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"Du bist Deutschland"-Medienkampagne

User Beitrag
Armin
27.09.2005 - 00:31 Uhr
Wundert mich, daß es hierzu noch keinen Thread gibt. Bevor es ein anderer tut, bitte sehr!

Für alle, die (bislang) noch nicht das Vergnügen mit dem Spot hatten, der heute anlief, hier ein willkürlich rausgegriffener TAZ-Artikel dazu:


Offensive für Deutschland
Heute startet eine beispiellose Medienkampagne mit dem Ziel, uns Deutsche ein wenig aufzuheitern: "Du bist Deutschland" kommt so massiv daher, dass man sich der Botschaft kaum entziehen kann
VON JAN-HENDRIK WULF
Zur besten Werbezeit können die deutschen Zuschauer heute Abend die erste freiwillige Fernsehgleichschaltung seit 9/11 erleben: Fast zeitgleich rollt auf allen Kanälen die von einer breiten Phalanx aus privaten und öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen getragene Wohlfühl-Kampagne "Du bist Deutschland" an: Auf ARD und ZDF um 19.56 Uhr; auf Sat.1, Pro7, Kabel 1, RTL, RTL2, Vox, Super-RTL und Premiere um 20.13 Uhr.

Mit einem zweiminütigen Spot, der in verschiedenen Varianten noch bis Januar 2006 wiederholt wird, sollen die von Depressionen und Zukunftsängsten geschüttelten Deutschen wieder auf gute Laune getrimmt werden. Gezeigt wird ein deutsches Panoptikum aus 30 prominenten Mutmachern, Siegertypen und vertrauenswürdigen Mahnern.

Die namenlose Klofrau
Mit dabei sind Ulrich Wickert, Harald Schmidt, Günther Jauch, Oliver Kahn, aber auch kleine Leute wie die namenlose Klofrau im Kittel oder der optimistische Obdachlosenzeitungsverkäufer. Moralische Leuchttürme der Zuversicht, wie sie in Zeiten gesellschaftlicher Entsolidarisierung landauf, landab gesucht werden. Gemeinsam haben sie eine wichtige Botschaft unter das Volk zu bringen: Optimismus und Selbstvertrauen.

"Wie sich ein Lufthauch zu einem Sturm entwickelt, kann deine Tat wirken", sinniert die Schauspielerin Minh-Khai Pan Thi. "Mag sein, du stehst mit dem Rücken zur Wand", vermutet Ulrich Wickert, "oder mit dem Gesicht vor einer Mauer", ergänzt die namenlose Klofrau. "Aber einmal haben wir schon gemeinsam eine Mauer eingerissen!", vollendet Marcel Reich-Ranicki den Gedanken. Wer? Wir alle? "Wie wär's, wenn du dich mal wieder selber anfeuerst?", fragt Katharina Witt. "Gib die beste Leistung, zu der du fähig bist", beschwört Justus Frantz. "Du bist die Hand!", knurrt Oliver Kahn. "Du bist der Baum!", fabuliert Anne Will. "Du-hu bist Deutschland!", deklamiert der Dichter Walter Kempowski vor seiner großen Bücherwand und wackelt dabei bedächtig mit dem Zeigefinger. Musikalisch unterlegt ist das Ganze mit der Filmmusik von "Forrest Gump". Zuschauer, aufgepasst: Du bist vielleicht auch nicht der Schlaueste, aber dazugehören kannst du trotzdem. Denn du bist Deutschland.

Deutschlands Medienunternehmer sorgen sich um die Stimmung am Standort. Unter der Ägide von Bertelsmann haben sie auf eigene Kosten eine Kampagne gezimmert und dafür Werbezeit und Anzeigenraum für mehr als 30 Millionen Euro frei geschaufelt. Was das soll, formuliert der Wörterbuch-Verleger Florian Langenscheidt: "Wir brauchen in Deutschland wieder einen spirit von risk taking."

Mit im Boot sind neben den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten und Bertelsmann auch die Konzerne Springer, Holtzbrinck, T-Online, Gruner + Jahr, Burda und Bauer sowie die Verlage von Spiegel, FAZ, SZ und WAZ. Die Kampagne deckt Kinowerbung und Internet ab und erreicht durch Anzeigen und redaktionelle Berichterstattung die Leser von der Zeitschriften- und Tagespresse. Großbäcker Kamps will 5 Millionen Brötchentüten mit dem "Du bist Deutschland"-Logo bedrucken lassen. Doch in ihrer orwellschen Einhelligkeit kann die geballte Medienmacht auch Unbehagen bereiten, was man laut Bernd Kundrun, Vorstandsvorsitzender von Gruner + Jahr, "eigentlich nicht kritisieren kann: Deutschland aus dem Tal der Tränen herauszuholen."

Aber enthält der oberlehrerhafte Appell an die schlummernde Kraft des Einzelnen nicht auch einen performativen Selbstwiderspruch? Schließlich muss der zu mehr Eigenverantwortung ermeisternde "spirit of risk taking" den Verzagten erst noch volkspädagogisch eingehaucht werden. Wenn Suggestion alles heilen könnte, dürfte man dabei die Zukunftsängste der Landsleute nicht allzu ernst nehmen: Ursache wären bloß noch beschränkte Selbstwahrnehmung oder mangelnde Selbstdisziplin.

Ärgeres darf dem seichten nationalen Inhalt der neoliberalen Wundertüte indes nicht unterstellt werden. Dafür bürgt Volksmusiktrompeter Patrick Lindner, der im Fernsehspot gemeinsam mit einem Menschen mit Down-Syndrom zwischen den Stelen des Holocaust-Mahnmals posiert. Gerade das lauschig-repressive nationale Kollektiv soll hier als Historie entlarvt werden: Gemeinsam sind wir nur dann noch stark, wenn wir es schon als Einzelne sind.

"Deutschland, das sind wir selber!", hatte Heinrich Heine schon 1833 in seinem Pariser Exil formuliert, als das noch eine Minderheitenposition war. Doch auch heutzutage darf man noch gerne zweifeln, ob so viel mediale Einhelligkeit über die mentale Wurzel des nationalen Übels, ob so viel unerschütterliches Warten auf einen Ruck, der nur Gewinner kennt, überhaupt den Raum für ein anderes gesellschaftliches Denken geben will.

www.du-bist-deutschland.de
taz Nr. 7778 vom 26.9.2005, Seite 14, 163 Zeilen (TAZ-Bericht), JAN-HENDRIK WULF


(Quelle: http://www.taz.de/pt/2005/09/26/a0134.nf/text.ges,1)
blu3m4x
27.09.2005 - 00:34 Uhr
der spot ist wirklich nur gut
jo
27.09.2005 - 00:36 Uhr
Jepp. Gut zum Kaputtlachen. Oder Weinen.
opossum
27.09.2005 - 01:16 Uhr

was ein hirnfick. mehr hab ich zu diesen hobby psychiatern im spot nicht zu sagen.
und die unterstellung ich würde fahnen schwenken während schumacher seine runden dreht, beleidigt mich zutiefst.
curtbali
27.09.2005 - 01:28 Uhr
Heiliger Strohsack, ist das eine vor Schmalz triefender, unerträglich blöde Sentimentalkacke. Bevor wir wirtschaftlich den neoliberalen Ideen der USA folgen, tun wir's erst einmal auf medialer Ebene in der Werbung, gell. Schön individualisieren und flexibilisieren, dann klappt's auch mit dem Globalisieren. Danke für diese Erhellung, liebe Medienverbände.
Gerdner
27.09.2005 - 01:29 Uhr
Traurig wer sich alles für diese Scheiße hergibt...
schmä'
27.09.2005 - 01:31 Uhr
mein gott. mein schlechtes gewissen infolge betroffenheit verbietet mir, etwas zynisches dazu zu schreiben.
huch, schon geschehen.
porcelaina
27.09.2005 - 01:33 Uhr
Für wie blöd halten die eigentlich die Leute?
Kahn meint wohl er steigert damit seine Chancen im Tor zu stehen bei der WM. Denn wenn er Deutschland ist, muss er wohl auch die Nr. 1 sein. Aber da hat er sich getäuscht. Lehmann ist nämlich besser.

Gibt es eigentlich Untersuchungen was die lächerliche Kampagne "Keine Macht den Drogen" gebracht hat?

Unglaublich finde ich auch dass Harald Schmidt inzwischen für alles Pate steht.
Marc
27.09.2005 - 01:35 Uhr
Einfach nur erschreckend, wie man sozusagen per Knopfdruck auf Leistungsfähigkeit getrimmt werden soll. Und alle machen sie mit...
Wieviel Kohle sie wohl der Putzfrau gezahlt haben? Dann noch die Deutschtümelei...

Es gibt in Deutschland glaube ich eine Menge intelligenter und begeisterungsfähiger Leute. Diese Menschen sind aber im Gegensatz zu den Leuten im Fernsehspot viel entspannter. Ich weiß gar nicht, warum das überhaupt thematisiert werden muss...
porcelaina
27.09.2005 - 01:45 Uhr
Am besten gefällt mir der Spruch auf der Kampagnenseite "Du bist Albert Einstein".
Jou das wollte ich schon lange hören.
Komisch dass da nicht steht "Du bist Adolf Hitler". Oder "Du bist Karl Dall".
Ich glaube ich werde jetzt mal die Kampagne starten: "Ich bin ein Volk"
Narf
27.09.2005 - 02:11 Uhr
Ich hoffe das H. Schmidt seinen Auftritt in der nächsten Sendung ironisch kommentiert, sonst muss man ihm langsam Verkalkung unterstellen.

Wie arm muss ein Land sein, alle Klieschees über D-Land von nervtötenden Medienmogulen und anderen Spacken teletubbyhaft in die Linse zu stammeln?

Aber jetzt ist es amtlich, wir sind offiziell keine Nazis mehr und können alle unsere Träume verwirklichen, wir müssen nur wollen.

P.S. Ich bin Jürgen Bartsch
o'reilly
27.09.2005 - 08:04 Uhr
Hurra-Patriotismus der widerlichsten Sorte. Happy, happy, happy, happy.

Man kann sich wirklich nur noch schämen. Gute Stimmung sollte nicht von irgendeiner "Social-Marketing"-Kampagne herrühren, sondern von greifbaren Verbesserungen des alltäglichen Lebens. Da aber dafür niemand sorgt, muss es halt per Gehirnwäsche passieren.
porcelaina
27.09.2005 - 08:09 Uhr
"Ich bin Jürgen Fliege"
o'reilly
27.09.2005 - 08:14 Uhr
@porcelaina: Mein Beileid.
porcelaina
27.09.2005 - 08:37 Uhr
@ o'reilly

Da musst du aber erst mal gegenhalten. :)
XY
27.09.2005 - 08:38 Uhr
Wow, "der spirit von risk taking"... Ausgerechnet von den Medienunternehmen. Es gibt tausende arbeitslose Journalisten und völlig unterbezahlte Freie und die schütteln mal eben 30 Millionen für eine Werbekampagne aus dem Ärmel.
porcelaina
27.09.2005 - 08:54 Uhr
"spirit of risk taking" ist auch einer meiner Lieblingssprüche. Eine Pro-Deutschland-Kampagne ins Leben rufen, aber nur Anglismen benutzen.
Hiess das nicht mal Risikofreude- oder Bereitschaft?

Irgendwo schrieb einer dass es eine super Anzeige sei (In der Financial Times): "Du bist Michael Schumacher"
Ein Deutscher, der seine Steuern in der Schweiz bezahlt und nichts kann ausser schnell im Kreis fahren.
sadcaper
27.09.2005 - 09:30 Uhr
porcelaina: Das mit Schumacher hat wirklich zum Schmunzeln gebracht. Sehr gut.
Stefan
27.09.2005 - 09:33 Uhr
Erstaunlich, dass die meisten hier die möglichen Effekte der Kampagne so geringschätzen. Ich kann mir schon vorstellen, wie eine solche Stimmungsmache bei gewissen Personengruppen Wirkung erzielt, wenn man es ihnen nur lange genug auf den Kopf hämmert.
XY
27.09.2005 - 09:48 Uhr
@porcelaina

Wenn es wenigstens "spirit of risk taking" hieße... Aber "spirit VON risk taking" ist wirklich übelste Verballhornung. Und das von einem Wörterbuch-Verleger. Den fand ich letztens bei Christiansen schon so komisch, als er sich als selbst als Ottonormalbürger bezeichnet hat. Wusste gar nicht, dass Ottonormalbürger Millionen auf dem Konto hat. Muss direkt mal meine Auszüge checken.

Über deine Beurteilung von Michael Schumacher musste ich auch lachen.

Den Effekt der Kampagne kann ich nicht beurteilen. Auf mich wirkt sie nicht, glaube ich. Ich lebe gerne in Deutschland, vor dem Hintergrund, dass ich auch schon zeitweise in anderen Ländern gelebt habe, aber ich muss das nicht öffentlich kundtun.

Bei den nicht-prominenten Unterstützern der Kampagne liest man in der Galerie der HP dann so tolle Statements wie folgendes:

Ich bin ich, und verändere mich nicht für andere. Ich bin ich weil ich einfach so bin. Ich bin ich weil ich mich nicht für andere veränder... Und was will uns die Autorin (der Aussage) nun mit diesem Satz sagen?
porcelaina
27.09.2005 - 10:00 Uhr
@XY
Wir sollten mal einen Wettbewerb für den dümmsten Spruch aus dieser Kampagne veranstalten.

Mein Favorit ist im Moment der von Olli Kahn:
"Du bist die Hand, du bist 82 Millionen"

Das ist meines Erachtens schon fast surreale Lyrik.

Die Schumacher-Beurteilung ist übrigens nicht von mir, sondern irgendwo gelesen.
exciter
27.09.2005 - 10:09 Uhr
So ein Blödsinn: Ich bin einfach nur ich selber und nicht Deutschland.

Ich treffe mich mit Freunden,arbeite etc. und denke zu keinem Zeitpunkt darüber nach,ob ich Deutscher oder sonstwas bin.

Seit wann muss dieses Deutsch-sein eigentlich so thematisiert werden? Ich bin Deutscher,der andere ist Holländer blabla..interessiert das wen außer nen paar verkrampften Leuten mit Stock im Arsch,die Deutschland wieder an die Weltspitze peitschen wollen ? Als ob nur darum ginge...dieses Beschwören des Deutschtum nervt einfach,kann man Dinge nicht von selber entwicklen lassen ?
Neil Archer
27.09.2005 - 10:09 Uhr
porcelaina (27.09.2005 - 01:45 Uhr):
Am besten gefällt mir der Spruch auf der Kampagnenseite "Du bist Albert Einstein".
Jou das wollte ich schon lange hören.
Komisch dass da nicht steht "Du bist Adolf Hitler".


Der Adolf war ja auch Österreicher ;-)
herd
27.09.2005 - 10:15 Uhr
ja und? Einstein war sicher nicht kein "Deutscher"...
herd
27.09.2005 - 10:16 Uhr
ja und? Einstein war sicher kein "Deutscher"...
aber unsere klügsten Köpfe lassen wir uns zwangseinbürgern
porcelaina
27.09.2005 - 10:27 Uhr
Ich hab eigentlich auch nie an die Theorie geglaubt, dass es in Deutschland ein wirkliches Problem gibt. Das war doch immer Hysterie ausgelöst von den Medien. Komisch dass genau die jetzt Deutschland schönreden wollen, die es erst jahrelang runtergeredet und geschrieben haben.
Und auch komisch, dass sich eben die jetzt auf Albert Einstein und Goethe berufen, die uns jahrelang versucht haben mit Barbara Salesch und Deutschland sucht den Superstar systematisch zu verdummen.
Mixtape
27.09.2005 - 10:32 Uhr
Schön auch der letzte Satz in der Werbung von nne Will (die ich bisher für pfiffig und sympathisch gehalten habe): "Du bist der Baum". Sorry, ich bin kein Baum, nicht mal in irgendeinem metaphorischen Sinne.
Obrac
27.09.2005 - 10:33 Uhr
Oh mann.. fehlender Patriotusmus ist ja auch bestimmt unser Problem. Da muss man natürlich mit inhaltsleeren Phrasen a lá "weil es wichtig ist, dass Deutschland wieder nach vorne sieht und zwar positiv!" daherkommen. Wieviel wohl so ein Scheiss kostet? Unglaublich..
porcelaina
27.09.2005 - 10:38 Uhr
Schön auch der letzte Satz in der Werbung von nne Will (die ich bisher für pfiffig und sympathisch gehalten habe): "Du bist der Baum". Sorry, ich bin kein Baum


Loooooool
Neil Archer
27.09.2005 - 10:38 Uhr
@Obrac: Wieviel wohl so ein Scheiß kostet? Das wurde doch schon geschrieben, ca 30 Millionen euro.
Dejavu
27.09.2005 - 10:39 Uhr
ich versteh nicht, worüber ihr euch hier so aufregt. meine güte, ist doch nur ein werbespot! dass sich hier alle gleich angegriffen fühlen, als würden sie ihrer individualität beraubt und ein weltbild aufoktruiert bekommen, welches sie nicht teilen. wie furchtbar.
mir geht das genöle vieler deutsche auch auf die nerven- wir deutschen haben nun mal kein großartiges talent, einfach mit der situation wie sie ist glücklich zu sein. ob ein werbespot daran was ändern kann, wage ich auch zu bezweifeln, obwohl man aber die wirkung nicht unterschätzen sollte. ist doch wie bei jeder werbung... unbewußte manipulation nennt man das dann.
wenns funktioniert: schön! wenn nicht, dann haben sie das geld halt in den sand gesetzt.
aber ein versuch ists auf jeden fall werd.
Dejavu
27.09.2005 - 10:41 Uhr
... äh werT.
Neil Archer
27.09.2005 - 10:41 Uhr
oder man stellt mit dem Geld, 30 Millionen sind jetzt ja auch nicht wenig, fü etwas sinnvolles zur Verfügung.
Obrac
27.09.2005 - 10:42 Uhr
@Obrac: Wieviel wohl so ein Scheiß kostet? Das wurde doch schon geschrieben, ca 30 Millionen euro.

Gott im Himmel..
Neil Archer
27.09.2005 - 10:42 Uhr
das war jetzt unlogisch, also nochmal:

oder man stellt mit dem Geld, 30 Millionen sind jetzt ja auch nicht wenig, etwas sinnvolles an.
Dejavu
27.09.2005 - 10:45 Uhr
außerdem ist hohe unsicherheitsvermeidung und der damit verbundene pessimismus in deutschland wirklich ein grund für beispielsweise niedrige unternehmensgründungen. insofern wird damit auch ein grundproblem angepackt, also ist´s schon sinnvoll
porcelaina
27.09.2005 - 10:46 Uhr
Auch ein geiler Spruch:

"Unsere Zeit schmeckt nicht nach Zuckerwatte"
Obrac
27.09.2005 - 10:50 Uhr
außerdem ist hohe unsicherheitsvermeidung und der damit verbundene pessimismus in deutschland wirklich ein grund für beispielsweise niedrige unternehmensgründungen.

Der Grund für eine niedrige Anzahl von Unternehmensgründungen ist erstmal die Tatsache, dass die meisten damit auf die Schnauze fallen. Ich selbst habe mit dem Gedanken gespielt, eine Ich-AG zu gründen, aber jeder, wirklich jeder, den ich kenne, der das gemacht hat, pfeift damit aus dem letzten Loch. Das ist kein Pessimismus, sondern eine Tatsache.
Dejavu
27.09.2005 - 10:52 Uhr
klar,es fallen viele auf die schnauze, weil sie oft zu wenig ahnung haben.
die unsicherheitsvermeidung ist aber auch ein grund, lies studien von hofstede und seinen kulturdimensionen, bei denen diese dimensionen (u.a. auch die unsicherheitsvermeidung) in verschiedenen ländern untersucht wurden und die zusammenhänge mit wirtschaftlichen fakten empirisch bestätigt sind.
Obrac
27.09.2005 - 10:54 Uhr
klar,es fallen viele auf die schnauze, weil sie oft zu wenig ahnung haben.

Die Begründung finde ich ein wenig schwach. In meiner Branche (IT-Bereich) gibt es erstmal das Problem, dass die Kunden immer rarer werden. IT-Dienstleister werden kaum mehr benötigt. Firmen lassen sich ihre Programmierung oder Webauftritte meist von internen Mitarbeitern oder nicht selten auch privat machen. Ich wüsste nicht, welche positiven Gedanken da helfen sollten.
Stefan
27.09.2005 - 10:58 Uhr
Dejavu (27.09.2005 - 10:39 Uhr):
ich versteh nicht, worüber ihr euch hier so aufregt. meine güte, ist doch nur ein werbespot! dass sich hier alle gleich angegriffen fühlen, als würden sie ihrer individualität beraubt und ein weltbild aufoktruiert bekommen, welches sie nicht teilen. wie furchtbar.
mir geht das genöle vieler deutsche auch auf die nerven- wir deutschen haben nun mal kein großartiges talent, einfach mit der situation wie sie ist glücklich zu sein. ob ein werbespot daran was ändern kann, wage ich auch zu bezweifeln, obwohl man aber die wirkung nicht unterschätzen sollte. ist doch wie bei jeder werbung... unbewußte manipulation nennt man das dann.



Den Teil hätte ich nicht hübscher schreiben können. Aber ob die Aktion sinnvoll ist oder nicht, keine Ahnung. Ich bin da ganz fest unentschlossen.
Highflyer
27.09.2005 - 11:03 Uhr
naja, ich finds schön weil ich nach der Logik jetzt Papst bin.

"Wir sind Papst" ist ja bekannt, mit "wir" ist Deutschland gemeint, weil ein Deutscher papst ist.
Wenn ICH jetzt Deutschland bin, wie sie in dem Spot sagen, bin ich Papst.

Schön.
porcelaina
27.09.2005 - 11:05 Uhr
Ich muss mich bei Harald Schmidt entschuldigen:
Schaut euch mal den TV-Spot kurz an.
Wo Schmidt sagt: "Schlag mit deinen Flügeln und reiss Bäume aus"

http://www.du-bist-deutschland.de/opencms/opencms/Kampagne/TVSpotsAnzeigen.html

Als ich das gesehen hab, dachte ich mir: Schmidt ist genial. Er tut so als mache er bei der Kampagne mit, aber er verarscht es nur. Das sieht man ihm doch an. Was denkt ihr?
Dejavu
27.09.2005 - 11:07 Uhr
ja, natürlich gibt es noch 1000 andere faktoren. wenn es immer nur ein faktor gäbe,der alles zum problem macht, wer die lösung ja einfach.
oft liegt das scheitern z.b. auch an der mangelnden kaufmännischen ausbildung. aber ich denke, das thema ist zu groß um es hier zu diskutieren.
fakt ist aber, dass die unsicherheitsvermeidung, der pessimismus, ein einflussfaktor ist, das ist wie gesagt empirisch bestätigt. und diesen mit einem werbespot in irgendeiner weise anzugehen, halte ich wie gesagt für nicht verkehrt.
immer gleich den bedenkenträger spielen und alles schlechtreden ist das, was veränderungswürdig ist. und das sieht man ja übrigens auch hier in diesem thread.
porcelaina
27.09.2005 - 11:07 Uhr
Dieser Chirurg ist irgendwie auch ultra gruselig.:)
Jules
27.09.2005 - 11:08 Uhr
Interessant, das (fast) alle hier kritisieren, aber sich anscheinend kaum einer die Seite mal angeschaut hat. Dort ist nämlich zu lesen, dass diese Kampagne nicht 30 Millionen kostet, sondern nur 2 Millionen. Das alle Prominenten auf Gage verzichtet haben und die Fernsehsender und Printmedien die Werbezeit/-platz kostenfrei zur Verfügung stellen.

Weiterhin ist es nun mal so, dass ein Grossteil der Bürger sich von so einer Kampagne beeinflussen lässt. Warum sollten sonst die Parteien zig Millionen in den Wahlkampf stecken, wenn es nichts nützen würden. Selbst einige von den Kritikern hier werden unterbewusst diese Kampagne verinnerlichen, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen.

Und drittens finde ich es gar nicht schlecht, wenn dieser gerade angesprochene Effekt eintritt, weil nur durch die Menschen hier etwas erreicht werden kann. Durch jeden einzelnen. Nicht durch die Politik, nicht durch die Medien. Jeder einzeln kann sich, Deutschland, Europa in Stück nach vorne bringen. Und wenn das dadurch erreicht wird, super. Wenn nicht, ein Versuch ist es wert.

Der Spot bzw. die Umsetzung dessen lässt allerdings einige Kritik zu. Die Message weniger...

my 2 cents
Dejavu
27.09.2005 - 11:09 Uhr
ohje, ich bin noch nicht ganz wach: die lösung WÄRE einfach ... aber ihr wisst ja was ich meine
Stefan
27.09.2005 - 11:14 Uhr
porcelaina (27.09.2005 - 11:05 Uhr):
Als ich das gesehen hab, dachte ich mir: Schmidt ist genial. Er tut so als mache er bei der Kampagne mit, aber er verarscht es nur. Das sieht man ihm doch an. Was denkt ihr?


Ich denke, du interpretierst zuviel.
tach
27.09.2005 - 11:15 Uhr
@ obrac und andere

auch hier nochmal nachzulesen:

http://www.wams.de/data/2005/09/25/780455.html

30 Millionen Euro wird die Gute-Laune-Aktion kosten. Dabei handelt es sich nicht um Kapitalleistungen, sondern um Anzeigenplätze und Werbeminuten. Diese stellen Medienkonzerne unentgeltlich zur Verfügung. Die zusätzlichen Organisationskosten beziffert Bauer auf gerade mal zwei Millionen Euro. Alle beteiligten Prominenten, Agenturen und Produktionsfirmen engagieren sich ohne Honorar.
o'reilly
27.09.2005 - 11:16 Uhr
Die ganze Kampagne, die ja bestimmt nicht erst gestern aus der Taufe gehoben wurde, passt auch so wunderbar zur anvisierten schwarz-gelben Wende. Ein Schelm, wer da nicht an Zufall glaubt...
Das das nicht so ganz klappen wollte, konnte ja keiner ahnen. Ob das jetzt überhaupt noch Sinn hat?! ;-)

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