Welchen Film habt Ihr zuletzt gesehen? Und wie fandet Ihr ihn?

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hubschrauberpilot

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08.08.2019 - 10:54 Uhr
Zu der Hobbit kann ich zum 3. Teil "Die Schlacht der 5 Heere" nur sagen, dass der Extended Cut den Film sogar schlechter macht, da die zusätzlichen Szenen ziemlich albern sind. Die anderen beiden Teile hab ich nur in der Kinofassung gesehen, und will sie eigentlich auch kein 2. mal anschauen. Den 3. genau so wenig.

Bei Herr der Ringe werten die Extended Cuts die Filme nochmal auf. Bei Teil 1 fällt das nicht so ins Gewicht, da ist eigentlich fast nur die Vorstellung der Hobbits länger geraten. Aber bei Teil 2 und 3 gibt es viele Szenen, die in der Kinofassung nicht enthalten sind. Lohnt sich auf jeden Fall.

Zappyesque

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08.08.2019 - 10:58 Uhr
Da scheiden sich die Meinungen. In meinen Augen sind es die albernen Szenen, die die Hobbit Filme aufwerten. Aus diesem Grund kann ich auch bei der Trilogie nur die Extended Versionen empfehlen. Vor allem beim dritten Teil sind unheimlich witzige Szenen rausgeschnitten worden, was mich immer gewundert hat. Wenn man schon einen >3 Stunden Film dreht der sich hauptsächlich mit kindischen Zwergen befasst soll das gefälligst auch ein wenig albern sein :)

Der Untergeher

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10.08.2019 - 20:41 Uhr
2046 (5/10)

Hübsch aber banal.

MopedTobias

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11.08.2019 - 00:01 Uhr
Yesterday 7/10

Eine Welt ohne Beatles könnte auch die Prämisse für einen Horrorfilm sein, aber Danny Boyle und Richard Curtis haben daraus lieber eine Komödie gemacht. Nach einem globalen Blackout kann sich der Hobby-Musiker Jack (Himesh Patel) als scheinbar einziger Mensch noch an die Fab Four erinnern, gibt deren Songs als seine eigenen aus und zieht damit die erwartbare Aufmerksamkeit auf sich. Der Film platziert sich eher in der Schaumstoff-Ecke von Boyles vielfältigem Oeuvre (definitiv mehr "Slumdog Millionaire" als "Trainspotting"), hat aber immerhin ein paar mehr Kanten als andere musikalische Nostalgie-Trips wie etwa "Bohemian Rhapsody". Mit ein paar anderen Weichenstellungen hätte sich diese Märchengeschichte auch in Richtung einer bösen Satire zum aktuellen Musikbusiness entwickeln können, ein paar Gedanken zum Spannungsfeld Kunst/Konsum und der kulturellen Bedeutung der Beatles sind jedenfalls da. Dass "Yesterday" diese nicht zuende denkt, möchte ich ihm zumindest nicht zum Vorwurf machen. Es ist eine warme, wirklich lustige (!) Romcom, die eher Herz und Ohren als den Kopf ansprechen will. Himesh Patel macht seine Sache hervorragend, sowohl als emotional wandlungsfähiger Hauptdarsteller, als auch als Performer einiger der bedeutendsten Stücke der Pop-Geschichte. Schade ist, dass die Lovestory mit Lily James' hilflos unterzeichneter Managerin/besten Freundin nie so recht zünden will. Sonst gibt es eine Szene, die ich sehr schön fand, aber unter Beatles-Fans eventuell kontrovers aufgenommen werden könnte und für die ganz Peniblen auch ein paar Inkonsistenzen in der Prämisse (es gibt den ältesten "Ohne Beatles kein Oasis"-Gag der Welt, aber andere Pop-Größen wie Coldplay scheinen nicht betroffen). Insgesamt aber ein unterhaltsames Feelgood-Movie und ein schöner Beatles-Tribut.

VelvetCell

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11.08.2019 - 17:54 Uhr
@Tobias

Ich gebe dir im Grunde mit allem was du sagst recht, würde aber deutlich höher bewerten, ja sogar die Neun zücken. Fühlte mich wunderbar unterhalten. Funktioniert toll als Feelgood-Movie und bietet dem Beatles-Fan noch zusätzliche Extraunterhaltung.

Cade Redman

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11.08.2019 - 18:05 Uhr
Suspiria (2018)

Schön, dass es immer mal wieder solche unkommerziellen, eigenwilligen Filme im Horrorgenre gibt, die das Publikum spalten.

Es wird fantastischer Horror mit der harschen Realität verbunden. Die Atmosphäre ist trist und angespannt. Es gibt einen Farbenreichtum, aber die Farben sind gedämpft.
Da die Handlung an einer Tanzschule spielt, ist es schön, dass das Tanzen so eine große Rolle spielt. Alle Szenen, in denen getanzt wird sind klasse. Die Szene, in der eine Tänzerin durch den Tanz einer anderen "zerstört" wird ist sicher einer der besten Morde der jüngeren Filmgeschichte.
Die letzendliche Tanzvorführung (musikalisches Highlight: Thom Yorkes "Volk") ist schlichweg atemberaubend und der beste Teil des Films. Klar 10/10.
Von der starken Besetzung gefallen mir am besten die mächtige Tilda Swinton, die drei verschiedene Rollen spielt, Mia Goth (mir hat sich ihr Gesichtausdruck während der Tanzvorführung eingebrannt) und Angela Winkler, die eine exzellente Hexe abgibt.

Das Hexenkollektiv ist nicht nur eindimensional böse, sondern eine feministische Revolutionsgruppe, die zum Beispiel dem Dritten Reich getrotzt hat. Die Hintergrundgeschichte von Dr. Klemperer finde ich berührend.

Man könnte noch viel mehr schreiben, aber das reicht erst mal. Der Film gibt eine Menge her.

8/10

MopedTobias

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11.08.2019 - 18:27 Uhr
Ich liebe Argentos Original, das Suspiria-Remake ist auf dem Papier eigentlich genau meine Art von Film und dann ist es auch noch vom Regisseur einer meiner Lieblingsfilme der 2010er. Und trotzdem hat's nur ganz streckenweise funktioniert und mich zu oft in der überlangen Spielzeit angeödet. Rewatche ich vielleicht irgendwann mal, aber beim ersten Mal schauen wars nur ne 6/10.

Wolleschmittjunior

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11.08.2019 - 18:34 Uhr
Was ist bloß mit Tarantino los?

Ein Endpunkt: ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD

Das war's dann wohl! Das denkt man am Ende von "Once Upon a Time in Hollywood". Quentin Tarantino legt mit seinem neuen Film ein Werk vor, daß Geschichte schreiben wird, nicht nur Filmgeschichte. Doch das liegt weniger an der Qualität des Films als an der Atmosphäre, der sich verlierenden Erzählung, dem ins Leere laufenden Spiel mit Referenzen. Das war sie also, die Postmoderne. Leonardo DiCaprio und Brad Pitt sind Teil eines eigenartigen Abgesangs, aus dem, anders als bei den früheren Tarantino-Filmen, nichts mehr Neues entsteht. Ist Tarantino nicht länger ein Regisseur der Gegenwart?

Cade Redman

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11.08.2019 - 19:41 Uhr
@MopedTobias: War bei mir ähnlich, aber ich kann sagen, dass sich mehrere Rewatches lohnen.

Deaf

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11.08.2019 - 19:58 Uhr
Tarantino hat doch schon seit 15 Jahren (also seit Kill Bill Vol. 2) nichts Überdurchschnittliches mehr zustande gebracht. Manche würden sogar sagen, seit 1997.

MopedTobias

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11.08.2019 - 20:04 Uhr
Hat Tarantino in seiner Karriere überhaupt irgendwas NICHT Überdurchschnittliches gemacht? Ich würde ganz klar "nein" sagen. Und Inglourious Basterds sogar auf die zwei hinter Reservoir Dogs setzen.

Deaf

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11.08.2019 - 20:10 Uhr
Ach was. Deathproof, Django und Hateful 8 waren mittelmässig, Basterds ok aber massiv überbewertet. Ne, der Zug ist längst abgefahren.

boneless

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11.08.2019 - 23:04 Uhr
Ach was. Deathproof, Django und Hateful 8 waren mittelmässig, Basterds ok aber massiv überbewertet. Ne, der Zug ist längst abgefahren.

+ Jackie Brown

Ich hatte ja sehr gehofft, dass an dem Gerücht, er würde einen Charles Manson Film machen, was dran wäre, aber dem ist wohl leider nicht so...


November

Diesen Film zu beschreiben und nicht poetisch zu werden, ist kaum möglich. Ein höchst ästhetischer Fiebertraum in Schwarz-Weiß. So faszinierend wie beklemmend, so bezaubernd wie bedrückend. 115 Minuten wie ein nachtfarbenes Gedicht, ein Märchen aus einer anderen Welt, in der Fabelwesen zum Alltag gehören und der Teufel ebenso präsent ist wie der christliche Glaube.
Ich möchte behaubten, dass die Geschichte an sich gar nicht so wichtig ist. Vielmehr ist es das Gesamtkonstrukt aus Bild und Ton, welche in beängstigender Perfektion Hand in Hand gehen. Eine neue Definition von "stilvoll". Es fällt wahrlich schwer, sich dem Sog nicht hinzugeben und den Bewohnern eines estnischen Dorfes nicht in die Dunkelheit zu folgen. Die Dunkelheit ihres Daseins, ihrer stillen Verzweiflung. Ein Kampf ums Überleben inmitten von absurden, schauerlichen und fantastischen Begebenheiten. Wer für Arthouse auch nur einen Funken Begeisterung aufbringen kann, sollte diesen Film gesehen haben. 8/10

Vennart

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12.08.2019 - 00:10 Uhr
Burning 8,5/10

Ich hätte nicht gedacht, dass ein Film das Gefühl, sich in einer von Haruki Murakami konzipierten Welt zu befinden, so intensiv vermitteln kann. Wie auch nach seinen Büchern blieb ich nach dem Film etwas ratlos und mit viel Raum zum interpretieren des Gesehenen zurück. Wie in seinen Büchern bin ich mir nicht immer sicher gewesen, was und ob überhaupt gerade etwas Nennenswertes passiert. Die vom Film erzeugte Atmosphäre ist überragend aber für mich ist das schon ein Stimmungsfilm, d.h. wenn man gerade nicht aufnahmefähig für diese Art von hypnotischen Film ist, in dem nüchtern betrachtet nicht wirklich viel passiert, wirkt es wohl nicht auf einen aber mich hat der Film voll in seinen Bann gezogen.


The Invitation 2,5/10

Gurkenfilm!

Eurodance Commando

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12.08.2019 - 01:02 Uhr
Parasite 9,5/10
The Wailing 8/10

Auf's koreanische Kino ist Verlass!
Ersterer dürfte locker zu den besten Filmen des Jahres zählen. Eine Tragikkomödie von diesem Format abzuliefern ist sowieso die Königsklasse der Filmkunst.
Mehr möchte ich nicht verraten, denn der Film lebt von seinen Spannungselementen.
Zu zweiterem:
Uff, (wieder) sehr harter Tobak. Ein Mystery-/Horrorthriller mit über zweieinhalb Stunden Länge dürfte manche vielleicht abschrecken. Es hat sich aber gelohnt, vor allem im letzten Drittel wird's richtig unangenehm (im positiven Sinne) dramatisch.

peppermint patty

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12.08.2019 - 20:54 Uhr
Destroyer

würd ich auch so bei 7 sehen, hat mich in vielen Momenten übrigens an Bad Lieutenant mit Keitel erinnert, das Stilmittel mit den Sportübertragungen im Radio, und natürlich das Motiv der Erlösung

L.A. Confidential

Endlich konnte ich mich von der Ellroy- Vorlage lösen und den Film als eigenständiges Werk würdigen. Selten eine so stimmige Besetzung gesehen, aus der nochmal Kevin Spacey und James Cromwell herausstechen. 9/10 Nu..., die wie Filmstars aussehen

Eurodance Commando

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12.08.2019 - 23:48 Uhr
Burning 8/10

Der nächste Bilderreigen aus Südkorea. Sehr subtiler und ruhiger Film, der bis zum Ende die Erwartungshaltung und auch die Sehgewohnheiten untergräbt. Mit knapp 2,5 Stunden wieder ein Film, der sich viel Zeit nimmt und dann nur noch fließt, viel andeutet, aber nicht komplett greifbar ist. Faszinierend, aber irgendwas fehlte mir dann doch. Vielleicht ist mir auch etwas entgangen.

MopedTobias

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13.08.2019 - 01:49 Uhr
Conan The Barbarian 7/10

Arnie-Trash ist eins meiner größten filmischen guilty pleasures. Nur Commando ist in der Hinsicht noch besser als Conan (also die wirklich guten Filme, die er ja auch gemacht hat, mal ausgenommen).

Der Untergeher

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13.08.2019 - 09:46 Uhr
Inland Sea (7.5/10)

Radikale, aber einfühlsame Observation, jenseits von Plot und Dramaturgie. Poetisch. Kazuhiro Soda sollte man auf dem Zettel haben, wenn man sich für zeitgenössischen Dokumentarfilm interessiert.

Vennart

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13.08.2019 - 23:56 Uhr
Donnie Darko 10/10

Nach dem unbeschreiblichen Tears For Fears Konzert war es natürlich Pflicht, mal wieder Donnie Darko anzuschauen. Wertung ist eh klar.

hubschrauberpilot

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14.08.2019 - 21:01 Uhr
Avengers 4: Endgame

Oh man, ich mag den ersten Teil extrem. Aber was ist das hier? Die ersten Minuten wirken noch düster und hoffnungslos, doch dann die Rettung: *Spoiler* Ey, wir können Zeitreisen machen! Dann leben wieder alle Superhelden und wir können Thanos doch noch in den Arsch treten! *Spoiler Ende*

Tut mir leid, kann ich wenig mit anfangen. Thor als dickbäuchiger Hipster ist ganz ok, sorgt für ein paar müde Lacher. Aber die Actionsequenzen sind überladen und den Superhelden kann sowieso nichts passieren. Das ist nicht spannend. Dazu wird am Ende der Stab des Zepters von den verstaubten, weissen Helden in afroamerikanische Hände gegeben. Sehr medienwirksam. Wir freuen uns auf Fortsetzungen (bin raus).

6/10

MopedTobias

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14.08.2019 - 21:21 Uhr
Das liest sich eher nach 2/10, wo kommen die Punkte her, wenn du nur abrantest?

Underground

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14.08.2019 - 23:46 Uhr
Once Upon A Time... In Hollywood 8?/10

hubschrauberpilot

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16.08.2019 - 22:51 Uhr
Once Upon A Time... In Hollywood

*Enthält Spoiler*

Ich weiss nicht was ich da gesehen habe, aber gut war es sicherlich nicht. Es gibt die Tarantino-typischen Dialoge, aber es sind wenige. Kurz vor Ende auch noch exzessive Gewaltszenen, aber es ist zu wenig und auch schnell vorbei.

Was bleibt am Ende? Ein Nostalgie-Trip in Hollywoods Vergangenheit, wo alles kleiner und beschaulicher ist als heute. Ich empfand die Kameraarbeit, Ausstattung und Schauspielleistung auch als ziemlich gut, aber der Handlung fehlt irgendwie ein roter Faden. Der Film hat an vielen Stellen eine Art Seriencharakter, und das ist nicht positiv gemeint. Eine Art Aneinanderreihung von Szenen, die zwar die Charaktere beleuchten, aber zu nichts führen.

Die geschichtliche Verklärung von realen Ereignissen war in Inglorious Basterds noch ok, da fast comichaft entfremdet. Hier stört es, die Manson-Familie als Volldeppen darzustellen. Wem ist damit geholfen?

In meinen Augen der schwächste Tarantino, noch schlechter als Kill Bill 2.

6/10

Telecaster

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17.08.2019 - 11:36 Uhr
Once Upon A Time... In Hollywood

7,5/10

Unterhaltsam, aber mit Längen. Brad Pitt in Bestform.
Pluspunkte dafür, dass man absolut nicht vorhersehen kann, was als nächstes passiert oder wie der Film ausgeht.

MopedTobias

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17.08.2019 - 11:55 Uhr
Once Upon a Time in Hollywood 8/10 (abstrakte SPOILER, aber nichts konkret Plotbezogenes)

"Once Upon a Time in Hollywood" ist der ultimative Tarantino-Film und es ist ein komplett untypischer Tarantino-Film. Das Setting des Spät-60er-Hollywoods ist natürlich wie gemalt fürs Ausleben allerlei nerdigster Film- und vor allem TV-Referenzen und diese Leidenschaft treibt QT hier ebenso wie seinen Fußfetischismus zur Spitze. Sein Faible für Anspielungen geht sogar so weit, dass er seine eigenen Filme so exzessiv wie nie zitiert. Auch Cast und Cameos bestehen größtenteils aus Tarantino-Allstars, der Retro-Pop-Soundtrack, die Bilder, die Dialoge, die Kostüme, alles ist zu 100% Tarantino. Und dennoch ist nach dem Schauen klar: Diesen Film hat QT weniger fürs Publikum und mehr für sich selbst gemacht.

Wenn man für den generellen Vibe von OUATIH einen Bezugspunkt in QTs Oeuvre finden will, landet man wohl am ehesten bei "Jackie Brown". Es ist sein bisher ruhigster, reifster, am wenigsten auf Schauwert ausgelegter Film. Im Herzen ein Buddy-Movie über Leonardo DiCaprios abgehalfterten TV-Star Rick Dalton und seinen Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt) erzählt der Film ihre Geschichten (und die von Margot Robbies Sharon Tate) lose und unaufgeregt. Über den Großteil der mächtigen Laufzeit von 160 Minuten gibt es keine kohärente Story oder einen erkennbaren Spannungsbogen, es sind im Grunde einzelne Vignetten, die sich zu einem Mosaik eines Zeitabschnitts der amerikanischen Popkulturgeschichte zusammensetzen. Erst im letzten Drittel, wenn die Manson Family eine größere Rolle spielt, entwickeln sich ein bisschen mehr Zug und Intensität.

Es hat drei Gründe, die OUATIH trotzdem höchst sehenswert machen. Zum einen sind die Szenen, wenn auch manchmal ein bisschen zu lang, fast immer super. Ein paar Mal dreht QT auch hier frei (in einer herrlichen Bruce-Lee-Szene etwa oder im absurd grandiosen Finale) und im Geiste einer generellen Unvorhersehbarkeit vermeiden viele Konstellationen den erwartbaren Ausgang. Zum anderen ist es unheimlich faszinierend, wie konsequent QT es hier mit seinem passionierten Nerdtum treibt und damit unterhält, auch wenn man den Referenz-Wust als deutscher, nach den 60ern geborener Zuschauer überhaupt gar nicht verstehen kann — QT dürfte wohl niemals so viel Spaß wie beim Schreiben und Drehen der fiktiven Filme und Serien Daltons gehabt haben und das merkt man. Und schließlich durchziehen den Film im Abgesang des alten Hollywoods und in der Figur Daltons eine ungewohnte Melancholie und Nachdenklichkeit. Vor allem die Aus- und Zusammenbrüche des letzteren gehen teilweise wirklich an die Nieren und offenbaren eine Menschlichkeit, die nicht grade zum Grundrepertoire QTs gehört. Neben all der konkreten Selbstreferenzialität hinterfragt er auch die übertriebene Gewaltdarstellung von fiktiven Medien — einer der am häufigsten an ihn angebrachten Kritikpunkte — und gibt gerade dem Ende damit einen doppelten Boden. Der damals knapp 30-jährige Regisseur, der mit "Reservoir Dogs" die Coolness erfand, ist endgültig erwachsen geworden.

Wolfgangs Analyse trifft dementsprechend einen wahren Kern, denn "Once Upon a Time in Hollywood" ist ein Film des Verschwindens. Eine Ära geht zuende, Charaktere blicken ins Leere und die Erzählung läuft ins Nichts. Und Tarantinos Filmkunst? Deren tatsächlich näherkommendes Ende scheint sein vermeintlich vorletzter Film ein bisschen zu betrauern.

Mr. Orange

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Registriert seit 04.02.2015

17.08.2019 - 13:15 Uhr
Großartige Rezension! Du solltest echt mal ne Film-Review-Seite o.ä. aufmachen. Gibt meines Wissens keine gute deutschsprachige.

Affengitarre

User und News-Scout

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Registriert seit 23.07.2014

17.08.2019 - 13:17 Uhr
Das stimmt, deine Rezensionen sind echt klasse. Ein wenig schade, sie hier in einem ollen Thread verkommen zu lassen. :D

peppermint patty

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Registriert seit 07.05.2019

17.08.2019 - 13:33 Uhr
Danke, danke, aber so toll waren meine Rezis zu Destroyer und L.A. Confidential nun auch wieder nicht :)

hubschrauberpilot

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17.08.2019 - 13:40 Uhr
Absolut. MopedTobis Rezensionen sind immer klasse geschrieben und auf den Punkt.

Und dennoch ist nach dem Schauen klar: Diesen Film hat QT weniger fürs Publikum und mehr für sich selbst gemacht.


Und weil er es sich mittlerweile aufgrund seines Kult-Status leisten kann. Im nachhinein fand ich es auch gut, wie er öfters mit der Zuschauererwartung spielt, so im Sinne von "Gleich gehts rund" und dann nichts passiert. Das hat er ja bei The hateful 8 auf die Spitze getrieben, aber da stimmten wenigstens der Spannungsbogen und die Dialoge. Ich bleibe bei meiner Wertung von 6/10.

MopedTobias

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17.08.2019 - 14:14 Uhr
Danke für die Blumen :) Hier muss ich aber klar widersprechen...:

"Du solltest echt mal ne Film-Review-Seite o.ä. aufmachen. Gibt meines Wissens keine gute deutschsprachige."

...und meine im Forum schon oft angebrachte Lieblingsseite critic.de nochmal loben. Stellenweise find ich die sogar international konkurrenzlos. Ich kann nicht immer zustimmen und manchmal driftet es auch ins Prätenziöse, aber hier schreiben Menschen mit wirklich viel, auch medien- und kulturwissenschaftlicher Ahnung von Filmen und formulieren Gedanken, auf die ich selbst nach dem Schauen nicht gekommen wäre, sie nach dem Lesen aber oft absolut nachvollziehen kann. Sind leider finanziell in keiner guten Situation und es werden immer weniger Kritiken und Artikel. Aber die Qualität hat nicht nachgelassen und das Archiv ist super.

Btw hab ich die meisten meiner längeren Texte hier nicht PT-exklusiv geschrieben (näher möchte ich hier nicht drauf eingehen). "Hollywood" war jetzt aber tatsächlich nur für euch :* (bzw. auch für mich, weil ich diesen Film so faszinierend fand und das in Worte bringen wollte).

jayfkay

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Registriert seit 26.06.2013

17.08.2019 - 16:14 Uhr
Hast du etwa deine eigene Spalte im lokalen Käseblatt? ^^

The MACHINA of God

User und Moderator

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Registriert seit 07.06.2013

17.08.2019 - 20:18 Uhr
Toni Erdmann 8/10

Man muss mich gewöhnlich kidnappen und eine Waffe an meine Schläfe halten, damit ich deutsche Filme schaue (das letzte Mal wurde mir "Oh boy" empfohlen und puh, das war so gar nicht meins). Aber "Toni Erdmann" hatte ich auf meiner Liste und wurde eigetlich nicht enttäuscht. Die ersten 2 Stunden sind dann auch ungefähr wie ich es mir vorgestellt habe: kauzig, lustig, gleichzeitig recht berührend. Mit der Geburtstagsfeier kommt dann noch eine recht irre Wendung 30 Minuten vor Schluss, die sicher einige "too much" finden. Fand das aber auf absurde Weise konsequent und allein schon das Kostüm des Vaters war grandios. Meine liebste Szene ist aber wohl die Eiermal-Party und Sandra Hüllers Whitney-Performance.

Mr. Orange

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Registriert seit 04.02.2015

17.08.2019 - 20:44 Uhr
@Machina:
Hast du „Victoria“ gesehen? Bester deutscher Film der letzten 10 Jahre und einen der insgesamt besten Filme des Jahrzehnts.

peppermint patty

Postings: 102

Registriert seit 07.05.2019

17.08.2019 - 20:58 Uhr
Ich werf als besten deutschen Film der letzten Jahre mal "Als wir träumten" in den Raum. Für Machina doppelt interessant, denn er spielt in seiner Stadt.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 16459

Registriert seit 07.06.2013

17.08.2019 - 21:05 Uhr
@Mr. Orange:
Nee, leider nicht. Mich hat die Nachtleben/Party-Thematik etwas abgeschreckt. Soll ich es mal versuchen?

@Peppermint:
Stimmt, von dem hab ich auch nur gutes gehört. Vielleicht sollte ich doch mal wieder mehr ins deutsche Kino reinschnuppern.

VfBFan

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Registriert seit 14.06.2013

18.08.2019 - 10:43 Uhr
Hier ein paar sehenswerte, und von mir auch gesehene, deutsche Filme der 2010er-Jahre in willkürlicher Reihenfolge. Ja ein paar aus Österreich sind auch dabei.

Barbara
Transit
Kreuzweg
Hauptmann, Der
Finsterworld
Tschick
Fraktus
Staat gegen Fritz Bauer, Der
Wild
Love Steaks
Tore tanzt
Gundermann
Hedi Schneider steckt fest
Im Labyrinth des Schweigens
Picco
Ich fühl mich Disco
303
Unsichtbare Mädchen, Das
Western
Wilde Maus
Ich seh, ich seh
Vor der Morgenröte
Oktober November

peppermint patty

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Registriert seit 07.05.2019

18.08.2019 - 10:47 Uhr
11 von denen kenn ich auch. Vor allem " Tore tanzt" hat sich mir regelrecht ins Gedächtnis gebrannt. Dieser Film KANN keinen kaltlassen.

Der Untergeher

User und News-Scout

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Registriert seit 04.12.2015

18.08.2019 - 12:28 Uhr
Western

JA! Einer der besten Filme der Dekade. Punkt.

MopedTobias

Postings: 12075

Registriert seit 10.09.2013

18.08.2019 - 13:33 Uhr
Die sehr gute Liste vom VfB-Fan würde ich unbedingt noch um "Der Nachtmahr" ergänzen, imo der beste deutsche und generell einer der besten Filme der 10er. Auch da nicht vom Setting feiernder Jugendlicher abschrecken lassen, ist eine absolut umwerfend gute Coming-of-Age-Geschichte im Horror-Gewand.

Und "Victoria" möchte ich auch nachdrücklich empfehlen. Man kann ein bisschen am Plot mäkeln, aber spätestens ab der zweiten Hälfte hab ich das als unfassbar intensive, stellenweise zu Tränen rührende Filmerfahrung empfunden. Und technisch natürlich auch beeindruckend, dass sie das ganze Ding wirklich in einem Shot gedreht haben und es nicht nur so aussieht wie bei "Birdman" z.B.

Eurodance Commando

Postings: 56

Registriert seit 26.07.2019

18.08.2019 - 13:47 Uhr
@VFBFan

Das ist ne wirklich sehr gute Aufzählung. Hab zwar nicht alle davon gesehen, aber ich glaube "Gundermann" wird wohl der beste darunter sein.

NOK

Postings: 19

Registriert seit 04.10.2018

18.08.2019 - 17:04 Uhr
Ich kenne die Filme aus VfBFans Liste nicht alle, aber von denen, die ich kenne, ist meines Erachtens wirklich keiner schlecht. Höchstens von "Wilde Maus" war ich etwas enttäuscht, was aber vermutlich auch an der etwas falschen Erwartungshaltung lag, mit der ich da herangegangen bin.

Mein Interesse am deutschen Filmnachwuchs ist durch die Viennale 2013 initialgezündet worden, wo ich "Das merkwürdige Kätzchen" von Ramon Zürcher gesehen habe, der mich nachhaltig beeindruckt hat. Entstanden an der dffb in einem Seminar, das von Béla Tarr geleitet wurde, basierend sehr, sehr lose auf Kafkas "Die Verwandlung". Jetzt, wo MopedTobias schon critic.de angesprochen hat, und da ich das ohnedies nicht so gut in Worte fassen könnte:

https://www.critic.de/film/das-merkwuerdige-kaetzchen-5218/

Spricht mir aus der Seele. Eine wunderbar choreographierte und doch spontan wirkende Alltagsstudie, in der man schon sowohl einen Glücklichmacher als auch einen Familienhorrorfilm gesehen hat. Mit einem Minimalsoundtrack der Post-Rock-Band Thee More Shallows. Bitte ansehen, am besten jetzt gleich in voller Länge und 1080p bei YouTube:

https://www.youtube.com/watch?v=c3YAiDW97kA

MopedTobias

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Registriert seit 10.09.2013

18.08.2019 - 17:14 Uhr
Klingt interessant, merk ich mir mal vor.

Noch vergessen: "Halt auf freier Strecke", ein an Intimität und Intensität kaum zu überbietendes Krebs-Drama von 2011. Auch eine der Perlen des jüngeren deutschen Kinos, man sollte sich vorm Schauen aber bewusst sein, dass man danach (wahrscheinlich) emotional völlig am Ende sein wird.

Deaf

Postings: 69

Registriert seit 14.06.2013

18.08.2019 - 18:47 Uhr
Vielleicht sollte man einen eigen Thread zu deutschen Filmen aufmachen? Was an "Das merkwürdige Kätzchen" aber gut sein soll, erschliesst sich mir nicht. Selten einen nervtötenderen und sinnloseren Film gesehen, da kann man eigentlich fast nur die 1/10 zücken.

Auch das vielgelobte "Victoria" ist kein guter Film, da reicht sowas innovatives wie ein One Shot nicht aus. Gerade die zweite Hälfte des Films ist hanebüchen und ärgerte mich.

Deaf

Postings: 69

Registriert seit 14.06.2013

18.08.2019 - 18:52 Uhr
Dieses Wochenende hatte ich leider auch nicht so viel Glück:

Kill List - 4/10
Eigentlich recht starker Anfang, aber am Schluss wird der Film komplett an die Wand gefahren.

Hell or High Water - 6/10
Hatte mir viel mehr erhofft. Erinnerte mich ziemlich an "No Country For Old Men", ohne freilich dessen Klasse auch nur annähernd zu erreichen.

Belle de Jour - 7/10
Heutzutage nicht mehr nachvollziehbar, warum der Film damals so skandalös gewesen sein soll. Aber schön gefilmt.

MM13

Postings: 1695

Registriert seit 13.06.2013

18.08.2019 - 18:58 Uhr
hard snow 3/10
unterirrdisch,vater auf rachefeldzug, das gibts 100mal in besser, auch mit liam neeson!
dann gabs bei videoload auch noch nur eine uhd oder eine sd- version mit üblem ton.wieviel % haben uhd? naja, schon bessere samstagabende gehabt.

VfBFan

Postings: 38

Registriert seit 14.06.2013

18.08.2019 - 19:21 Uhr
Mit den bisherigen Filmen von Ben Wheatley kann ich leider auch nichts anfangen, mit Ausnahme von Sightseers.

MopedTobias

Postings: 12075

Registriert seit 10.09.2013

18.08.2019 - 20:52 Uhr
Von Wheatley kenn ich nur die letzten drei, also "High-Rise", "Free Fire" und "Happy New Year, Colin Burstead". Völlig verschiedene Filme, aber auf ihre Weise alle sehr gut, ohne dass ich einen davon als Meisterwerk bezeichnen würde. "Kill List" und "Sightseers" will ich auf jeden Fall noch gucken.

Bei "Victoria" kommt's halt besonders auf die eigenen Anforderungen und Erwartungen am Film an sich an. Ich kann nicht widersprechen, dass da Plot-mäßig nicht alles rund läuft, aber es war mir völlig egal, weil mich der Film formal und emotional so mitgenommen hat. Und komplett unlogisch ist da ja auch nichts.

Hmm

Postings: 59

Registriert seit 02.05.2018

19.08.2019 - 00:10 Uhr
John Wick (2014)

Ist mir ein wenig schleierhaft warum der bei imdb verhältnismäßig gut wegkommt. Generische Revenge-Action mit einem Haufen headshots und sonst...? Ohne Keanu Reeves wäre der Film eine ziemliche Katastrophe.

5,5-6/10

Die anderen beiden Teile werde ich mir wohl trotzdem reinziehen. Urlaub FTW!

hubschrauberpilot

Postings: 5265

Registriert seit 13.06.2013

19.08.2019 - 14:05 Uhr
hard snow 3/10

??? Meinst du etwa Hard Powder ???

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