Welches Buch liest Du gerade? / Welches Buch hast Du zuletzt gelesen? Wie war/ist es?

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myx

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13.05.2019 - 08:54 Uhr
Karl Ove Knausgard – Spiel

Ein Band wie aus einem Guss und mit einer Leichtigkeit formuliert, als wäre Schreiben keine Schwerarbeit. Nimmt man den Schlusssatz von "Spielen" als Massstab, musste Knausgard aber vielleicht tatsächlich nur noch schriftlich festhalten, was ohnehin schon in faszinierender Genauigkeit vor seinem inneren Auge vorhanden war: "Niemals hätte ich geglaubt, dass mir jedes einzelne Detail der Landschaft und jeder einzelne Mensch, der in ihr wohnte, für alle Zeit präzise und genau im Gedächtnis bleiben würde, mit einer Art absolutem Gehör der Erinnerungen."

Dass sich "Spielen" so unglaublich flüssig liest, ist sicher auch das Verdienst des Übersetzers Paul Berf, den ich hier gerne lobend erwähnen möchte. Insgesamt resultiert für die wundervollen Kindheitserinnerungen von Knausgard wiederum eine klare 9/10. – Nun lege ich eine kleine Halbzeitpause ein, mit einem Klassiker der russischen Literatur, "Väter und Söhne" von Turgenjew, der zu Unrecht im Schatten von Tolstoi und Dostojewski stehe, wie in einer Zeitung zu lesen war. Bin gespannt.

9/10

myx

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13.05.2019 - 08:58 Uhr
"Spielen" ist natürlich der richtige deutsche Titel, sorry.

Marküs

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13.05.2019 - 11:22 Uhr
Naja Vater und Söhne ist schon ziemlich gut, aber beileibe nicht in den Regionen von Dostojewski oder Tolstoi. Beileibe nicht.

myx

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13.05.2019 - 13:59 Uhr
@Marküs: Nach den ersten knapp 30 Seiten bin ich noch nicht wirklich begeistert, aber ich lasse dem Buch natürlich seine Zeit.

Sollte es der erwartet spannende, nicht zu schablonenhafte Widerstreit von tradiertem Denken der alten Generation und modernem, "nihilistischem" Denken der Jungen werden (so viel ist auf den ersten Seiten schon absehbar), könnte es auf alle Fälle ein gutes Buch werden.

Thomas Mann jedenfalls wird auf dem Buchumschlag zitiert: "Wenn ich auf eine einsame Insel verbannt würde und nur sechs Bücher mitnehmen dürfte, so würden Turgenjews Väter und Söhne dabei sein." Das ist dann schon mal eine Ansage ...

Und hier gerne noch der angesprochene Zeitungsartikel zum Schmökern:

https://www.nzz.ch/feuilleton/genie-des-masses-iwan-turgenjew-steht-zu-unrecht-im-schatten-tolstois-und-dostojewskis-ld.1432269

Hmm

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13.05.2019 - 19:08 Uhr
Miami Punk - Juan S. Guse

Bin seit ca. einer Woche durch.

Der Plot: Vor Miami hat sich von einem Tag auf den anderen das Meer zurückgezogen. Die zurückbleibende Bevölkerung steht vor der Wahl in der sterbenden Stadt zu bleiben, also den Anschein von Normalität zu wahren, auszuwandern oder ihr Glück in der neu geschaffenen Wüste mit ihren Gebirgen zu suchen.

Die Gesellschaft bricht zusammen. Konkurrierende Ringervereine versuchen die überhandnehmende Alligatorenplage in den Griff zu bekommen und übernehmen mehr und mehr polizeiliche Aufgaben. Todesschwadronen ziehen durch die Bezirke der Stadt. Ein nicht geringer Teil der arbeitenden Bevölkerung gibt sich dem "Schlaf" hin.

Dazwischen ein immer größer werdender Kongress, der Verschwörungstheoretiker, Esoteriker aber auch ernstzunehmende Wissenschaftler wie auch die interessierte Bevölkerung anzieht und der das Geheimnis des sich zurückziehenden Meeres lösen will.

Fazit: Das Buch ist wahnwitzig und wirklich nicht leicht zu lesen. Die Erzählperspektive wechselt ständig von der eigentlichen Protagonistin - einer Softwareprogrammiererin -, Teilnehmern besagten Kongresses, einer für die Überwachung des Kongresses abgestellte Frau und eines ESport-Teams aus Wuppertal hin und her.

Das macht das Ganze zu keiner leichten Lektüre. Experimenteller Schreibstil wechselt sich ab mit Diskursen über CS 1.6 und dessen Maps (zum Glück für mich bin ich ein HL2-Deathmatch-Veteran und hatte noch die entsprechenden Maps vor Augen), der Zukunft der Arbeit, der Menschheit an sich, der Armut und Hoffnungslosigkeit in einer Zeit, die in der Tat auch in der Relität eine Übergangszeit darstellt und eigentlich niemand genau weiß, was danach kommen wird.

Trotz der zuweilen schwerfälligen Lektüre halte ich dieses Buch für einen großen Wurf. In dem Buch verstecken sich Weisheiten, zum Leitmotiv taugliche "Parolen" und Denkanstöße, die einen lang über die Lektüre hinaus beschäftigen. Für einen erst 30jährigen Autoren - Miami Punk ist sein zweiter Roman - sehr bemerkenswert!

8.5/10 mit Luft nach oben und dem Zeug zum Klassiker.

Würde mich sehr freuen, wenn sich der eine oder andere fände, der neugierig geworden ist und sich das Buch auch zu Gemüte führt.

The MACHINA of God

User und Moderator

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14.05.2019 - 01:31 Uhr
Oh ja, "Spielen" war auch toll. Wohl mein Platz 3 der Serie.

maxlivno

Postings: 1173

Registriert seit 25.05.2017

14.05.2019 - 09:01 Uhr
Irgendwie hab ich beim lesen der Beschreibung von „Miami Punk“ Unendlicher Spaß Flashbacks bekommen. Klingt interessant.

Marküs

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Registriert seit 08.02.2018

19.05.2019 - 15:46 Uhr
John Burnside - Glister (8/10): This novel didn't catch me right away like "A summer of drowning" did but is - to sum it up - still a very good work of fiction. In my opinion John Burnside is one of the best contemporary authors. It's an eerie story about several boys vanishing in a village on a Peninsula near an old plant. Written through different perspectives it's not that easy to cope with the text, but it's worth every effort. And though there's a lot of old Stephen King in it it's by far not a lightweight but ernest literature.

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