Juli Kapelle - Materie

User Beitrag
electrolite
07.02.2005 - 05:34 Uhr
Der Schallplattenmann greift mal wieder zur 5/5

Große Alben brauchen keine guten Sänger. Genialität tut's auch.
"Materie:" ist so ein Glücksfall. Acht Jahre der Entstehung
haben etwas Perfektes geboren. Unter deutschsprachigen
Rock-Poeten fällt mir nur der Österreicher Herwig Mitteregger
ein, dem in einem anderen Jahrtausend ebenfalls ein solcher
Wahnsinns-Coup gelang. Der Titel -- es kann gar keinen anderen
geben -- sagt schon alles: Materie gibt dem Urstoff der
außerhalb unseres Bewusstseins vorhandenen Wirklichkeit einen
Namen. "Materie:" als CD (über Deutungsmöglichkeiten des
Doppelpunkts lässt sich lange nachdenken) ermöglicht einen Blick
in etwas, was neben bekanntem Mainstream-Spliss deutsche
Rockmusik auch sein könnte.
Hier offenbart sich ein Romantiker, einer mit Zärtlichkeit,
Spott, Ironie und Intelligenz. Und er hat erkannt, dass Tanzen
Träumen mit den Beinen ist. Rock-Poesie mit durchaus auch
experimentellem Charakter. Selbstverständlich setzen sich auch
die Songs der Juli Kapelle aus bereits existierenden Partikeln
zusammen. Je nach individueller Neigung können sich
Schattenbilder von Will Oldham, Motorpsycho, Das Weeth
Experience, Residents, Spliff, Pothead oder Fehlfarbens "Paul
ist Tot" einstellen.
Schon lange keine so schöne Platte mehr gehört. Juli Kapelle,
wir sehen uns am Jahresende in der Lieblingsliste. Und grüßt mir
die Leoniden.

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