Welchen Film habt Ihr zuletzt gesehen? Und wie fandet Ihr ihn?

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MopedTobias

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08.10.2019 - 12:12 Uhr
Find ich schon. Ist aber knapp.

myx

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08.10.2019 - 20:40 Uhr
Systemsprenger

Ein Film über das bald 10-jährige Mädchen Bernadette ("Benni"), das unter einem frühkindlichen Gewalttrauma leidet und für das es nirgendwo ein Bleiben zu geben scheint, am allerwenigsten bei ihrer überforderten, labilen Mutter.

Die Geschichte führt einen immer wieder bis an die Grenze des Bewältigbaren, wo keine Verstehensversuche mehr greifen wollen.

Glänzend gespielt in der Hauptrolle von Helena Zengel. In weiteren Rollen überzeugen Albrecht Schuch als Schulbegleiter und Anti-Aggressions-Trainer sowie Gabriela Maria Schmeide als Jugendamtbetreuerin.

hubschrauberpilot

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08.10.2019 - 21:05 Uhr
Ich bin auf jeden fall auf die kommende dune verfilmung von villeneuve extrem gespannt. Nach 2049 erwarte ich nichts mehr als ein masterpiece.

Wird es glaube ich auch. Passt wie die Faust aufs Auge für Villeneuve.

Otto Lenk

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10.10.2019 - 21:21 Uhr
Vice - Der zweite Mann 9/10

was für eine geile bitterböse abrechnung mit der amerikanischen politik. ab vorsicht: hier bleibt einem das lachen im hals stecken.

John Bello

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10.10.2019 - 21:29 Uhr
Den (Vice) hab ich schon seit Wochen als DVD bei mir rumliegen, aber noch nicht geschaut. Instinktiv hab ich das Gefühl, dass ich für den Film voll da sein muss, bringt wohl kaum was, den so halb angemüdet zu schauen. Aber irgendwann wird der Zeitpunkt kommen :)

peppermint patty

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10.10.2019 - 21:37 Uhr
Der gute, alte Film-Thread. Hier fühl ich mich immer noch am wohlsten, er ist sozusagen meine Heimat auf Plattentests.de :)

hubschrauberpilot

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10.10.2019 - 21:44 Uhr
Upgrade

Super Low-Budget-SciFi-Film, der leider etwas unter dem Radar lief.

8/10

peppermint patty

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10.10.2019 - 21:46 Uhr
Wahre Worte! Und wenn ich hier nur Punkte reinstelle. Dieses ziellose Herumgeirre der letzten Wochen macht mich nur kirre.

The Return of Peppermint Patty, back to basics.

peppermint patty

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10.10.2019 - 21:52 Uhr
Meinte jetzt mit "Wahre Worte" natürlich mein eigenes Posting, nur um Missverständnissen vorzubeugen. Neustart also direkt mit einem Fehlpass... (Alles so wie immer :) )

peppermint patty

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10.10.2019 - 22:06 Uhr
Whiplash (9/10)
Halloween (5/10)
Im Netz der Versuchung (6/10)

MAXIMAN

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11.10.2019 - 08:43 Uhr
Heute abend werd ich den breaking bad film anschauen, bin sehr gespannt.

Underground

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11.10.2019 - 09:06 Uhr
Midsommar 8/10

kiste

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11.10.2019 - 10:10 Uhr
Baby Driver. Hat mir sehr viel Spaß bereitet. Toll, wie die Musik mit eingebunden wird, hatte ich so noch nicht gesehen und gehört. Bei einem Feuergefecht zum Schluss wird sogar im Takt geschossen.

BVBe

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11.10.2019 - 10:11 Uhr
Ja, sehr kurzweilig und schön gefilmt! Cooles Movie!

Mayakhedive

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11.10.2019 - 10:24 Uhr
Gute Erinnerung, den muss ich, als Fanboy von Edgar Wright, auch noch sehen.

Chico Fernandez

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12.10.2019 - 16:14 Uhr
Traffic - Macht des Kartells (9/10)

Web2.0

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12.10.2019 - 16:20 Uhr
Im Kino

Ad Astra 8/10
Brad Pitt, der so viel von sich selbst zeigt wie selten, trägt den Film praktisch alleine. Als hätte ihm die Trennung gut getan.

Underground

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12.10.2019 - 22:24 Uhr
El Camino 7/10

hubschrauberpilot

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12.10.2019 - 22:28 Uhr
War von euch schon jemand in Joker?

Underground

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12.10.2019 - 22:36 Uhr
Mittwoch isset soweit

Web2.0

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12.10.2019 - 23:16 Uhr
Ich guck mir lieber mal Hangover 3 an, der könnte zumindest ein bisschen lustig sein.

Web2.0

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12.10.2019 - 23:21 Uhr
Manche Leute im Joker-Fred waren schon drin.

slowdive

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13.10.2019 - 02:42 Uhr
Joker

Zunächst sei gesagt: Die Art von Kritik, die dem Film aus einer pädagogischen Perspektive vorwirft, gesellschaftlich verantwortungslos zu sein, läuft selbstverständlich – wie immer – ins Leere. Ein Echauffieren aus dieser Richtung zeugt primär davon, dass der Kritiker selbst ein äußerst naives, doofes Verständnis von Kunst hat und die Funktionsweise von Subversivität und Ideologiekritik vermutlich nie durschauen konnte. Liegen die Claqueure in all ihrer Überschwänglichkeit also richtig? Nicht wirklich. Wir sehen einen guten Film, der jedoch weit davon entfernt ist, ein echtes Meisterstück zu sein.

Ausschlaggeben dafür, ob eine Verfilmung des Stoffs gelingt oder nicht, ist die Frage, inwiefern die Figur des Jokers tatsächlich verstanden wird. Zu vermeiden galt es, jenen als einen individuellen Fehler, eine vereinsamte, kranke Person, eine Ausnahme von der Regel zu zeigen. Er war schon immer das Produkt einer menschenverachtenden Gesellschaft. Der Kulturkritiker Mark Fisher schrieb in seinem fantastischen Buch Capitalist Realism hierzu:

In seinem Buch The Selfish Capitalist hat Oliver James festgestellt, dass der Anstieg psychischer Krankheiten mit dem Siegeszug der neoliberalen Ausgestaltung des Kapitalismus in den westlichen Nationen korreliert. Daran anschließend denke ich, dass es notwendig ist, die wachsende Problematik von Stress und Verzweiflung in kapitalistischen Gesellschaften neu zu begreifen. Anstatt diese so zu behandeln, als sei das einzelne Individuum dafür verantwortlich, sich selbst um seine psychologische Notlage zu kümmern, anstatt also die weitreichende Privatisierung von Stress, die in den letzten 30 Jahren stattgefunden hat, zu akzeptieren, müssen wir eine andere Frage stellen: Wie konnte es zur Normalität werden, dass so viele Menschen, und insbesondere so viele junge Menschen, als psychisch krank angesehen werden? Die Pest der psychischen Krankheiten in kapitalistischen Gesellschaften weist darauf hin, dass der Kapitalismus eben nicht die einzige funktionierende Gesellschaftsordnung ist, sondern, dass er inhärent dysfunktional ist und die Kosten für die Illusion seiner Funktionsfähigkeit sehr hoch sind.

Er fährt fort:

Viele Teenager, mit denen ich zu tun hatte, litten unter psychischen Problemen; Depressionen waren endemisch. [...] Es wirkt kaum übertrieben, wenn man sagt, dass das Teenagerdasein im spätkapitalistischen Großbritannien kurz davor steht, selbst als Krankheit klassifiziert zu werden. Durch diese Form der Pathologisierung wird jede Möglichkeit der Politisierung dieses Zustand bereits im Ansatz verhindert. Man behandelt psychische Krankheiten, als würden sie lediglich durch ein chemisches Ungleichgewicht im neuronalen System des Individuums und/oder durch ihren familiären Hintergrund verursacht. So werden psychische Probleme privatisiert und jegliche Frage nach einer gesellschaftlichen, systemischen Ursache ausgeschlossen.

Schafft es das Werk nun eben jenes Spannfeld zwischen Individuum und Gesellschaft zu öffnen? Jein. Ja, wir sehen die Kürzung von Sozialleistungen in Verbindung gesetzt mit den direkten Auswirkungen auf das Individuum. Und ja, es wird angedeutet, was die stetige Verachtung einer am Abgrund stehenden, von Armut gebeutelten Unterschicht mit eben jener macht. Und doch driftet der Film immer wieder in eine Richtung ab, in der die psychische Verfassung von Arthur Fleck als individuelles Problem geframed wird. Hier noch die Geschichte um den Vater, da noch ein Mutterkomplex, dort die Zurückweisung in der Liebe. Eine klare Linie finden wir nicht. Vieles wird angeschnitten, wenig wird zu Ende gedacht.

Gleichzeitig wird immer auch der Umgang der Gesellschaft als solches mit einem systembedingten Unrecht gezeigt. Wir sehen verschiedene Weisen, in denen Menschenmassen, denen die Sprache fehlt, um ihre eigene Misslage und ihre Ursachen zu artikulieren, agieren. Schlägt der Versuch, in einem System, in dem es keine Chance zum fairen Aufstieg gibt, seinen eigenen Weg zu finden, wieder und wieder fehl, identifizieren die Bewohner Gotham Citys schnell in den Reichen, den Wall Street Bankern den Feind. Kluge Filme wie The Wolf of Wall Street haben jedoch längst gezeigt, dass eine solche Arm-gegen-Reich-Dichotomie vereinfacht und ursachenverkennend ist. In Joker sind jene Banker, die letztlich in der durchaus gelungenen Invertierung der bekannten U-Bahn-Szene aus Ein Mann sieht rot ihr Leben lassen müssen, vor allem schlechte Menschen. Menschen, die Frauen belästigen und willkürlich andere Menschen zusammenschlagen. Eben diese Darstellung verstellt den Blick auf die tieferliegenden Strukturen und lässt eine weniger plakative Kapitalismuskritik nicht zu. Im Gegensatz zum brillanten Falling Down, wird hier verpasst, die Blindheit des gezeigten Widerstands in ein kritisches Licht zu setzen.

Und doch leistet Joker Bemerkenswertes. Trotz all der Plakativität, wird der wichtige Schritt vollbracht, Gotham City und seinen Bewohnern ein Gesicht und ein Motiv zu geben. Wo normalerweise immer von der verlorenen Metropole, einem Ort, wo es von Abschaum und Kriminellen nur so wimmelt, die Rede war, wird nun der Versuch unternommen, die Ursachen für den Abgrund, an dem sich die Stadt befindet, zu artikulieren. Wenngleich eben jener Versuch nicht immer den Kern trifft, wird man nachdem man diesen Film gesehen hat, auch die Tristesse, die über dem Gotham City der Nolan-Trilogie liegt, aus einer anderen, düstereren Perspektive wahrnehmen.

Getragen wird die Saga um den Verfall einer Stadt und eines gebrochenen Mannes von einem unfassbaren Joaquin Phoenix. Seine Dürre, sein tänzelndes Spiel, sein clownartiges Rennen und sein physisches Lachen verleihen der Figur des Jokers eine Körperlichkeit, die man so nur selten im Kino bestaunen darf. Es wäre ihm zu wünschen gewesen, dass er für diese Rolle einen fähigeren Drehbuchschreiber und Regisseur als Todd Phillips an die Seite gestellt bekommen hätte. Nun dürfte es keine Überraschung sein, dass Subtilität sowie Fingerspitzengefühl nicht zu den Primärtugenden einer Person gehören, die Hangover 1-3 zu verantworten hat, Joker demonstriert eben dies jedoch noch einmal eindrucksvoll.

Hier wird tatsächlich jeder Plotpoint auserzählt, jedes A führt später zu einem offenkundigen B. Der Imagination des Zuschauers wird nichts überlassen. Dazwischen sickern immer wieder mal faule, mal uninspirierte Drehbuchentscheidungen. Hier noch eine erklärende Visitenkarte, damit auch der letzte unaufmerksame Popcorn-Konsument bemerkt, was vor sich geht, wie das alles zu verstehen ist. Dort noch die Romanze, die am Ende – quelle surprise – doch nicht so stattfindet, wie gezeigt. Sogar die Ermordung der Waynes, die mittlerweile mehr als auserzählt scheint, muss hier noch einmal verarbeitet werden. Jede noch so kleine Handlung von Arthur Fleck wird bis ins Detail erklärt, was zu einigen Redundanzen und Pacing-Ungenauigkeiten zwischendurch führt und die Figur des Jokers in einem Maße erklärt, die sich ein fähiger Regisseur hätte erspart. Das Werk würde hinzu gewinnen, wenn die, vom wunderbaren The Network inspirierte, Talk-Show-Szene wesentlich früher folgen würde.

Was ist Joker nun also? Ein Film, der von einer atemberaubenden Lead-Performance getragen wird und ästhetisch überzeugt. Ein Film, der auf einer politischen Ebene wichtige Themen anspricht, dann jedoch mit allzu einfach Erklärungen und Theorien aufwartet. Ein Film, der insbesondere auch der Nolan-Trilogie eine neue Tiefe verleiht. Ein Film, der leider bisweilen so wirkt, als wäre ein New-Hollywood-Meisterwerk von dem Typ, der Hangover gedreht hat, geremaked werden. Ein Film, bei dem die zu beobachtende gesellschaftliche Polarisierung nicht nachvollziehbar ist. Ein Film, der es trotz aller Schwächen wert ist, gesehen zu werden.

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Midsommar

Die Art und Weise, in der Ari Aster in der um Superlative nie verlegenen Kritikerwelt aktuell zum neuen Hohepriester des Horrorgenres geweiht wird, ist sicherlich ein wenig übertrieben und doch: Begeisterungsstürme sind angemessen. Wurde in Hereditary noch die Familie auf den Prüfstand gestellt, rückt nun – wie vielfach bereits interpretiert wurde – die Idee der Beziehung und ihre psychologischen Implikationen in den Vordergrund. Wir sehen ein Film über Dani – herausragend verkörpert von Florence Pugh – die traumatisiert ist, die, egal wie schlecht sich alle anderen verhalten, die Schuld immer bei sich selbst sucht. Sie ist in einer Beziehung mit einer Person, die nicht böse, aber unsensibel und ausnutzend ist. Eine psychologisch oft schwer zu ertragende Konstellation, deren Schrecken im Horror des Films gespiegelt wird. Doch Asters zweites Werk funktioniert auch in anderen Lesarten hervorragend: Wir sehen zugleich ein politischen, einen ideologiekritischen Film.

Midsommar entführt uns in eine Welt, eine Kommune, die uns auf den ersten Blick fremdartig erscheinen mag und doch Entscheidendes über die Ideologien unserer Zeit zu berichten weiß. Das, was wir hier sehen, wirkt zunächst wie die übliche westliche, studentische Aussteigerfantasie. Zurück zu Natur, die Gemeinschaft als höchstes Gut, Drogen zur Bewusstseinserweiterung, esoterische Rituale als Scheuklappen vor der Wirklichkeit, Abschottung. Eine Szenerie, in die sich auch radikale Impfgegner und Homöopathie-Jünger ohne weiter aufzufallen einbetten könnten.

Ari Aster macht sich nun daran, die Ideologie hinter jenen New-Age-Ideen zu dekonstruieren, welche mit harmloser Hippie-Träumerei letztendlich doch nur wenig gemein haben. Wir sehen blutige Rituale, die Auflösung des Individuums zugunsten eines totalitären Kollektivs, die Abschaffung des Privaten und die Konstruktion einer naturgewollten Kultur und Lebensweise, in der jede Abweichung von einem angeblich natürlichen Verhalten mit tödlicher Härte bestraft wird. Die rückwärtsgewandte Idee, es gebe ein solches „Zurück zur Natur“, ein Zurück zu einem friedvollen, unberührten Zustand purer Harmonie, der bereinigt ist von den Missetaten der Zivilisation, wird hier mit blutiger Konsequenz zu Ende gedacht: Hälsingland, eine mit Freundlichkeit und Blumen geschmückte faschistische Enklave.

Gerechtfertigt wird jenes Unrecht auf alle Weisen, nur nicht auf die Entscheidende: Eine politisch-moralische. Das sei Tradition. Das werde schon immer so gemacht. Andere Länder, andere Sitten. Die Philosophin Martha Nussbaum stellt in diesem Kontext fest:

„Viele meiner Studenten und allgemein viele Personen, denen ich heute begegne, sind Kulturrelativisten. Sie vertreten die Ansicht, es wäre grundsätzlich unangemessen, die Praktiken fremder Kulturen von außen zu kritisieren, egal ob diese mit ansonsten universell gültigen moralischen Werten zu vereinbaren seien oder nicht.“

Die Falschheit jener Ideen führt uns Aster in Form seiner Protagonisten eindrucksvoll vor. Wir sehen Anthropologie-Studenten, die nicht in der Lage sind, mehr als nur Beobachtungen anzustellen. Die keinen moralischen Standpunkt mehr besitzen und in ihrer politischen Korrektheit selbst das gröbste Unrecht noch zu rechtfertigen wissen. Es fallen die bekannten Phrasen und Relativierungen: Man müsse eben offen für andere Lebensweisen sein. Und ohnehin, die Leute hier wären „wohl auch nicht begeistert davon, dass wir unsere älteren Bürger ins Altenheim abschieben“. Eben diese vehemente Weigerung, Unrecht als solches zu benennen und diesem mit einer universalisierbaren, aufklärerischen Moral zu begegnen, wird hier mit dem eigenen Leben bezahlt.

Ähnlich wie die Kamera zu Beginn, wird in Midsommar auch die Grundkonstellation einer solch relativistischen Weltsicht auf den Kopf gestellt. Der übliche Vorwurf des Eurozentrismus wird durch die kluge Entscheidung, Schweden, vermutlich das sozialliberale Utopia schlechthin, als Handlungsort für das bizarre Treiben zu wählen, bereits im Vorfeld entkräftet, sodass der Fokus anschließend nur auf moralischen Fragen liegen kann und nicht mehr auf identitätspolitischen Ideen. Auch die Wahl der Opfer, die hier weiße Mittelschicht-Studenten sind, zeugt von dem klugen Geist, der Asters Zweitwerk umweht. Dem Publikum wird im Kunstwerk ein Spiegel vorgehalten, während es in der Realität meist die Marginalisierten sind, die leidtragend sind. Die Frauen, die kein Mitspracherecht haben, die zwangsverheiratet werden, die unter rituellen Genitalverstümmlungen leiden. Die Homosexuellen, denen Leben bedroht wird für die Art, in der sie lieben. Die politisch Andersdenkenden in repressiven Gesellschaften. Mit einer gewissen Süffisanz darf zur Kenntnis genommen werden, dass gerade dieses Werk nun in Schweden der kulturellen Aneignung bezichtigt wird.

Wenn wir Midsommar im Kino sehen, zeigt sich erneut: Der wahre Horror unserer Existenz liegt nicht in gewalttätigen Ausbrüchen und angeblichen Ausnahmezuständen. Vielmehr sollten wir unseren Blick für die Furchtbarkeit der längst zur Normalität gewordenen Strukturen, die uns tagtäglich umgeben, schärfen. Für die Art und Weise, in der wir miteinander umgehen, für die Psychologie unserer Beziehungen, für unsere realpolitische Situation, für die Ideologien, die uns vorgaukeln keine zu sein, während sie sich selbst als Naturzustand verkleiden. Die Meisterwerke des Genres verschreiben sich der Dekonstruktion jener Schrecken. Trotz einiger szenischer Albernheiten und ein paar Pacing-Problemen im Mittelteil gehört Midsommar zweifelsfrei dazu.

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MM13

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13.10.2019 - 08:13 Uhr
john wick 3 6/10
eigentlich nur sinnloses geballer und fights,macht aber irgendwie spass.

MopedTobias

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13.10.2019 - 11:42 Uhr
Joker auch gesehen — ich spare mir, was längeres dazu zu schreiben, weil ich slowdives Kritik in ihren wesentlichen Punkten zustimmen kann, auch wenn ich den Film insgesamt wohl besser fand. Es ist wirklich eine beeindruckend düstere und harte Charakterstudie eines kaputten Menschen in einer kaputten Gesellschaft und ein im höchsten Maße unkonventioneller Comic-Film. Keine Effekte, keine Gags, nur die unaufhaltsame Abwärtsspirale eines Mannes und einer Stadt. Die "Taxi Driver"-Vergleiche wurden nicht nur herbei geredet, auch "The King of Comedy" erscheint naheliegenderweise als Referenz, auch wenn De Niro mittlerweile von Rupert Pupkin zu Jerry Langford aufgestiegen ist. Ich finde es gut, dass ein Film im "Batman"-Universum mal ein Bewusstsein für die negative Rolle der Waynes für das Klima in Gotham hat, was auch die Nolan-Filme trotz allen Realitätsanspruchs nicht so hinbekommen haben.

Aber ja, für ein Meisterwerk fehlen ihm tatsächlich Tiefe und Subtilität. Da "Joker" am Ende aber unmissverständlich klar macht, dass er doch "nur" die Origin Story eines Super-Bösewichts sein will, die sich in irgendeiner Form in ein Film-Universum einfügen wird, geht das in Ordnung. Für einen Comic-Film ist das Writing gut genug, auch wenn der Film es dadurch verpasst, sich vollständig von seiner Form zu befreien. Phoenix' Performance ist jedenfalls in ihrer Physikalität und der gleichzeitig Angst wie Mitleid induzierenden Aura der helle, pure Wahnsinn — sicherlich einer der besten US-Schauspieler seiner Generation und auch hier hält er sich keine Spur zurück. Der wirklich starke Neben-Cast (De Niro, Frances Conroy, Zazie Beetz) wird eigentlich sträflich wenig genutzt, aber bei der Strahlkraft des Haupt-Acts ist das so verständlich wie verzeihlich. Nicht unerwähnt bleiben dürfen schließlich noch zwei Aspekte: zum einen Lawrence Shers Cinematographie, die dem Verfall Gothams ein lebendiges Wesen verleiht und vor allem in Arthurs Tanzszenen Momente entrückter Schönheit erzeugen kann. Und zum anderen ist das natürlich Hildur Gudnadóttirs Cello-Score, klagend, nervenaufreibend, unheimlich intensiv.

Ich würde 8/10 geben. Als Film an sich eher weniger, aber es gibt einen Bonuspunkt für Phoenix' Darstellung und Gudnadóttirs Score, die beide zur Spitze dieses Jahres gehören. "Joker" gibt auf jeden Fall den Weg vor, den DC weitergehen muss, nachdem ihre MCU-Kopierversuche (Justice League) kläglich gescheitert sind: kleinere, mutigere, unabhängigere Filme, die sich von ihren Comic-Fesseln vielleicht nicht ganz lösen, aber zumindest ein paar Meter frei über sie schweben können.

(Jetzt ist es doch "was längeres" geworden... aber immerhin nicht so ein Brocken wie bei "Midsommar" :p)

slowdive

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13.10.2019 - 11:49 Uhr
7/10 habe ich auch gegeben. Wir liegen also gar nicht so weit auseinander.

lumiko

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13.10.2019 - 12:34 Uhr
Mir hat der Joker auch gut gefallen- gebe ebenfalls eine 8 / 10.
Joaquin Phönix spielt brilliant und es wird gut dargestellt wie die Hauptfigur immer mehr abdreht und mit seinen psychischen Problemen alleine gelassen wird.

dryeye

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Registriert seit 28.09.2018

13.10.2019 - 12:53 Uhr
hier noch ein anderer sehenswerter "der joker" mit herrn maffay aus dem jahre 1987 ...legendär ist u.a. der dialog ab der 28 minute...
https://www.amazon.de/Joker-Peter-Maffay/dp/B07GZBN79D
mfg dryeye

lumiko

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Registriert seit 09.09.2015

13.10.2019 - 12:55 Uhr
ich finde dieses Zitat vom Joker sehr zutreffend:
"Die Leute erwarten von psychisch Kranken dass sie sich so verhalten als hätten sie diese Krankheit nicht"

Travis_Bickle

Postings: 1

Registriert seit 14.10.2019

14.10.2019 - 10:33 Uhr
Irgendwie witzig, dass sich Kritiker weltweit eigentlich allesamt relativ einig sind, was den Film angeht, aber komischerweise bei Plattentests.de müssen die Leute scheinbar beweisen wie „anders“, „indie“ und „alternativ" sie sind, daher finden sie sogar in fast perfekten Filmen meist noch ein oder zwei Haare. ^^ Wehe ein Film wird von der breiten Masse gehyped, dann MUSS man unbedingt und mit allen Mitteln was finden, was nicht gut ist! So kann man sich richtig schlau und erhaben fühlen^^ Das ist echt zum Gähnen und soooo auffällig und nervig, das machen doch normalerweise nur Trolle!? Und nein, ich habe Joker noch nicht gesehen, aber wenn er auch nur ansatzweise so gut wie Taxi Driver ist, dann gibt’s absolut nichts auszusetzen an dem Film - aber manche glauben natürlich in ihrem eigenen Narzissmus und ihrer maßlosen Selbstüberschätzung, dass sie es besser gewusst und gemacht hätten. Wenn Filmkritiker wie Robert Hoffmann den Film als Meisterwerk erachten, dann brauch ich keine Meinung von irgendeiner x-beliebigen Made auf Plattentests. ^^

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 5601

Registriert seit 23.07.2014

14.10.2019 - 10:48 Uhr
Der Film hat zur Zeit einen metascore von 59, wirklich einig sind sich die Kritiker damit wohl nicht. Wieso sollte man Kritik nicht anbringen, wenn sie berechtigt ist?

BVBe

Postings: 359

Registriert seit 14.06.2013

14.10.2019 - 11:24 Uhr
Ich finde eine eigene Meinung und einen eigenen Geschmack nicht gerade trollig oder narzisstisch. Ich dachte, dafür wäre ein Forum da, dass man kontrovers diskutiert.

jayfkay

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Registriert seit 26.06.2013

14.10.2019 - 11:28 Uhr
@Travis
die Registrierung hätteste dir auch sparen können

Deaf

Postings: 133

Registriert seit 14.06.2013

14.10.2019 - 11:34 Uhr
Ich finde gerade solche Kommentare wie von Travis_Bickle (der sich hier extra dafür angemeldet hat, obwohl er den Film gar nicht gesehen hat) zutiefst verabscheuungswürdig. Weil alle Kritiker den Film toll finden, muss man ihn auch abfeiern - ganz tolles Motto. Zumal es bei "Joker" nicht mal ansatzweise stimmt, wie Affengitarre richtig gesagt hat.

Deaf

Postings: 133

Registriert seit 14.06.2013

14.10.2019 - 11:40 Uhr
Ein Lob übrigens für Metacritic: "Joker" dort Rang 288 des Jahres.

Bei IMDb Rang 10 aller Zeiten.

Da kann sich jeder selbst überlegen, was der Realität näher kommt.

Loketrourak

Postings: 1086

Registriert seit 26.06.2013

14.10.2019 - 11:40 Uhr
Es herrscht keine Einigkeit unter den Kritikern, von Anfang an nicht. Auch keine relative.

Jennifer

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 1856

Registriert seit 14.05.2013

14.10.2019 - 11:44 Uhr
Don't feed the troll, Leute.

Ich hab gestern "Once upon a time in Hollywood" geschaut und wurde positiv überrascht. Hatte da irgendwie nicht viel erwartet, aber das war wirklich toll gemacht. 8/10

Matjes_taet

Postings: 316

Registriert seit 18.10.2017

14.10.2019 - 15:11 Uhr
Nachdem ich am Samstag Aylin Tezel in einer TV-Show sah (ich verrate mal lieber nicht wo), habe ich gleich mal in ihre beiden Filme "Die Informantin" & die Fortsetzung ("Fall Lissabon) reingeschaut. 6/10 & 5&10 und somit knapp gleichauf mit "Joker", auch wenn ich mich damit wohl in Travis Augen als Made disqualifiziere. ;-)


@slowmo: Jetzt nichts für ungut, aber deine Kritiken finde ich (für meinen Teil) ziemlich unleserlich.
Vielleicht fehlt es mir auch nur am Intellekt, aber in jeden Satz mindestens ein Fremdwort reinzuquälen und aus jedem Film die ganz große Bedeutung herauskramen zu wollen ist mir einfach to much.
Aus dem gleichen Grund habe ich auch bei Wolfgang (a.k.a einzig wahrer Filmdeuter) aufgegeben als er bei "König der Löwen" ein politisches Manifest erkannt haben wollte.

BTW: Hatten wir letztes Jahr ne Film-des Jahres-Umfrage? Erinnere mich dunkel "Feinde-Hostiles" irgendwo auf Platz 1 gesetzt zu haben.
Vielleicht mag ja jemand sowas wieder für 2019 starten..., Moped evtl.?!




John Bello

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Registriert seit 26.08.2019

14.10.2019 - 16:14 Uhr
Hier im Film-Thread eher nicht, nur im Rahmen des allgemeinen Jahrespolls 2019.

John Bello

Postings: 207

Registriert seit 26.08.2019

14.10.2019 - 16:17 Uhr
Sorry, gemeint war 2018..

peppermint patty

Postings: 264

Registriert seit 07.05.2019

14.10.2019 - 16:33 Uhr
Ay Bello, du dummer Hund!
Gab doch den Thread "Beste Filme 2018" :)

MopedTobias

Postings: 12662

Registriert seit 10.09.2013

14.10.2019 - 18:04 Uhr
Ist Travis Bickle der neue Account von RU? Ähnlicher Stil ("Made", die "^^") und Robert Hoffmann hat sie auch gefeiert. Glaube daher nicht, dass das ein Trollbeitrag ist. Aber wurde jetzt auch schon alles zu gesagt.

@slowdive (nicht slowmo): Damit du nach Matjes' Kritik auch was Positives hörst: Ich finde deine Texte klasse, ich lese/höre solche tiefgehenden Analysen wie von dir oder Wolfgang 100-mal lieber als die x-te 08/15-Review von filmstarts oder so. Schreiben kannst du auch super. Es ist ja kein "Bedeutung herauskramen", sondern einfach den Fokus auf die ideologische Ebene setzen, die es im Grunde bei jedem Film gibt.

Und nein, ich habe leider keine Zeit, hier irgendwelche Film-Polls zu organisieren, sorry.

jayfkay

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Registriert seit 26.06.2013

14.10.2019 - 18:56 Uhr
Ich fand das Joker-review aufschlussreich und zustimmungswürdig.

Upgrade 7/10

El Camino 6-7/10
Toller Abspannsong.

hubschrauberpilot

Postings: 5447

Registriert seit 13.06.2013

14.10.2019 - 21:51 Uhr
Ich geh erst morgen in Joker rein. Die Rezis von slowdive und MopedTobi sind doch keinesfalls negativ @Travis_Bickle, 7/10 und 8/10 sind doch gut.

Ein Lob übrigens für Metacritic: "Joker" dort Rang 288 des Jahres.

Bei IMDb Rang 10 aller Zeiten.

Da kann sich jeder selbst überlegen, was der Realität näher kommt.


Beides nicht? Ich guck da lieber bei rottentomatoes in letzter Zeit - Kritikermeinung und Publikumsmeinung.

Mich interessiert der Film hinsichtlich der Punkte Comicverfilmung oder eher Drama, gewaltverherrlichend und/oder gar gefährlich? Mal gucken was am Ende dabei herauskommt.

Web2.0

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Registriert seit 09.10.2019

14.10.2019 - 22:28 Uhr
Bei Imdb ist ein 5/10-Film auf Platz 1, die Platzierung sagt eigentlich nur was über die Größe der Fanbase aus, wenn überhaupt.

Eurodance Commando

Postings: 200

Registriert seit 26.07.2019

14.10.2019 - 22:30 Uhr
Mail ist raus.

jayfkay

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Registriert seit 26.06.2013

14.10.2019 - 22:36 Uhr
@hub
gefährlich? was?

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Postings: 188

Registriert seit 09.10.2019

14.10.2019 - 22:42 Uhr
Travis_Bickle
14.10.2019 - 10:33 Uhr
Irgendwie witzig, dass sich Kritiker weltweit eigentlich allesamt relativ einig sind, was den Film angeht,

...

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der Film konnte bislang 68 Prozent aller Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen und erhielt hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 7,3 der möglichen 10 Punkte.

68% klingt jetzt nicht so "einig"...

MopedTobias

Postings: 12662

Registriert seit 10.09.2013

14.10.2019 - 22:59 Uhr
The Shawshank Redemption 5/10???

Web2.0

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Registriert seit 09.10.2019

14.10.2019 - 23:03 Uhr
Mit gutem Willen.

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