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Bestes Album der Pet Shop Boys

User Beitrag

gottmik

Postings: 67

Registriert seit 11.12.2025

27.06.2026 - 23:08 Uhr
Ich hatte Lust mal alle Studioalben der Pet Shop Boys zu ranken und zu jedem ein paar Sätze zu schreiben! Vielleicht kommen ja noch ein paar Rankings von anderen Usern dazu.

15. Very
Der einzige echte Fehlgriff in ihrer Diskografie: Anstatt den eleganten Electro-Pop von „Behaviour“ weiterzuentwickeln, coverten die Pet Shop Boys lieber die Village People, ließen garstige Eurodance-Einflüsse einfließen und setzten auf radiofreundlich gezuckerte Synthie-Sounds, die alles gleich klingen ließen.

14. Elysium
Unter Fans genießt es den Ruf, das schwächste PSB-Album zu sein. Zwar finden sich gegen Ende der Platte ein paar wirklich schöne Songs, doch über weite Strecken dominieren gediegene Mid-Tempo-Nummern, die vor allem eines sind: eine nette, angenehme und mit der Zeit ziemlich langweilige Hintergrundbeschallung.

13. Electric
„Electric“ so weit hinten zu platzieren, dürfte nicht die populärste Meinung sein. Nach dem verschlafenen „Elysium“ wurde der HI-NRG-Sound der Platte vielfach als „return to form“ gefeiert. Mit dem Moroder-artigen Italo-Disco von „Axis“ startet das Album dann auch phänomenal, doch bereits der folgende EDM-Track „Bolshy“ entwickelt mit seinem repetitiven Refrain recht schnell Nervpotenzial. Auch der Fanfavorit „Love Is a Bourgeois Construct“ kommt Mitgröhlnummern wie „Go West“ oder „New York City Boy“ gefährlich nah. Dazwischen finden sich immer wieder starke Momente – etwa „Fluorescent“ oder „Vocal“ –, aber als Ganzes ist „Electric“ mit seinem Wechsel aus High- und Lowlights nicht konsistent genug.

12. Hotspot
Das erste rundum gelungene Pet-Shop-Boys-Album in dieser Liste – und zugleich das dritte Werk in Folge, das von Stuart Price produziert wurde. Ob der treibende Synth-Pop von „Will-o-the-Wisp“ oder das elegische „Burning the Heather“: Hier stimmt vieles. Vielleicht ist das nicht der ganz große Wurf, aber es ist deutlich mehr als nur solide – ein spätes Album mit Atmosphäre und einigen sehr guten Songs.

11. Super
Gegenüber dem Vorgängeralbum „Electric“ beginnt „Super“ erstaunlich schwach. Die Songidee hinter „Happiness“ ist denkbar dünn, und auch „The Pop Kids“ ist zwar charmant, im Kern aber doch zu simpel. Doch das Album fängt sich – und seine besten Momente überstrahlen die des Vorgängers. „Undertow“ ist großartiger, sofort zündender Pet-Shop-Boys-Pop, und „The Dictator Decides“ gehört zu den stärksten späten Songs der Band: düster, politisch, mit einer zwingenden Melodie. Klanglich steht „Super“ der „Electric“ nah, wirkt aber etwas poppiger und weniger konsequent auf den Dancefloor ausgerichtet. Würde man die besten Stücke beider Alben zusammenpacken und die Fehltritte aussortieren, hätte man ein kleines Pop-Meisterwerk in den Händen.

10. Bilingual
Nach dem Hyperpop von „Very“ veröffentlichten die Pet Shop Boys konsequenterweise ihr bis dahin experimentellstes Studioalbum, das sich durch die ungewöhnliche Einbindung von Latin-Beats auszeichnete. Die wirken hier erstaunlicherweise nicht wie ein Versuch, kommerziellen Trends hinterherzulaufen, sondern dienen dazu, rhythmische, futuristische Soundflächen zu kreieren. Die erste Hälfte des Albums ist grandios.. Ja, die Produktion ist – wie so oft geschrieben wurde – etwas dünn. Der eigentliche Stachel im Fleisch sind aber die mageren Singles ab Albummitte. Allen voran das superöde Schlafmittel „Se a vida é“, das sich mit „Go West“ und „New York City Boy“ um die Krone für die schlechteste Pet-Shop-Boys-Single streitet.

9. Yes
Einfach ein tolles Popalbum mit viel Licht und kaum Schatten. „Yes“ ist eines ihr zugänglichsten Werke, ohne aber so banal und aufdringlich zu sein wie die „Very“. Und mit dem treibenden, zugleich wunderbar melancholischen „The Way It Used to Be“ enthält es wohl den besten PSB-Song dieses Jahrhunderts.

8. Release
„Release“ ist in Fankreisen ein umstrittenes Album. Denn plötzlich klangen die Pet Shop Boys in einigen Songs eher nach klassischem Brit- als nach Synthie-Pop – wohl nicht zuletzt durch die intensive Zusammenarbeit mit Johnny Marr und den von ihm beigesteuerten Gitarrenparts. Durch die vielen Balladen und Mid-Tempo-Nummern wirkt die Platte stellenweise, als sei sie mit angezogener Handbremse produziert. Aber gerade darin liegt auch ihr Reiz. „Release“ ist ein ungemein schönes, reifes und stilistisch geschlossenes Album: nicht langweilig, sondern geschmackvoll, zurückgenommen und sophisticated. Und mit „Home and Dry“ ist hier ein echter Pet-Shop-Boys-Klassiker enthalten.

7. Nonetheless
Ihr bislang letztes Werk – und zusammen mit „Fundamental“ zugleich das beste Album ihrer zweiten Karrierehälfte. Die Qualität der Songs ist insgesamt noch höher als auf den direkten Vorgängern; die Verbindung aus Electropop, Disco und Orchester-Arrangements verleiht dem Album eine größere Dichte und Geschlossenheit.

6. Fundamental
Rein von den Songs her gehört „Fundamental“ auf denselben Platz wie „Nonetheless“. Den Ausschlag für die höhere Platzierung gibt, dass es das dunklere, politischere und damit auch etwas interessantere Album ist. Trevor Horns Produktion verleiht den Songs Dramatik und Kälte. „Psychological“, „Minimal“ und „Numb“ gehören zu den Höhepunkten.

5. Nightlife
Ja, die cheesy Partyhymne „New York City Boy“ gehört zum Schlimmsten, was unter dem Namen Pet Shop Boys erschienen ist. Doch der Song bleibt ein Fremdkörper auf einem ansonsten erstaunlich atmosphärischen, nachdenklichen Album, das weit weniger Pop-Hedonismus bietet, als sein Titel verspricht. Die Clubsounds sind hier oft in elegante, melancholische Songs verpackt, in denen es um Isolation, Sehnsucht und Einsamkeit geht. „I Don’t Know What You Want but I Can’t Give It Any More“ und „You Only Tell Me You Love Me When You’re Drunk“ sind die besseren Aushängeschilder der Platte – und gehören zum Besten, was Neil Tennant und Chris Lowe je veröffentlicht haben.

4. Introspective
Die ersten vier Alben sind die besten der Band. „Introspective“ war ihr drittes Studioalbum und bestand ungewöhnlicherweise aus langen Twelve-Inch-Versionen – ein fast schon trotziges Konzept für ein Popalbum. Das Material selbst ist outstanding: „Always on My Mind“ ist eine der besten Coverversionen überhaupt, „Left to My Own Devices“ und „I’m Not Scared“ gehören zu den Top 10, wenn nicht sogar Top 5 im Pet-Shop-Boys-Kanon. Warum also nur Platz vier? Weil „It’s Alright“ als Schlusstrack nicht gerade mit dem stärksten Refrain aufwartet – und weil „Always on My Mind“ in der Singlefassung einfach noch zwingender ist als in der langen Albumversion.

3. Please
Ein Synthpop-Klassiker, der die Musik der 80er mitdefiniert hat. „West End Girls“, „Opportunities“ und „Suburbia“ formulierten bereits fast alles, was die Pet Shop Boys einzigartig machen sollte: trockene Ironie, urbane Melancholie und perfekte Hooks.

2. Behaviour
Für viele ist „Behaviour“ das absolute Kronjuwel der Band, und der Opener „Being Boring“ gilt nicht ohne Grund als vielleicht bester Song ihrer Karriere. Es gibt auch keinen Grund, dem zu widersprechen – selbst wenn mein persönlicher Lieblingssong der Pet Shop Boys „Jealousy“ ist, eine cineastische Ballade, die den perfekten Schlussakkord für dieses Album liefert. „Behaviour“ ist ihr melancholischstes, vielleicht auch erwachsenstes Werk: weniger glamourös und mit cleveren Ideen durchsetzt, dafür emotional offener und musikalisch von makelloser Eleganz.

1. Actually
Von vorne bis hinten nur Hits. „Actually“ ist die Perfektionierung der fantastischen „Please“: komplexere Arrangements, noch herausragendere Melodien und eine größere Sicherheit im Umgang mit Pop, Drama und Ironie. Während es auf „Please“ und „Behaviour“ immer noch starke und leicht schwächere Momente gibt, wirkt dieses Album wie aus einem Guss. Wirkliche Fehltritte finden sich auch auf den anderen großen PSB-Alben kaum, aber von „It's a sin“ über „Rent“ bis hin zu „What have I done to deserve this?“ reiht sich hier Meisterwerk an Meisterwerk.

Herr

Postings: 3156

Registriert seit 17.08.2013

28.06.2026 - 00:08 Uhr
Das ist aber wirklich eine gelungene und gut geschriebene Abhandlung. Die es sicherlich zu kommentieren und parieren gilt. Aber in Ruhe und mit Bedacht.

Ich gehe mit einigem nicht mit, z.B. empfinde ich den Disco/Eurodisco-Bereich in Richtung Village People (und somit auch New York City Boy) als für mich ganz super… aber es ist ja spannend wenn sich hier nun respektvolle Reibung und Diskrepanz auftut.

andygoestohollywood

Postings: 945

Registriert seit 27.11.2023

28.06.2026 - 09:26 Uhr
Die beiden Boys sind jedenfalls tolle Schreiber und ich bin exakt mit ihren ersten Alben aufgewachsen, wo für mich die Songs One more Chance, So Hard, What have i Done..Being boring hervorstechen. Im Lauf der Zeit hab ich etwas das Interesse verloren, wobei Go West noch ganz gepflegter Eurodance mit gelungenem Männerchor ist.

gottmik

Postings: 67

Registriert seit 11.12.2025

09.07.2026 - 21:51 Uhr
Ich hatte in meinem Eingangspost ganz vergessen das Jahr der Veröffentlichung anzugeben. Wenn man die Diskografie der Pet Shop Boys nicht so auf dem Schirm hat, ist eine zeitliche Einordnung ja vielleicht ganz hilfreich:

15. Very (1993)
14. Elysium (2012)
13. Electric (2013)
12. Hotspot (2020)
11. Super (2016)
10. Bilingual (1996)
9. Yes (2009)
8. Release (2002)
7. Nonetheless (2024)
6. Fundamental (2006)
5. Nightlife (1999)
4. Introspective (1988)
3. Please (1986)
2. Behaviour (1990)
1. Actually (1987)

Würde mich auch freuen, wenn das mit der Wahl der 100 besten Songs der Pet Shop Boys hier im Forum doch noch klappt. Ich wäre jedenfalls dabei. Hier mal meine Top 20 der besten PSB-Songs:

1. Jealousy (Behaviour)
1. It's a sin (Actually)
3. Suburbia (Please)
4. Left to my own devices (Introspective)
5. Being Boring (Behaviour)
6. I'm not scared (Introspective)
7. Rent (Actually)
8. One more chance (Actually)
9. Always on my mind (Discography)
10. What have I done to deserve this? (Actually)
11. The way it used to be (Yes)
12. Shopping (Actually)
13. Don Juan (Alternative)
14. Heart (Actually)
15. Paninaro (Disco)
16. West and girls (Please)
17. So hard (Behaviour)
18. Love comes quickly (Please)
19. I don't know what you want but I can't give it anymore (Nightlife)
20. The dictator decides (Super)

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