Welchen Film habt Ihr zuletzt gesehen? Und wie fandet Ihr ihn?

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Given To The Rising

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10.09.2020 - 20:47 Uhr
"Sorry, aber über Furzwitze bin ich dann doch mittlerweile hinaus.
Soinst vkann ich auch gleich Louis und die außerirdichen Kohlköpfe schauen."
The inquisation, what a show, the inquisation, here we go.

Luc

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10.09.2020 - 20:54 Uhr
Nobody expects the Spanish Inquisition!
Our main weapon is surprise!

dreckskerl

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10.09.2020 - 21:30 Uhr
Sehr schön auch Sellers als indischer "Partyschreck".

hideout

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12.09.2020 - 11:20 Uhr
Trash-Juwelen, die mir auf jeden Fall Spass machen

Kein Trash, aber "Tais-toi!" (Ruby & Quentin) mit Gerard Depardieu und Jean Reno macht sehr viel Spass. Ein herrlich doofer Film.

sizeofanocean

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13.09.2020 - 20:45 Uhr
Ad Astra | 4/10

joa, die 2 Stunden Lebenszeit bekomm ich leider nicht zurück. Brad Pitt und Tommy Lee Jones im Dunstkreis von Gravity und Interstellar, leider ist der Film im Vergleich deutlich langatmiger und langweiliger und irgendeine Art von cleverer Aussage ist auch nicht in Sicht.

hubschrauberpilot

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13.09.2020 - 20:55 Uhr
Fand Ad Astra im Nachhinein auch extrem schwach, 0 Interesse den nochmal zu schauen. Billige Vater-Sohn-Beziehungsklamotte im All, absolut nix bei rumgekommen.

MopedTobias

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13.09.2020 - 20:57 Uhr
Ich fand den Film etwas besser als sowohl Gravity als auch Interstellar, bin aber von allen dreien nicht der größte Fan.

sizeofanocean

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13.09.2020 - 20:58 Uhr
die kurze Verfolgungsjagd mit den Mondfahrzeugen im ersten Drittel war noch ganz cool, aber mehr war echt nicht drin.

Given To The Rising

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13.09.2020 - 20:59 Uhr
Bester Astronautenfilm ist immer noch Red Planet. Popcornkino.

fuzzmyass

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13.09.2020 - 21:34 Uhr
Interstellar fand ich "nur" ganz OK, da hat mir zu viel gefehlt in Punkto Flow und Verhalten/Motivation der Figuren. Gravity fand ich runder und optisch super, aber dafür hatte der halt wiederum kaum eine wirkliche Story, was mir wiederum gefehlt hat.
Ad Astra muss ich mal schauen.

Rainer

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13.09.2020 - 21:38 Uhr
A Woman Under The Influence 10/10

Klassiker von John Cassavetes, der vor kurzem ja auch in Kaufmans neuen Film gedroppt wurde. Dessen Film war zwar eher diesmal nicht so das Gelbe vom Ei, aber immerhin kann man ihm einen grandiosen Filmgeschmack attestieren. Vielleicht ist dies einer der unbequemsten Filme überhaupt, weil wie bei Cassavetes üblich alles recht authentisch wirkt. Authentisch unangenehm. Dazu zwei Schauspieler mit einer wahnsinnigen Intensität, muss man gesehen haben!

dreckskerl

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13.09.2020 - 21:47 Uhr
Da stimme ich dir zu, ein Film den man gesehn haben muss.

sweet nothing

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14.09.2020 - 15:57 Uhr
Oh ja, Gena Rowlands ist darin einfach unglaublich. Hab den auch vor kurzem zusammen mit „Husbands“ geguckt - ebenfalls ein starkes aber sehr eigenwilliges Cassavetes Output.

Corristo

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14.09.2020 - 22:39 Uhr
Tenet 7/10

Eigentlich sehr schwierig zu bewerten nach dem ersten Schauen. Wieder so ein komplexer, ambitionierter Nolan-Film. Ganz schwierig zu sagen, ob der angestrengt konstruiert ist oder sich nach dem dritten Durchgang oder so sich ein roter Faden zeigt, der ihn gar zu einem Meisterwerk machen könnte. Er versucht auf jeden Fall der next level Hirnfick im im weitesten Sinne Genre der Zeitreisenfilme zu sein. Optisch und von der Action auf jeden Fall beeindruckend.

Ansonsten wohl zum ersten Mal überhaupt dieses Jahr im Kino gewesen und seit Corona sowieso. Das verleidet einem natürlich vieles, ständig den Eindruck zu haben, in einem Hochrisikogebiet zu sein. Der ganze Kinobesuch selbst strahlt so Mad Max-artige postapokalyptische Vibes aus, ganz seltsam. Und es gab überhaupt keine Trailer zu sehen, geradezu tragisch. Man fragt sich schon, wie lange die Branche das so noch durchhalten kann. Und noch während dem Abspann kommt so ein Typ mit Desinfektionsspray und schaut einen auffordernd an, doch bitte möglichst schnell den Saal zu räumen. Aber schön, dieses Jahr wenigstens überhaupt nochmal einen einigermaßen aktuellen Film im Kino sehen zu können.

MopedTobias

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Registriert seit 10.09.2013

14.09.2020 - 22:45 Uhr
Öh, ich weiß nicht, in was für Kinos du gehst, aber bei mir war nichts mit Postapokalypse-Vibes oder Desinfektionsspray-Typen und Trailer gab es auch zuhauf...

MopedTobias

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Registriert seit 10.09.2013

15.09.2020 - 01:52 Uhr
The Rider 8,5/10

Ein Cowboy, der nicht mehr reiten kann, verliert seinen Lebenssinn. Das ist die Prämisse von Chloé Zhaos Film "The Rider", der mit dem Zeicheninventar des modernen Westerns eine tragische Charakterstudie erzählt. Bei einem Unfall erleidet der junge Rodeo-Reiter Brady eine schwere Kopfverletzung, die ihn mit einer Platte im Schädel und Spasmen in der Hand hinterlässt. Die dringende ärztliche Empfehlung: Nie wieder Rodeo, denn ein weiterer Sturz kann den Tod bedeuten. Doch das Reiten ist für Brady mehr als nur Leidenschaft, es ist auch mehr als der Broterwerb für seine autistische Schwester und den die Ersparnisse versaufenden und verzockenden Vater – es ist seine ganze Identität. Er und sein Umfeld definieren sich nur auf dem Pferd sitzend, kaum ein Dialog, kaum eine Handlung dieses Films ist nicht auf das Rodeo ausgerichtet. Die endgültige Abkehr davon erscheint unvorstellbar, das Lebensmotto der Cowboys unerschütterlich: "Ride through the pain".

Zhao erzählt eine echte Geschichte mit ihren echten AkteurInnen. Brady Jandreau und seine Familie spielen im Grunde ihr eigenes Schicksal nach, ebenso wie sein guter Freund Lane Scott, der nach einem Sturz einen noch viel schwerwiegenderen Gehirnschaden davontrug. Der Naturalismus der Performances spiegelt sich im ganzen Film, der ohne Pathos oder Melodramatik auskommt. Zhaos Bilder evozieren John Ford oder Terrence Malick, ohne je überästhetisiert zu wirken. Die Atmosphäre der amerikanischen Badlands, die Gerüche, die Luft werden mit den eigenen Sinnen erfassbar. Bradys innerer Konflikt spielt sich über weite Teile wortlos ab und Close-Ups seines subtil ausdrucksstarken Gesichts kontrastieren die Weiten der Prärie. Nicht zuletzt sind es, wie so oft, die Pferde, in deren Gegenwart der Cowboy seine Gefühle stärker als unter Menschen artikulieren kann und die für ein paar der tiefschürfendsten Momente von "The Rider" sorgen. Ein zärtlicher, verletzlicher, unheimlich bewegender Film.

Corristo

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Registriert seit 22.09.2016

15.09.2020 - 19:24 Uhr
Öh, ich weiß nicht, in was für Kinos du gehst, aber bei mir war nichts mit Postapokalypse-Vibes oder Desinfektionsspray-Typen und Trailer gab es auch zuhauf...

Echt? Aber da sich die Maßnahmen in den Bundesländern stark unterscheiden können, mag das durchaus so sein. Ich hatte aus den fehlenden Trailern geschlossen, dass in absehbarer Zeit wenig neue Filme anlaufen werden. Wäre ja sehr wünschenswert, wenn es anders wäre. Vielleicht haben sie hier bewusst vor dem Film keine Trailer eingespielt. Bisher nur ganz, ganz selten erlebt, aber möglich wärs.

NOK

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Registriert seit 04.10.2018

15.09.2020 - 20:31 Uhr
Wahre Worte, MopedTobias, und sollte Zhao nun mit "Nomadland" derart durch die Decke gehen, wie sich das momentan andeutet, es wäre ihr allein wegen "The Rider" mehr als zu gönnen.

VfBFan

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Registriert seit 14.06.2013

15.09.2020 - 23:20 Uhr
Suchsland fand ihn wohl nicht so prickelnd.
https://www.artechock.de/film/text/special/2020/venedig/09_13_venedig_suchsland.html

peter73

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Registriert seit 14.09.2020

17.09.2020 - 12:51 Uhr
tenet

tja, was soll man nach einer erstsichtung von einem nolan-film großartig verkünden? same procedure as every time? im westen nichts neues? so einfach ist es nicht. wie immer. und was zum henker macht pattinson in diesen 2,5 gut angezogenen stunden? egal, ich mag den kerl.
auf der haben-seite stehen action+spannung und die wie immer verworrene story um raum & zeit - aber figurenzeichnung oder tiefgehende dialoge sind dem herren immer noch ein fremdwort.

boneless

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Registriert seit 13.05.2014

18.09.2020 - 20:34 Uhr
Bericht zum Fantasy Filmfest 2020

Die Tatsache, dass das Filmfest in diesem Jahr überhaupt stattfinden konnte, ist an sich eine wirklich feine Sache. Sicher kann man über einen Kinosaal, der nur zu ca. 1/3 besetzt werden darf, meckern, allerdings fehlte trotz leerer Reihen nie die Atmosphäre und das Programm konnte sich - trotz oder gerade wegen Corona - wirklich sehen lassen.
Ich habe an 3 Tagen schlussendlich 8 Filme gesehen und meine Auswahl hat mich zufrieden gestellt. Das Highlight gab es Freitagabend gleich zu Beginn, doch auch die folgenden Filme waren allesamt gut bis sehr gut + eine stimmungsabhängige Ausnahme, bereut habe ich keines der Tickets. Als weise entpuppte sich am Sonntag die Entscheidung, Mandibules als Abschluss stehen zu lassen und die (immerhin 2 1/2 stündige) Heimreise aus Berlin anzutreten, denn mit The Reckoning hätte ich mir laut diverser Meinungen keinen Gefallen getan, es scheint sogar Leute gegeben zu haben, die über den neuen Film von Neil Marshall (The Descent, Doomsday) ernsthaft verärgert waren (von absolutem Bodensatz, totalem Schund und alberner Kreisklassen-Schultheateraufführung war da die Rede). Falls euch der Streifen also mal über den Weg laufen sollte... ihr seid hiermit gewarnt. :D

Meine Meinung zu den ersten 4 Filmen. Die zweite Hälfte folgt später.

Possessor

Im Grunde kann man Brandon Cronenberg eigentlich nur jenen kleinen Vorwurf machen, dass er sich mit Possessor thematisch ein wenig zu offensichtlich im Fahrwasser seines berühmten Vaters David bewegt. Aber das wars auch schon, denn ansonsten ist sein zweiter Streifen ein fast schon beängstigend intensives Monstrum, welches auf so gut wie allen Ebenen (Sound, Kameraarbeit, Optik, Score, Schnitt,...) mit einer Perfektion besticht, die man so nur den alten Hasen im Geschäft zutraut. Possessor bettet seine Geschichte um technische Gehirn- und Bewusstseinsmanipulation in fesselnde und bisweilen schockierende Bilder, die zu gleichen Teilen abstoßend und anziehend wirken. Es gibt Szenen in diesem Film, die sind so brillant, dass man glatt aufjauchzen möchte und es gibt Momente, die mit ihrer schmerzhaften Wucht mehr treffen als alles, was ich zuletzt in diesem Bereich gesehen habe. Possessor ist nichts weiter als ein großer Wurf eines unglaublich talentierten Regisseurs. Hier fällt der Apfel in der Tat nicht weit vom Stamm. 9/10

PG: Psycho Goreman

Wenn der ultimative Bösewicht aller Galaxien per Zufall von zwei spielenden Geschwistern zum Leben erweckt wird, kann die Erde theoretisch einpacken. Zum Glück fällt Mimi und Luke aber ein magischer Stein in die Hände, mit dem sich das skrupelloses Ungetüm locker flockig kontrollieren lässt, egal ob dieser das nun gut findet oder nicht...
Trash as trash can be. Bei PG bleibt kein Stein des schlechten Geschmacks auf dem anderen. Eine völlig beknackte Geschichte, die nur mit ordentlichem Alkoholpegel und in bester Gesellschaft sowas wie Sinn ergibt. Dennoch muss man ihm zugestehen, dass hier mit viel Liebe zum Detail aberwitzige Wesen erschaffen wurden und die (leider deutlich zu spärlichen) Gore- und Splattermomente alle handgemacht sind. Keine Frage, für derartigen Klamauk braucht es unbedingt die korrekte Stimmung, sonst kann es passieren, dass einem bspw. die im Verlauf immer nerviger werdende Mimi mit ihrem Overacting arg auf die Nüsse geht. Genug zum abfeiern gibt es trotzdem, wer also einen Film für das nächste Besäufnis sucht, ist hier an der richtigen Adresse. -/10

Breaking Surface

Zwei Schwestern (Tuve und Ida), die gemeinsame Leidenschaft fürs Tauchen und ein Unfall, welcher Tuve in 30 Metern Tiefe unter einem Felsbrocken einklemmt. Der Tauchspot liegt natürlich fernab jeglicher Zivilisation und so beginnt für die Schwestern ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Luft in den Sauerstoffflaschen schwindet unaufhörlich.
Norwegen. Allein der Drehort macht dieses Survival-Drama sehenswert. Die eisige Umgebung lässt erschaudern, die Spannung ist spürbar, die Handlung realistisch. Eine Messlatte wie 127 Hours, der hier öfters deutlich als Referenz durchschimmert, erreicht Breaking Surface trotzdem nicht, denn die ohne Frage straffe Inszenierung bleibt über weite Strecken doch ein wenig zu... ja, ruhig und versinkt leider in den letzten Momenten noch in Kitsch und Pathos. Wäre nicht nötig gewesen, denn es gab genügend Potential, um die Story gebührend abzurunden und aus Breaking Surface einen Film zu machen, den man uneingeschränkt empfehlen kann. Gut ist er natürlich dennoch. 6/10

Daniel Isn't Real

Nachdem Adam Mortimers Debüt Some Kind of Hate doch eher ein Griff ins Klo war, ist Film Nr. 2 zum Glück eine ganz andere Liga. Wie er im Vorspann erläuterte, haben ihn verschiedenste Berichte aus Bekanntenkreisen zum Thema psychische Erkrankungen zu Daniel isn't Real inspiriert.
Imaginäre Freunde können in Kindheitstagen vieles leichter machen, wenn man einen solchen Freund aber Jahre später wieder zum Leben erweckt, sind Komplikationen vorprogrammiert. Dies merkt Luke, ein notorischer Einzelgänger mit familiären Problemen recht schnell. Dumm nur, dass Daniel sich dieses Mal nicht mehr so leicht abschütteln lässt und zunehmend beginnt, in Luke's Leben einzugreifen.
Mortimer erschafft eine glaubhafte Geschichte, welche über die gesamte Spielzeit packt und in der zweiten Hälfte in sehr boshafte Gefilde abdriftet. Dabei macht zwar nicht unbedingt jede Szene Sinn und hier und da hätte Mortimer gern etwas weniger dick auftragen können, summa summarum ist Daniel Isn't Real jedoch ein Film, der zum Nachdenken anregt und zeigt, dass in Arnie's Sohn Patrick Schwarzenegger deutlich mehr steckt, als man schauspielerisch bei diesem Namen zunächst vermuten dürfte. ;) 7,5/10

hubschrauberpilot

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18.09.2020 - 20:37 Uhr
@boneless Blöde Frage, aber kann jeder Normalsterblicher dahin? Oder braucht man einen Presseausweiß? Wollte da auch schon immer mal hin.

boneless

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Registriert seit 13.05.2014

18.09.2020 - 20:45 Uhr
Ich würde mich als Normalsterblichen bezeichnen. ;) Heißt: sicher, dieses Jahr musste man sich einige Tickets allerdings rechtzeitig online sichern, da viele Filme auf Grund der Platzeinschränkungen schnell ausverkauft waren. Aber ansonsten unterscheidet sich das nicht von einem gewöhnlichen Kinogang, Karten kann man sich normalerweise im jeweiligen Kino noch direkt vor dem Film kaufen. Es gibt als nicht wirklich Parallelen zu Festivals wie der Berlinale, wo man in bestimmte Vorstellungen tatsächlich nur mit Beziehungen reinkommt.

boneless

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Registriert seit 13.05.2014

20.09.2020 - 14:26 Uhr
Fantasy Filmfest, Teil 2:

Dinner in America

Die ersten 15-20 Minuten haben mich auf eine härtere Probe gestellt, in denen ich mich fragte, ob ich mir die Vorstellung vielleicht doch lieber gespart hätte. Zu nervig war das, was da auf der Leinwand passierte. Doch nach dieser ersten Hürde drehte Dinner in America plötzlich ohne Vorwarnung auf und wurde zur hingebungsvollsten Romanze zwischen zwei (mehr oder weniger) Losern der amerikanischen Gesellschaft der letzten Jahre. Der verstoßene, assihafte Punk und die geistig leicht zurückgebliebene Einzelgängerin ohne Freunde. Zwei Outsider in Trumps Amerika, die sich trotz aller Widerstände durchkämpfen. Ein Film wie ein herzlich gereckter Mittelfinger gegen all das biedere, formelhafte Leben ohne Ecken und Kanten. Schlussendlich ein absoluter Hochgenuss mit einem unglaublich guten "Titelsong". Lasst euch überraschen. 8/10

Fanny Lye Deliver'd

Mit großer Akribie hat Regisseur Thomas Clay 10 Jahre an diesem Film gearbeitet, allein der von ihm geschriebene Soundtrack nahm 3 Jahre in Anspruch. England, 16. Jahrhundert: Das Leben der gehorsamen, hart arbeitenden Ehefrau Fanny Lye wird auf auf den Kopf gestellt, als ein junges Pärchen, welches scheinbar überfallen wurde, bei ihrer Familie Unterschlupf sucht. Was sich zunächst noch wie ein ganz gewöhnlicher Historienfilm gibt, nimmt mit zunehmender Laufzeit zu eine Richtung ein, die man nicht unbedingt erwarten dürfte. Clay stellt offen das damals unumstößliche und gnadenlose Patriarchat in Frage und verwebt zudem Einflüsse aus Filmen wie Witchfinder General und Funny Games (!). Das ist ohne Frage interessant und weitestgehend spannend umgesetzt, war mir aber am Ende doch einen deutlichen Ticken zu langatmig, gerade in den ausschweifenden Dialogszenen. Zudem hätte ich mir beim Finale ein Stück mehr Radikalität gewünscht. 6/10

The Personal History of David Copperfield

Der Familienfilm des diesjährigen Festivals. David Copperfield ist nicht mehr und nicht weniger als ein schlicht schöner und durchgehend unterhaltsamer Film mit Starbesetzung. Armando Iannucci (In The Loop,The Death of Stalin) verfilmt eine Geschichte von Charles Dickens, die mit ihrem Setting, den liebevoll ausgearbeiteten Figuren und gerade dem durchgehend vertretenen Humor verzaubert. Man nehme Peter Capaldi (Dr. Who), Hugh Lauri (Dr. House) und Tilda Swinton (Tilda Swinton!), packe sie in schreiend komische Rollen und garniere das Theater mit Aneurin Barnard (Dunkirk) und Hauptdarsteller Dev Patel (Slumdog Millionaire). Fertig ist eine wunderbare Tragikomödie, die im Kino in all ihrer Pracht entdeckt werden möchte. 7,5/10

Mandibules

Schön, dass das Fantasy Filmfest mal wieder mit Exklusivität glänzen konnte. Mandibules hatte nämlich gerade mal einen Tag vorher seine Weltpremiere in Venedig. Wie Mitorganisatorin Freddi vor dem Screening erzählte, hätte man hart um diesen Film kämpfen müssen. Aber es hat sich gelohnt. Und wie! Ich muss vorweg schicken, dass ich geradezu bedingungsloser Fan von Quentin Dupieux (alias Mr. Ozio) bin und jedem seiner Filme etwas abgewinnen kann. Mandibules ist in diesem Jahr schon sein zweiter Streifen und nach seinem Film über eine bösartige Jeansjacke (Deerskin), kommt Dupieux schon mit der nächsten, total bescheuerten Geschichte um die Ecke. Zwei Vollspacken klauen einen Wagen und entdecken in seinem Kofferraum eine Fliege so groß wie ein Hund. Was liegt nun näher, als diese Fliege zu zähmen und sie zu dressieren?
Dupieux schafft es erneut, einen Film zu kredenzen, der mit völlig absurden Szenen und noch seltsameren Figuren zur gepflegten Gehirnschmelze einlädt. Wenn Surrealismus zur Realität und Normalität wird und keiner mehr fragt, was zur Hölle eigentlich los ist, dann weiß man, wer die Strippen zieht. It's Quentin Dupieux Time, Baby! Im Kinosaal wurde ordentlich gefeiert inklusive Szenenapplaus. Und als man glaubte, es kann nicht besser werden, beschloss Dupieux Mandibules mit einem Moment, der so urkomisch war, dass man wirklich aufpassen musste, sich nicht vor Lachen einzunässen. Wer sich auf derlei Quatsch einlassen kann, erlebt großes Indiekino, wie es besser kaum geht. 8,5/10

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Registriert seit 25.09.2014

20.09.2020 - 19:08 Uhr
Anna 2/10
Da passt nicht viel. Mich hat schon die verwendete Technik gestört. Während die Behörden halbwegs zeitgemäß für 1987 mit Tonbändern und Röhrenmonitoren (sahen eher nach 95 aus, egal) arbeiten, hat die drogensüchtige Russin einen Laptop. Von IBM. Die drogensüchtige Russin raucht Gras und ist Junkie. Vermutlich spritzt sie sich Hasch. Weil sie gut Schach spielen kann, bildet der KGB sie zur Topagentin aus, um sie dann leichtfertig in Selbstmordmissionen zu schicken. Anna, so der Name, kriegt dann auch noch höchst emanzipiert eine Freundin an die Seite, die von Anna aber nur mit Missachtung bestraft wird. Dafür hat Anna noch 2 männliche Liebhaber. Es drängt sich das Gefühl auf, das lesbische Beziehungen zwar ok sind, Frauen aber auf jeden Fall von einem Mann hart durchgevögelt werden wollen. Ausnahmslos. Gibts ja bei Lesben nicht.
Dazu kommen noch einige Actionszenen, die mehr nach Sat1 als Kino aussehen. 4 Punkte sind eigentlich zu viel. Ein Punkt für die verbleibenden ordentlichen Actionszenen, ein weiterer wegen hübscher Frauen. Mehr eigentlich nicht.

Matjes_taet

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Registriert seit 18.10.2017

21.09.2020 - 20:44 Uhr
Also ich mochte den: 6,5/10.
Das Männer vögeln quasi zum Pflichtprogramm einer Agentin gehört sollte man eigentlich wissen.

Hier stand Ihre Werbung

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Registriert seit 25.09.2014

21.09.2020 - 22:27 Uhr
Ja, darf sie auch. Aber dann diese absolut belanglose lesbische Beziehung reinhauen, ist großer Bockmist. Auch hat sie gefühlt nicht wirklich was damit erreicht. Und um sie als Nymphomanin darzustellen, hätte sie dann gleich bei der Orgie mitmachen können. Aber tut sie nicht, was sie wohl moralisch darstellen soll. Nur um dann ihre Freundin zu betrügen.

Nee, das ganze ist absolut nicht in sich stimmig.

BVBe

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Registriert seit 14.06.2013

22.09.2020 - 12:17 Uhr
DOCTOR SLEEPS ERWACHEN (8/10)

Habe ich mir direkt nach THE SHINING angesehen und war sehr positiv angetan. Trotz der ruhigen Erzählweise war ich permanent sehr angespannt. Und ich habe mich gefreut, dass einige Kamerafahrten und Einstellungen aus SHINING wieder aufgegriffen und wiederholt wurden (wobei ein Henry Thomas einfach nicht einen Jack Nicholson ersetzen kann). Diese eine Szene empfand ich (obwohl nicht alles expliziert gezeigt wurde) als grausam an der Grenze des Erträglich. Dennoch wurde das Böse als ambivalent dargestellt, Wesen, die einfach überleben wollen und sich daher ernähren. Gelungen, das Böse gleichzeitig als so bedrohlich und doch menschlich darzustellen (durch eine recht charmante junge Frau mit Hut und einem Typen, der ein bisschen wie Johnny Depp aussieht). Genauso wie der Held Danny ein gebrochener Antiheld und eigentlich ein (nachvollziehbarer) Feigling ist. Der Film schließt sehr gut den Kreis zu SHINING, obwohl er eine andere Geschichte erzählt. - Ein echt gelungener Grusler.

Vive

Postings: 367

Registriert seit 26.11.2019

22.09.2020 - 12:18 Uhr
den schaue ich mir jetzt auch mal an. fand das Hörbuch toll und nachdem er beim release eher schlechte Bewertungen bekommen hat, habe Ichs lieber sein lassen.

BVBe

Postings: 461

Registriert seit 14.06.2013

22.09.2020 - 12:21 Uhr
SLOW WEST (8/10)

Ein schön bebilderter und ruhiger Neo-Western aus 2015. Einzig Michael Fassbender sagte mir als Schauspieler etwas. Die sehr einfache Geschichte übersteigert sich eigentlich in etwas Universelleres - Liebe, Zugang zu den eigentlichen Gefühlen ... Naivität und Unschuld stehen dem harten Cowboytum gegenüber. Habe eigentlich alle Hauptcharaktere als interessant empfunden. Der Film könnte in den 70ern gedreht worden sein. Darüber hinaus hat die Bluray ein Superbild!

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