag und Nacht wie eine verrückte arbeitet, als irgendeine überflüssige Aktivität in der Küche zu dulden. Die etwas Zweckhaftes im Vertrauen darauf tut, dass es einen Sinn hat. Camus' enthüllt im Sisyphos lediglich einen pathologischen Zustand; sein Sisyphos ist nicht wirklich frei (glücklich).

derdiedas

Postings: 514

Registriert seit 07.01.2016

05.06.2020 - 13:36 Uhr
Yuval Noah Harari - Eine kurze Geschichte der Menschheit

Das Buch verdient alle Lobeshymnen, die man dazu findet. An neuen Informationen ist vielleicht gar nicht so viel dabei, wenn man sich einigermaßen mit Weltgeschichte auskennt. Aber Hararis Blickwinkel und seine Gedankensprünke und Vergleiche, für die er wild zwischen Epochen und Weltregionen hin und her springt, sind einfach total originell und können einen wirklich dazu bringen, einiges an Vergangenheit oder Gegenwart neu zu betrachten.

Xavier

Postings: 242

Registriert seit 25.04.2020

05.06.2020 - 14:22 Uhr
Hari bringt die mühselige und zeitraubende Forschungsarbeiter in wenigen Sätzen auf den Punkt. Dafür mein Respekt. Was mich stört: der Gestus des politisch korrekten Besserwissers.

Xavier

Postings: 242

Registriert seit 25.04.2020

05.06.2020 - 14:22 Uhr
Edit: Harari

Xavier

Postings: 242

Registriert seit 25.04.2020

05.06.2020 - 14:25 Uhr
Edit: " die zeitraubende Forschungsarbeit Anderer in wenigen Sätzen auf den Punkt"

Sorry!

Seite: « 1 ... 54 55 56 57 »
Zurück zur Übersicht

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht: