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USA: \"Happy Holidays\" Beleidigung für Christen?

User Beitrag
Demon Cleaner
19.12.2005 - 19:48 Uhr
Quelle: spiegel.de

Amerikas Einzelhändler stehen vor dem Weihnachtsfest unter Beschuss. Christliche Aktivisten fordern zum Boykott von Ladenketten auf, die ihren Kunden nicht "Merry Christmas" wünschen, sondern - ganz religionsneutral - "Happy Holidays".

New York - Bill O'Reilly, Star-Anchorman beim konservativen US-Nachrichtensender Fox News, wird seine Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr nicht beim Einzelhändler Kmart kaufen. Auch nicht bei der Konkurrenz von Kohl's. Home Depot und das Warenhaus Nordstrom bleiben ebenfalls außen vor, wenn Mr. O'Reilly shoppen geht.

Besagte Handelshäuser, wetterte der TV-Mann jüngst in seiner täglichen Schimpfsendung "The O'Reilly Factor" und auf seiner Website, seien Hochburgen der "Christenhasser" und "professionellen Atheisten", die einen "Krieg gegen Weihnachten" angezettelt hätten, um das ganze US-Christentum zu "unterdrücken". Will heißen: Achtung, Shopper - am Wühltisch ist das Abendland in Gefahr!

Kmart, Kohl's, Nordstrom, Home Depot, Office Max, Staples, Best Buy - alles Weihnachtsschänder, jedenfalls in der Welt christlicher Kreuzritter wie O'Reilly & Co. Grund für die Stimmungsmache: Die Ladenketten wünschen ihren Kunden nicht wie bisher üblich "Merry Christmas" (frohe Weihnachten), sondern "Happy Holidays" (frohe Feiertage). Da dürfen sich dann auch jene angesprochen fühlen, die lieber zum jüdischen Chanukka-Fest die Menora aufstellen oder, wie hier gerade sehr populär, das afrikanische Kwaanza begehen.

"Rettet Weihnachten!"

Dahinter steckt aus Sicht der Einzelhändler kaufmännisches Kalkül: Je mehr US-Bürger zum Konsumieren animiert werden, desto höher die Umsätze. O'Reilly und mit ihm die gesamte christlich-konservative Grantlerlobby sehen das aber nicht ganz so locker. Für sie ist der Verlust von "Christmas" eine bewusste Verleugnung, ein Affront, eine säkulare "Belagerung" ihres christlichen Glaubens.

So argumentiert O'Reillys TV-Kollege John Gibson in seinem neuen Brandbuch "The War on Christmas", dies sei eine "liberale Verschwörung", um Weihnachten durch das Hintertürchen abzuschaffen. An der Spitze der Anti-Christfest-Fraktion stehe gottloses Volk wie der Investor George Soros und die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU, die "die Religion ausrotten wollen". In die gleiche Kerbe schlägt auch der nimmermüde Fernsehevangelist Jerry Falwell, der sogar von "Christenverfolgung" spricht. Sie alle fahren eine bitterernste Kampagne, der sich inzwischen Hunderttausende amerikanische Verbraucher angeschlossen haben. Ihr Schlachtruf: "Rettet Weihnachten!"

Shopping-Boykott für das Christkind

Es ist das erste Mal, dass der gesamte US-Einzelhandel in solch heftigem Kreuzfeuer steht. Schon in früheren Jahren zogen sich einige Akteure den Ingrimm der Weihnachtsverfechter zu. So kritisierten die Fundamentalisten etwa politisch korrekte Weihnachtskrippen mit - Gott bewahre! - Symbolen anderer Religionen, obwohl diese vom Obersten Gerichtshof ausdrücklich als Verfassungsrecht abgesegnet sind. Auch New Yorks Bürgermeister Mike Bloomberg (ein Republikaner, wohlgemerkt) machte sich wenig Freunde, als er den Monsterbaum am Rockefeller Center demonstrativ als "Holiday Tree" anknipste.

[...]

Die AFA hat im Kampf gegen unchristliche Krämer eine praktische Sünderliste zusammengestellt, die gläubige Käufer meiden mögen. Darauf finden sich nicht nur Nordstrom ("Die Kataloge erwähnen 'Weihnachten' mit keinem Wort"), Kmart ("Wirbt mit 'Holiday-Angeboten'") oder Staples ("Eine Suche ihrer Website nach 'Christmas' ergab nur drei Treffer"). Sondern auch zahllose andere, die das Wort "Christmas" aus "ihrer TV-Werbung verbannt" hätten, darunter Wal-Mart, Lexus, Old Navy, Cingular, Pier 1 Imports, Office Depot, Gillette und Dell.

Von insgesamt 116 Fernseh-Spots, klagt die AFA, die offenbar ganz genau nachgezählt hat, hätten überhaupt nur 11 das Wort "Christmas" enthalten. Die anderen Konzerne müsse man nicht nur boykottieren, sondern auch mit Protestanrufen überfluten, fordert die Organisation. "Bitte nehmen Sie sich die Zeit, sie wissen zu lassen, dass Sie dies als persönliche Beleidigung empfinden", rät die Gruppe. "Seien Sie hart, aber höflich."

Der FRC (Motto: "Familie, Glauben und Freiheit verteidigen") verkauft zur moralischen Aufrüstung seiner Aktivisten derweil, angelehnt an Nancy Reagans einstige Anti-Drogen-Losung "Just Say No", Armreifen mit der Aufschrift "Just Say 'Merry Christmas'" (2,50 Dollar, inkl. Versand). Die Gruppe sieht großen Handlungsbedarf und klagt: "Wir haben in unserer Nation einen neuen Tiefpunkt erreicht."

Im Fadenkreuz der Weihnachtslobby

Frohe Weihnachten, sonst setzt es was: Schon knicken die ersten Christfestverleugner ein. Der Versand- und Kaufhauskonzern Sears, eine Kmart-Tochter, war von den militanten Nikoläusen geziehen worden, weil er "Holiday Trees" statt "Christmas Trees" verkaufte. Aufgrund der Proteste versicherte Sears den Gruppen schnell, es werde ab sofort Schilder mit der Aufschrift "Merry Christmas" an allen Kaufhaus-Eingängen aufstellen. Die AFA strich Sears darob gnädig von der Boykott-Liste. Auch die Heimwerkerbedarf-Kette Lowe's setzte sich mit Christbäumen in die Nesseln. Die Annoncen für "Holiday Trees" tauschte das Unternehmen nach den Protesten der Konservativen schnell gegen "Christmas Trees" aus. Die erste Bezeichnung, so Lowe's eilfertig, sei ein "Versehen" gewesen.

Das Handelshaus Target stand ebenfalls im Fadenkreuz der Weihnachtslobby. "Target weigert sich, das Wort 'Christmas' in seiner Firmenwerbung zu benutzen", zeterte die AFA. In einer 36-seitigen Target-Anzeigenbeilage sei 31-mal von "Holiday" die Rede gewesen. Prompt erklärte Target, es werde fortan "in Werbung, Marketing und Merchandising direkten Bezug" zu "Festen wie Weihnachten" nehmen. "Wir sind erfreut, dass Target unseren Bedenken Rechnung getragen hat", triumphierte AFA-Chef Donald Wildmon. Christen könnten dort nun wieder einkaufen.

Andere Firmen lassen sich jedoch nicht so schnell einschüchtern. Der Baumarkt Home Depot beispielsweise besteht auf "Holiday" statt "Christmas", egal in welcher Form. "Um zu vermeiden, nur eine bestimmte Glaubensrichtung gutzuheißen, und um die Meinungsvielfalt zu fördern", erklärte der Konzern, "haben wir beschlossen, diese Jahreszeit als 'Holiday Season' zu bezeichnen."

Christenhasser Fox News?

Kein Wunder, dass Bill O'Reilly - der das ganze Brimborium als seinen persönlichen "dritten Weltkrieg" bezeichnet - nicht mehr bei Home Depot einkauft. Die tollsten Geschenke gibt es sowieso auf O'Reillys eigener Website zu erstehen: winterfeste Flieswesten (35,95 Dollar), T-Shirts mit dem US-Sternenbanner (15,95 Dollar) oder ein Jigsaw-Puzzle mit O'Reillys Konterfei (1000 Teile, 17,95 Dollar).

Ein paar Mausklicks weiter bietet der Online-Store des O'Reilly-Haussenders Fox News Weihnachtsbaumkugeln mit dem Fox-Logo feil - und zwar noch bis vor kurzem ganz schamlos-unchristlich als "Holiday Ornaments". Fox News, eine Hochburg der Christenhasser? Als die Bloggerszene das hämisch anmerkte, änderte Fox News die Produktbezeichnung stillschweigend zu "Christmas Ornaments".


Einfach nur...naja. Wer jetzt noch denkt, in den USA wäre alles doch ganz okay...
Stefan
19.12.2005 - 20:43 Uhr
die holzköpfe da drüben lassen mich ums andere mal fassunglos zurück
Patte
19.12.2005 - 20:44 Uhr
Ich dachte, aus DEM Mittelalter wären wir raus...
juhuh
19.12.2005 - 20:49 Uhr
antiamerikanisten an die front!
Loughin Out Loud
19.12.2005 - 20:50 Uhr
Ich hab mir zwar jetzt nicht den ganzen Artikel durchgelesen, aber ich halte den Ausdruck "Happy Holidays" nicht unbedingt für christenfeindlich.
Und ich bin selbst katholisch!
Loughin Out Loud
19.12.2005 - 20:51 Uhr
@juhuh; Jawohl! so un nich anders! :D
juhuh
19.12.2005 - 21:06 Uhr
@LOL
ich glaub du hast den sinn meines postings nicht ganz verstanden
Loughin Out Loud
19.12.2005 - 21:20 Uhr
meinste den sarkasmus? dochdochdochdochdochdoch... ;D
rocknroll
19.12.2005 - 21:22 Uhr
*gähn*
Wieviel Wind muss wohl wehen, damit in China ein Sack Reis umfällt.
Demon Cleaner
19.12.2005 - 21:26 Uhr
@rocknroll:

Dass die Meldung nicht weltbewegend ist, hat ja niemand gesagt. Hier gehts ja nicht um Informationsgehalt, eher darum, mal zu zeigen, wie weit das Christentum schon in den Köpfen der USA verankert ist und wie lächerlich sich das Ganze teilweise präsentiert. Ich hoffe ständig auf Besserung, es wird aber einfach nichts draus.
bitteanklopfen
19.12.2005 - 21:31 Uhr
hehe, ein nicht zuviel
Dip
19.12.2005 - 21:32 Uhr
Da fragt man sich doch auch unwillkürlich: haben die Amerikaner/Christen nichts Wichtigeres zu tun?
Demon Cleaner
19.12.2005 - 21:33 Uhr
Oh, stimmt. :-) Das erste "nicht" bitte wegdenken.
Demon Cleaner
19.12.2005 - 21:34 Uhr
Da fragt man sich doch auch unwillkürlich: haben die Amerikaner/Christen nichts Wichtigeres zu tun?

Vor allem: Wie armselig und verkommen muss eine Religion sein, die ihr Profil offensichtlich über Werbesprüche großer Firmen bezieht?
Loughin Out Loud
19.12.2005 - 21:38 Uhr
Da mir gerade langweilig ist, lach ich einfach mal rocknroll aus, weil er eine Frage mit einem Punkt beendete, also: haha!


So, und nimm das bitte nicht persönlich, ich will mich nur wichtig machen! ;D
exe
20.12.2005 - 16:24 Uhr
*gähn*


Glaubt mir, da drüben hat wahrscheinlich niemand etwas anderes von O'Reilly erwartet.
Ein erzkonservativer Idiot, der gegen alles wettert, das ihm irgendwie "links" und "-liberal" erscheint.

Das ist jetzt ungefähr so, als ob Günther Jauch dazu aufruft, seine Weihnachtseinkäufe nur bei Quelle zu erledigen.
Das geht den meisten sowieso am Arsch vorbei.
...
20.12.2005 - 16:27 Uhr
wer von euch hat sich denn den gaaaaaaaaanzen text von oben durchgelesen??!??
FundamentallyLoathsome
20.12.2005 - 17:19 Uhr
juhu! Willkommen in der Real-Life-Comedy-Show USA! Ich wüßte garnicht, über was ich sonst den ganzen Tag lang lachen sollte. So lange ich da nicht wohnen muss jedenfalls...
mameio
22.12.2005 - 21:49 Uhr
Na immerhin. Über die Ausdünstungen der BRD/EU kann man als Einwohner und damit Betroffener leider nicht mehr lachen...
R4IN
22.12.2005 - 21:55 Uhr
der weihnachtsbaum ist auchnet christlich -.- scheiß doch drauf . . .
Weihnachten
23.12.2005 - 08:38 Uhr
"Vor allem: Wie armselig und verkommen muss eine Religion sein, die ihr Profil offensichtlich über Werbesprüche großer Firmen bezieht?"

Wie armselig und verblödet muss jemand sein, der aufgrund einer bescheuerten Einzelmeinung so über eine ganze Religion urteilt.

Mim
23.12.2005 - 09:10 Uhr
Ich sags mal mit Obelix:"Die spinnen die Christenamis"

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