Klez.e - Einmal mehr mit dir gegen die Furcht
| User | Beitrag |
|---|---|
|
Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30846 Registriert seit 08.01.2012 |
07.03.2026 - 13:48 Uhr - Newsbeitrag
Klez.e - „Einmal mehr mit dir gegen die Furcht“Album-VÖ: 05.06.2026 Windig/Cargo Tourdaten Liebe Musiclovers, dieses Album braucht keinen Anlauf und keine Vorrede. Von Sekunde eins an ist es da. Es türmt sich auf, überlebensgroß und mit einer nahezu existenziellen Dringlichkeit. „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“ ist das sechste Studiowerk der Berliner Band Klez.e. Es ist von der düsteren Ahnung getrieben, dass da draußen gerade etwas kippt, und es setzt dieser Bedrohungslage etwas entgegen. Klez.e, das sind fast 25 Jahre nach der Bandgründung: Tobias Siebert (Gesang, Gitarre), Daniel Moheit (Synthesizer, Bass) und Filip Pampuch (Schlagzeug, Percussion). Waren die Vorgänger „Erregung“ (2023) und „Desintegration“ (2017) von einer grimmigen Düsterheit geprägt, ist diese Trostlosigkeit einer bislang ungehörten musikalischen Luftigkeit gewichen. Und es ist, als habe sich die Band beim Schreiben der Songs auch erstmals bewusst gegen die Furcht vor dem Erzählen gestemmt. An die Stelle früherer Verklausulierung ist eine neue textliche Klarheit getreten. Dabei muss man nicht wissen, dass Siebert auch Alben für Künstler und Bands wie Phillip Boa and the Voodooclub, Monolink und Juli produziert. Aber es leuchtet unmittelbar ein, bedenkt man die Rolle, die die Klangarchitektur bei Klez.e spielt. „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“ ist eine Kathedrale von einem Album: akustisch weit, mit glatten, kühlen Oberflächen, atmosphärisch dicht und verhallt. Das Licht, das durch die Fenster hereinfällt, verdrängt die Dunkelheit und malt hier und da tanzende Flecken auf den Boden und an die Wände. Gleich der Opener - und erste Auskopplung - „Hymnus“ steht wie ein massiver Monolith im Raum, mit einer flächigen, triumphierenden Melodie, hohl donnernden Toms und Klavierakkorden so tief wie der Marianengraben. Mitten dort hinein singt Siebert, als hätte er in den Jahren, die seit dem letzten Album vergangen sind, nur Luft geholt: „Schau auf das, was du hast / Schau auf das, was du verpasst / Da ist ein Licht, das auf uns scheint / Für diese superkurze Zeit“. Damit setzt „Hymnus“ die Themen dieses Albums. Es handelt sich um die vorläufige Bilanz einer Band im mittleren Alter: eine Zeit, in der Menschen auf den bisher zurückgelegten Weg schauen, an diejenigen denken, die gegangen, und diejenigen, die geblieben sind. Gleichzeitig denkt „Einmal mehr…“ über den gegenwärtigen politischen Moment nach und darüber, wie man dem, was da passiert, begegnen kann. Hier ist das Stück zu sehen: Die gut gelaunte Klingklang-Melodie von „La Boum“ könnte leicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses zentrale Stück des Albums die entscheidende Frage stellt: Was machen wir, wenn die Welt, wie wir sie kennen, demnächst vor die Hunde geht? Zwei treffen sich spätnachts in einer Bar, vielleicht graut auch schon der Morgen. Draußen quietscht die Straßenbahn um die Ecke, jemand legt noch eine Platte auf. „Und jede Bad-News-Theorie / zerrt, bricht an unserer Hedonie“. Dieser Song ist eine Erinnerung daran, dass die Freiheit auch immer am Tresen verteidigt wird. Während „Melancholia“ von dem leisen Sommer-Abschiedsschmerz erzählt, der sich paradoxerweise am längsten Tag des Jahres – und damit eigentlich völlig verfrüht – einstellt, ist „Mailied“ ein Song über das Loslassen. Über zwei, die in den vielen miteinander verbrachten Jahren doch nicht zusammengefunden haben. Ein Song darüber, dass es manchmal wichtig ist, weiterzugehen, statt im Lauwarmen zu verharren, eben weil das Leben so irrsinnig kurz ist. „Ich seh’ es an mir“ verhandelt, wie wenig die meisten von uns bereit sind, sich für das moralisch Gebotene einzuschränken, sei es nun in Sachen Konsumverhalten oder beim gelegentlichen Frisieren der Wahrheit. Der Erzähler nimmt sich selbst nicht davon aus: „Und all meine Schuldzusammenhänge / und die Parolen, die ich hier singe / sind redundant zu meinem Schwur auf dem Nachtschrank“. In „Paradies“ sitzen zwei nebeneinander auf der Parkbank und haben sich nichts mehr zu erzählen. Ihre Weltbilder passen nicht mehr übereinander; der Boden ihres jeweiligen Erlebens schwankt dermaßen, dass er keine Basis mehr bietet, auf der sich diskutieren ließe. Global betrachtet bewohnen sie das Paradies. Aber irgendetwas – vielleicht die Pandemie, vielleicht das Internet oder andauernde Verlusterfahrungen – hat sie einander unwiderruflich entfremdet und sprachlos gemacht. „Einer mehr im Zement“ handelt von der vermeintlichen Unwiderruflichkeit einmal getroffener Lebensentscheidungen. Von Menschen, eingemauert durch eine Mischung aus gesellschaftlichen Konventionen, Bequemlichkeit und Angst. Das letzte Stück, „Im Herbst“, schließlich schlägt einen Bogen zurück zu „Mauern“, dem Opener von „Desintegration“. Hieß es dort über die Jugend des Erzählers „Früher da im Osten wollte ich im Wedding sein“, ist da heute nur noch Erschöpfung „von all dem Westglück“. „Das ist vorbei“, singt Siebert mit dieser ihm eigenen Melancholie in der Stimme. Mit „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“ haben Klez.e den schmerzhaften persönlichen Erfahrungen in einer sich verdüsternden Welt ein drängendes und bestürzend schönes Album abgetrotzt. Eines, das die Antwort auf die bange Frage gibt: „Was tun, wenn alles zusammenbricht?“ Sie lautet: näher zusammenrücken. Gemeinsam gegen die Furcht. Tracklisting: 01 – Hymnus 02 – Melancholia 03 – Ich seh es an mir 04 – Mailied 05 – Call it Love 06 – LaBoum 07 – Paradies 08 – Das eine Treffen im Jahr 09 – Einer mehr im Zement 10 – Im Herbst Tourdaten: 17.09.26 Boock, Rinderstall 18.09.26 Göttingen, Exil 19.09.26 Essen, Grend 20.09.26 Köln, Artheater 22.09.26 Leipzig, Moritzbastei 23.09.26 Hannover, Lux 24.09.26 Hamburg, Hafenklang 25.09.26 Bremen, Lila Eule 26.09.26 Chemnitz, Weltecho 27.09.26 Berlin, Frannz 29.09.26 Dresden, Ostpol 30.09.26 Nürnberg, Stereo 01.10.26 Mainz, Schon Schön 02.10.26 Jena, Trafo 03.10.26 München, Milla |
|
VelvetCell Postings: 10231 Registriert seit 14.06.2013 |
08.03.2026 - 12:32 Uhr
Böse gemeint, könnte man ja sagen: Wozu ein neues Klez.e-Album, wenn The Cure doch zurück sind?Denn "Hymnus" ist ein mal mehr eine tiefe Verbeugung vor Robert Smith & Co. Oder – wieder böse gemeint – ein Rip-off. Ich selbst sehe es positiv, finde Klez.e sympathisch, die Songs gut und bin als beinharter Cure-Fan erfreut (und nicht verärgert) über diese liebevolle Reverenz. Bin gespannt, was das ganze Album so kann. |
|
joseon Postings: 1734 Registriert seit 04.09.2023 |
08.03.2026 - 12:48 Uhr
Oh, so schnell hätte ich bei denen mit neuer Musik gar nicht gerechnet. "Hymnus" gefällt schon mal. Einen Konzertbesuch peile ich auch wieder an. |
|
nörtz User und News-Scout Postings: 18347 Registriert seit 13.06.2013 |
08.03.2026 - 13:05 Uhr
Würde mir gerne mal eine Zusammenarbeit beider Bands anhören. |
|
Felix H Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion Postings: 11656 Registriert seit 26.02.2016 |
08.03.2026 - 13:19 Uhr
Ich fand "Desintegration" als klare Hommage schon echt cool, aber mittlerweile ist es bei aller Qualität schade, dass sie ihren Sound kaum noch weiterentwickeln und da hängen geblieben sind. Die ersten 4 Alben klingen alle so unterschiedlich und jetzt scheint sich bei Klez.e kaum noch was zu verändern. |
|
Affengitarre User und News-Scout Postings: 12077 Registriert seit 23.07.2014 |
08.03.2026 - 13:22 Uhr
Jap, da gehe ich komplett mit. |
|
Talibunny2 Postings: 890 Registriert seit 28.07.2025 |
08.03.2026 - 13:40 Uhr
Bin ganz bei Velvet. |
|
Hierkannmanparken Postings: 3206 Registriert seit 22.10.2021 |
08.03.2026 - 14:06 Uhr
Ein Rip-off würde sich aber anders anfühlen. Dieser Song und die anderen im Cure-Stil haben ja, trotz der Hommage auf ganzer Fläche, irgendwie Seele. |
|
Knopfler Postings: 2 Registriert seit 08.03.2026 |
08.03.2026 - 13:58 Uhr
Aber es ist ein 9/8tel Song! Sowas haben Cure noch nie gemacht. Frag mich ob die absichtlich mit sowas rumspielen. |
|
Hierkannmanparken Postings: 3206 Registriert seit 22.10.2021 |
08.03.2026 - 16:58 Uhr
"Aber es ist ein 9/8tel Song!"Mathcure |
|
Knopfler Postings: 2 Registriert seit 08.03.2026 |
08.03.2026 - 17:11 Uhr
Mathcure 🤣🤣🤣😊😊😊Also der Hymnus ist 9/8tel, wenn ich das richtig zähle. Aber man merkt es kaum. Ziemlich gut gemacht. Obwohl so ungerade wirkt das Lied trotzdem rund. The Cure haben noch nie einen 9/8tel Song geschrieben. Soweit ich weiss. |
|
OliverDing Plattentests.de-Mitarbeiter Postings: 59 Registriert seit 13.06.2013 |
30.04.2026 - 10:54 Uhr
Wie wunderbar ist eigentlich "Melancholia"? https://www.youtube.com/watch?v=Uyg_3NKECqI |
|
Hierkannmanparken Postings: 3206 Registriert seit 22.10.2021 |
30.04.2026 - 12:09 Uhr
Echt schön. Hymnus hab ich auch nochmal gehört, das getragene Tempo, der langsame Songaufbau, einfach perfekt. |
|
Hierkannmanparken Postings: 3206 Registriert seit 22.10.2021 |
30.04.2026 - 12:48 Uhr
Ohne an Weltschmerz-Faktor einzubüßen, finde ich die beiden Singles irgendwie euphorisierender als die früheren Sachen. |
|
Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30846 Registriert seit 08.01.2012 |
02.05.2026 - 22:02 Uhr - Newsbeitrag
Liebe Musiclovers,bevor am - ACHTUNG, UM EINE WOCHE GESCHOBEN - 12.06. das neue Album von Klez.e bei WIndig/Cargo erscheint, ein Album, das sich ansatzlos auftürmt, überlebensgroß und mit einer nahezu existenziellen Dringlichkeit, veröffentlicht die Band nun ihre zweite Single, „Melancholia“. Ein Stück, das von jenem leisen Sommerabschiedsschmerz handelt, der sich paradoxerweise am längsten Tag im Jahr - und damit eigentlich völlig verfrüht - einstellt. Von der Demut dem Glück gegenüber. Vom ganz ganz verschieden sein und sich trotzdem oder genau deshalb verbunden fühlen. Vom Wissen, dass es wieder einen nächsten Sommer geben wird. Und vom Anlehnen an die Melancholie. Das begleitende Video beschreibt die Band verschmitzt als Dachbodenfund. Gedreht in einem strangen Raum, der scheinbar alles sein kann: Ein Mauseloch. Ein Schiff. Ein Flugzeug. Ein Raum der Begegnung in jedem Fall. Skurril in und um sich herum gedreht und geschnitten in liebevoller Eigenregie von Klez.e-Schlagzeuger Filip Pampuch. Hier ist es zu sehen: |
|
MickHead Postings: 13164 Registriert seit 21.01.2024 |
05.06.2026 - 12:37 Uhr
Bei beiden Rezensionen steht noch der 05.06. als V.Ö..Wie Armin aber schon erwähnt hat, wurde der Release auf den 12.06. verschoben. Musikexpress 5/6 https://www.musikexpress.de/reviews/kleze-einmal-mehr-mit-dir-gegen-die-furcht-review/ Rolling Stone 3/5 https://www.rollingstone.de/reviews/kleze-einmal-mehr-mit-dir-gegen-die-furcht-review/ |
|
Plattentests.de-Sammelaccount Postings: 73 Registriert seit 19.07.2022 |
10.06.2026 - 21:22 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. "Album der Woche"! Meinungen? |
|
VelvetCell Postings: 10231 Registriert seit 14.06.2013 |
11.06.2026 - 20:40 Uhr
Nachdem ich das letzte Album nicht ganz so toll fand, wie Mr. Dead and Mrs. Free versprochen hatten, bin ich jetzt doch wieder ganz schön angefixt. Freu mich auf morgen! |
|
saihttam Postings: 2998 Registriert seit 15.06.2013 |
11.06.2026 - 23:01 Uhr
Ich hab das ja auch erst alles als seichten Abklatsch abgetan, aber mit ein bisschen Zeit die letzten beiden Alben dann doch für ziemlich toll befunden. Daraus resultierten ein durchaus begeisternder Konzertbesuch und Vorfreude auf dieses Album. :D |
|
MickHead Postings: 13164 Registriert seit 21.01.2024 |
12.06.2026 - 10:06 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_mXxZq4XGZchSj14HR6aaAO9FO0ywnQRu8&si=a9vJCUw8KA19AL95 Gaesteliste.de: Platte der Woche https://gaesteliste.de/2026/06/11/review/klez-e-einmal-mehr-mit-dir-gegen-die-furcht/ |
|
Cayit Postings: 374 Registriert seit 05.05.2014 |
13.06.2026 - 10:38 Uhr
Sehr Gutes Album, diesmal ist der The Cure-Effekt nicht so hoch. |
|
Hierkannmanparken Postings: 3206 Registriert seit 22.10.2021 |
13.06.2026 - 12:15 Uhr
Die Lyrics sind auch echt gut. Ich finde, neben Die Nerven, mit das Beste, was es an deutschsprachiger Musik gibt, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt. Hymnus bleibt für mich unübertroffen. Melancholia ist aber auch sehr catchy, vor allem bei "Kein Sommer bleibt für immer". |
|
oldschool Postings: 1206 Registriert seit 27.04.2015 |
14.06.2026 - 12:29 Uhr
Bei der Qualität der Songs ist es durchaus okay, dass die Band Ihren Vorbildern mehr als offensichtlich huldigt. Und genau da liegt für mich der Hase im Pfeffer bei "solchen" Bands. Das Rad wird selten neu erfunden, doch wenn das Songwriting passt, dann ist es auch okay. Kiez.e schaffen mit dem Album das, was ich bei "Brigitte calls me Baby" auf Albumlänge vermisse. |
|
Old Nobody User und News-Scout Postings: 4274 Registriert seit 14.03.2017 |
16.06.2026 - 16:55 Uhr
Mailied ist richtig großAlbum sagt mir insgesamt aber leider weniger zu als die Vorgänger |
|
VelvetCell Postings: 10231 Registriert seit 14.06.2013 |
18.06.2026 - 23:20 Uhr
Bei mir umgekehrt.Ich kann da ganz tief drin eintauchen. Tolles Album. Video zu La Boum auch sehr schön und sehenswert. https://youtu.be/IC6XrQWx2Jg?si=wHcGvtY_5T0xs8gE |
|
VelvetCell Postings: 10231 Registriert seit 14.06.2013 |
23.06.2026 - 23:41 Uhr
Jetzt, wo ich mit Vinyl ausgestattet bin, kann ich sagen, dass das Album wirklich sehr großartig ist. Schön ausbalanciert zwischen faithmäßigen Schleichern und poppigen Nummern. Hervorragendes Songwriting!Und natürlich diese ganzen The Cure-Momente. Heiteres Zitate-Raten: Haben die da abgeschaut? Oder hört es sich nur so an? Klingt debil. Ich lieb's! |
Seite: 1
Zurück zur Übersicht
Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.
Teile uns Deine E-Mail-Adresse mit, damit wir Dich über neue Posts in diesem Thread benachrichtigen können.


